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09.08.2018

7 Tricks, die Dich wie James Jamerson klingen lassen

In einfachen Schritten zum authentischen Motown-Sound

60er-Jahre-Basssound leicht gemacht!

Egal, welchen bekannten Bassisten man heutzutage zu seinen wichtigsten persönlichen Einflüssen befragt - die Wahrscheinlichkeit, dass ein ganz bestimmter Name genannt wird, liegt bei nahezu 100%: "James Jamerson"! James Jamerson war ein Bassist, der in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren den Sound des legendären amerikanischen Plattenlabels "Motown" und somit den Sound einer ganzen Generation entscheidend prägte. Seine kreativen Basslinien haben bis zum heutigen Tag Bassisten auf der ganzen Welt beeinflusst. Die Liste der Motown-Künstler liest sich wie ein Almanach der erfolgreichsten Künstler der Musikindustrie: Stevie Wonder, Marvin Gaye, Mary Wells, Rick James, Diana Ross, The Supremes, Smokey Robinson, Temptations, Four Tops, Miracles, Jackson 5 oder Gladys Knight & the Pips. Erst kürzlich wurde Plattenboss und Motown-Gründer Berry Gordy in die "Songwriter's Hall of Fame" aufgenommen.

Neben der phänomenal kreativen Spielweise von James Jamerson war es vor allem auch sein Sound, der den Motown-Stil so unverwechselbar gestaltete. Auch wenn James Jamerson einen Fender Precision Bass spielte (zu Beginn der glorreichen Ära in den 50er-Jahren gab es kaum nennenswerte Alternativen zu diesem Instrument), so ist es für uns heutzutage nicht mehr zwingend notwendig, einen Preci zu besitzen, um diesen Sound zu generieren bzw. zu imitieren.

Schauen wir uns doch an, aus welchen Einzel-Komponenten sich der "Jamerson-Sound" zusammensetzt und wie man ihn mit kleinen Tricks ohne großen Aufwand imitieren kann. Dabei kann bereits jede einzelne Komponente neue Inspiration für eigene Sounds und Basslinien liefern. Also hinein in den Spaß!

1) Mute

Das vielleicht wichtigste Accessoire für den Jamerson-Sound ist ein Dämpfer, der im Bereich der Bridge angebracht wird. Bei den frühen Fender-Bässen saß ein Schaumstoff-Dämpfer unter der Chromabdeckung der Bridge (dem berühmten "Aschenbecher"), von außen also verdeckt und nicht sichtbar. Der Vorteil dieser Methode ist, dass der Mute von oben auf die Saiten im Bridgebereich gedrückt wird und einen gleichmäßigen Andruck erzeugt.

Diese Art von Dämpfer ist allerdings schwer zu befestigen, wenn man keine Abdeckung über der Bridge an seinem Bass hat. Außerdem findet man derartige Abdeckungen findet man so gut wie gar nicht mehr auf heutigen Bässen. Die einzige Möglichkeit, diese Mute-Variante umzusetzen, ist, einen Schaumstoffblock mit Klebeband zu befestigen, wie es die legendäre Studiobassistin Carol Kaye auf dem folgenden Bild getan hat. Achtung: Diese Methode kann leider auf Dauer Schäden an der Lackierung erzeugen!

Heutzutage hat sich weitgehend eine Variante etabliert, bei welcher man den Schaumstoff unter die Saiten schiebt. Hier gilt es nun, seinen Forschergeist zu aktivieren und mit verschiedenen Materialien, Stärken, Festigkeiten und Größen des Dämpfungsmaterials zu experimentieren. Die Ergebnisse können nämlich durchaus stark variieren, wobei ich persönlich weichen Schaumstoff bevorzuge.

