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03.04.2018

Soundeinstellungen für E-Bass - und was sie bewirken

Bass-Equalizer richtig einstellen: Tipps, Anleitung & Beispiele

Tipps für deinen Sound aus dem Bass-Verstärker

Der gezielte Umgang mit dem Equalizer am Bassverstärker oder einem Mischpult will gelernt sein und kann einem im musikalischen Alltag im wahrsten Sinne "Gehör verschaffen"! Aber wie erziele ich einen durchsetzungsstarken Plektrum-Basssound für knalligen Rock? Oder einen aufgeräumten Fingersound für Blues oder Soul? Und wie muss der Basssound am EQ eigentlich gestaltet werden, wenn der Bassist slappt? Auf diese und weitere Fragen gibt dieser Workshop Antworten!


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Es liegt in der Natur der Sache, dass ein E-Bass elektronisch verstärkt werden muss. Diese Tatsache stellt jeden Bassisten unweigerlich vor die mitunter kniffelige und lebenslange Aufgabe, sich mit dem Thema Verstärkung bzw. seinem Sound zu befassen. Auch wenn ein großer Teil des persönlichen Sounds natürlich aus den Fingern des Spielers kommt, so besitzt die Wahl der "Werkzeuge" ebenfalls einen starken Anteil daran: Verstärker, Lautsprecher, Kabel etc.

Doch selbst, wenn man seinen Basssound nur über eine D.I.-Box überträgt, wie beispielsweise im Studio oder beim Home-Recording, so wird man immer wieder damit konfrontiert, dass der Grundsound nicht 100%ig so klingt, wie er im gesamten Kontext der Musik eigentlich klingen sollte. Um das Optimum für das Gesamtklangbild der Musik zu bilden, muss der Grundsound daher nicht selten mehr oder weniger modifiziert werden.

Hier kommt der große Bereich der klanglichen Frequenzen ins Spiel. Aus diesem Grund besitzt jeder Verstärker eine Vorstufe mit einem Equalizer, mit dessen Hilfe man gezielt die Frequenzwiedergabe des Basssounds beeinflussen kann. Solche Equalizer können ganz einfach gestaltet sein, jedoch auch relativ komplex. Egal jedoch, welches technische Design einem EQ zugrunde liegt - stets geht es dabei um die Bearbeitung von Frequenzen, um den Basssound für die Musik optimal zu formen.

Menschliches Hörvermögen und das Frequenzspektrum des E-Basses

Ein Minimum an Theorie kann hier Klarheit schaffen! Der Bass bildet hinsichtlich seines Frequenzbereiches ein sehr breites Spektrum ab, das sich, wie das menschliche Hörvermögen auch, zwischen 30 Hz und 20.000 Hz befindet, wobei sich der Hauptanteil des vorherrschenden E-Bass-Frequenzbereiches zwischen 40 und 1500 Hz abspielt. Dies bedeutet aber nicht, dass höhere Frequenzen keinen Einfluss auf den Sound ausüben. Sie sind einfach nur weniger dominant im natürlichen Klangbild des Basses vorhanden.

Zudem sollte man wissen, dass das menschliche Gehör wenig geeignet ist, um tiefe Frequenzen gezielt zu entschlüsseln: Je tiefer die Frequenz, desto schwieriger wird es für uns, die Tonhöhe exakt zu definieren. Aufgrund der Obertonstruktur, die von jedem natürlich schwingenden Ton ausgeht, bilden sich jedoch über dem Grundton einer schwingenden Saite als erstes zwei darüber mitschwingende Obertöne in Form von Oktaven. Auch diese Oktaven registriert unser Gehör - und das ist äußerst hilfreich!

Diese Erkenntnis ist sehr nützlich für den täglichen Umgang mit Bassverstärkern und Equalizern. Unser Gehör empfindet Lautstärke nämlich nicht linear, sondern vielmehr frequenzabhängig. Primär ist unser Gehör darauf ausgerichtet, Sprache zu verstehen. Entsprechend ist die Sensibilität im Frequenzbereich der menschlichen Stimme (ca. 200 - 4000 Hz) am stärksten ausgeprägt. Außerhalb dieses Spektrums hören wir natürlich auch, allerdings weitaus weniger dominant. Aus diesem Grund muss für die Wahrnehmung vor allem unterhalb des Haupt-Frequenzspektrums des menschlichen Gehörs liegender Töne mehr Energie in Form von Schalldruck aufgewendet werden.

