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13.04.2021

Optimaler Keyboardsound auf der Bühne

Tipps & Tricks für einen amtlichen Keyboardsound im Bandkontext

Soundhacks für mehr Bühnen-Präsenz bei Synthesizer & Co.

Als Keyboarder*in muss man viele Herausforderungen meistern. Neben den zahlreichen Spielarten und einem guten Überblick über das harmonische Geschehen gehören u. a. auch die Wahl der Klänge sowie deren Programmierung und Anpassung an den jeweiligen musikalischen Kontext dazu. Doch ganz egal wie gut man seine Klänge programmiert und vorbereitet - erst im Proberaum oder auf der Bühne zeigt sich, ob sich die Sounds im Kontext auch wirklich durchsetzen. Dabei gibt es einige Dinge, auf die man besonders achten muss: Dazu gehören z. B. die richtigen Pegelverhältnisse, denn die Klänge müssen genau abgestimmt sein, was gerade beim Wechseln eine große Rolle spielt. Außerdem sollte man wissen, in welchen Frequenzbereichen unterschiedliche Instrumente und Klänge zu Hause sind. Und dann kommt noch die Raumakustik ins Spiel sowie große Unterschiede bei den verschiedenen Lautsprechersystemen, die den Klang weiter stark beeinträchtigen. Ein häufiges Problem entsteht durch das Überlagern von Frequenzen der einzelnen Instrumente, die sich gegenseitig im Weg stehen. Mit diesem Workshop erhaltet ihr informative Anregungen und Tipps euren Keyboardsound aufzuräumen, Klänge durchsetzungsfähiger und „griffiger“ zu gestalten, und lernt worauf man verzichten kann, um sich einem klareren und besseren Gesamtklang zu nähern.

Unterschiedliche Ausgangssituationen

Um Klänge durchsetzungsfähig zu machen, müssen wir zunächst die jeweiligen Ausgangssituationen betrachten. Ganz unabhängig davon, welche Keyboards man verwendet - die Klänge müssen sich in unterschiedlichen Szenarien bewähren. Vorbereitet und programmiert wird in der Regel zu Hause, geübt wird im Proberaum und dann kommt der eigentliche Testlauf vor Publikum auf einer Bühne. Dabei gelten überall sehr unterschiedliche Bedingungen, was etwa Tontechnik, Akustik, Atmosphäre und Stimmung betrifft. Ja, tatsächlich beeinflusst auch die Atmosphäre das musikalische Ergebnis: Spielfreude, Lampenfieber, das Mitfiebern des Publikums - all das kann die Performance und das Konzert sehr stark beeinflussen!

Bleiben wir aber zunächst bei der technischen Seite unseres heutigen Themas. Die Keyboard-Sounds werden zu Beginn meist über die heimische Hifi-Anlage oder Studiomonitore bearbeitet und programmiert. Im Proberaum werden dieselben Klänge dann über kleine Anlage und später auf der Bühne über ein PA-System wiedergegeben. Neben den eben genannten Bedingungen hat man hier auch mit recht unterschiedlichen Lautstärkebedingungen zu tun, die den Klang weiter verändern, was psychoakustische Wirkung auf den Spieler hat. Es ist also nicht möglich, für alle Szenarien die gleichen Einstellungen zu verwenden. Gut ist es daher, wenn man ein paar „Allrounder“-Tricks kennt, die sich zunächst soweit anwenden lassen, dass man mit ihnen die grobe Vorarbeit erledigt.

Warum klingen Sounds je nach Umgebung anders?

