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30.07.2018

Basssound einstellen – Teil 1: Slapping

In schnellen Schritten zum Slap-Sound deiner Träume

Wie erhalte ich einen besseren Sound für Slapping?

Willkommen zu meiner neuen Reihe von Workshops zum ewig aktuellen Thema "Sound-Einstellungen". Los geht es mit einer Frage, die wohl zu den meistgestellten überhaupt gehört: "Wie erhalte ich einen guten Slapsound?" Generell sind solche Fragen nicht ganz leicht zu beantworten. Klänge bzw. Sounds werden ja zum großen Teil subjektiv wahrgenommen und sind somit vor allem Geschmackssache. Einen Sound treffend mit Worten zu beschreiben, ist zudem ebenfalls nicht gerade eine leichte Aufgabe. Attribute wie "warm", "seidig", "ehrlich", "perlend", "straff" usw. sind zwar schöne Worthülsen, aber natürlich keine allgemeingültigen Definitionen. Zudem spielen bei diesem Thema zahlreiche individuelle Variable eine Rolle, wie etwa das verwendete Instrument, die Saiten, der Amp, die Bassbox, oder die Spieltechnik.

Eine Bedienungsanleitung mit dem Titel "Der einzig wahre Weg zum ultimativen Slapsound" kann es aus den besagten Gründen daher leider nicht geben. Dennoch gibt es aber gewisse Richtlinien und Erfahrungswerte, die man durchaus als allgemeingültig bezeichnen kann. Um diese zu demonstrieren und nachvollziehbar zu machen, verwende ich für jeden Workshop einen Bass, welchen jeder sofort mit diesem speziellen Sound und/oder einer bestimmten Technik verbindet.

Für das Slappen ist dies dank Larry Graham und Marcus Miller natürlich ein Jazz Bass - und mal ehrlich: der sollte doch wirklich in jedem guten Bassisten-Haushalt irgendwo zu finden sein!

Jeder Workshop teilt sich in zwei Hälften, die jeweils für eine typische Situation im Musikeralltag stehen: Live (Gig, Probe) und Studio. In jeder Situation stehen uns verschiedene Mittel und Werkzeuge zur Auswahl, um unseren Traumsound zu erreichen. Im Livebetrieb sind dies in erster Linie der verwendete Amp und Effektpedale, und im Studio vor allem diverse Software-Plugins, die heute jeder Hobby-Home-Recordler zuhauf auf seiner Festplatte hat. Meist wird hier ja sogar schon einiges beim Kauf eines Audio Interface mitgeliefert, mit dem sich bereits ordentlich arbeiten lässt.

Bei genau diesem Punkt beginnen wir heute auch, denn anhand von Plugins lässt sich am einfachsten erklären, welche Frequenzen für welche Facetten zuständig sind.

Schon seit gefühlten Äonen geistert das Klischee der "Badewanne" (dem sog. "Scoop Sound") durch die Basswelt - sie steht sozusagen als Symbol für den amtlichen Slapsound! Für diejenigen, denen dieser Begriff bisher nur im Zusammenhang mit Körperhygiene bekannt ist, folgt hier eine kurze Erklärung: Gerne wird empfohlen, die Mitten abzusenken und Bässe und Höhen zu boosten, um einen guten Slapsound zu erzielen. Stellt man diesen Frequenzgang grafisch dar, sieht das mit etwas Fantasie aus wie eine Badewanne:

Da ist zwar etwas dran, aber es ist auch nur die halbe Wahrheit! Denn Mitten sind im Grunde enorm wichtig für den Charakter des Instruments sowie die Durchsetzungsfähigkeit im Mix. Hier sollte man also sehr behutsam vorgehen!

Ebenfalls gefährlich kann ein kräftiges Anheben im Bassbereich werden, denn hierbei tritt man schnell den Bassdrum-Frequenzen auf die Füße, was insgesamt für ordentlich Mulm sorgen kann. Die Dosis macht wie immer das Gift!

