Der Markt für Precision-Bässe ist mittlerweile kaum noch zu überblicken. Vom sensationell günstigen Einsteigerinstrument bis hin zum edlen Custom-Shop-Modell ist alles vertreten – entsprechend groß ist die Auswahl. Wer allerdings nicht allzu tief in die Tasche greifen möchte, sei es als Anfänger, Gitarrist auf Bass-Abwegen oder einfach als Zweitinstrument für den Proberaum, landet früher oder später bei Harley Benton. Die Eigenmarke von Thomann hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht, wenn es um viel Gegenwert fürs Geld geht – insbesondere die Deluxe- und Vintage-Serien erfreuen sich großer Beliebtheit.

Mit dem MV-4P Daphne Blue schickt Harley Benton einen klassischen Preci mit zeitgemäßen Features ins Rennen, der optisch stark an die Sechzigerjahre angelehnt ist. Der Bass kommt mit einem Erlekorpus, einem geschraubten Hals aus geröstetem Ahorn mit Lorbeergriffbrett samt Perloid-Blocks und floureszierenden Dots, bestückt mit einem traditionellen Alnico-5-Split-Coil-Pickup und passiver Elektronik. Das frische Daphne-Blue-Finish samt Matching Headstock rundet den stimmigen Retro-Look schließlich ab. Ob der MV-4P Daphne Blue mehr kann als nur gut aussehen – und vor allem, wie er klingt –, finden wir im folgenden Test heraus.
- klassischer Preci-Sound mit moderner Note
- gelungene Retro-Optik
- sehr umfangreiche Ausstattung
- guter Spielkomfort, nicht kopflastig
- hervorragendes Setup ab Werk
- überragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
- keins
- Coole Retro-Optik
- Bewährte Zutaten in guter Qualität
- Gibt es Besonderheiten am MV-4P?
- Auch bei den Saiten wurde nicht gespart
- Split-Coil-Pickup wie es sich für einen Preci gehört
- Kann die Ausstattung des MV-4P überzeugen?
- Wie gut lässt sich der Harley Benton MV-4P bespielen?
- Out of the box optimal eingestellt
- Kommt der Sound an das Original heran?
- Variable Sounds bis hin zu Metal
- Was sind die Alternativen zum Harley Benton MV-4P Daphne Blue Bass?
- Fazit
Coole Retro-Optik
Der Harley Benton MV-4P ist wirklich eine Schönheit und hat optisch einiges zu bieten: eine poppige Lackierung in Daphne Blue samt Matching Headstock, ein Parchment-Pickguard und ein eingefasstes Griffbrett mit markanten Perloid-Block-Inlays – der coole 60er-Jahre-Look holt mich persönlich sofort ab. Auch die anderen erhältlichen Variationen „Seafoam Green“, Burgundy Mist“ und das schlichte „Black“ stehen dem MV-4P gut – da fällt die Wahl nicht leicht. Noch interessanter als die Farben sind allerdings die Features unter der Haube, denn Harley Benton verpasst dem an sich klassischen Precision-Bass einige Modernisierungsmaßnahmen, die in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich sind.

