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15.08.2018

Kontrabass kaufen - worauf muss ich achten?

Neu? Online? Gebraucht? Tipps zum Kontrabass-Kauf

Kontrabass unter 1000 Euro - was taugt ein "Billig"-Kontrabass?

Gehörst auch du zu den Bassisten, die schon einige Jahre Erfahrung auf dem E-Bass haben, und sich nun der Herausforderung stellen möchten, sich am Kontrabass zu versuchen? Die Motivation hierzu könnte sein, dass dich eine bestimmte Stilistik interessiert, in welche der Kontrabass schlicht "besser passt" als der E-Bass. Oder du möchtest dich einfach nur breiter aufstellen, um deine Job-Chancen am Markt verbessern. Ist die Entscheidung für die Anschaffung eines Kontrabasses erst einmal getroffen, stehen typischerweise aber auch schnell einige Fragen im Raum. Mit diesem Artikel möchten wir für etwas Orientierung im "Kontrabass-Wald" sorgen.

Ein wesentlicher Unterschied zum Kauf eines E-Basses besteht darin, dass man bei Kontrabässen leider nicht pauschal sagen kann: "Mit der Marke XY steht man schon mal auf der sicheren Seite!". Das liegt daran, dass Kontrabässe traditionell nicht von großen Marken (Fender, Ibanez, Yamaha ...) gebaut werden, sondern eher von kleineren Betrieben oder sogar nur von einzelnen Kontrabassbauern.

Darüber hinaus spielt das Setup beim Kontrabass eine immens wichtige Rolle. Es kann durchaus vorkommen, dass ein gut eingerichteter Bass für 1.500,- Euro besser klingt und bespielbar ist als ein schlecht eingerichtetes Instrument für das doppelte Geld. Huch, das sind ja gleich ganz andere Preis-Kategorien als bei E-Bass oder Gitarre! Richtig, aber beginnen wir mal von vorn ...

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Auf welche Detail-Eigenschaften sollte man beim Kauf eines Kontrabasses achten?

Das Material: Sperrholz vs. Massivholz

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Vollholz- (auch Massivholz-) Bässen und Sperrholz-Bässen (auch "laminiert" oder "gesperrt" genannt). Bei Vollholz-Bässen besteht die Decke aus massiver Fichte. Boden und Zargen (so nennt man die Seitenteile des Bodies) werden üblicherweise aus Ahorn gefertigt. Bei Sperrholz-Bässen wird für diese Teile Holz verwendet, welches aus mehreren dünnen Schichten besteht. Diese Schichten können von verschiedenen Holzarten stammen und werden hinsichtlich des Faserverlaufs im 90°-Winkel zusammengeleimt.

Aus optischen Gründen wird für die Oberfläche der Decke oft eine Schicht (bzw. ein Furnier) aus Fichte verwendet. Um dennoch zu erkennen, ob eine Decke massiv ist oder nicht, schaut man sich am besten die Kante der Decke an.

Ordentliche Sperrholz-Bässe kosten zwischen 1.200 und 2.200 €. Für einen Vollholz-Bass muss man ab 2.500 € aufwärts einplanen. Es gibt aber auch noch eine Zwischenkategorie: die sogenannten halbmassiven Bässe (auch "teilmassiv" oder "Hybriden" genannt). Diese besitzen eine massive Decke, Zargen und Boden bestehen jedoch aus Sperrholz. Die massive Decke rückt diese Instrumente klanglich schon in die Nähe eines Vollholzbasses - allerdings zu einem wesentlich günstigerem Preis. Somit ist diese Kategorie eine sehr interessante Alternative für Einsteiger!

Ist Vollholz per se besser als Sperrholz?

Vollholz besitzt bessere Schwingeigenschaften als Sperrholz, daher klingen Vollholz-Bässe tendenziell lauter und ihr Klang ist meistens edler und "freier" im Sinne eines breiteren Frequenzspektrums (mehr feine Höhen, mehr Tiefbass). Sperrholz-Bässe haben meist einen etwas mittigeren Klangcharakter. Dies muss jedoch nicht unbedingt negativ sein, so lange der Klang nicht unnatürlich und eng (engl.: "boxy") ist.

