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27.09.2017

5 Tipps & Riffs für einen gelungenen Bass-Soundcheck

Mit diesen Tricks gelingt der Soundcheck garantiert!

So arbeitet man effizient und hinterlässt einen professionellen Eindruck

Der Bass-Soundcheck steht an: Man ist ganz allein auf der Bühne, hat die Aufregung vor der sich anbahnenden Show im Genick. Mitunter sind sogar noch mehr oder weniger wichtige Leute (Management, Booker, Veranstalter ...) mit im Raum, die sich das Geschehen auch mit anhören. Ganz klar, hier möchte man natürlich glänzen und etwas Ordentliches spielen. Doch nicht selten besteht dadurch die Gefahr, sich in sinnlosem Gefuddel zu verheddern, um zu zeigen, was man alles drauf hat. Und eben darum geht es ja NICHT bei einem Soundcheck! Hier ist cool bleiben angesagt, um dem Mischer das zu liefern, was er für seine Arbeit benötigt. Hier findet ihr 5 Tipps, auf die es ankommt, damit ihr den oft nervigsten Teil des Abends entspannt und reibungslos hinter euch bringt.

1 Pünktlichkeit

Pünktlich zu erscheinen heißt nicht nur für einen selber weniger Stress und mehr Zeit für den Aufbau und Soundcheck, sondern vermittelt auch den Kollegen den nötigen Respekt. Ihr zeigt damit, dass ihr die Sache ernst nehmt und bringt schon mal von Anfang an entspannte Vibes mit auf die Bühne. Hier ein konkretes Beispiel: Aufbau und Soundcheck soll um 17 Uhr beginnen. Das heißt für mich, dass ich um 16.30 Uhr an der Bühne bin.

Immer mit einplanen sollte man die Anfahrtszeiten und die Ortskenntnis. Wenn vom Parkplatz zur Bühne noch 1 km zu laufen ist, muss ich versuchen, mir diese Information schon vorher einzuholen, um entsprechend kalkulieren zu können. Also immer einen Zeitpuffer mit einplanen!

2 Disziplin

Ist die Bühne für die Band zum Aufbau freigegeben, baue ich mein Setup auf und spiele maximal einen kurzen Ton an, um zu hören, ob alles läuft. Da man als Bassist in der Regel am wenigsten aufzubauen und zu verkabeln hat, heißt es danach: Geduldig warten, bis alle Kollegen fertig aufgebaut haben! Auf keinen Fall sollte rumgedudelt oder gar noch Effekte programmiert werden etc., denn das erhöht für alle unnötig den Nervfaktor und die Anspannung.

Auch mit dem Festkleben von Kabeln, um Stolperfallen zu vermeiden, warte ich noch, da sich meine Position ja eventuell noch verändern könnte - je nachdem, wie Räumlichkeit und Größe der Bühne beschaffen sind. Schließlich sollen sich auch die Mitmusiker auf der Bühne wohlfühlen. Da kann es schon mal passieren, dass man gebeten wird, sich doch noch einen halben Meter nach links oder rechts zu platzieren.

3 Know your gear - das eigene Equipment kennen!

Das eigene Setup muss ich schon lange vorher im Proberaum oder zuhause so gut kennengelernt und gecheckt haben, dass ich auf der Bühne im Prinzip direkt loslegen kann. Ich sollte also wissen, was mein Bass, Preamp und/oder Verstärker für einen Sound an das FOH rausschieben. Dabei ist es besonders wichtig, dem Mischer ein ordentliches Pfund zu liefern, damit er mit dem vollen, auch spielerischen Dynamikumfang arbeiten kann. Wenn ich während des Soundchecks erst mal überlegen und herausfinden muss, wie z.B. ein Kompressor eingestellt wird oder was die Regler am Verstärker so alles können, habe ich schon verloren, denn das möchte in dieser Situation wirklich niemand hören!

Nicht selten legen Techniker auch Wert darauf, die von ihnen bereitgestellte DI-Box zu benutzen. Das ist ein heikles Thema und führt nur allzu oft zu Unstimmigkeiten zwischen Musiker und Technik-Crew. Also nicht beleidigt sein und ruhig mal das Angebot annehmen, wenn der Mischer den DI-Ausgang deines Amps nicht so toll findet. Mischer haben in der Regel schon oft brummende oder defekte verstärkerinterne DI-Boxen erlebt und wollen daher gerne von Anfang an Stress vermeiden und auf Nummer sicher gehen, dass dauerhaft ein verlässliches Signal bei ihnen ankommt.

Grundsätzlich sollte die Lautstärke des Basssignals von hoher Qualität sein, also ruhig mal Vollgas geben und ordentlich in die Saiten langen, damit der Mischer weiß, wie hoch er den Gain an seinem Pult maximal regeln darf und wie viel Headroom er einplanen muss.

4 Konkreter Groove

Nach den Drums sind meistens wir Bassisten dran mit unserem Soundcheck. "Cool, da lasse ich es immer so richtig krachen!" Nein, eben nicht! Es geht hier ja nicht darum, ein tolles Solo zu spielen, sondern dem FOH einen anständigen Pegel zu liefern und den Frequenzbereich aufzuzeigen, im dem wir Bassisten hauptsächlich arbeiten. Schon zuhause habe ich mir daher im besten Fall überlegt, was ich in dieser spannenden Situation spielen möchte.