Doch wie notwendig ist es für uns Bassisten, den Frequenzbereich am unteren Randbereich unserer Hörwahrnehmung zu verstärken? Die leere E-Saite des Basses schwingt mit dem Grundton 41,2 Hz, die leere A-Saite mit 55 Hz. Das menschliche Gehör beginnt jedoch erst ab 100-200 Hz sensibler zu reagieren. Wir benötigen also mehr Energie, um diese tiefen Frequenzen für unser Gehör gleich laut erscheinen zu lassen als höhere Frequenzen.

Wenn ein Ton, wie wir gelernt haben, jedoch aus mehreren Obertönen besteht, von denen die ersten beiden Oktaven sind, dann nehmen wir also neben dem Grundton E mit 42,2 Hz auch die Obertöne wahr, welche nach Verdoppelung der Schwingungszahl 84,4 Hz und 168,8 Hz betragen.

Für die leere A-Saite mit 55 Hz bedeutet das, die Obertöne schwingen mit 110 Hz und 220 Hz. Wie man erkennen kann, liegen diese Obertöne also weit näher am menschlichen Wahrnehmungsbereich als die eigentlichen Grundtöne des Basses. Der erste Oberton besitzt auf unser Gehör daher viel eher die Wirkung eines Grundtons und wird dementsprechend lauter wahrgenommen, als der eigentliche Grundton!

Bässe, Mitten, Höhen ... was ist wichtig für einen guten Basssound?

Bestimmte Frequenzen benötigt man nicht zwingend, um den Bass hörbar zu machen, und das sind vor allem - Überraschung - tiefe Frequenzen unterhalb von ca. 60 Hz. Auch wenn sich solche Frequenzen zumeist gut anfühlen, denn sie bringen den Boden zum Vibrieren, so schädlich sind sie häufig für einen Bühnensound oder bei Aufnahmen und dienen nicht der gezielten tonalen Wahrnehmung. Soll heißen: Egal, wie laut wir den Amp aufreißen - wenn es wummert, werden wir uns dennoch nicht besser hören!

Letztlich hat das Gehör Probleme mit der Wahrnehmung und Ortung dieser Frequenzen, denn sie neigen dazu, alle weiteren Frequenzen diffus zu überlagern und benötigen außerdem enorm viel Leistung von Verstärker und Boxen, um in Schallwellen umgesetzt zu werden. Daher müssen Bassverstärker auch stets über wesentlich mehr Leistung verfügen als Gitarrenverstärker. All diese Leistung in Frequenzen unterhalb von 60 Hz zu buttern, bedeutet jedoch einzig und allein verschwendete Leistung.

Was für unser Gehör wesentlich entscheidender bei der Wahrnehmung eines Basssounds ist, sind weniger die Bereiche im Rand des Hörspektrums, sondern das, was "in der Mitte" dessen passiert. Diesen Bereich der sogenannten Mitten kann man ungefähr zwischen 100 Hz und 1500 Hz ansiedeln. Enger gesteckt wirken sie vor allem zwischen 200 und 800 Hz auf den Grundcharakter eines Basssounds.

Hier liegen für gewöhnlich nun auch die bereits erwähnten unterschiedlichen Konzepte von Vorstufen und Klangregelungen in Bassverstärkern. Sie alle bearbeiten die genannten Frequenzbereiche, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihrer Frequenzbereiche einzelner Klangfilter. Weitere Unterschiede sind die Breite des pro Regler bearbeiteten Frequenzspektrums und mit welcher Stärke die jeweiligen Frequenzen angehoben oder abgesenkt werden können.

Ich möchte mithilfe von drei Beispielen verdeutlichen, wie man seinen Sound mit wenigen Handgriffen so gestalten kann, dass er im musikalischen Kontext mit anderen Instrumenten gut funktioniert. Es mag ein wenig verwundern, aber Studiomusiker werden darüber berichten können, dass der Basssound auf einem Album nach dem Mix wenig mit dem Sound zu tun hat, mit dem der Part eingespielt wurde. Der Grund: Es gilt, in der Musik stets das ganze Klangbild eines Stückes, Albums etc. im Auge zu behalten und nicht nur einen einzelnen Teilaspekt.

Beispiel 1: EQ-Bearbeitung eines Precision-Basses mit Flatwound-Saiten


Im ersten Beispiel geht es um eine Basslinie mit Plektrum, gespielt auf einem passiven Precision Bass mit Flatwound-Saiten. Dieses wie auch alle folgenden Beispiele wurden direkt in eine D.I.-Box gespielt. Ich werden nun nach und nach versuchen, den Sound ausschließlich mithilfe eines Equalizers an die Erfordernisse des Playbacks anzupassen.