Doch Sperrholz bringt auch echte Vorteile mit sich: Konstruktionsbedingt ist es nämlich stabiler und unempfindlicher gegen Risse als Vollholz. Außerdem kann ein etwas mittiger Sperrholz-Sound durch Pickup und Verstärker eine sehr gute Durchsetzungskraft erhalten, und eventuell sogar unempfindlicher gegen Feedbacks sein.

Aufgrund dieser Vorteile gibt es einige Hersteller, die sich auf qualitative hochwertige Sperrholzinstrumente spezialisiert haben. Bässe dieser Art schlagen mit ca. 2.000 bis 3.000 Euro zu Buche. Insofern ist per se davon abzuraten, sich beim Kauf für den günstigsten Vollholzbass zu entscheiden, nur um das Gefühl zu haben, dass man einen hochwertigeren Bass bekäme als beim Griff zu den Instrumenten aus Sperrholz. Tatsächlich gibt es zahlreiche weitere wichtige Kriterien, zu denen wir gleich kommen werden.

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Welche Größe sollte mein Kontrabass haben?

Beim Stöbern wirst du schnell auf Größenbezeichnungen wie "3/4 " oder "4/4" stoßen. Diese Angaben geben Anhaltspunkte zur Größe des Basses, sind aber interessanterweise nirgendwo offiziell normiert! Ein ¾-Kontrabass ist typischerweise ca. 185 cm hoch (ohne ausgefahrenen Stachel) und der Korpus ist an der breitesten Stelle ca. 65 cm breit.

Geschätzte 90% aller Kontrabassisten in Jazz-, Folk- oder Pop-Bands spielen einen ¾-Kontrabass. Im Sinfonieorchester verhält sich dies ganz anders: Hier spielen die meisten Bassisten die größeren 4/4-Instrumente, welche mehr Tiefbass und mehr Volumen produzieren - dafür aber auch umständlicher zu transportieren sind.

Auch sind im Orchester oft Fünfsaiter im Einsatz, die wegen der tiefen H-Saite meistens eine 4/4-Größe aufweisen. Als 7/8-Bass bezeichnet man - logisch - die Instrumentengröße zwischen 3/4 und 4/4. Darüber hinaus gibt es noch kleinere Größen, z.B. ¼- oder ½-Kontrabässe. Diese Instrumente sind für den Nachwuchs gedacht - Kinder und Jugendliche.

Schwingende Saitenlänge und Mensur

Das, was man beim E-Bass "Mensur" nennt, wird unter Kontrabassisten meistens "schwingende Saitenlänge" genannt. Zudem hört man häufig die Begriffe "D-Mensur" oder "Eb-Mensur". Durch das Fehlen von Bünden oder anderweitigen Markierungen müssen sich Kontrabassisten anders auf dem Instrument orientieren.

Eine wichtige Orientierungshilfe bietet der Übergang vom Hals zum Halsfuß auf der Halsrückseite: Wenn der Daumen der linken Hand in diesem Winkel "angekommen" ist, wird der gegenüberliegende Zeigefinger auf dem Griffbrett auf der G-Saite entweder automatisch ein "D" oder ein "Eb" greifen. Dementsprechend handelt es sich um einen Bass mit D- bzw. Eb-Mensur.

In Deutschland trifft man meistens auf D-Mensuren. Klanglich spricht freilich rein gar nichts dagegen, auch einen Bass mit Eb-Mensur zu kaufen. Aber als Besitzer eines solchen Basses wird es sich für dich ungewohnt anfühlen, wenn du einmal auf einem fremden Bass mit D-Mensur spielen musst. Möglicherweise kannst du dann auch nicht das erlernte Fingersatzkonzept 1:1 übernehmen. Darüber hinaus sind Bässe mit Eb-Mensur schwieriger wieder zu verkaufen, wenn du nach einigen Jahren vielleicht "upgraden" möchtest.

Aber zurück zur schwingenden Saitenlänge: Üblich sind ca. 102 bis 108 cm. Ist die schwingende Saitenlänge größer als 108 cm, wird es recht ungemütlich für die Greifhand. Ist sie kleiner als 102 cm, besitzen die Saiten unweigerlich eine geringere Spannung, was unter Umständen negative klangliche Auswirkungen haben kann.

