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17.09.2020

Kaufberater und Testmarathon Drummachines

Analoge und digitale Drumcomputer im Vergleich

Welches ist die beste Drummachine?

Hardware-Drumcomputer sind aus vielen Genres der elektronischen Musik nicht wegzudenken. Worauf sollte man bei der Anschaffung einer Drummachine achten, welche Unterschiede gibt es und welche Drummachines sind für welche Einsatzgebiete besonders geeignet? In unserem Kaufberater und Testmarathon geben wir einen Überblick.

Beats spielen in den meisten Genres der elektronischen Musik eine zentrale Rolle. Wer Techno, House, Hip Hop, Elektro und Co. im Studio produziert oder live auf der Bühne spielt, braucht Drumsounds, die gut klingen und stilistisch passen. Natürlich kann man auf die DAW und die zahlreichen erhältlichen Drum-Plug-Ins und Sample-Libraries zurückgreifen. Angesichts der Konkurrenz im Rechner schienen Hardware-Drumcomputer eine Zeitlang vom Aussterben bedroht. Doch sie bieten einige entscheidende Vorteile, weshalb viele Produzenten und Live-Acts nach wie vor auf Hardware schwören und in letzter Zeit sogar wieder mehr Drummachines erschienen sind. In diesem Artikel erklären wir, worauf es bei einer Drummachine ankommt, und stellen aktuelle Modelle vor.

Quick Facts: Drummachines

Was ist eine Drummachine?

Unter einer Drummachine oder einem Drumcomputer versteht man einen Synthesizer, der auf das Erzeugen von Schlagzeugklängen spezialisiert ist und mit einem integrierten Sequenzer kombiniert ist. Üblicherweise verfügen Drummachines über mehrere Spuren für Drumsounds wie Bassdrum, Snaredrum, Hi-Hats, Becken und Percussion. Die Klänge können auf verschiedene Weisen erzeugt werden: Per analoger, virtuell-analoger oder digitaler Synthese oder mittels Sampling.

Der Sequenzer ermöglicht die Programmierung sogenannter Patterns, in denen die verschiedenen Drumsounds zu Rhythmus-Mustern mit einer Länge von einem oder mehreren Takten kombiniert werden. Die meisten heutigen Drummachines ermöglichen es darüber hinaus, mehrere Patterns zu einem Song bzw. Track zusammenzustellen. Fast alle Drummachines lassen sich über MIDI und/oder analoge Clock-Signale zu anderem Equipment synchronisieren, sodass die Drums synchron mit den anderen Instrumenten laufen.

Welche Vorteile bieten Hardware-Drumcomputern?

Produzenten und Live-Acts setzen aus verschiedenen Gründen auf Hardware. Jeder hat eine andere Arbeitsweise, weshalb die nachfolgenden Punkte sicherlich nicht auf jeden zutreffen. Jedoch hört man einige Argumente besonders häufig.

Drummachines sind eigenständige Instrumente, die jeweils ihren eigenen Charakter besitzen – und das nicht nur in Sachen Sound. Jede Drummachine hat nicht nur einen eigenen Klang, sondern auch spezifische Funktionen und ein eigenständiges Bedienkonzept. Je nachdem, ob diese den eigenen Vorlieben entsprechen, kann man mit einer Drummachine schneller und zielgerichteter arbeiten, als mit einer DAW und Plug-Ins. Auch gelten die Sequenzer mancher Hardware-Drumcomputer als „tighter“ als rechnergestützte Systeme.

Viele Musiker empfinden das Erstellen von Beats auf einer Drummachine, mit der sie gut vertraut sind, als intuitiver als die Arbeit mit Software. Man hat vielleicht nicht alle Möglichkeiten und Sounds, die man in der DAW vorfindet; dafür ist aber alles in direktem Zugriff und man interagiert mit einem Instrument statt mit einem Bildschirm, was viele als inspirierender empfinden. Die Beschränkung auf eine Maschine mit weniger Funktionen, die man dafür im Schlaf beherrscht, kann für die Kreativität sehr vorteilhaft sein – das gilt übrigens nicht nur für Drummachines! Man verzettelt sich nicht so leicht und kann sich ganz der Musik widmen. 

Auf der Bühne bekommt das noch eine ganz andere Dimension. Trotz aller Fortschritte wird die Nutzung von Computern auf der Bühne von vielen immer noch skeptisch gesehen. Auf der Bühne mit einem Laptop, Audio-Interface und MIDI-Interface zu hantieren, löst bei vielen Musikern Unbehagen aus und passt manchmal auch einfach nicht zum Konzept einer Performance.