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Hier das Beispiel mit Playback ohne bearbeiteten Basssound:

Dieser Grundsound klingt eigentlich schon ziemlich gut, aber um sich stärker durchzusetzen, müsste man den Bass nun etwas lauter im Mix machen. Das ist jedoch nicht immer das beste Rezept! Stattdessen sollte man lieber nach Wegen suchen, die den Bass vom Frequenzbild her so platzieren, dass er besser hörbar wird, ohne jedoch im Mix wirklich lauter zu sein als zuvor. Zu diesem Zweck muss man einen EQ einsetzen.

In allen Beispielen begnüge ich mich hier - wie auch die meisten Verstärker - mit lediglich vier EQ-Bändern (Frequenzbereichen). Zum Teil benötige ich sogar nur drei Bänder. Nicht alle Verstärker gestatten eine präzise Auswahl der Frequenzen, aber das Grundprinzip ist auf alle EQ-Typen anwendbar.

Zuerst hören wir uns den Bass einmal solo an:

Nun hebe ich den Frequenzbereich der tiefen Mitten bei 120 Hz an und schneide gleichzeitig die Frequenzen unterhalb 40 Hz radikal ab:

Merke: Wenn Frequenzen im EQ angehoben werden, so wird auch immer die Lautstärke angehoben. Um den Lautstärkeunterschied auszugleichen, muss man die Lautstärke am EQ wieder zurückregeln, um auf den identischen Ausgangspegel des reinen Basssignals zu kommen und nicht durch den reinen Pegelunterschied der Illusion zu erliegen, es klänge nun besser als vorher. An einem Bassamp muss man entsprechend das Mastervolumen herunter drehen, wenn die Lautstärke beim Boosten bestimmter Frequenzen zunimmt. Im umgekehrten Fall sollte man das Mastervolumen hochziehen, wenn Pegel durch die Wegnahme von Frequenzen verloren geht.

Nun möchte ich minimal etwas mehr Druck im Sound erzeugen, was man durch Boosten der Tiefmitten erreicht. Hier entscheide ich mich für den Bereich um 160 Hz:

Gerade bei mit Plektrum gespielten Basslinien ist es ein effektives Mittel, den oberen Frequenzbereich in den sogenannten "Präsenzen" anzuheben, um den Anschlag und dessen Attackgeräusch stärker hörbar zu machen. Hier geschieht dies durch einen Boost bei Frequenzbereich 2,9 kHz.

Nun fehlt es dem Sound für meinen Geschmack noch ein wenig an tonaler Definition. Diese erreicht man durch eine Anhebung der Mitten bei ca. 600 Hz - wobei das je nach verwendetem Bass stark variieren kann!

Isoliert gehört ist dies nicht unbedingt die am schönsten klingende Frequenz, wie auch im Beispiel zu hören ist. Doch hört man sich das Endresultat im Playback an, dann ist es genau dieser Frequenzbereich, welcher den Sound durchsetzungsfähig gestaltet. Vergleicht hier noch einmal das Ursignal, unbearbeitet:

Wie man schon am ersten Beispiel sehen kann, muss man bei dieser Art von Arbeit nicht unbedingt zimperlich sein. Es darf gerne beherzt in das Klangbild eingegriffen werden, denn EQ-Bearbeitungen werden im Zusammenklang lange nicht so deutlich wahrgenommen wie beim isolierten Abhören einer Bassspur.

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Beispiel 2: EQ-Bearbeitung eines Finger-Basssounds

Im nächsten Beispiel kommt abermals ein Precision Bass zum Einsatz, allerdings mit den Fingern gespielt in einem stark verhallten Playback, welches von sich aus bereits leicht diffus klingt. Hier muss noch drastischer in den Sound eingegriffen werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Hier das Beispiel mit Playback ohne bearbeiteten Basssound:

Zuerst hören wir uns den Bass solo an:

Zuerst "entwummern" wir den Bass durch lineares Absenken aller Frequenzen unterhalb von 100 Hz und einem kompletten Bass-Cut unter 30 Hz. Dadurch wird der Bass zwar schlanker, aber bietet auch mehr Luft für das ohnehin diffuse Playback.