Kontrabass-Kauf: gebraucht oder neu?

Kontrabässe entwickeln sich! Instrumente, die aus guten Materialien gefertigt wurden, werden mit der Zeit in der Regel besser - vor allem, wenn sie viel gespielt werden. Kontrabässe, die aus minderwertigen Bestandsteile bestehen, verursachen hingegen nach einigen Monaten oder Jahren zunehmend Probleme: ein Ton könnte in bestimmten Lagen zu schnarren beginnen, eine Mechanik könnte haken und das Stimmen zu einem Problem machen, usw.

Bei einem gebrauchten und entsprechend eingespielten Instrument kann man also eher davon ausgehen, dass es die Phase der Kinderkrankheiten (hoffentlich) bereits überstanden hat. Mit einem neuen Instrument hat man natürlich wiederum den Vorteil der Garantie - sofern man von einem vertrauenswürdigen Händler/Hersteller kauft! Und mit etwas Glück findet man bei einem neuen Bass vielleicht ein Instrument, was so gut ist, dass es niemand auf dem Gebrauchtmarkt abstoßen würde!

Wo findet man eine gute Auswahl an Instrumenten?

Es gibt Händler und Instrumentenbauer, die auf Kontrabässe spezialisiert sind und oft auch Einsteiger-Instrumente im Angebot haben. Eine Internetsuche nach "Kontrabassbauer Deutschland" führt hier sehr schnell zu entsprechenden Listen. Auch wenn man eventuell ein paar hundert Kilometer fahren muss, sind solche Händler aufgrund ihrer für gewöhnlich guten Beratung und einer gewissen Garantie, ein Instrument zu bekommen, das nicht kurz nach dem Kauf generalüberholt werden muss, zu empfehlen.

Hierzu sollte man den Bassbauer/Händler zunächst kontaktieren und abklären, ob er Instrumente in der gewünschten Preiskategorie vorrätig hat und dann ggf. einen Termin vereinbaren. Aber auch bei Privat-Anbietern, z.B. über Internet-Kleinanzeigen oder Portalen wie www.geba-online.de, kann man fündig werden.

Für den ersten Kauf sollte man (egal, ob man zu einem Händler oder einem Privatverkäufer fährt), immer einen erfahrenen Kollegen zu Rate ziehen. Entweder kommt dieser zur Besichtigung gleich mit, oder man fragt den Verkäufer, ob er dazu bereit wäre, das Instrument ein paar Tage testweise herzugeben. Das ist bei teuren Instrumenten übrigens durchaus üblich! Im Idealfall kennt der Verkäufer deinen Lehrer sogar schon - derartige Verbindungen sind sehr hilfreich, um das nötige Vertrauen für so derartige Kaufaktion zu etablieren.

Worauf soll ich beim Anspielen eines Basses achten?

Natürlich ist der Sound einer der wichtigsten Punkte. Aber: Der Sound eines Instrumentes hängt sehr davon ab, wie der Bass eingerichtet ist (Set-up): Saitenlage, Position des Stimmstocks, Griffbrett-Oberfläche und Hohlkehle, Beschaffenheit und Qualität des Steges - das alles beeinflusst den Klang! Einer des wichtigsten Faktoren ist aber außerdem die Wahl der Strings.

Kontrabass-Saiten kann man grob in drei Kategorien unterteilen:

  • Stahlsaiten für das Pizzicato-Spiel: Der Klassiker ist hier der Spirocore-Satz von Thomastik. Charakteristisch für diese Saiten sind ein langes Sustain und ein klarer Ton, der in hohen Lagen oft sogar die singende Qualität eines Fretless-E-Basses aufweist.
  • Streichsaiten: Diese Saiten sind für das Spiel mit dem Bogen (Arco) konzipiert und klingen gezupft etwas dumpf mit weniger Sustain.
  • Darmsaiten: Diese Saiten besitzen zwar meistens ein etwas weicheres, dumpfes Timbre und weniger Sustain, dafür aber einen sehr guten Punch. Ob bei Oldschool-Jazzern oder Rockabilly-Slappern, Darmsaiten haben absolut ihre Fans in bestimmten Kreisen. Übrigens: Auch für Barock-Musik werden Darmsaiten verwendet (hier werden sie mit dem Bogen bespielt!).

