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Steve Vai: Die David Lee Roth Jahre – Biografie, Spielweise & Equipment des Ausnahmevirtuosen (Workshop)

Kaum ein Rockgitarrist hat die technische und klangliche Sprache der E-Gitarre nach Eddie Van Halen so eigenständig erweitert wie Steve Vai. Sein Erfolgsrezept: ein komplett eigener Stil und die spektakuläre Mischung aus Virtuosität, Extravaganz, Spielwitz und grenzenloser Musikalität. Am 6.6.2026 feiert Vai seinen 66. Geburtstag – ein schöner Anlass, um einige seiner heißesten Licks noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Fokus stehen diesmal ausschließlich die ersten David-Lee-Roth-Alben „Eat ’Em and Smile“ und „Skyscraper“. Vor allem diese beiden Platten machen deutlich, mit welcher Innovationskraft Steve Vai die Rockgitarre entscheidend verändert hat.

Steve Vai Workshop bonedo
Credits: Shutterstock / J.A. Dunbar

Die Biografie von Steve Vai

Steve Vai wurde am 6.6.1960 in Carle Place, Long Island/New York, geboren (Fun Fact: seinen 6. Geburtstag feierte er am 6.6.66!) und spielte schon sehr früh Gitarre. Angeblich gründete er seine erste Band bereits mit sieben Jahren. Da Steves Schwester ein großer Led-Zeppelin-Fan war, kam er sehr früh mit Rockmusik in Berührung und bezeichnet Jimmy Page als seinen ersten Haupteinfluss. Daneben stehen auch Jimi Hendrix, Jeff Beck, Ritchie Blackmore und Brian May als Vorbilder auf seiner Liste. Allerdings fand Vai auch in Jazzrock und Avantgarde wichtige Idole, die ihn prägen sollten, wie z. B. Allan Holdsworth und natürlich Frank Zappa.

Von Joe Satriani über Berklee zu Frank Zappa – der spektakuläre Start einer Gitarrenlegende

Ab seinem 13. Lebensjahr erhielt Vai sehr fruchtbaren Gitarrenunterricht bei seinem beinahe Nachbarn Joe Satriani. Anschließend besuchte er für kurze Zeit das Berklee College of Music, wo er sich fundierte musiktheoretische Kenntnisse sowie ausgeprägte Fähigkeiten in Notation und Transkription aneignete. Letztere konnte er sich zunutze machen, als er sich bei Frank Zappa um einen Posten in dessen Band mit einer Transkription der gefürchteten „Black Page“ (einer Instrumentalnummer mit sehr komplexen polyrhythmischen Elementen) bewarb. Dieser war so tief von Vais Talent beeindruckt, dass er ihn sofort als Transkriptionisten in sein Team holte und später als festen Gitarristen für „Strat-abuse“ und „impossible guitar parts“ einstellte.

Steve Vai auf Solokurs: Wie „Flex-Able“, Alcatrazz und Public Image Ltd. den nächsten Schritt einleiteten

Gestählt durch die harte Zappa-Schule verließ Vai die Band 1982, um Solopfade zu beschreiten und 1983 sein erstes Solowerk „Flex-Able“ aufzunehmen. 1984 kam der Anruf von Graham Bonnets Band „Alcatrazz“ – dort war der ausgeschiedene Yngwie Malmsteen zu ersetzen – keine Aufgabe, die leicht zu bewältigen gewesen wäre. Doch Vai schaffte es, auch diesen Job zu meistern und sich nach anfänglichen Akzeptanzproblemen den Respekt der Fans zu erspielen. Noch im gleichen Jahr wurde das Album „Disturbing the Peace“ aufgenommen. Ganz nebenbei trug Vai außerdem Gitarrenparts zu John Lydons Public Image Ltds Album mit dem Titel „Album“ bei.

