Bass Hersteller_Sadowsky
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17.09.2019

Firmenportrait: Sadowsky Basses

Zu Besuch bei Roger Sadowsky in New York City

Der Name Sadowsky Basses bzw. Sadowsky Guitars steht seit Anfang der 1980er-Jahre für den Mercedes unter den Jazz-Bässen. Dies hat zum einen damit zu tun, dass Roger Sadowsky einer der ersten war, der edle Highend-Derivate des klassischen Fender-Modells herstellte. Zum anderen verfügte er seit seinen Anfangstagen, in denen er noch hauptsächlich Instrumente modifizierte, über einen natürlich gewachsenen breiten Kundenstamm, der auch klangvollen Namen wie Will Lee, Marcus Miller, John Patittucci etc. enthielt. Nicht ganz unwichtig für den Siegeszug der Sadowsky-Bässe war aber auch, dass Sadowsky es schaffte, dass einige Bassisten der sehr populären Late Night Shows im Fernsehen seine Instrumente spielten. Auf diese Weise kam der Instrumentenbauer in den kostenlosen Genuss täglicher TV-Promotion - und das "nationalwide"! Da die Bands der einschlägigen TV-Shows aus hochkarätigen Profis bestanden, die über entsprechende Renommees verfügten, verbreiteten sich sowohl der Sound als auch der gute Ruf der Sadowsky-Bässe rasend schnell in der Szene. Dieser geschickte Schachzug brachte Roger Sadowsky den Spitznamen "Mr. Late Night" ein.

Natürlich gibt es mittlerweile zahlreiche Namen an Premium-Herstellern für Fender-Derivate, aber Roger erschuf dafür im Grunde die Blaupause und ist bis heute der Standard, an dem es sich zu messen gilt. Das 40-jährige Jubiläum der Eröffnung seiner Werkstatt in New York City nahmen wir zum Anlass, um Roger Sadowsky einen Besuch abzustatten und ihn zu seiner Geschichte und seinen Instrumenten zu interviewen.

Sadowsky History - die Firmengeschichte von Sadowsky

Roger Sadowsky hatte eigentlich nie vor, Instrumente unter eigenen Namen herzustellen ‑ erst recht nicht E-Bässe! Er begann seine Karriere in New Jersey bei einem Instrumentenbauer für Akustikgitarren. Nach der Ausbildung zog es ihn nach Philadelphia, wo er zunächst in der Werkstatt eines Musikladens arbeitete. Es dauerte nicht lange, und seine außergewöhnlichen Fähigkeiten verbreiteten sich zusehends in der lokalen Szene: Roger Sadowsky hatte ein ganz besonderes Händchen dafür, die Instrumente der Kunden besonders gut bespielbar zu machen.

Ein Freund Rogers lebte damals in New York und brachte nicht nur seine eigenen Instrumente, sondern auch die seiner Musikerkollegen häufig zu Roger, da sie seine Arbeit sehr schätzten. Auf diese Weise erarbeitete sich Mr. Sadowsky bereits einen Ruf in New York, ohne dort überhaupt zu leben.

1979 erfolgte dann - nur konsequent - der Umzug nach Manhattan und die Eröffnung der ersten eigenen Werkstatt. Nach wie vor baute Roger aber selbst keine Instrumente mit Ausnahme einiger akustischer Gitarren während seiner Ausbildung, sondern modifizierte in erster Linie alte Fender-Bässe und -Gitarren. Plötzlich änderten sich die Spielregeln des Marktes - der erste Vintage-Boom setzte ein, und hatte zwei Folgen: Alte Fender-Instrumente wurden zum einen plötzlich sehr teuer, und Rogers Arbeit minderte deren Wert, da er leider den Originalzustand veränderte. Diese Entwicklung führte Roger zwangsläufig zu der Entscheidung, eigene Bässe herzustellen. Mit Kunden wie Will Lee, Jason Newstedt, John Patittucci, Jimmy Earl, Mike Merritt, Don Was, etc., sowie der angesprochenen TV-Präsenz, war der Erfolg vorprogrammiert.