Das beim Soundcheck Gespielte sollte natürlich in irgendeiner Art etwas mit dem Stil der Band zu tun haben. Konkret: bei einer Metalband brauche ich meinen Slapdaumen gar nicht erst auszupacken, bei einer Countryband kann ich den Verzerrer ruhig zuhause lassen usw. Stattdessen darf es kurz und knackig sein, z.B. ein zweitaktiges Riff, welches auf Zuruf jederzeit abgebrochen werden kann und muss. Dazu gibt es in den Klangbeispielen weiter unten noch ein paar Informationen.

Gerne folgt noch nun ein Drum- und Bass-Soundcheck, bei dem ihr euch mit euren Drummern auch schon im Vorfeld absprechen solltet, was ihr gemeinsam spielen wollt.

5 Gesamt-Soundcheck

Disziplin ist auch wieder hierbei gefordert, denn der Gesamt-Soundcheck der Band ist oft der heikelste Teil des Abends, werden hier doch die Weichen für ein gutes Gelingen des Konzerts und der gesamten Bandstimmung gestellt. Es ist äußerst zeitraubend und nervig, wenn erst im laufenden Soundcheck auf der Bühne diskutiert wird, welchen Song die Band zusammen anspielt. Einigt euch schon vorher im Proberaum, was gespielt wird bzw. lasst den Bandchef einfach entscheiden. Idealerweise hat man drei Soundcheck-Songs parat, die repräsentativ für den Stil und den Sound der Band sind.

Beim Gesamt-Soundcheck gehe ich am liebsten in folgender Reihenfolge vor: zuerst spielt nur die Band ohne die Vokalisten ein Instrumentalriff oder einen repräsentativen Songteil in Schleife, um zunächst nur die Instrumente gut aufeinander einpegeln zu können.

Jetzt geht es ja auch um die Monitorsituation auf der Bühne - also darum, dass sich jeder gut hört und wohlfühlt. Dabei wird immer wieder mal abgebrochen um nacheinander (!) dem Monitormischer seine Bedürfnisse mitzuteilen. Danach setzen sich Sängerinnen und Sänger auf den nunmehr optimal eingepegelten Sound, und schon kann die Band in Vollbesetzung loslegen und einen Song am besten mal ganz durchspielen, damit der FOH-Techniker das Gesamtpaket für die Zuhörer in Form bringen kann.

Nicht verkehrt ist meiner Erfahrung nach übrigens, als dritten und letzten Soundcheck-Song den Opener des Sets, also die erste Nummer des Konzertabends anzuspielen. Das gibt allen Beteiligten ein gutes Gefühl von Sicherheit, so dass niemand unangenehm überrascht wird, wenn es dann heißt: Bühne frei!

Im Folgenden habe ich euch noch 5 knackige Riffs notiert, mit denen man gut durch jeden Soundcheck kommt. Das Prinzip dabei ist immer das gleiche: ich spiele eine Linie zum Beispiel in tiefer Lage und transponiere diese auch in andere Lagen, um einen breiteren Frequenzbereich anbieten zu können. Scheut euch auch nicht, ruhig eine eigene Basslinie (Beispiel 5) zum Besten zu geben! Damit kommt eure persönliche Spielweise ja vielleicht noch besser zum Tragen.

1 Rock-/Pop-Riff im Fingerstyle

Auf Basis der Basslinie des Songs "Daddy Cool" funktioniert diese mit ihrem dichten Groove ganz gut, um den tiefen und mittleren Frequenzbereich gut auszuleuchten. Dabei spiele ich das Riff auf allen Saiten und liefere dem FOH-Mischer somit ein breites Spektrum meines Sounds.

2 Metal-Riff mit Verzerrung und Plektron

Hier bediene ich mich bei Metallica und spiele das Basis-Riff von "Enter Sandman". Ich transponiere das Riff wieder eine Quart höher, um dem Mischer einfach etwas mehr tonalen Umfang zu liefern, als das Riff eigentlich hergibt.

3 Slap-Riff

Spiele ich in einer Funk- und Soulband, bleibt es nicht aus, auch mal den Slapdaumen auszupacken. Am besten im Wechsel mit dem Fingersound. Dafür nehme ich gerne einen alten Steve-Wonder-Kracher, der gut und gerne gecovert wird, nämlich das Riff von "Higher Ground". Auch diese Basslinie spiele ich einmal von E ausgehend, danach von A und das Ganze auch noch in der hohen Oktave.

4 Slap-Riff im Fingerstyle

Jetzt erweitere ich das "Higher Ground"-Riff mit ein paar zusätzlichen Tönen und spiele es im Fingerstyle. Wieder leuchte ich alle nötigen Frequenzen aus und der Mischer sollte nun wissen, was ihn erwartet.

5 "My favorite lick" (Universal-Riff)

Letztlich hat jeder seine Eigenart zu spielen, daher passiert bei mir immer auch eine Art "Universal-Riff", welches aus meiner Feder stammt und das eigentlich in fast jeden Kontext passt. Dazu bediene ich mich der Basslinie des Songs "P@Night" von meiner CD "Crazy Man". Hier greife ich zu einem Fünfsaiter-Bass, denn auch das Signal der tiefen B-Saite sollte der Tontechniker mal gehört haben.

In diesem Video könnt ihr alle vorgestellten Grooves noch einmal sehen und hören:

 

Ich hoffe, diese Tipps sind eine gute Anregung und helfen euch beim nächsten Soundcheck, wenn der Bass zwar alleine spielen muss, es aber nicht in ein "Ich zeig mal, was ich drauf habe!" ausarten soll.

Einen guten Groove und auf bald, euer Samy

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