Steve Vai und David Lee Roth: Die Geschichte hinter „Eat ’Em and Smile“ und „Skyscraper“

Ebenfalls 1985 kam, vermittelt durch seinen Freund und Kollegen Billy Sheehan, das Angebot, beim neuen Projekt des ehemaligen Van-Halen-Sängers David Lee Roth dabei zu sein. Für Vai war es nach Alcatrazz kein wirklich neuer Umstand mehr, in die Fußstapfen eines sogenannten Gitarrenhelden zu treten, und auch anfängliche Vergleiche mit Eddie Van Halen musste er nicht scheuen, war er doch selbst ein großer Bewunderer von Eddies Spiel. Mit David Lee Roth erschienen zwei Platten: 1986 „Eat ’em and Smile“, das in den Billboard-Charts sogar Platz 4 erreichte, und 1988 „Skyscraper“. Das Zweitwerk bescherte mit „Just like Paradise“ zwar einen Charterfolg und kletterte auf Platz 6 der Albumcharts, war jedoch etwas keyboardlastiger und poppiger als „Eat ’Em and Smile“, was die Fans zum Teil mit Skepsis quittierten. Steve Vai verließ am Ende der Skyscraper-Welttournee 1989 schließlich die David-Lee-Roth-Band.

Steve Vai: Mit Whitesnake und „Passion and Warfare“ endgültig zur Gitarren-Ikone

Nach seinem Abstecher zu Whitesnake, wo er auf „Slip of the Tongue“ die Gitarrenarbeit übernahm, veröffentlichte Steve Vai 1990 mit „Passion and Warfare“ sein zweites Soloalbum. Die Platte wurde zum endgültigen Durchbruch und gilt bis heute als wegweisender Klassiker des Instrumental-Rock. In den folgenden Jahren baute er seine Solokarriere kontinuierlich aus, veröffentlichte weitere Alben und arbeitete immer wieder mit anderen Künstlern zusammen. Darüber hinaus blieb er auch in Projekten wie G3 und später Generation Axe eine konstante Größe der Gitarrenszene.

Tech Talk – Steve Vais Equipment

Auch wenn er mittlerweile zig Signature-Produkte in seinem Portfolio hat, gab es Zeiten, in denen auch ein Steve Vai kleinere Brötchen backen musste. Für die Platte „Eat ’Em and Smile“ musste sich Vai einen modifizierten 100W-Plexi-Marshall von Ted Templeman besorgen, der ihn wiederum von keinem Geringeren als Steve Stevens erhalten hatte, seines Zeichens Gitarrist von Billy Idol. Dieser und andere Marshalls wurden angeblich von Lee Jackson (dem Modifizierguru der 80er und 90er) oder Jose Arrendondo getunt. Bei den Endstufenröhren handelte es sich wohl um KT88, bei den Speakern meist um 30W-Celestions (möglicherweise Vintage 30), gelegentlich auch 50W-Celestions (das exakte Modell ließ sich leider nicht recherchieren) in einer 4×12“ Marshall Box. Hier und da kam ein Carvin X100B mit passender Carvin-Box zum Einsatz. 

An Effekten benutzte Vai gelegentlich Verzerrerpedale (wie z. B. den Boss Super Overdrive), ein Cry Baby WahWah sowie ein Roland SDE 3000 Digital Delay. Für Skyscraper kamen dann größere Racks zum Einsatz, bestückt mit dem Eventide Harmonizer, Yamaha SPX 90 oder T.C. Electronic-Effekten. Bei den Gitarren auf dem Debütalbum handelte es sich zum einen um eine grüne Charvel (genannt: „Green Meanie“, die auch als Inspiration für die erste JEM diente), mit Floyd-Rose-Tremolo und einer DiMarzio Humbucker-Singlecoil-Humbucker-Bestückung. Steve Vai hatte den Cutaway weiter ausgefräst, um in höheren Lagen bequemer spielen zu können – der Hals war übrigens aus Ahorn. Gelegentlich kamen jedoch auch Modelle von Jackson oder Tom Anderson zum Einsatz.

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Steve Vai und die Ibanez JEM

Mitte der 1980er begann Vai mit Ibanez an einem Instrument zu arbeiten, aus dem 1987 die erste JEM-Seriengeneration hervorging – anfangs mit Ahorn-, dann mit Palisanderhals. Später kam die 7-saitige „Universe“ hinzu, die zu DLR-Zeiten allerdings noch nicht ihren Weg unter die Finger des Meisters gefunden hatte. Endorsement hin oder her: Auch auf „Skyscraper“ kamen neben der JEM eine Tom Anderson Custom Gitarre, eine B.C Rich 12-Saiter, eine Coral Sitar sowie Guild- und Martin-Akustikgitarren zum Einsatz, also beileibe kein Kleinbesteck, das hier aufgefahren wurde. 