Drummachines stellen eine kompakte Lösung für elektronische Drumsounds auf der Bühne dar, sind in der Regel weitestgehend absturzsicher und leicht zu transportieren. Zudem können sie meist als Master-Clock dienen, zu der andere Instrumente synchronisiert werden, und/oder lassen sich andersherum auf eine einfache Weise zu externen Sequenzern synchronisieren.

Die Sequenzer vieler moderner Drummachines bieten darüber hinaus Funktionen, mit denen sich das Beatmaking kreativ in die Performance einbinden lässt. Man ist nicht mehr darauf beschränkt, vorprogrammierte Patterns abzuspielen, sondern kann jederzeit eingreifen und spontane Veränderungen vornehmen. So bleibt während eines Live-Sets alles im Fluss und die Beats entwickeln sich dynamisch zusammen mit dem Rest der Arrangements.

Welche Arten der Klangerzeugung gibt es bei Drummachines?

Die ersten Drummachines, die Ende der 1970er bis Anfang der 1980er herauskamen, erzeugten ihre Sounds mit analogen Synthesizerschaltungen. Zu dieser Kategorie gehören Klassiker wie die Roland CR-78, TR-808 und TR-606 oder die Korg KPR-77. Zur Erzeugung der verschiedenen Instrumente wie Bassdrum, Snare und Becken besaßen sie jeweils spezielle Kombinationen aus analogen Oszillatoren, Rauschgeneratoren, Filtern und Hüllkurven. Mit einem echten Schlagzeug hatte das Ergebnis natürlich kaum etwas gemeinsam. Damals galt das als großer Nachteil, weshalb die analogen Drummachines bald vom Markt verschwanden, als es Alternativen gab. Heute sind sie gerade wegen dieser Klänge, die viele Stile der elektronischen Musik entscheidend prägten, besonders begehrt.

Die nächste Entwicklungsstufe wurde mit der Sampling-Technik erreicht. Statt Sounds mit analogen Schaltungen synthetisch zu erzeugen, spielen samplebasierte Drumcomputer zuvor aufgenommene Audioaufnahmen von Schlagzeugsounds ab, wodurch man dem Klang eines echten Schlagzeugs deutlich näherkam. In der Übergangszeit von analogen zu samplebasierten Drummachines gab es Hybridmodelle wie die Roland TR-909, die ihre Bassdrum, Snare und Toms analog erzeugt, für die Becken, Hi-Hats und weitere Sounds jedoch auf Samples setzt. Die erste rein samplebasierte Drummachine war die Linndrum; später folgten weitere Klassiker wie Oberheim DMX, Sequential Circuits Drumtraks und Roland TR-707 sowie TR-505. Mit ihrer geringen Sample-Auflösung klangen diese Maschinen immer noch nicht wirklich nach echten Drums, drückten aber vor allem dem Synthpop-Genre der 1980er ihren klanglichen Stempel auf.

Während sich die Synthesizer in den darauffolgenden Jahrzehnten ständig weiterentwickelten, ließ die nächste echte Innovation im Bereich der Drummachines eine ganze Weile auf sich warten. Bei Synthesizern hielten in den 1990ern Techniken wie DSP-basiertes Physical Modeling und Analog Modeling Einzug. Auch im Bereich der E-Drums für Schlagzeuger kommt das Physical-Modeling-Verfahren schon lange zum Einsatz. Bei den Hardware-Drumcomputern wurde diese Stufe jedoch erst im Jahr 2014 mit der Einführung der Roland TR-8 erreicht. Sie verwendet eine Technik namens ACB (Analog Circuit Behavior) zur Simulation der analogen Schaltkreise von Klassikern wie TR-808 und TR-909. Auch die später erschienenen Modelle TR-08 und TR-09 nutzen dieses Verfahren.

Heute findet man auf dem Markt Drummachines mit allen diesen Verfahren zur Klangerzeugung. Wir haben also die freie Auswahl aus analoger Synthese, Sampling und der digitalen Emulation analoger Schaltungen. Manche Drummachines bieten auch eine Kombination verschiedener Verfahren. Je nachdem, welche Sounds gewünscht sind, kann man sich heutzutage also das Beste aus allen Welten heraussuchen.