Es gibt außerdem alle möglichen Zwischenstufen dieser Hauptkategorien. Erfahrene Bassisten, die mit den Eigenschaften verschiedener Saiten vertraut sind, können hier abstrahieren und im Sound wesentliche Merkmale beurteilen:

  • Klingt der Bass "gesund"? Damit ist die Grundlautstärke gemeint, aber auch die Frage, ob nichts klappert oder scheppert.
  • Klingt der Bass in allen Lagen gleichmäßig, oder fallen bestimmte Bereiche ab? Dieser Punkt ist extrem wichtig!

Weitere Parameter des Basssounds sind zwar nicht "absolut" zu bewerten, sollten aber natürlich deinem Geschmack entsprechen. Hier ein paar Beispiele:

  • Ist der Sound klar oder eher dunkel?
  • Klingt der Bass growlig oder weich?
  • Wie verhalten sich Punch/Attack und das Sustain?
  • Klingt der Ton fokussiert mit einer guten Projektion, oder eher breit oder sogar verschwommen?

Elementar wichtig: die Bespielbarkeit des Kontrabasses!

Als nächstes ist natürlich die Bespielbarkeit ungemein wichtig. Auch hier kann das Setup des Instrumentes - genau wie beim E-Bass - extreme Auswirkungen haben. Hauptparameter ist dabei die Saitenlage: eine tiefe Saitenlage macht den Bass zwar leichter zu spielen, sie macht ihn aber gleichzeitig auch leiser und/oder anfälliger für schnarrende Töne. Deswegen muss jeder Bassist über die Jahre herausfinden, welche Saitenlage für ihn die richtige ist.

Manche Bässe sind mit einem verstellbaren Steg ausgerüstet, was das Einstellen der Saitenlage auf die eigenen Bedürfnisse leicht macht. Bei Bässen ohne Stellschrauben am Steg kann ein Fachmann mit Spezialfeilen den Steg bearbeiten und die Saitenlage tiefer einstellen. Die Saitenlage höher zu bekommen ist schon wesentlich aufwendiger, unter Umständen muss in solchen Situationen gleich besser ein ganz neuer Steg her.

Abgesehen von der Saitenlage spielt natürlich die Form und die Dicke des Halses für die Bespielbarkeit eine große Rolle, sowie (für das Spielen in höheren Lagen) die Beschaffenheit des Hals/Korpus-Übergangs.

Die Optik

Schließlich muss sich der Bass einer optischen Prüfung unterziehen. Hier geht es aber nicht nur um geschmackliche Vorlieben, wie Farbe des Lacks und Form des Instruments, sondern um den allgemeinen Zustand. Manche Altersspuren besitzen den Charme von einer Patina und gehören irgendwie dazu. Abgeplatzte Ecken oder heftige Stoßmacken weisen hingegen eher auf eine respektlose Behandlung des Instruments hin und sollten zu Vorsicht mahnen.

Ältere Bässe besitzen häufig sichtbare Risse. Diese sind etwas völlig Normales: das Holz arbeitet über die Jahrzehnte (bis Jahrhunderte!) und manchmal entstehen auf diese Weise Spannungen, die zu einem Riss führen können. Solche Risse lassen sich aber für gewöhnlich reparieren - manchmal sogar auf eine Art, die die zuvor vorhandene Spannung löst.

Deswegen ist hier die wichtigste Frage: Sind die Risse fachmännisch repariert worden? Wenn der Verkäufer ein Fachmann ist (vielleicht ein Bassbauer, der die Risse persönlich repariert hat), wird er sogar Auskunft zu Rissen oder reparierten Brüchen (z.B. Halsbruch) geben können. Bei einem Privatverkäufer kann das schon schwieriger werden.