Mit den ersten Erfolgen kamen aber auch zwei Herausforderungen: Zum einen musste Roger irgendwie die hohe Nachfrage bewältigen, zum anderen gab es aber auch viele Interessenten, die gerne einen Sadowsky-Bass besitzen wollten, aber schlicht nicht über das nötige Kleingeld verfügten. Dies bewegte Roger zu dem Entschluss, die Metro-Serie ins Leben zu rufen.

Da er bereits einen Custom Shop für Gitarren im japanischen Tokio aufgebaut hatte, war es nur logisch, dort aus Kostengründen die neuen Metro-Bässe zu bauen, welche bis auf wenige Kleinigkeiten identisch mit der NYC-Serie (siehe Modellpalette) sind. Um den hohen Qualitätsansprüchen Rogers gerecht zu werden, musste der Chef des Tokioter Custom Shops ein ganzes Jahr in der Werkstatt in New York arbeiten, um jeden Handgriff zu erlernen.

Erst vor kurzem ging Roger mit der Metro Express Line noch einen Schritt weiter: In Zusammenarbeit mit einem großen japanischen Hersteller können die Bässe der neuesten Serie nun abermals in erhöhter Stückzahl und günstiger gebaut werden, so dass man jetzt bereits für unter 2000,- Euro stolzer Besitzer eines Sadowsky-Basses werden kann!

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Heilige Hallen - Besuch im Sadoswky Workshop

Dank meiner Arbeit als "Bass-Journalist" durfte ich schon mehrere Bassbauer besuchen. In Deutschland sind diese Besuche nicht selten so, wie man sie sich vorstellt: In einer kleinen Ortschaft mitten im Grünen befindet sich eine schnuckelige Werkstatt, in welcher ein kleines Team leidenschaftlich Instrumente baut. Es riecht nach Holz und Kaffee, und wenn man zum Fenster hinaus blickt, sieht man nichts als Natur ‑ man könnte es fast als romantisch bezeichnen.

In New York geht es da erwartungsgemäß etwas pragmatischer zu: Platz ist knapp und teuer und von freier Natur ist weit und breit nichts zu sehen. Nach zwei Umzügen befinden sich Roger Sadowskys Werkstatt, Büro und Showroom nun im New Yorker Stadtteil Queens. Das ziemlich unscheinbare und industriell wirkende Gebäude in der "21-07 41st Avenue" sieht so rein gar nicht nach der Wirkungsstätte eines Bassbauers aus. Es beherbergt neben Sadowsky auch einen Geschenkeladen, einen Massage-Salon und eine Kostümschneiderei - von Romantik erst mal keine Spur!

Im vierten Stock angekommen, kann man die Eingangstür kaum verfehlen, denn ein Plakat mit vielen berühmten Sadowsky-Artists weist einem den Weg. Gleich vom Eingangsbereich kann man in die beiden Showrooms (einer für Bass, einer für Gitarre) abbiegen. Ca. 30 Bässe und unterschiedlichste Amps stehen einem hier zu Verfügung und laden zum stundenlangen Verweilen ein. Die Kreditkarte sollte man allerdings vorsichtshalber im Hotel lassen.

Nach einem Büroraum und einer Küche betritt man die Werkstatt, die einer kleinen Halle mit verschiedenen Werkplätzen gleicht, auf denen überall Instrumente in verschiedenen Herstellungs-Stadien liegen. Hier kann man sehr schön die unterschiedlichen Arbeitsschritte nachvollziehen, die die Instrumente durchlaufen. Weiter hinten befindet sich eine Kammer zum Lackieren. Vor allen den Hälsen wird hier ein dünnes Nitro-Finish verabreicht. Alle anderen Lackarbeiten lässt Roger extern ausführen, da die behördlichen Auflagen hierfür für einen Instrumentenbauer kaum umzusetzen sind.

Das unumstrittene Herzstück ist aber natürlich das hausinterne Holzlager! Hier liegen Rohlinge für Decken, Griffbretter, Hälse und Bodies - von einfacher bis spektakulärer Maserung ist hier alles vertreten und wird auch in dieser Vielfalt für die verschieden Modelle benötigt (dazu später mehr). Roger zeigte mir alles ausführlich und erklärte mir sowohl die verschiedenste Arbeitsschritte seiner Bassbaukunst, wie auch, welches Holz an welcher Stelle zum Einsatz kommt.