Sounds: Analog vs. Sampling

Bei der Wahl einer Drummachine sollte man sich zunächst darüber Gedanken machen, welche Art von Drumsounds man benötigt. Je nach Musikstil und persönlichen Vorlieben können analoge Sounds, Samples oder eine Mischung aus beidem das Richtige sein. Grundsätzlich lassen sich die verschiedenen Optionen grob so charakterisieren:

  • Analoge Drumsounds basieren auf Schaltungen wie Oszillatoren, Rauschgeneratoren, Filtern und Hüllkurven, die so abgestimmt werden, dass der gewünschte perkussive Klangcharakter erreicht wird. Sie erinnern klanglich nur entfernt an ihre akustischen Vorbilder, haben jedoch eine eigene Klangästhetik, die die elektronische Musik nachhaltig geprägt hat. Bis heute gelten die Sounds der klassischen analogen Drummachines wie TR-808 und TR-909 (hier nur Kick, Snare und Toms) in diesem Segment als der Standard, an dem sich alle messen lassen müssen. Viele heutige analoge Drummachines simulieren deshalb die Sounds der klassischen Roland-Geräte; es gibt aber auch einige Neuentwicklungen mit eigenständigem Sound, wie z. B. den Arturia DrumBrute. Bei einigen modernen Drummachines wird das Verhalten der analogen Schaltkreise durch digitale DSP-Algorithmen nachgebildet; man spricht dann von einer virtuell-analogen Drummachine
  • Sampling-Drumsounds basieren auf Audioaufnahmen, die sich in einer variablen Geschwindigkeit, Länge und Tonhöhe abspielen lassen. Da im Prinzip jedes Geräusch gesampelt werden kann, sind samplebasierte Drummachines klanglich vielseitiger: Von akustischen Drums über Samples klassischer Drumcomputer bis hin zu Effektsounds und anderen Instrumenten wie Bass können sie je nach Ausstattung eine große Bandbreite von Sounds hervorbringen.
    Sehr wichtig ist bei samplebasierten Drummachines die Frage, ob die Samples vorinstalliert und unveränderlich sind, oder ob man eigene Samples in die Maschine laden kann. Letzteres erweitert die klanglichen Möglichkeiten natürlich erheblich und ermöglicht das Erstellen von individuellen Sounds. Bei Drummachines, die die Verwendung eigener Samples ermöglichen, ist darüber hinaus die Frage interessant, ob das Gerät über einen Audioeingang verfügt und selbst sampeln kann, oder ob Samples über USB oder eine SD-Karte importiert werden müssen.
  • Hybride Drummachines: Einige moderne Drummachines bieten hybride Konzepte, die die Vorteile von Samples und analoger Synthese miteinander verbinden. Dabei gibt es verschiedene Ausprägungen. So kann man beim Elektron Analog Rytm für jeden der zwölf Kanäle wählen, ob die analoge Klangerzeugung oder ein Sample verwendet werden soll. Auch für die samplebasierten Sounds steht dann eine analoge Signalkette aus Filter, Overdrive und VCA zur Verfügung, um die Klänge weiter zu formen. Andere Drummachines wie die Jomox Alpha Base und der MFB Tanzbär 2 bieten Kombinationen aus analogen Sounds und einigen Sample-Instrumenten, in die man teilweise auch eigene Samples laden kann.

Hat man sich für ein Verfahren zur Klangerzeugung entschieden, kommt als nächstes die Frage, welche Möglichkeiten zum Anpassen der Klänge man benötigt. Bei den klassischen Drummachines der 1980er gab es Regler für einige wenige Parameter pro Sound (z. B. 808, 909) oder – bei einfachen Einsteigermodellen – gar keine Regelmöglichkeiten (z. B. 606). Manche moderne Drummachines bieten deutlich ausgefeiltere Möglichkeiten, an Klängen zu „schrauben“, und wer gern an individuellen Sounds feilt, sollte sich diese Optionen vor dem Kauf genau ansehen.

Bei komplexen Drummachines mit verschiedenen Verfahren zur Klangerzeugung stellt sich außerdem die Frage der Bedienbarkeit: Sind alle wichtigen Klangparameter im direkten Zugriff, oder erreicht man einige Einstellungen nur über ein Menü? Gerade im Hinblick auf Live-Performances kann das ein entscheidender Faktor sein.

     

Anschlüsse: Einzelausgänge, MIDI, Sync und Co.