Slapsound einstellen in der Studio-Situation

Los geht's! Unser Ausgangspunkt ist ein cleanes D.I.-Signal ohne jegliche Färbung, d.h. der Bass wurde direkt in das Audio Interface gestöpselt. Das klingt dann so:

Das ist logischerweise recht nüchtern, also machen wir uns gleich mal frisch ans Werk. Im Vergleich zum Wechselschlag verlieren wir beim Slappen stets etwas Low End, da wir die Saite ja nicht mehr mit den weicheren Fingerkuppen und über den Pickups anschlagen, sondern mit dem Daumen auf die Bünde knallen.

Diesen Verlust im Bassbereich sollten wir natürlich ausgleichen, und zwar mit einem Boost bei 90 Hz. Das ist noch relativ hoch angesetzt, höher als die meisten Regler an Amps, hat aber einen Grund: Wir wollen nämlich der Bassdrum aus dem Weg gehen, die im Mix in den meisten Stilistiken das tiefste Instrument darstellt.

Zusätzlich beschneiden wir zu diesem Zweck das Signal mit einem High Pass Filter bei ca. 50 Hz. Wie der Name "High Pass" verrät, lässt dieser die Anteile oberhalb eines bestimmten Einsatzpunktes (in unserem Fall 50 Hz) durch und senkt die Anteile darunter kräftig ab. Dadurch wirkt der Bassbereich abermals deutlich aufgeräumter. Hier das Ergebnis in Grafik und Klangbeispiel:

Bass und Bassdrum gehen sich auf diese Weise wunderbar aus dem Weg. Ein Jazz Bass besitzt aufgrund der beiden Singlecoil-Tonabnehmer in der Regel schon ausreichend Höhen, deshalb möchte ich dem Signal nun lediglich noch etwas "Glanz" verleihen. Dies sollte mit einer Anhebung der Höhen ab 6 kHz gut funktionieren:

Das war der einfache Teil, jetzt kommt der etwas komplexere Bereich der Mitten dran. Als erstes möchte ich das Ganze ein bisschen weicher machen, dazu ziehe ich die Mitten um 600 Hz aus dem Klanggeschehen heraus. Aber nicht dramatisch, denn das würde den Charakter des Instruments zu stark verändern. Eine Absenkung um 3 db (Dezibel) reicht hier völlig aus.

Die Frequenz von 600 Hz ist übrigens ein persönlicher Erfahrungs- und Geschmackswert, aber auf keinen Fall eine allgemein gültige Wahrheit. Das kann von Bass zu Bass und Spieler zu Spieler variieren, aber es ist sicher ein guter Ausgangspunkt für deine eigenen Experimente. Diese Maßnahme macht den Sound etwas angenehmer und weicher. Er drängelt sich nicht mehr im Mix vor, sondern fügt sich schöner ein:

Um die angerissenen Töne noch etwas besser in den Griff zu bekommen, möchte ich dem Sound nun aber auch noch etwas die Bissigkeit nehmen. Diese liegt abhängig vom verwendeten Bass um die 2 kHz (in einem rockigen Kontext würde man hier unter Umständen etwas boosten). Ich entscheide mich für 1,75 kHz, welche ich leicht um 2,5 db absenke. Vor allem an den gerissenen Tönen kannst du nun die Wirkung gut hören, denn sie sitzen dadurch nun homogener im Mix:

Mit den Mitten sollte man generell behutsam vorgehen, denn hier liegt der Charakter des Instruments, der bei zu beherztem Eingreifen möglicherweise verlorengehen kann. Oder noch schlimmer: der Bass ist im Mix plötzlich nicht mehr zu orten! Beides kann bei der oben genannten Badewanne schnell passieren. Sie ist daher im Grunde eher für den gemütlichen Slapsound im Wohnzimmer als für die reale Praxis geeignet.

Da wir uns in einer idealen Studio-Situation befinden und ein weiteres Plugin nicht mehr kostet, gönnen wir uns daher nun noch einen Kompressor. Dieser beschränkt den Dynamikbereich und fängt Lautstärke-Ausreißer wirkungsvoll wieder ein. Das Signal wird dadurch kompakter und lässt sich besser kontrollieren.