Wie schon im ersten Beispiel soll der Bass als nächstes etwas mehr Druck erzeugen, ohne zu matschen. Deswegen wähle ich die Tiefmitten etwas höher (bei ca. 180 Hz) und booste sie stark:

Eine Frequenz, die man eher vermeiden sollte, wenn man Saiten- und Rutschgeräusche auf den Frets verringern möchte, liegt bei 1200 Hz. Hier habe ich diese jedoch einmal ganz gezielt angehoben, um den Bass durch die Schärfe dieser Frequenz mitsamt der Rutschgeräusche bei Slides hervorzuheben. Im Solobetrieb klingt das nicht schön, im Kontext funktioniert es dagegen ganz wunderbar:

Zuletzt noch ein kleiner ästhetischer Einsatz ohne zwingende Konsequenz auf das Endresultat: Ich senke die Mitten sehr eng bei 560 Hz ab, um den Bass noch eine Spur "schmatziger" zu gestalten:

Anhand des EQ-Bildes kann man sehen, dass ein ähnliches Resultat erzielbar ist, wenn man die Eckpunkte 180 Hz und 1200 Hz auf 0 setzt, die Frequenz bei 560 Hz radikal absenkt und anschließend die Lautstärke anhebt. Man erreicht einen Mitten-Cut entweder durch Absenken der Mitten, oder - wie hier - durch ein Anheben von Bässen und Höhen. Das Resultat, nach Angleichung der Endlautstärke, ist nahezu identisch.

Vergleicht auch hier noch einmal das Ursignal mit dem bearbeiteten:

Beispiel 3: EQ-Bearbeitung eines Slapbass-Sounds

Das letzte Beispiel unserer kleinen Reise durch die Frequenzen behandelt einen Slapbass, gespielt auf einem passiven Jazz Bass. Jazz-Bässe eignen sich aufgrund der Positionen beider Tonabnehmer von Natur aus bereits ohne EQ hervorragend für Slapbass-Figuren. Dennoch brauchen selbst diese Bässe hier und da noch etwas Unterstützung, um sich beispielsweise gegen einen übermächtigen Drumsound durchzusetzen. Auch hier gilt wieder die Devise: Wir suchen nach mehr Durchsetzungskraft, ohne den Bass dabei konkret lauter zu machen.

Hier das Beispiel mit Playback ohne bearbeiteten Basssound:

Zuerst hören wir uns wieder den Bass solo an:

Ein Slapsound profitiert in erster Linie von Frequenzen, die mehr Attack als Ton transportieren. Eigentlich geht es hierbei um die Ausgestaltung dreier breitbandiger Frequenzbereiche:

  1. Bässe: Anheben, um dem attackreichen Signal Fülle zu verleihen
  2. Mitten: Absenken, um die tonale Information etwas abzumildern (zugunsten perkussiver Soundqualitäten)
  3. Höhen: Anheben, um die Präzision des Attacks und den metallischen Sound der Saiten hervorzuheben. Beginnen wir mit dem Absenken der Mitten.

Meistens ist es für einen Slapsound förderlich, den Bereich zwischen 300 und 800 Hz abzusenken. Hier entscheidet der Geschmack bzw. die Art und Auslegung des EQs am Amp. Ich habe im Beispiel den Bereich um die Center-Frequenz 530 Hz breitbandig abgesenkt. Im Bassistenjargon spricht man hier üblicherweise von der "klassischen Badewanne" (auf die Form der EQ-Kurve anspielend):

 

 

Es gibt allerdings auch Beispiele für interessante Slapsounds mit angehobenen Mitten. Hier existieren tatsächlich keinerlei Regeln oder Gesetze, die bestimmen, dass irgendetwas auf die eine oder andere Weise passieren muss. Experimentieren ist immer hilfreich!

>>>"Finger vs. Slap" - dieser bonedo-Workshop wird dich auch interessieren!<<<

Jetzt soll der Sound noch etwas mehr Druck verliehen bekommen. Wir haben ja bereits gelernt, dass sich hierfür die tiefen Mitten gut eignen. Daher hebe ich wiederum den Bereich von 120 Hz leicht an und mildere die wummernden Frequenzen darunter leicht ab:

Zuletzt kommt sprichwörtlich das Sahnehäubchen oben drauf, denn wir stülpen jetzt noch breit angehobene Frequenzen oberhalb von 2 kHz über das Signal, wodurch das metallische "Knallen" der Roundwound-Saiten stark betont wird, sodass der Sound den Charakter eines Basses mit aktiver Klangregelung bekommt.

Vergleicht auch hier noch einmal das Ursignal mit dem jetzigen Stand:

Ich hoffe, unsere kleine Exkursion in das Land der Frequenzen und EQ-Kurven konnte etwas Klarheit darüber verschaffen, wie die Einstellung eines Basssounds gezielt eingesetzt werden kann. Ich werde in einem weiteren Workshop die verschiedenen Klangregelungstypen in Bassvorstufen bzw. Bassverstärkern erläutern. Das Prinzip der Klangregelung basiert jedoch, wie in diesen Beispielen gezeigt, immer primär auf Frequenzveränderung.

Viel Spaß beim Tüfteln wünscht

euer Oliver

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