Wie gut sich eine Drummachine mit dem Rest des Setups „versteht“, hängt nicht zuletzt von den Anschlüssen ab. Klar, ein Audiosignal kommt aus jeder Drummachine irgendwie heraus, und meistens besteht auch eine Möglichkeit zur Synchronisation mit anderem Equipment, aber im Detail gibt es erhebliche Unterschiede.

Wer die Sounds seiner Drummachine getrennt aufnehmen und/oder abmischen möchte, der benötigt Einzelausgänge für die einzelnen Instrumente wie Bassdrum, Snaredrum und Hi-Hats. So lassen sich verschiedene Signale auf mehrere Mischpultkanäle legen oder auf mehreren Spuren einer DAW aufnehmen. Mit externem Equipment ist eine viel detailliertere und individuellere Nachbearbeitung der Klänge möglich, als es der interne Mixer der Drummachine bietet. Auch hat man nachträglich noch die Möglichkeit, den Mix zu verändern, wenn alle Spuren einzeln vorliegen. Vor allem im Studio sind Einzelausgänge also sehr zu empfehlen. Auch für Live-Acts, die auf eine sorgfältige Mischung Wert legen, stellen sie ein wichtiges Kriterium dar.

Eine andere wichtige Frage ist, welche Möglichkeiten bzw. Anschlüsse zur Synchronisation zu externem Equipment eine Drummachine bietet. Schließlich nützt die beste Drummachine nichts, wenn sie nicht synchron mit anderen Sequenzern, Synthesizern oder einer DAW läuft. Dafür gibt es verschiedene Verfahren und Anschlüsse. 

So gut wie alle modernen Drumcomputer lassen sich über MIDI-Clock synchronisieren und können dabei entweder als Master oder Slave laufen. Viele aktuelle Modelle bieten eine USB-Buchse zur MIDI-Verbindung mit einem Computer. Vor allem, wenn die Drummachine ohne Rechner eingesetzt und vielleicht sogar zur Ansteuerung von externem Equipment verwendet wird, sind darüber hinaus auch die klassischen, 5-poligen DIN-MIDI-Anschlüsse sehr wichtig.

Im Zuge des Analog-Revivals der letzten Jahre verfügen immer mehr aktuelle Drummachines auch wieder über eine Möglichkeit zur Synchronisation über analoge Clock-Impulse. Damit lassen sie sich einerseits zu klassischen Maschinen wie der TR-808 synchronisieren. Andererseits kann eine analoge Clock die Brücke zwischen Drummachine und analogem Equipment wie einem modularen Synthesizer schlagen. 

Für analoge Clock-Signale gibt es verschiedene Standards, die sich im Hinblick auf die verwendete Spannung, die Dauer der einzelnen Clock-Impulse und die Zahl der Impulse pro Viertelnote (ppqn) unterscheiden. Auch bei den Anschlüssen gibt es Unterschiede. Manche Drummachines bieten DIN-Sync-Buchsen nach dem von Roland in den frühen 1980ern vor der Erfindung von MIDI etablierten Standard. Bei einigen Modellen lassen sich die MIDI-Buchsen zu DIN-Sync-Buchsen umfunktionieren. Viele aktuelle Geräte senden und empfangen analoge Clock-Signale aber auch über Miniklinkenbuchsen, wie etwa die Korg volca-Serie, die Sequenzer der Arturia Beatstep- und Keystep-Serien und alles, was ins Eurorack-Format passt.

Mitunter muss man etwas experimentieren, bis zwei Geräte miteinander harmonieren. Jedes Setup ist unterschiedlich; wer ganz sichergehen möchte, sollte daher im Netz nach Erfahrungsberichten von Nutzern der betreffenden Gerätekombination suchen.

Sequenzer: Immer einen Step voraus

Der integrierte Sequenzer hat neben den Sounds einen entscheidenden Anteil daran, wie gut eine Drummachine zu den jeweiligen persönlichen Vorlieben und musikalischen Vorstellungen passt. Während die Sounds für den Klang der Maschine verantwortlich sind, entscheidet der Sequenzer darüber, welche Rhythmen sich umsetzen lassen, wie flexibel man damit arbeiten kann und wie live-tauglich die Drummachine ist.