Slapsound einstellen in der Live-Situation

Nun verlassen wir die luxuriöse digitale Welt und versuchen ein ähnliches Ergebnis mit der uns verfügbaren analogen Hardware zu erreichen: Verstärker und Effektpedale. Allerdings lassen wir die Verstärker gleich mal außen vor. Zum einen lässt sich eigentlich alles bis hierher Angesprochene auch auf die Klangregelung von Amps übertragen, zum anderen sind Verstärker einfach zu unterschiedlich. Amps besitzen meist von vornherein eine bestimmte klangliche Färbung, welche subtil bis stark ausfallen kann.

Diese Färbungen sind seitens des Herstellers übrigens durchaus gewollt, denn jeder Hersteller möchte natürlich seinen Signature-Sound präsentieren. Stell dir nur mal einen Glockenklang-Verstärker und einen Ampeg-Vollröhrenboliden im Vergleich vor. Da wird schnell klar, dass es keine allgemeingültigen Ratschläge geben kann, die sich auf beide übertragen lassen!

Also wenden wir uns doch lieber gleich den Pedalen zu. Hier sind vor allem Preamps mit entsprechendem Equalizer interessant, denn sie bieten von simpler bis umfangreicher Klangregelung viele nützliche Werkzeuge. Zudem bringen sie den großen praktischen Vorteil mit sich, dass man die Effekte aus- und einschalten kann. Das ist mit der Klangregelung am Amp ja nur selten möglich. Braucht man beim Gig nur ab und zu einen Slapsound, sind sie somit die geschicktere Wahl!

Ich habe mich für diesen und die folgenden Workshops für das Tonwerk-Pedal von Marleaux entschieden, denn es verhält sich sehr neutral und die Wirkung des Equalizers ist dadurch sehr gut zu hören. Zudem besitzt es mit vier Bändern, welche je drei Frequenzen zur Auswahl bieten, eine ausgesprochen umfangreiche und sehr musikalisch abgestimmte Klangregelung, die ein sehr detailliertes Arbeiten ermöglicht. Es gibt aber natürlich noch viele andere interessante Kandidaten auf dem Markt, die einen ähnlichen Funktionsumfang bieten.

Hier ist mein Bass inklusive Tonwerk in der Neutralstellung:

Nun gehe ich den gleichen Weg wie vorhin: Ich booste die Bässe leicht - und zwar bei 75 Hz: der höchsten Frequenz, die der Bass-Regler bietet (immer an die Bassdrum denken!). 8 kHz ist meine Wahl bei den Höhen. Auch sie hebe ich leicht an. Um wiederum die Härte aus dem Sound zu nehmen, sind die 750 Hz im unteren Mittenband am besten geeignet. Und wie vorhin schon bei den Plugins ziehe ich die 1,75 kHz, um die gerissenen Töne besser einzubetten. Die beiden Absenkungen sind aber wiederum relativ dezent gehalten. Die Gründe dafür haben wir ja schon besprochen. Und so klingt das Ergebnis:

Im direkten Vergleich mit unserem Sound aus dem Studio muss man sagen, dass beide sehr eng beieinander liegen. Charakterlich gefällt mir persönlich die Tonwerk-Variante sogar besser. Sie wirkt etwas lebendiger - kein Wunder, ist ja auch analog!

Allerdings ist der Sound durch den fehlenden High Pass Filter im Bassbereich etwas dicker und kollidiert noch leicht mit der Bassdrum. Dies lässt sich aber wiederum mit dem Bassregler des Amps problemlos in den Griff bekommen, die meistens bei ca. 40-50 Hz greifen. Manche Preamps (wie z. B. der Tech21 Q-Strip) bieten auch den Luxus eines High Pass Filters. Dieses Anheben einer höheren Bassfrequenz und das gleichzeitige Absenken einer nur leicht niedrigeren Frequenz erscheint zunächst unlogisch, ist aber weit verbreitet und sogar das Kennzeichen vieler klassischer Equalizer, wie z.B. dem legendären Pultec, welcher seit Jahrzehnten ein Studio-Standard ist. Also habt keine Angst vor derartigen Experimenten!

Viel Spaß und bis zum nächsten Mal,

Thomas Meinlschmidt

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