Insgesamt umfasst das New Yorker Sadowsky-Team derzeit aktuell zwölf Mitarbeiter - eine überschaubare Größe also, was auch ganz im Sinne von Roger Sadowsky ist. Er erklärte mir nachdrücklich, dass er mehr Wert auf die Aufrechterhaltung der hohen Qualität legt, welche ihn letztendlich bekannt gemacht hat, statt auf Quantität, also einer Steigerung der Stückzahlen.

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Die Firmenphilosophie von Sadowsky

Nach dem Rundgang durch die Werkstatt nahm sich Roger noch Zeit für ein ausführliches Interview, in dem er mir die obenstehende Firmen-History und die Philosophie hinter seinen Bässen erläuterte. Diesen Teil fand ich persönlich besonders spannend, denn auf den ersten Blick könnte man sagen, dass es schließlich "nur" Kopien von Fender-Bässen sind. Das ist aber tatsächlich nur die halbe Wahrheit!

Sadowskys Arbeit fußt auf den Erfahrungen aus jener Zeit, als Roger noch Modifikationen durchführte und tagtäglich mit den Problemen und Wünschen vielbeschäftigter Studio-, Live- und TV-Musiker konfrontiert war. Mehrere Gigs am Tag in verschiedenen Locations, dazwischen noch schnell einen Radio-Jingle recorden - das war keine Seltenheit in den 1980er-Jahren, vor allem nicht für Hochkaräter wie Marcus Miller, Will Lee usw. in einer Stadt wie New York.

Deshalb wünschten sich viele Bassisten ein Instrument, das mühelos über lange Zeit gespielt werden kann, leicht zu transportieren ist (vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Taxi), klimatischen Veränderungen standhält (Flugreisen) und immer und überall einen stabilen Ton liefert, egal wie bescheiden die Backline gerade ist oder wie ungünstig die Bedingungen hinsichtlich Einstreuungen sind.

Aus diesem Grund legte Roger gleich von Beginn an großen Wert auf leichte Instrumente. Zudem verkleinerte er den Korpus im Vergleich zum Original etwas ("downsized body"), was sowohl den Transport als auch die Bespielbarkeit bei längeren Gigs erleichtert. Um die Stabilität des Halses bei klimatischen Schwankungen zu gewährleisten, verwendet er bis heute ausschließlich lange abgelagerte Hölzer.

Damit der Künstler immer "seinen" Sound dabei hat und sich nicht mit Nebengeräuschen aufgrund von schlechter Stromversorgung, Neonröhren etc. herumärgern muss, entwickelte Roger seine legendäre "Boost Only"-Aktiv-Elektronik. Gepaart wird diese mit brummfreien Pickups, die speziell nach seinen Spezifikationen von der Firma DiMarzio gebaut werden. Im Laufe der Zeit wurde die Elektronik um eine passive Tonblende erweitert (VTC), und beim "Will Lee"-Modell gibt es einen zusätzlichen Mid Boost.

Auch die Orientierung des Designs an Fender-Vorbildern liegt in den Wünschen der Kunden begründet und ist nicht etwa mangelnder Fantasie geschuldet: In sämtlichen Studios waren in den 60ern, 70ern und 80ern ein Fender Jazz Bass oder ein Fender Precision Bass das unbestrittene Mittel der Wahl - nicht in erster Linie, weil sie so gut waren, sondern eher aus Gewohnheit! Jeder Toningenieur wusste, wie man mit diesen Instrumenten einen guten Sound erzielt. Sich auf etwas anderes einlassen bedeutete einfach nur zusätzliche Arbeit und Zeit. Wenn der Bassist also beim nächsten Mal wieder angerufen werden wollte, tauchte er besser mit einem Instrument auf, das entweder ein Fender oder ein in Look und Sound ähnliches Instrument war.

Wie man sieht, beruht jedes Detail auf dem in vielen Jahren angehäuften Schatz an Erfahrungen, Rückmeldungen und Wünschen unzähliger Musiker. Diese konsequente Konzeption würde man heute wohl als "kundenorientiertes Handeln" bezeichnen, Roger formuliert es eleganter mit seinem Slogan "Instruments For The Working Musician".