So gut wie alle aktuellen Drummachines bieten einen Step-Sequenzer, der mehr oder weniger an die Roland TR-Maschinen der 1980er angelehnt ist. Das bedeutet: Step-Taster (meist 16) zum Eingeben der einzelnen Steps und LEDs zur Anzeige der gesetzten Steps und der Abspielposition innerhalb des Patterns (Lauflicht). Zur Programmierung von Patterns gibt es oft verschiedene Modi. Viele Maschinen bieten einen Step-Modus zum manuellen Setzen von Steps und einen Live-Recording-Modus, in dem sich Patterns über die Pads bzw. Taster für jedes Instrument „eintrommeln“ lassen. Je nach Drummachine können noch weitere Optionen zur Verfügung stehen.

Neben dem Pattern-Modus bieten viele Drummachines einen Song- bzw. Track-Modus, in dem sich mehrere Patterns zu einem längeren Arrangement verketten lassen. Fast alle Drummachines verfügen darüber hinaus über eine Swing-Funktion, die sich je nach Gerät mehr oder weniger detailliert einstellen lässt.

Soweit die Grundlagen, die bei heutigen Drummachines zur Standardausrüstung gehören. Im Detail gibt es aber erhebliche Unterschiede, die einen großen Teil dazu beitragen, ob ein Sequenzer zur eigenen Arbeitsweise im Studio und auf der Bühne passt.

Wichtig ist zum Beispiel die Frage, ob und auf welche Weise der Sequenzer Klangparameter der einzelnen Sounds aufzeichnen und abspielen kann. Bei vielen einfachen, analogen Maschinen (z. B. Behringer RD-8, Arturia DrumBrute) ist das gar nicht möglich. Andere Drummachines (z. B. Elektron) ermöglichen die Programmierung von Klangparametern pro Step (Parameter Lock). Wieder andere (z. B. Korg volca-Serie) bieten eine Möglichkeit zur kontinuierlichen Aufzeichnung von Reglerbewegungen (Motion Sequencing). Wer komplexe Sequenzen mit vielen Klangveränderungen und Modulationen erstellen möchte, sollte sich mit diesen Möglichkeiten im Detail vertraut machen.

Große Unterschiede gibt es auch bei der Länge von Patterns und der Frage, wie flexibel man sie handhaben kann. Bei aktuellen Drummachines reicht die maximale Anzahl von Steps pro Pattern von 16 bei einfachen Geräten bis 64 bei gut ausgestatteten Maschinen. Hat ein Pattern mehr als 16 Steps, so kann man meist mit Page-Tastern durch die einzelnen „Seiten“ blättern. Einige Drummachines (z. B. Elektron, Jomox) ermöglichen es, die Patternlänge für jedes Instrument bzw. jede Spur einzeln einzustellen (Last step), wodurch sich raffinierte rhythmische Verschiebungen zwischen den Instrumenten erreichen lassen. Mitunter lässt sich auch pro Spur eine andere Step-Auflösung (1/4, 1/8, 1/16, Triolen, etc.) wählen, was die Tür zu polyrhythmischen Patterns öffnet. Die Sequenzer von Elektron bieten eine Microtiming-Funktion zum geringfügigen Verschieben von Noten im Step-Raster, was sehr lebendige Patterns ermöglicht.

Vor allem für Live-Performances ist darüber hinaus die Frage interessant, wie spontan man den Sequenzer „spielen“ kann. Damit man während einer Performance Beats improvisieren und spontane Veränderungen vornehmen kann, sollte die Drummachine direkten Zugriff auf Funktionen wie Last step, Step Jump und Step/Note Repeat bieten. Wer eine Drummachine live einsetzt, benötigt außerdem schnellen Zugriff auf die Mutes (Stummschaltung) der einzelnen Instrumente, die sich möglichst für mehrere Instrumente gleichzeitig aktivieren bzw. deaktivieren lassen sollten.

Wenn die Drummachine als Zentrale eines Live-Sets fungieren soll, dann darf man ein Detail nicht vergessen: Nicht alle Drummachines sind in der Lage, ihre Sequenzen als MIDI-Noten auszugeben und somit anderes Equipment zu steuern. Andersherum sind manche Maschinen speziell dafür ausgelegt. Der „Streber“ in dieser Hinsicht ist klar der Elektron Digitakt, der ganze acht separate MIDI-Spuren speziell für diesen Zweck bereitstellt. Bei der Zusammenstellung eines Setups für Live-Performances sollte man sich also mit dieser Frage beschäftigen und sicherstellen, dass die anvisierte Maschine die gewünschten Funktionen bietet.