Wie auch immer: Ein alter Bass, der sichtbar schon viel erlebt hat, sollte unbedingt vor dem Kauf einem Bassbauer vorgeführt werden, denn dieser kann die Qualität der Reparaturen beurteilen und ggf. weitere unsichtbare Probleme oder "Krankheiten" feststellen. Ein Beispiel: Holzwurmbefall. Dieser kann an sämtlichen Stellen des Instruments vorkommen und die Stabilität des Holzes komplett ruinieren. Der Bassbauer wird die Kosten schätzen können, die für das Bestehen der "Bass-TÜV-Prüfung" anfallen, und somit helfen festzustellen, ob der verlangte Preis angemessen ist.

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Vorsicht vor Betrügern!

Noch etwas zum Thema "alte Kontrabässe": Man sollte vorsichtig sein, wenn in Kleinanzeigen von einem "Dachbodenfund" oder "Erbstück von einem Orchestermusiker" die Rede ist. Man ist dann nämlich leicht geneigt zu denken, es handele sich um ein sehr wertvolles altes Instrument. In Wahrheit wird auf diese Weise häufig versucht, mit solchen Begriffen völlig überteuerte "Ruinen" zu verkaufen.

Ein weiteres Gefahren-Szenario ist folgendes: Ein Bass wird als "sehr altes" Instrument oder "vermutlich alter Italiener, sehr gut erhalten" angeboten und sieht auch auf dem ersten Blick danach aus. Tatsächlich hat man es hier aber oft mit einem ganz neuen Fabrik-Instrument zu tun, welches jedoch - analog dem "Aging" bei E-Bässen - auf alt getrimmt wurde.

Diesen Nepp erkennt man manchmal an den modernen Mechaniken, die mit Kreuzschlitzschrauben befestigt sind, was früher nicht üblich war. Es kann natürlich trotzdem sein, dass so ein Instrument gut klingt. Nur sollte man nicht glauben, dass man es hier mit einem Bass aus Stradivaris Zeit zu tun hat - und erst Recht nicht bereit sein, dafür entsprechend tief in die Tasche zu greifen!

Billig-Kontrabässe: Was ist davon zu halten?

Die Angebote scheinen verlockend: Im Internet sind Kontrabässe (z.B. im Versandhandel) schon ab ca. 500 Euro zu bekommen. Auch wenn man im Einzelfall durchaus Glück mit einem derartigen Instrument haben kann, gibt es auch eine ganze Reihe von Argumenten, die dafür sprechen, lieber etwas mehr Geld zu sparen, um gleich etwas Vernünftiges zu kaufen:

1. Das Griffbrett: Ebenholz ist beim Kontrabass-Griffbrett das Maß aller Dinge. Manche Instrumente verfügen aber lediglich über ein schwarz eingefärbtes Weichholz-Griffbrett. Die Folge: Die Saiten fressen mit der Zeit Kerben ins Griffbrett. Diese Kerben wiederum verursachen auf Dauer Saitenschnarren, und das Griffbrett lässt sich nicht mehr vernünftig abrichten.

Aber auch, wenn in der Beschreibung bestätigt wird, dass das Griffbrett aus Ebenholz ist, kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es sich um minderwertiges Ebenholz handelt, mit manchmal unsichtbaren porösen Bereichen oder Kerben, die oft provisorisch mit Farbe oder irgend einem Füllmaterial "verheimlicht" wurden.

Die Folgen sind in solchen Fällen ähnlich wie beim Weichholz: Wenn es irgendwo schnarrt, wird der Bassbauer große Schwierigkeiten haben, das Griffbrett wieder ordentlich abzurichten, um das Problem zu lösen. Dann kann es schnell heißen: "Ein neues gutes Griffbrett muss her!" Dabei muss man wissen, dass die Kosten hierfür (inklusive der Arbeit) deutlich höher sind als der Anschaffungspreis des Basses!

2. Die Decke: Auch bei Sperrholz ist es wichtig, dass die verwendeten Hölzer von guter Qualität sind und eine gewisse Zeit abgelagert wurden. Bei minderer Qualität kann nach ein paar Monaten die Decke unter dem Druck des Steges einsinken. Die Folge: Keine Power mehr in den tiefen Lagen bzw. eine scharrende E-Saite.