Jeder Tastenspielende lernt das Phänomen kennen, dass ein Keyboard-Sound niemals „absolut“ ist, sondern der entstehende Klang immer ein Ergebnis aus dem Zusammenspiel aus Tontechnik und Akustik ist. Nirgendwo klingt’s gleich. Jedes Lautsprechersystem bietet einen eigenen Grundsound, was den Sound färbt. Bühnenlautsprecher verwenden für hohe Frequenzen etwa Hochtonhörner - anders als Hifi- oder Studiolautsprecher. Hochtonhörner klingen schon mal ganz anders als etwa Hochtonkalotten in Hifi-Lautsprechern. Viele Bühnenmonitore geben Frequenzen erst oberhalb von 80 Hz oder 100 Hz wieder. So können selbst basslastige Klänge kaum über einen Monitor beurteilt werden. Neben der Raumgröße spielt auch die Beschaffenheit des Raumes eine große Rolle: Schallharte Wände absorbieren nur schlecht und reflektieren deutlich mehr Frequenzen. Dabei kommt es auch zu einer Verstärkung unerwünschter Frequenzen. Wie man bereits anhand dieser Details erkennen kann, ist es kaum möglich, Sounds überall gleich klingen zu lassen.

Frequenzverhältnisse in einer Band

Je nach Besetzung der Band, Art und Anzahl der eingesetzten Instrumente kommt es schnell vor, dass sich mehrere Instrumente bestimmte Frequenzbereiche teilen - besonders häufig passiert dies bei Gitarre und Keyboards. Außerdem liegt in diesem gemeinsamen Bereich meistens auch noch der Gesang. Als Beispiel: Eine elektrische Gitarre liegt mit ihren Grundfrequenzen im Bereich zwischen ca. 80 und 1000 Hz. Ein Flügel zeigt sich im Bereich zwischen 27 - 4000 Hz. Die Gesangsstimme liegt wiederum - abhängig von der Lage - ganz grob zwischen 150 und 700 Hz. Hier erkennt man schon jetzt, dass sich die Frequenzbänder dieser drei Instrumente überlagern. Hier ist also darauf achten, sich möglichst auf bestimmte Teilbereiche von Frequenzen zu konzentrieren, denn sonst wird es undifferenziert und „matschig“. Alles, was man über Frequenzen wissen muss, kann man in diesem Artikel nachlesen.

Was versteht man unter Durchsetzungsfähigkeit und Präsenz?

Tatsächlich ist es nicht ganz so einfach, den Begriff der Durchsetzungsfähigkeit zu erläutern. Trotzdem gibt es genügend Anhaltspunkte, um in etwa zu verstehen, was damit gemeint ist. Eines vorweg: Mit Durchsetzungsfähigkeit ist nicht alleine die Lautstärke eines Signals gemeint. Natürlich ist die Lautstärke alleine auch eine Möglichkeit, um ein Signal besser hörbar zu machen. Doch damit hebt man eben alle Anteile an. Auch jene, die sowieso schon gut hörbar sind. Es geht also eher darum, dass zum einen Frequenzen nicht durch andere Instrumente verdeckt werden und zum anderen besitzt jedes Instrument besonders wichtige Instrumenten-typische Frequenzen, welche unbedingt „durchkommen“ müssen. Und auch die Menge der beteiligten Instrumente und Schallquellen spielen eine große Rolle: Je mehr Instrumente, desto weniger können sich die einzelnen Teilnehmer durchsetzen.

Wählen wir als Beispiel dafür unsere Sprache, die aus stimmhaften (Vokalen) und stimmlosen Anteilen (Konsonanten wie z. B. Zischlaute) besteht. Wichtig für die Verständlichkeit sind vor allem die Konsonanten, d. h. hohe Frequenzen, die ab ca. 2 kHz beginnen. Sind diese nicht vorhanden, kann der Rest auch noch so laut sein - man wird aus den Frequenzen sprichwörtlich nicht schlau. Ähnlich ist es bei Instrumenten: Oftmals sind es nicht nur die hohen Frequenzen, die für eine gewisse Präsenz sorgen, sondern die wichtigen Mittenfrequenzen, die ein Instrument durchsetzungsfähig machen. Beim Bass können das beispielsweise Frequenzen zwischen 600 und 800 Hz sein - also tatsächlich weder Grundtöne, noch besonders hohe Frequenzen. Die Anschlaggeräusche einer Gitarre liegen ganz grob zwischen 3 und 5 kHz. Diese Informationen können enorm dazu beitragen, gewisse Frequenzen eher freizulassen oder zu bearbeiten, damit einzelne Instrumente sich besser durchsetzen. Alternativ müssen diese Frequenzen mit einem Equalizer angehoben werden - sonst bleiben die Klänge in einem dichteren Frequenzgemenge auf der Strecke und setzen sich nicht „durch“.