Aktuelle Drummachines im Test

Nachfolgend findet ihr unsere Testberichte zu aktuell erhältlichen Drummachines, sortiert nach der Art der Klangerzeugung.

Test: Hybride Drummachines

Hybride Drummachines vereinen mehrere Formen der Klangerzeugung, weshalb sie zu den klanglich flexibelsten gehören. Einige der leistungsfähigsten (und teuersten) Drummachines, die derzeit erhältlich sind, fallen in diese Kategorie. 

Elektron Analog Rytm MkII

Mit mehreren analogen Engines zur Erzeugung verschiedener Drumsounds und der Fähigkeit, zusätzlich Samples zu laden, ist der Elektron Analog Rytm MkII eine der vielseitigsten Drummachines, die es aktuell zu kaufen gibt. Die Sounds lassen sich bis ins Detail bearbeiten und formen. Hinzu kommt der sehr leistungsfähige Sequenzer, für den Instrumente von Elektron allgemein bekannt sind. Seit Kurzem ist endlich die offizielle Version der Software Overbridge 2.0 verfügbar, die den Analog Rytm MkII direkt in eine DAW einbindet, inklusive Audio-over-USB.

Bonedo-Testbericht
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Jomox Alpha Base

Der Berliner Hersteller Jomox steht seit Langem für elektronische Drumsounds vom Feinsten, die besonders in der Techno-Szene einen guten Ruf genießen. Die Alpha Base ist die neueste Entwicklungsstufe und vereint in ihren insgesamt 11 Instrumenten mehrere Klangerzeugungen. Die Bassdrum und Snare (MBrane) sind analog. Die übrigen Instrumente basieren auf Samples, die mit analogen Filtern und VCAs nachbearbeitet werden. Zwei Sampling-Instrumente lassen sich mit eigenen Samples bestücken. Hinzu kommt ein sechsstimmiger FM-Synth, sodass das klangliche Repertoire der Maschine bei Drums noch lange nicht endet.

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MFB Tanzbär 2

Auch diese Drummachine kommt aus Berlin. Die Firma MFB ist bereits seit den 1970ern in Sachen elektronische Drums unterwegs und verfügt somit über umfangreiche Erfahrungen mit analogen Drumsounds. Der Tanzbär 2 bietet acht analoge Instrumente (darunter auch ein vollwertiger Bass-Synthesizer) und acht Sampling-Instrumente mit analogen Filtern. Über ein Software-Tool lassen sich eigene Samples in die Maschine laden. Das Bedienkonzept fällt etwas aus der Reihe. Das ändert aber nichts daran, dass der Tanzbär 2 eine äußerst leistungsfähige Drummachine mit tollem Sound ist.

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IK Multimedia UNO Drum

Noch vor nicht allzu langer Zeit war IK Multimedia hauptsächlich als Software-Hersteller bekannt. Das hat sich geändert: Auf den UNO Synth ließ die Firma die UNO Drum folgen, eine kompakte und günstige hybride Drummachine. UNO Drum vereint sechs analoge Sounds mit einer samplebasierten Tonerzeugung, bei der man aus 54 Samples auswählen kann. Eigene Samples lassen sich jedoch nicht laden. Die Haptik der Touch-Pads gefällt nicht jedem, aber die UNO Drum ist klanglich vielseitig und lässt sich sogar mit Batterien betreiben.

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Korg volca Beats

Seit ihrem Start im Jahr 2013 ist die Korg volca-Serie immer weiter gewachsen und umfasst inzwischen neun inspirierende Klangerzeuger im Taschenformat sowie einen Mixer. Die volca Beats gehörte zum Trio der drei „Ur-volcas“ und macht auch nach sieben Jahren immer noch viel Spaß. Sechs analoge Instrumente und vier Samples bilden den Klangvorrat der kleinen Maschine, die wie alle volcas gerade durch ihre Einfachheit sehr inspirierend ist und den Spieltrieb weckt.

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Test: Analoge Drummachines

Moderne analoge Drummachines kommen im Bereich der Klangerzeugung ohne digitale Elemente oder Samples aus. Die Sequenzer sind jedoch auch bei allen diesen Maschinen digital.