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Besonders pfiffig ist es, wenn man den Mute den unterschiedlichen Masseverhältnissen der Saiten anpasst. Der Grund: Die tiefen Saiten besitzen mehr Schwingungskraft als die hohen, dünneren Saiten und benötigen daher mehr Dämpfung als die oberen Strings. Daher kann man zum Beispiel den Schaumstoff so zurechtschneiden, dass unter der E- und A-Saite mehr Schaumstoff vorhanden ist als unter der D- und G-Saite. Auf diese Weise vermeidet man das Phänomen, dass speziell die G-Saite "tot" klingt. Generell aber gibt es hier keine richtige oder falsche Herangehensweise - man muss einfach etwas basteln und so lange tüfteln, bis man ein Ergebnis erzielt, das gefällt!

Hier sieht man einen angepassten Mute auf einem 1965er Precision Bass mit Badass-Brücke. Der Pappstreifen dient hierbei dazu, den Andruck des Dämpfers auf die Saiten zu erhöhen. Das ist zwar nicht schön, aber effektiv.

Auch bei weniger Platz zwischen Bridge und Tonabnehmer passt immer noch ein Mute dazwischen, wie hier bei einem Xotic XJ5 zu sehen ist:

Hier seht eine zweistöckige Variante auf einem Yamaha BB-3000:

2) Halstonabnehmer

Die meisten Bässe - sofern sie nicht auf dem Konzept des Precision-Basses basieren - verfügen heutzutage über zwei Tonabnehmer. Auch mit solchen Bässen lässt sich der Jamerson-Sound durchaus realisieren - unabhängig davon, ob es sich bei den Tonabnehmern um Singlecoils oder Humbucker handelt. Für den angestrebten Motown-Sound sollte man dann allerdings ausschließlich den Halstonabnehmer verwenden. Auch wenn Singlecoil-Tonabnehmer dazu neigen, Störgeräusche einzufangen, ist das nicht weiter tragisch. Aber hierzu später mehr, wenn wir die passive Klangregelung thematisieren.

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Entscheidender als die Art des Tonabnehmers ist seine Position. Diese liegt bei Precision-Bässen in einem "Sweet Spot", welcher besonders mittenfreudig ist. Auch bei Bässen mit zwei Tonabnehmern liegt der Halstonabnehmer ungefähr in diesem Bereich und erzeugt solch einen Sound. Häufig wird diese Eigenschaft von Halstonabnehmern bei Bässen mit zwei Pickups jedoch zugunsten eines kernigeren Grundsounds ignoriert, der sich ergibt, wenn man beide Tonabnehmer kombiniert verwendet. Für den Jamerson-Sound ist es jedoch empfehlenswert, sich mit dem Halstonabnehmer im Solobetrieb anzufreunden, der weitgehend unterschätzt wird (hier mit Roundwound-Saiten):

Auch aktive Bässe kann man ohne weiteres auf den Motown-Sound umrüsten, wie das folgende Video zeigt - auch hier wieder mit Roundwound-Saiten.

3) Die Position der Schlaghand

Nicht zu unterschätzen sind die Art und Weise des Anschlags sowie die Positionierung der Schlaghand für den Jamerson-Sound. Hierbei hilft es zu verstehen, dass James Jamerson vom Kontrabass kam und dann auf die damals noch brandneue Bassgitarre umsattelte. Das heißt, er verwendete zwangsläufig zunächst erst einmal seine gewohnten Spieltechniken vom Kontrabass.

Dazu zählen vor allem zwei Faktoren:

- Anschlagsposition in der Nähe des Griffbrettendes. Jamersons Bass verfügte damals zusätzlich über eine Chromabdeckung des Tonabnehmers. Seine Schlaghand befand sich daher immer bequem zwischen Halsende und Tonabnehmer, wobei er die Anschlaghand mit Mittelfinger, Ringfinger und dem kleinem Finger auf der Chromabdeckung des Tonabnehmers verankerte. Die Position, an welcher die Saite angeschlagen wird, ist absolut entscheidend, wie man im folgenden Video sehen und hören kann:

- Anschlag exklusiv mit dem Zeigefinger. Dies ist für Kontrabassisten ein bekanntes Mittel, das sich durch den natürlichen Winkel der Anschlaghand ergibt. Daher dürfte auch James Jamerson diese Technik rein aus Gewohnheit auf den E-Bass übertragen haben und den physischen Gegebenheiten entsprechend angepasst und modifiziert haben.