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Sadowsky-Bässe - technische Details

Bei den verwendeten Hölzer der Bässe aus dem Hause Sadowsky geht es klassisch zu: Erle oder Esche sind die häufigste Wahl für den Korpus. Seit 2004 sind diese bei der "New York"-Serie mit Hohlkammern versehen (gechambered), um das Gewicht zu reduzieren. Der Hals besteht in der Regel aus Ahorn, auch eine thermalbehandelte Variante (Roasted Maple) steht als Auswahl zur Verfügung. Auch beim Thema Griffbretter verlässt sich Roger auf Klassiker wie Ahorn, Palisander und Ebenholz. Allerdings muss auch er dank des CITES-Abkommens stets nach neuen Optionen suchen.

Alle Bässe (mit Ausnahme des Single Cuts) basieren auf demselben Design und sind als 4- oder 5-Saiter erhältlich. Hals und Korpus werden grundsätzlich vierfach verschraubt. Mehr ist auch nicht nötig, da aufgrund einer konischen Halstasche und einer individuellen Anpassung der beiden Gegenstücke (bei NYC-Serie) die Verbindung bereits ohne Schrauben bombenfest sitzt.

Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal ist der bereits angesprochene Sadowsky-Preamp. Selbst von vielen Mitbewerbern wird dieser inzwischen als der "Industriestandard" bezeichnet und prägt den Sound von Sadowsky-Bässen entscheidend. Roger erläuterte, dass seiner Erfahrung nach eine zweibandige "Boost Only"-Elektronik (man kann hier also nur Frequenzen anheben, nicht absenken) die besten Klangergebnisse erzielt und er sich letztendlich für den Sound und nicht für die größtmögliche Flexibilität entschieden hat. Aufgrund der hohen Nachfrage ist sein Preamp auch seit längerem als Replacement und als Outboard Preamp erhältlich.

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Die Sadowsky-Modellpalette

Folgende Modelle (in Klammern die wichtigsten Unterschiede) kommen aus der New Yorker Werkstatt (mit Kürzel "NYC" auf der Kopfplatte):

  • Standard (ohne Schlagbrett)
  • Vintage (mit Schlagbrett)
  • Ultra Vintage (mit Schlagbrett, 20 Bünde, größerer Korpus)
  • Will Lee Vintage (Vintage-Modell mit zusätzlichen Mid Boost)
  • Modern (24 Bünde, Soapbar-Pickups)
  • Satin (mattes Nitro-Finish, nur farbige Bodys, keine Decken)
  • Satin Deluxe (mattes Nitro-Finish, Flamed-Maple-Decken)
  • Select (handverlesene Hölzer, Quater-Sawn-Hälse, exklusive Decken, "New York Skyline"-Inlay im 12. Bund)
  • Single Cut (Single-Cut-Design, mit Bassist Chip Shearin entwickelt)

Sowohl beim 4- als auch beim 5-Saiter kann man - je nach Geschmack - zwischen zwei Sattelbreiten wählen. Abgesehen von der Modern-24-Serie sind alle Bässe sind in der Regel mit einer J/J- oder P/J-Pickup Kombination bestückt.

Aus Japan kommen:

  • Metro (keine gechamberden Bodies, weniger Optionen, keine Decken)
  • Metro Express (siehe Metro-Serie, in Kooperation mit größeren Hersteller gefertigt)

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Abschied nehmen ...

Nach fast drei Stunden endete mein Besuch - leider! Was blieb, waren Staunen und Bewunderung für einen Mann, der auch mit 70 Jahren noch unglaubliche Hingabe und Leidenschaft für seinen Beruf versprüht. Roger Sadowskys Kompetenz in Sachen Instrumentenbau ist absolut beeindruckend - ebenso wie seine offene und sympathische Art, ausgiebig selbst über kleinste Details zu sprechen. Natürlich ist Roger auch ein gewiefter amerikanischer Geschäftsmann und kennt den Wert seiner Marke sehr gut, doch das sei ihm allemal gegönnt! Immerhin ist Sadowsky einer der Pioniere des Edelbass-Baus und hat im Laufe der Jahre zahlreiche Entwicklungen losgetreten, die heute Standard sind.

Herzlichen Glückwunsch zum 40-jährigen Jubiläum, Roger!

Weitere Infos zu Sadowsky-Bässen gibt es hier: www.sadowsky.com

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