Die Signalkette

Beginnen wir zunächst mit der Signalkette. Dabei geht es sowohl um die interne Klangerzeugung der Keyboards, als auch um die korrekten Pegel der weiteren verwendeten Gerätschaften bis hin zum Mischpult. Bei vielen Keyboards lassen sich die Klänge intern vielschichtig in der Lautstärke regeln, und bereits hier sollten die verwendeten Sounds möglichst gut ausbalanciert sein. Weiter geht es mit der Stellung der Hauptlautstärkeregler der Keyboards. Als Ausgangsposition habe ich mir persönlich angewöhnt, den Master-Volume meiner Keyboards immer in Mittelposition bzw. 12 Uhr zu stellen, was bereits eine visuelle Hilfestellung ist. Es gibt auch Andere, die etwa 75% oder „3 Uhr“ anwählen, um etwas mehr Ausgangspegel zu generieren - wichtig ist hier vor allem, eine Ausgangsposition zu wählen, die man leicht wiederfindet.

Oft verwenden Keyboarder*innen auch ein kleines separates Mischpult als Submixer, um ein bereits vorgemischtes Signal an den Mischer zu schicken. Hier sollte man unbedingt auf ein perfektes „Gainstaging“ achten: Das Pegelmanagement der Signale, die hier über mehrere Stationen vom Ausgang des Instruments über den Submixer bis zum Mischpult der Beschallungsanlage gelangen, muss stimmen. Sonst handelt man sich ggf. unnötiges Rauschen oder sogar Übersteuerungen ein!

Keyboardsounds intern auspegeln

Ein weitere wichtiger Punkt sind die Pegelverhältnisse innerhalb des Keyboards, um Lautstärkesprünge bei den verwendeten Sounds zu vermeiden. Hier  sollten die internen Lautstärkeverhältnisse insgesamt nicht zu niedrig gewählt werden, um die größtmögliche Dynamik der Tonerzeugung zu erhalten. Geräte-intern werden Lautstärken beispielsweise in Dezibel, Prozent oder MIDI-Werten (Vollaussteuerung entspricht dem Wert 127) angegeben - und selbst hier gibt es oft nicht nur ein Patch-Volumen, sondern auch einen globalen Volumen-Wert sowie einen internen Mixer, der zu berücksichtigen sein kann. Optimal ist es, wenn die Werte möglichst nah an der oberen Grenze liegen aber noch etwas Spielraum für kleinere Anpassungen bleibt.

Keyboard-interner globaler EQ für Proberaum und Bühne

Um das grundlegende Anpassen an akustische Verhältnisse etwas einfacher zu gestalten, lassen sich mit einem Equalizer störende Frequenzen filtern, oder bestimmte Frequenzbereiche leicht anpassen. Einige Keyboard-Workstations bieten für solche „allgemeinen“ Anpassungen einen Master EQ, durch den alle Klänge des Keyboards laufen. Besonders gut eignet sich das für finale Anpassungen an schwierige akustische Verhältnisse, oder um etwas „Platz“ für andere Instrumente wie Bass, Gitarren oder Gesang vorzunehmen. 

Zu viele Schichten verderben den Sound

Musik und Klang sind immer eine Frage des eigenen Geschmacks. Für mich hat es sich bewährt, das Thema Sounds mit besonderem Fokus anzugehen, was die Komplexität der Klänge betrifft. Ich selbst verwende eher weniger Layer-Sounds, weniger Oszillatoren und somit weniger „Klangschichten“ - vor allem dann, wenn es um meine Tätigkeit als Live-Keyboarder geht. Besonders wichtig ist mir, nicht zu viele Effekte einzusetzen, denn diese matschen das Klangbild schnell zu. Für die räumliche Darstellung eines Sounds gebe ich dem Delay den Vorzug und vermeide nach Möglichkeit Hall-Effekte. Natürlich gibt es hier auch Ausnahmen, aber für mich hat sich dieses Prinzip bewährt, denn damit erreiche ich vor allem, dass die Klänge etwas trockener erscheinen und nicht in einer Hallfahne verschwimmen. Das ist zumindest für den Beginn eine gute Basis.