Arturia DrumBrute

Der Arturia DrumBrute geht seinen eigenen Weg: Während sich die meisten heutigen analogen Drumcomputer der Emulation der großen Klassiker verschrieben haben, sind die 17 Sounds des DrumBrute ausdrücklich eigenständig. Das bedeutet auch: Entweder mag man sie, oder eben nicht. Der Sequenzer ist umfangreich und bietet einige MIDI-Effekte für Performances, kann aber keine Parameter aufzeichnen. Im Main-Ausgang des DrumBrute steht das Filter des MiniBrute zur Klangformung bereit.

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Behringer RD-6 Analoge Drum Machine

Die RD-6 Analog Drum Machine von Behringer ist neben der RD-8 die zweite Behringer-Kopie einer legendären Roland-Rhythmusmaschine: Der RD-6 stand die Roland TR-606 Drumatix zum Vorbild. Als 'kleine Schwester' der 808 hat auch die 606 über die Jahre Kultstatus erlangt und ist ein gefragtes Objekt. Behringers Nachbau bietet auch hier einen analogen Aufbau und packt zu den klassischen 606-Sounds noch einen "Clap" obendrauf. Weiterhin bietet die RD-6 noch einen zuschaltbaren Distortion-Effekt für weitere Möglichkeiten in der Klanggestaltung. Ausgerüstet mit einer Reihe an Einzelausgängen lassen sich die Sounds neben der normalen Mix Out-Ausgabe auch individuell herausführen. Klanglich bietet die Behringer RD-6 das, was man sich vorstellt, und das zu einem sehr günstigen Preis. Und wer es bunt mag, kann sich seine RD-6 aus einem Angebot mit zehn verschiedenen Farben aussuchen.

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Zu den Produktseiten auf thomann.de*:

Behringer RD-6 SR (Silber)
Behringer RD-6 AM Smiley Edition (Gelb)
Behringer RD-6 BB (Blau Transparent)
Behringer RD-6 BK (Schwarz)
Behringer RD-6 BU (Blau)
Behringer RD-6 GP (Lila Transparent)
Behringer RD-6 LM (Grün Transparent)
Behringer RD-6 TG (Orange Transparent)
Behringer RD-6 SB (Rot Transparent)
Behringer RD-6 RD (Rot)

Behringer Rhythm Designer RD-8

Behringers Kopie der TR-808 wurde von vielen sehnsüchtig erwartet, bringt die Maschine doch den Sound der berühmtesten Drummachine aller Zeiten ins Studio – und das für kleines Geld und voll analog (im Gegensatz zu Rolands eigenen Neuauflagen). Die Sounds der 808 finden sich hier praktisch originalgetreu wieder und wurden um einige zusätzliche Regelmöglichkeiten ergänzt. Beim Sequenzer hat Behringer glücklicherweise einige Updates vorgenommen, darunter bis zu 64 Steps mit Auto-Scrolling und Performance-Effekte wie Note / Step Repeat. 

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Arturia DrumBrute Impact

Dem DrumBrute hat Arturia den noch kompakteren und günstigeren DrumBrute Impact zur Seite gestellt. Anders, als man vielleicht vermuten könnte, ist der Impact nicht einfach eine abgespeckte Version des DrumBrute mit nur 10 Sounds. Er klingt rauer und aggressiver und bietet mit der FM-Drum sogar eine sehr wandlungsfähige Drum-Stimme, die man beim „Großen“ nicht findet. 

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Cyclone Analogic TT-606 Drum Drone

Die „Drum Drone“ von Cyclone Analogic ist derzeit (noch) die authentischste Hardware-Emulation der Roland TR-606. Dabei ist die TT-606 keine 1:1-Kopie des Vorbilds. Sie ergänzt den doch sehr begrenzten Klangvorrat der 606 um Rimshot und Clap und bietet sogar die Möglichkeit, pro Sound jeweils einen Parameter zu verändern, was beim Original nicht geht. Der Sequenzer bietet ebenfalls einen erweiterten Funktionsumfang. Mit der RD-6 von Behringer und der DIN-Sync RE-606 wird die TT-606 bald starke Konkurrenz bekommen.

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Cyclone Analogic TT-78 Beat Bot

Der TT-78 Beat Bot ist eine Emulation der Roland CR-78, auch als „In-the-Air-tonight-Drummachine“ bekannt. Der Beat Bot mit analoger Klangerzeugung steckt im gleichen Gehäuse wie die Drum Drone, bietet aber mehr Sounds. Das hat zur Folge, dass einige Regler mehrere Aufgaben übernehmen müssen und sich mehr Klänge durch die begrenzte Zahl der Einzelausgänge quetschen müssen. CR-78-Fans werden diese Einschränkungen jedoch gern in Kauf nehmen. Der Sequenzer entspricht dem der TT-606.