In diesem Clip zu Marvin Gayes Song "What's going on?" kann man deutlich sehen, wie und an welcher Position James Jamerson den Anschlag ausführte:

 

Auch wenn es anfangs sicher ungewohnt erscheint, viele Töne nur mit dem Zeigefinger anzuschlagen, so wird man feststellen, dass diese Spielvariante für den Motown-Sound durchaus hilfreich ist und viele Jamerson-typischen Basslinien dadurch logischer erscheinen.

4) Passive Klangregelung

Ein stark unterschätztes Werkzeug bei passiven oder auch bei aktiven Bässen, die zusätzlich über ein entsprechendes Poti verfügen, ist die passive Tonblende. Während die passive Tonblende die Höhen reduziert, hebt sie häufig zusätzlich einen Mittenanteil hervor, der genau für den Jamerson-Sound vorteilhaft ist. Meistens muss man dazu die passive Tonblende zu 80% schließen. 100% erscheint bei den vielen Bässen bereits zu dumpf - daher gilt hier das "trial & error"-Prinzip.

Das Reduzieren der Höhen hat aber noch weitere Vorteile. So filtert man z.B. Störfrequenzen heraus, die sich häufig einschleichen, wenn man bei einem Bass mit Singlecoil-Tonabnehmern nur den Halstonabnehmer im alleinigen Betrieb verwendet. Auch bei der Verwendung von Roundwound-Saiten kommt das Reduzieren der Höhen dem Jamerson-Sound entgegen, denn es filtert typische Saitenrutschgeräusche heraus.

Bei der Verwendung von passiven Tonblenden gibt es übrigens einen kleinen Trick: Viele Tonblenden neigen dazu, nasal zu klingen, wenn man sie zudreht. Wenn man nun das Lautstärke-Poti des verwendeten Tonabnehmers leicht zurückdreht, so dass es nicht mehr volle 100% liefert, so verändert sich plötzlich auch der Sound der passiven Tonblende. Grund dafür ist das Verhalten des Kondensators der Tonblende in Verbindung mit dem variierten Output des Tonabnehmers. In den meisten Fällen hört man, dass der Sound weicher erscheint und eventuell nasale Mitten in ein günstigeres Frequenzspektrum wandern. Probiert es einmal aus - es funktioniert nicht bei jedem Bass, aber doch bei sehr vielen!

5) Flatwound-Saiten

Als James Jamerson begann, E-Bass zu spielen, existierten noch keine Roundwound-Saiten. So spielte er zwangsläufig die geschliffenen Flatwounds und behielt diese Präferenz auch bei, nachdem die Roundwound-Saiten begonnen hatten, die Welt zu erobern. Zudem hatte er weder das Bedürfnis, seine Strings zu wechseln, noch sie zu pflegen. Vom Kontrabass kommend, bevorzugte er zudem sehr dicke Saiten, wie sie heute nur noch von wirklichen "Hardlinern" gespielt werden, denn der Saitenzug ist wirklich beträchtlich bei der Stärkenabstufung von 052, 073, 095, 110.