Wichtige Voraussetzung: Der Grundsound muss stimmen

Garbage In, Garbage Out. Das gilt nicht nur in der Informatik, sondern es trifft auch in unserem Fall zu. Mit einem schlechten Basis-Sound lässt sich nicht viel anfangen! Die Grund-Substanz muss stimmen. Verfügt ein Sound nicht über die für ihn wichtigen Frequenzen, lassen sich diese auch später nicht bearbeiten. Wer mit Pianosounds arbeitet sollte auf zwei bis drei unterschiedliche Klänge zurückgreifen können - um unterschiedliche Musikstile abzudecken. So eignet sich z. B. ein weicher, mittiger Klang eher für Balladen, während ein heller, aggressiverer Klang für poppige Songs sehr sinnvoll eingesetzt werden kann. Dadurch vermeidet man einen Grundsound zu stark zu verbiegen, um ihn für verschiedene Kontexte anzupassen. Viele Keyboards sind in dieser Kategorie in der Regel bereits gut ausgestattet. Gerade der Bereich der akustischen und elektrischen Pianos liefert eine Vielzahl guter Klänge. Die sorgfältige Auswahl des Piano-Samples ist hier die halbe Miete! 

Drei Beispiele für einen durchsetzungsfähigeren Sound

Nachfolgend möchte ich euch drei Klänge vorstellen, die in ihrer ursprünglichen Form wenig Durchsetzungsfähigkeit haben und daher im Bandkontext nur schlecht funktionieren. Wir werden diese Klänge dann schrittweise anpassen, damit sie eigenständig, lebendig und durchsetzungsfähiger werden. Dabei darf man ruhig mutig sein und sollte den Sound vor allem im Kontext beurteilen. Es kann durchaus sein, dass ein Klang alleine betrachtet nicht sehr vorteilhaft klingt, dafür im Kontext aber sehr gut funktioniert!

1. 80s Grand Piano

Beginnen wir mit einem Piano-Sound, wie er etwa in einem typischen 1980er Jahre Rocksong verwendet wird. Da der Klang innerhalb einer Band zum Einsatz kommt, haben wir es noch mit weiteren Instrumenten wie z. B. Schlagzeug, Bass, Gitarre und Gesang zu tun - was die Angelegenheit direkt komplizierter macht. Schließlich liefert hier jedes Instrument eine Menge Frequenzen, die potentiell im Weg stehen können, oder zumindest den „Durchblick“ etwas erschweren. Vor allem gehören in unserem Beispiel gleich mehrere Effekte zum Pianosound dazu, die den Klang stilistisch möglichst an das Original aus den 80igern heranbringen sollen. So klingt unser 80s Piano:

Kompression vermeiden

Dank der starken Bässe, der Kompression sowie Delay- und Hall-Effekt wirkt der Sound sehr breit und zeigt nur wenig „Attack“, was ihn in einer Band schnell untergehen lässt. Schalten wir zunächst die Kompression aus und holen uns damit die Dynamik zurück: Der Kompressor hat das Signal nicht nur „dicker“ gemacht, sondern auch gleich die Transienten abgeschnitten. Für den Live-Betrieb ist das sehr kontraproduktiv, denn gerade die schärferen Frequenzen in den Transienten verhelfen dazu, dass sich der Klang gut durchsetzt, bzw. analog zu unserer Sprache „gut verständlich“ ist. Das ist ein Grund, warum ich persönlich nie Kompression verwende. Jetzt muss der Sound zwar sehr gleichmäßig gespielt werden, aber es klingt direkt viel aufgeräumter.