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Test: Digitale Drummachines

In die Kategorie Digitale Drummachines fallen sowohl virtuell-analoge als auch samplebasierte Drummachines. 

Elektron Digitakt

Der Elektron Digitakt bietet acht Audiospuren für gesampelte Drums (oder andere Samples). Zur Klangbearbeitung stehen u.a. Multi-Mode-Filter und Overdrive zur Verfügung. Die Maschine kann selbst sampeln, bietet einen Elektron-typischen Sequenzer mit einem sehr großen Funktionsumfang und lässt sich über Overbridge in eine DAW einbinden. Zudem kann der Digitakt über acht dezidierte MIDI-Spuren externes Equipment steuern, was ihn zu einer guten Wahl als Schaltzentrale eines Live-Setups macht.

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Roland TR-8S

Mit der TR-8 präsentierte Roland im Jahr 2014 eine Drummachine, die die Sounds der TR-808 und TR-909 per digitaler Emulation zurückbrachte. Die TR-8S ist eine überarbeitete Version mit Sample-Unterstützung und deutlich verbessertem Sequenzer mit Parameter-Aufzeichnung. Die Expansion-Packs für die Sounds der TR-606, 707 und 727, die bei der ursprünglichen TR-8 kostenpflichtig waren, sind hier gleich mit inbegriffen, wodurch die Maschine klanglich sehr vielseitig ist.

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Elektron Model:Samples

Model:Samples ist eine Sampling-Drummachine von Elektron im kompakten Format und zu einem deutlich günstigeren Preis als der Digitakt. Auch hier darf der Sequenzer nicht fehlen, der für viele das entscheidende Argument für Elektron ist. Verzichten muss man gegenüber dem Digitakt unter anderem auf Sampling direkt am Gerät, Overbridge-Unterstützung und die separaten MIDI-Spuren. 

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Roland TR-08

Mit der TR-08 widmete Roland der berühmten TR-808 aus eigenem Hause nach der TR-8 eine weitere Reinkarnation, diesmal im sehr kompakten (manche sagen: zu fummeligen) Format der Boutique-Serie. Die TR-08 sieht der 808 optisch ähnlicher, arbeitet aber wie die TR-8 mit digitalen Emulationen der analogen Sounds. Durch die analoge und sehr günstige Behringer RD-8 hat die Maschine starke Konkurrenz bekommen und es ist fraglich, ob sie sich noch lange im Markt wird halten können.

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Korg volca Drum

Die Korg volca Drum ist eine digitale Drummachine auf Basis von DSP-Algorithmen. Ihre vielseitigen Sounds ergänzen sich sehr gut mit der analogen volca Beats, sodass die beiden Maschinen zusammen eine große Bandbreite von Drumsounds im volca-Universum bereitstellen. Wie bei allen volcas stehen hier Spontaneität, Kreativität und Experimentierfreude im Vordergrund.

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Teenage Engineering PO-12 Rhythm

Wie die restlichen Pocket Operators ist der PO-12 Rhythm äußerlich sehr einfach gehalten – eine Platine mit Buttons, zwei Reglern und einem Display, ein Drahtbügel, das war’s. Ähnlich wie die Korg volca-Serie bieten die POs viel Spielfreude im Miniformat, und genau wie die volcas sollte man sie klanglich keinesfalls unterschätzen. 

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Teenage Engineering PO-32 Tonic

Und gleich noch ein Pocket Operator: Der PO-32 Tonic basiert auf dem MicroTonic Plug-In von Sonic Charge und ist mit diesem kompatibel. Man kann also mit der Software Sounds und Sequenzen erstellen und diese dann auf der taschenrechnergroßen Hardware live spielen. Natürlich funktioniert der PO-32 aber auch ohne das Plug-In. Darauf einen Gin Tonic!

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Alesis SR18

Alesis blickt auf eine lange Geschichte der Herstellung von Drumcomputern zurück, die in den 1980ern mit der HR16 begann. Auch die SR18 ist schon seit etlichen Jahren auf dem Markt. Die samplebasierte Maschine mit festem Samplevorrat ist eher nicht für die Produktion von elektronischer Musik konzipiert, sondern als Rhythmusmaschine zur Begleitung beim Üben und für Entertainer.

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