Für einen authentischen Jamerson-Sound sind Flatwound-Saiten nahezu unverzichtbar, aber wie in den vorangegangen Beispielen zu hören ist, kann man auch mit Roundwounds noch gute Resultate erzielen, sofern alle zuvor genannten Faktoren berücksichtigt werden. Der Vorteil von Flatwounds liegt neben ihren typischen Klangeigenschaften zusätzlich im Fehlen von Rutschgeräuschen der Greifhand, da die Saitenoberfläche eben absolut glatt ist. Ähnliche Ergebnisse lassen sich übrigens auch mit Black-Nylon-Saiten erzielen, wie ihr im folgenden Video hören könnt:

 

 

An dieser Stelle möchte ich euch auch noch einmal unseren großen bonedo-Vergleichstest von Flatwound-Saiten empfehlen, wenn ihr tiefer in diese Materie einsteigen wollt.

6) Hohe Saitenlage

Dieser Punkt mag einige Leser verwundern, aber tatsächlich ist es für den Jamerson-Sound hilfreich, wenn man eine höhere Saitenlage auf seinem Bass einstellt. Je höher die Saiten, desto weniger Nebengeräusche entstehen, selbst wenn man Flatwounds verwendet, die ja bereits ohnehin nur wenig Nebengeräusche produzieren. Zusätzlich verringert sich aber auch das Sustain der Saiten, also die Dauer der Saitenschwingung.

Verwendet man einen Dämpfer, so ist das Sustain zwar ohnehin stark verkürzt, allerdings erzielt man mit einer hohen Saitenlage einen lauteren Impuls beim Anschlag der Saite. Der Sound wird attackreicher und somit perkussiver. Obendrein kann man die Dynamik stärker beeinflussen, weil höher liegende Saiten stärkeren Anschlag verkraften ohne zu scheppern, wie ihr in diesem Video sehen könnt:

7) Röhren-DI-Box

Alle bislang aufgeführten Faktoren beziehen sich ausschließlich auf den Bass selbst. Tatsächlich ist der technische bzw. elektronische Aspekt mit Hinsicht auf Verstärkung auch in der Tat weniger relevant. Jamerson ging im Detroiter Hitsville-Studio, dem "Motown-Heimstudio", über eine Übertrager-Box direkt in das Mischpult, welches damals auf Röhrenbasis arbeitete. Dabei war der Sound nicht immer vollkommen clean bzw. frei von Verzerrung. Wie so häufig wirkt ein angezerrter Bass im Playback einer Aufnahme nicht mehr verzerrt, sondern bestenfalls obertonreicher und fetter.

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Auch hier kann man einfach mal auf eigene Faust drauflos experimentieren. Es gibt mittlerweile zahlreiche kleine DI-Preamps, oft zusätzlich mit Overdriveschaltungen ausgestattet, die es einem sehr leicht machen, Vintage-Sounds zu emulieren. Wer es besonders authentisch mag, der kann sich auch mit Tube-DI-Boxen beschäftigen, also DI-Boxen mit Röhrenschaltkreis.

Hier hört ihr einen A/B-Vergleich mit einem Signal aus einem hochwertigen DI-Ausgang eines Euphonic Audio iAmp (ohne Klangregelung) und einer A-Designs REDDI DI-Box auf Röhrenbasis. Wie man hören kann, ist der Unterschied eher marginaler Natur - das Röhrensignal klingt lediglich etwas weicher.

Hier wird auch meines Erachtens viel "Voodoo" erzählt. Wichtiger als der Unterschied zwischen Transistor- und Röhren-DI ist vielmehr, dass beide Varianten über hochwertige Übertrager verfügen, was hier tatsächlich der Fall ist. Dann kann man mit beiden Varianten ähnlich gute Ergebnisse erzielen.

Soweit erst einmal für heute. Merke: Die genannten Tipps beziehen sich nur auf den BassSOUND von James Jamerson und wie man diesen imitieren kann. Ein weiterer ganz wesentlicher Bestandteil ist aber natürlich auch seine sehr individuelle Spielweise, die viele chromatische Läufe umfasst, aber auch Arpeggien, Rakings, Synkopen und vieles mehr.

Ich wünsche euch viel Spass beim Experimentieren mit den Basssounds der goldenen Ära von Motown!

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