EQ verwenden

Ebenfalls fällt mir auf, dass der Piano-Sound sehr basslastig ist. Da die Band über einen Bassisten verfügt, müssen wir aufpassen, dass sich gerade diese tiefen Frequenzen nicht mischen, was sich in einem undefinierbaren ‚Wummern’ bemerkbar machen würde. Hier verwenden wir einen EQ und filtern die Bass-Anteile des Pianos etwas heraus. Gleichzeitig könnte das Piano einen leichten Höhen-Boost vertragen, ohne dabei zu nerven. Drehen wir also breitbandig noch etwas in Richtung 8 kHz hinzu - dann kommt der Attack auch etwas deutlicher zum Vorschein. Hier reicht eine leichte Anhebung um etwa 3 dB - dann wird es nicht zu spitz.

Hall & Delay: Weniger ist mehr!

Trotzdem ist der Sound noch etwas schwammig, was an dem Delay und dem Halleffekt liegt. Da beide Effekte eine Räumlichkeit zum Signal hinzufügen, wäre es durchaus sinnvoll sich hier nur für einen der Effekte zu entscheiden. Für mich macht das rhythmische Delay den weitaus wichtigeren Anteil aus, deshalb habe ich den Reverb direkt ausgeschaltet. Gerade das rhythmische Delay ist außerdem praktisch, weil es den Beat unterstützt und aus meiner Sicht einfach moderner klingt.  

EQ-Trick: Absenken statt Anheben

Beim Verwenden eines EQ kann man auch umgekehrt an die Sache herangehen. Eben haben wir den Attack durch eine Höhenanhebung deutlicher gemacht. Alternativ lassen sich auch die Mitten etwas „schlanker“ gestalten - was hier durchaus sehr effektiv sein kann, da die Gitarren in diesem Bereich ebenfalls mitmischen. Interessant ist der Bereich zwischen 500Hz und 2 kHz. Senken wir diesen Bereich etwas ab, dann entsteht eine leichte „Badewanne“ - wie es die Tontechniker gerne nennen - und schafft etwas Platz für andere Instrumente. Davon unberührt bleiben aber die hohen Frequenzen, was zwangsläufig eine gewisse Präsenz schafft! 

Alternative: Ein anderer Pianosound

Je länger man sich mit einem Sound beschäftigt, umso schneller verliert man sich in Details. Das ist der richtige Zeitpunkt einmal ein paar andere Klänge auszuprobieren, die sich ggf. noch für den musikalischen Kontext eignen. Als Alternative lässt sich auch ein Upright-Piano einsetzen, was einen durchaus charmanten Charakter bietet und sich sehr gut für die Ballade eignet!

Weitere Option: Mono Sounds für mehr Direktheit

Früher hieß es immer: Achte auf die Monokompatibilität beim Mischen. Tatsächlich könnte dies auch für die Live-Band von Vorteil sein. Viele Sounds sind Stereo ausgelegt, deswegen sehr breit, was zur Folge hat, dass die Signale aus linkem und rechtem Kanal recht unterschiedlich sind. Manchmal leidet dadurch die Durchsetzungskraft, die Klänge sind weniger direkt und greifbar. Zum Glück bieten viele Keyboards auch spezielle Mono-Samples oder eine Mono-Funktion an, mit welcher Sounds als Mono-Klänge ausgegeben werden was oftmals zu einem besseren Klangbild verhilft. Außerdem gibt es noch jede Menge Saalmixer (FOH), die Keyboard-Sounds lieber in Mono erhalten - weil es leichter ist, sie in den Mix zu integrieren.

2. Vintage E-Piano Sound mit Effekten

Weiter geht es mit einem E-Piano, das häufig Einsatz findet: Das Rhodes Piano. Kaum ein Instrument wurde so oft verwendet wie das Fender Rhodes und in so unterschiedlichen Musikstilen eingesetzt. Dabei gibt es den typischen Rhodes-Sound eigentlich nicht per sé: Die unterschiedlichen Modelle, die möglichen Verstärker (Suitcase, Fender Twin, Roland Jazz Chorus) und nicht zuletzt die vielen Modulationseffekte haben das beliebte Vintage-Piano immer wieder in neuem Licht glänzen lassen. Für unseren Sound haben wir ein recht ausgewogenes Rhodes Sample verwendet, das mit einigen Effekten belegt ist. So klingt unser Sound, dem wir noch zu etwas mehr „Biss“ und Durchsetzungskraft verhelfen wollen.