3. Hardware: Auch hier versuchen einige Hersteller zu sparen. Ein billiger Stachel scheppert gerne mal oder lässt sich nicht ordentlich festschrauben. Da hilft nur eins: Austauschen! Auch Saiten, Steg, Mechaniken etc. können schnell signalisieren: "Ich muss ersetzt werden!" - und das geht leider unweigerlich ins Geld.

Die Liste der Probleme, die man bei Billigst-Instrumenten antreffen kann, lässt sich aber noch weiter führen: So werden manche Instrumente mit Weißleim (wie Ponal) anstatt mit Heißleim (z.B. Knochenleim) zusammengebaut. Dies ist ein absolutes No-Go (übrigens auch bezüglich Reparaturen!), denn nur Heißleim-Verbindungen lassen sich ohne Schäden am Instrument wieder lösen, wenn dies für eine Reparatur nötig werden sollte. Mit anderen Worten: Ein mit Weißleim zusammengebauter Kontrabass ist vergleichbar mit einem Auto, dessen Motorhaube zugeschweißt wurde!

Fazit

Wer viele Jahre Spaß an seinem Instrument haben möchte, sollte bereit sein, ein Minimum von 1.200 bis 1.500 Euro zu investieren. Bei einem spezialisierten Händler ist man meistens gut aufgehoben, aber auch auf dem Gebrauchtmarkt kann man fündig werden - vorausgesetzt, man lässt einen erfahrenen Kollegen und eventuell auch einen Bassbauer das Instrument begutachten. Letzterer kann auch schätzen, welche Setup-Maßnahmen nötig wären, um das Instrument zu optimieren (inkl. Kostenprognose). Neue Instrumente sollte man hingegen nur von Händlern kaufen, welche eine eigene Fachwerkstatt betreiben und ein professionelles Setup sowie eine Garantie anbieten.

Nach dem Kauf

Du hast dein Instrument gefunden, was ist jetzt noch zu beachten? Auf jeden Fall solltest du dir eine gut gepolsterte Hülle zulegen. Diese gibt es ab ca. 150 Euro im Handel. Hüllen mit integrierten Rollen sind übrigens eine immense Hilfe beim Transport.

Danach kommt sicher bald die Frage nach einem Pickup und der Verstärkung auf. Diese Punkte sind allerdings auch schon ein komplettes Thema für sich ...

Für ein langes und gesundes Kontrabass-Leben ist zu beachten, dass der Bass möglichst in einem Raum mit mittlerer Luftfeuchtigkeit und Temperatur aufbewahrt wird. Zu vermeiden sind z.B. eine dauerhafte Lagerung im feuchten Keller, Lagerung unter starker Sonneneinstrahlung oder in Heizkörper-Nähe (im Winter).

Vorsicht auch bei extremen Temperatursprüngen im Winter: Bist du mit dem Bass durch die Stadt bei ca. 0°C gelaufen und kommst in einen Raum mit aufgedrehten Heizkörpern, so solltest du dein Instrument zunächst mindestens ein halbe Stunde in der Hülle lassen, damit es sich langsam akklimatisieren kann. Anderenfalls kann (vor allem bei Vollholz-Instrumenten) schnell mal ein Riss entstehen oder eine Leimstelle aufgehen. Des Weiteren sollte man den Steg alle paar Monate auf seine richtige Position überprüfen, denn er neigt dazu, sich immer weiter nach oben zu verbiegen oder verkanten. Lass dir die richtige Stegposition von einem erfahrenen Kontrabassisten oder vom Bassbauer erklären.

Ich wünsche dir viel Spaß mit deinem neuen Instrument! Bald erscheint hier auf bonedo ein Artikel von mir, der dir bei den ersten Schritten auf dem Kontrabass behilflich sein wird.

Alles Gute, dein Hervé Jeanne

P.S: Ich möchte mich ganz herzlich bei dem Bremer Kontrabassbauer Martin Henkel (www.henkel-kontrabass.de) für seine fachliche Unterstützung beim Verfassen des Artikels bedanken!

Hier findest du einen in Europa hergestellten und in der eigenen Streicherwerkstatt hergerichteten Kontrabass für unter 2000,- Euro auf Thomann.de.

Nur knapp über 1000,- Euro liegt dieses Modell auf Thomann.de - ebenfalls "made in Europe" und speziell aufgearbeitet.

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