Bewährte Zutaten in guter Qualität
Das Kernstück des Budget-Preci ist ein Korpus aus altbewährter Erle, der natürlich in der klassischen Precision-Bass-Form gehalten ist. Dieser wurde im schicken Daphne Blue lackiert und mit einem passenden, dreilagigen Parchment-Pickguard versehen. Sogar ein Thumbrest unterhalb der G-Saite wie bei den Exemplaren aus den 60er-Jahren ist verbaut – Vintage-Fans kommen also voll auf ihre Kosten. In der Praxis dürfte das Teil bei einigen Spieltechniken allerdings eher stören und wird von vielen vermutlich früher oder später demontiert. Der Hals hat es in sich und bietet einige zeitgemäße Features, über die man in dieser Preisklasse wirklich staunt. Das fängt schon beim verwendeten Holz an: Er besteht aus karamellisiertem Bergahorn, also thermisch behandeltem Holz, welches dadurch stabiler und widerstandsfähiger gegenüber äußeren Einflüssen wird. Nebenbei sieht der im Vergleich zu unbehandeltem Ahorn dunklere Ton auch einfach richtig gut aus.
Gibt es Besonderheiten am MV-4P?
Das Griffbrett besteht aus Lorbeerholz und ist mit einer cremefarbenen Einfassung versehen. Neben den 20 Neusilberbünden sitzen große Block-Inlays im Griffbrett, die den Vintage-Look des Precis perfekt machen. Harley Benton legt aber noch einen drauf und spendiert dem MV-4P zusätzlich fluoreszierende Punkte an der Flanke: Die Lagenmarkierungen leuchten im Dunkeln und erleichtern so die Orientierung auf dunklen Bühnen – ein Feature, das man sonst eher bei deutlich teureren Bässen findet.
Ebenfalls selten in dieser Preisklasse ist das praktische Einstellrad für den Zweiwege-Halsspannstab am Griffbrettende. Mit dem mitgelieferten Tool lässt sich der Hals damit sehr komfortabel justieren. Der Trussrod wurde von hinten eingesetzt, was der sogenannte Skunk Stripe aus Roseacer – also der Verschluss des Kanals – auf der Rückseite des Halses verrät.

Auch bei den Saiten wurde nicht gespart
Auch bei den Saiten spart Harley Benton nicht: Ab Werk ist der MV-4P mit D’Addario-Nickelsaiten (EXL165, .045–.105) bespannt, die im Einzelhandel allein schon mit rund 20 € zu Buche schlagen.
Die besagten Saiten laufen über einen Graphitsattel zur klassisch gehaltenen Kopfplatte, die vier leichte, offene Druckgussmechaniken sowie einen breiten Saitenniederhalter für die A-, D- und G-Saite beherbergt – wie man ihn beispielsweise auch von Sandberg-Bässen kennt.
Die Brücke auf dem Korpus hört auf den sperrigen Namen Sung Il WB401CR und ist im Grunde eine typische Vintage-Winkelkonstruktion mit Einstellmöglichkeiten für Intonation und Saitenlage. Die Reiter bestehen allerdings aus Messing, was der Bridge eine etwas hochwertigere Anmutung verleiht.
Split-Coil-Pickup wie es sich für einen Preci gehört
Die Tonabnehmer- und Elektronikausstattung ist schnell beschrieben: Selbstverständlich kommt ein Preci-typischer Split-Coil-Pickup mit Alnico-5-Magneten (HBZ Custom Wound VPB) zum Einsatz, kombiniert mit einer rein passiven Elektronik, die über einen Lautstärkeregler und eine Tonblende bedient wird. Die beiden Potis sind statt mit großen Domeknöpfen mit einfachen Kunststoffknöpfen bestückt – kann man bei Bedarf ja problemlos und günstig austauschen, wenn man den typischen Preci-Look will.
Kann die Ausstattung des MV-4P überzeugen?
Wie man an der Beschreibung sieht, ist die Ausstattung für einen Bass in dieser Preisklasse erstaunlich hochwertig – viele der Features findet man normalerweise erst bei deutlich teureren Instrumenten. Darüber hinaus gibt es auch an der Verarbeitung nichts zu beanstanden. Der Hals sitzt extrem passgenau in der Halstasche und die Lackierung ist absolut in Ordnung, auch wenn sie an manchen Kanten nicht zu 100 % perfekt ausgeführt ist. Die Bundierung erlaubt zudem eine sehr niedrige Saitenlage, was für eine saubere Abrichtung spricht. Wenn ich mit der Pistole auf der Brust irgendetwas kritisieren müsste, dann vielleicht die Stimmmechaniken. Sie haben etwas Spiel und arbeiten nicht sonderlich präzise, auch wenn sie die Stimmung am Ende zuverlässig halten. Wirklich fair ist das allerdings nicht – gemessen am Preis des Basses gehen die Tuner absolut in Ordnung.