Fehlende Mitten und Höhen kompensieren

Der Sound ist zwar recht fett und klingt isoliert ganz gut, aber im Mix wird er sich nicht gut durchsetzen. Gerade in den mittleren Frequenzen, d. h. im Bereich um 1 kHz könnte das Rhodes etwas „mehr“ gebrauchen - hier würde es sonst sicherlich gegen Gitarre und Stimme verlieren. Außerdem konkurrieren die tiefen Frequenzen mit dem Bass - irgendwo unterhalb von 150 Hz oder gar 100 Hz könnte das eher kontraproduktiv werden. Mit einem EQ lässt sich das Problem jedoch ausgleichen. Alternativ bietet mein Nord Electro 6 für solche Zwecke z. B. ein E-Piano EQ-Preset, das wahlweise die Mitten oder Höhen leicht betont - die Bässe dafür aber etwas absenkt. Der Vorteil ist, der EQ greift nur leicht ein, und lässt den Klang noch weich erscheinen. Im Zusammenspiel mit einer Band wirkt das allerdings Wunder: Jetzt gibt es keine Konkurrenz mehr mit dem Bass und das Rhodes konzentriert sich mehr auf die relevanten Frequenzen, in denen sich auch die Akkorde abspielen.

Modulationseffekte sparsam verwenden!

Für unseren Song benötigen wir einen Chorus-Effekt, denn schließlich wird der Song durch dieses sehr breite Rhodes getragen. Der gewählte Chorus-Effekt unseres Keyboards ist sehr intensiv und arbeitet Stereo, was das E-Piano sehr breit macht und zur Folge hat, dass der Schwerpunkt in der Panorama-Mitte verloren geht. Das ist ein großer Nachteil, denn das Rhodes rutscht aus dem Mix und wird dadurch weniger „griffig“. Das mag im Tonstudio zwar sehr spektakulär klingen, ist im Live-Bereich jedoch unpraktisch, weil das Signal dadurch sofort an Kraft einbüßt. Damit der Effekt nicht so extrem ist, verwenden wir den Chorus in einer geringen Intensität. Manche Keyboards ermöglichen sogar das Mischen von Original- und Effektsound per Wet/Dry-Regler. Damit erhält man zumindest einen Teil des trockenen Signals. Außerdem verwenden Gitarristen auch gerne Chorus-Effekte, was es sinnvoll macht abzuklären, welche Instrumentalisten darauf zurückgreifen, um einen „Chorus-Overload“ zu vermeiden.

Außerdem verwenden wir hier - anstatt des ursprünglichen Hall-Effekts - eher ein Delay, was nur ganz subtil dazu gemischt wird. Damit bleibt der Sound deutlich „luftiger“ und matscht nicht so schnell. Das Ergebnis kann sich hören lassen!

Mehr Präsenz durch Verzerrung!

Abschließend noch ein weiterer Punkt, um mehr Durchsetzungskraft zu erhalten. Anstatt des Chorus verwenden wir nun eine leichte Verzerrung. Durch das Produzieren harmonischer Obertöne wird das Ergebnis nicht nur etwas „dreckiger“, sondern auch heller und gleichzeitig lauter. Das kann in manchem Kontext sehr hilfreich sein und peppt so manchen braven Rhodes Sound durchaus auf.

3. Synthesizer Sounds

Auch Synthesizer-Sounds können mit ein paar Tricks schnell deutlich klarer, griffiger und durchsetzungsfähiger werden, wobei man hier direkt in die Struktur der Klangerzeugung eingreift. Neben dem Filter, den Hüllkurven und Wellenformen bietet der Synthesizer eine Menge an Möglichkeiten, in das klangliche Geschehen einzugreifen. Für unser Beispiel verwenden wir einen Brass-Sound, der mit dem Prophet-6 erzeugt wird. Hier kommt eine Rechteckwelle zum Einsatz, die per LFO in ihrer Pulsweite moduliert wird. Das Ergebnis ist ein schöner, leicht wabernder Sound. Der Filter ist nur wenig geöffnet und die Filter-Hüllkurve erzeugt zunächst einen subtilen Attack und lässt den Cutoff danach leicht zufallen: Ein Bläser-ähnlicher Sound, wie man ihn aus unzähligen Produktionen aus den 1980er Jahren her kennt. 

Filter öffnen

Der Brass-Sound klingt angenehm, zeigt sich jedoch klanglich recht mittig und brav. Damit der Sound sich besser durchsetzt, regeln wir ganz leicht mit dem Filter-Cutoff nach, öffnen diesen etwas und schon wird der Sound deutlich heller!

Filter-Attack verkürzen

Der weiche Klang entsteht vor allem durch die Einstellung der Filter-Hüllkurve. Für die Durchsetzungsfähigkeit können wir dem Klang nun einen kürzeren und prägnanteren Attack verpassen. Dazu soll die Filter-Hüllkurve etwas stärker auf den Filter wirken. Der kürzere Attack wird danach durch das Zurückdrehen des Attack-Reglers erreicht. 

Weiteren Oszillator oktavieren

Das allerdings ist noch längst nicht alles - immerhin haben wir noch einen weiteren Oszillator, der bislang nicht genutzt wird. Dieser kommt jetzt zum Einsatz, erhält dieselbe Wellenform wie Oszillator 1, wird aber um eine Oktave nach oben gestimmt. Über den Mixer werden nun beide Oszillatoren gleichlaut geregelt. Durch dieses Prozedere hat der Klang sofort eine Menge zusätzlicher Obertöne erhalten. 

Filter-Hüllkurve justieren

Zusätzlich können wir den Sound noch etwas extremer „zuschnappen“ lassen. Hierzu benötigen wir einen geringeren Decay-Wert und stellen auch das Filter-Sustain auf einen Wert gegen 0. Die Intensität lässt sich dann noch über den Envelope-Amount regeln. Jetzt „schnappt“ es ordentlich und der Sound zeigt sich auffallender und aggressiver. Das Ergebnis setzt sich gleich viel besser durch. 

Zum Schluss

Eine allgemeingültige Formel für das Bearbeiten der Klänge gibt es nicht. Hier sind Geschmack und persönliche Vorlieben gefragt. Selbst der Begriff der „Durchsetzungsfähigkeit“ lässt einen gewissen Spielraum für die eigene Interpretation. Wichtig ist allerdings, dass man versteht, was damit gemeint ist und durch welche Faktoren der jeweilige Klang beim Spielen beeinflusst werden kann. Hierzu zählen neben dem Signalweg, den tontechnischen Mitteln wie etwa Mischpulten und Effektgeräten vor allem die sehr unterschiedlichen akustischen Gegebenheiten sowie die zur Verwendung kommenden Instrumente der Band und deren Frequenzverhalten.

Mit diesem Artikel habt ihr bereits einen kleinen Überblick über die Grundlagen erhalten, mit der Zeit bekommt man ein gutes Verständnis dafür, welche Instrumente in welchen Frequenzbereichen arbeiten und warum es passiert, dass bestimmte Klänge weniger gut hörbar oder durchsetzungsfähig sind. Zum Abschluss noch ein kleiner Tipp: Es ist sehr hilfreich, sich zwischendurch auch mal mit dem Menschen hinter dem Mischpult abzusprechen, denn dieser kennt schließlich die andere Seite und damit auch so manche Problemzonen und Tücken eurer Keyboardsounds. Es lohnt sich in dieser Hinsicht übrigens immer, wenn man für den Soundcheck auch etwas mehr Zeit mitbringt!

Viel Spaß beim Schrauben! 

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