Für unsere Zwecke reicht jedoch ein Amp mit ausreichend Gain, eine Gitarre mit vorzugsweise Humbuckern in Steg- und Halsposition sowie ein verstimmungsfreies Tremolo, das im Idealfall auch nach oben hin bewegt werden kann. Für gewisse Gimmicks darf sich ein Wah hinzugesellen, und für Stücke wie „Good Times“ wäre eine Akustikgitarre nicht schlecht, idealerweise 12-saitig.

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Steve Vais Spiel – Der Workshop

Auf den beiden David-Lee-Roth-Alben setzt Steve Vai nicht nur als Solist neue Maßstäbe, sondern glänzt auch mit raffiniertem und originellem Rhythmusgitarrenspiel. Gerade diese Mischung aus Virtuosität, Spielwitz und markanten Rhythmusparts macht seinen Beitrag auf „Eat ’Em and Smile“ und „Skyscraper“ so besonders.

Wah Trick im Stil von „Yankee Rose“

Gleich zu Beginn des Debütalbums finden wir einen witzigen Gitarre-Vocal-Dialog, den Vai in Kombination mit seinem Tremolohebel und einem WahWah Pedal kreiert. Einen ähnlichen Effekt zeigt er uns übrigens auch auf seinem Solowerk „Passion and Warfare“ im Intro zu „The Audience is listening“. Versucht, den Ton nur mit Tremolo und Hammer On bzw. Pull Offs zu erzeugen, das funktioniert am leichtesten. Möglicherweise ist es hilfreich, sich gesprochene Worte oder ein Lachen, Weinen etc. vorzustellen:

The Audience is listening
Wah Trick im Stil von „Yankee Rose“
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Wah Trick im Stil von „Yankee Rose“

“Yankee Rose” – Intro-Riff

Das Riff von „Yankee Rose“ ist ein klassisches Rockriff mit ein paar kleinen Gimmicks. In Takt 9 hört ihr ein Flageolett, das mit dem Tremolohebel in verschiedene Tonhöhen herabgedrückt wird. Das Lick, das in den Pre-Chorus führt, ist eine elegante Verquickung aus Stretchpentatonik und Slides:

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“Yankee Rose” – Intro-Riff “Yankee Rose” – Intro-Riff Jam-Track

Da das Notenbeispiel etwas länger ist, stellen wir es als PDF zum Download zur Verfügung.

„Goin’ Crazy“ – Intro-Riff

Im Stück „Goin’ Crazy“ finden wir ein sehr flippiges zweistimmiges Riff, das Vai mit den Fingern spielt – hier entsteht bei der Originalaufnahme eine kleine rhythmische Illusion, da man beim ersten Hören den Riffstart auf der Zählzeit 1 vermutet, doch weit gefehlt. Es ist die 1+, ein Trick, den sich auch Kollege Eddie van Halen bei einigen Songs zu eigen macht.

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„Goin’ Crazy“ – Intro-Riff

„Ladies’ Nite in Buffalo?“ – Intro-Riff

„Ladies’ Nite in Buffalo?“ beschert uns eine schöne Mischung aus Singlenotes und zweistimmigen Gitarrenparts.

Ladies’ Nite in Buffalo
„Ladies’ Nite in Buffalo?“ – Intro-Riff
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„Ladies’ Nite in Buffalo?“ – Intro-Riff „Ladies’ Nite in Buffalo?“ – Intro-Riff – Jam-Track

„Ladies’ Nite in Buffalo?“ – Strophen-Riff

Auch jazzige Akkorde können in Rocksongs ihre Nische finden, verbunden mit jazzig-funkigen Oktaven:

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„Ladies’ Nite in Buffalo?“ – Strophen-Riff „Ladies’ Nite in Buffalo?“ – Strophen-Riff – Jam-Track

„Big Trouble” – Intro-Riff

Das Riff von „Big Trouble“ zeigt uns einen schönen offenen C#m7 Akkord und ein sehr schönes Sextenabschlusslick:

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„Big Trouble” – Intro-Riff „Big Trouble” – Intro-Riff – Jam-Track

„Skyscraper” – Strophenakkorde

Auf “Skyscraper” präsentiert bereits der Titeltrack schöne sphärische Open-String-Akkorde, leicht mit dem Tremoloarm bearbeitet. Hier lautet die Devise: Die hohe E-Saite soll als Pedalton immer dabei sein:

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„Skyscraper” – Strophenakkorde „Skyscraper” – Strophenakkorde – Jam-Track

„Two Fools a Minute“ – Intro-Riff

Ein sehr cooler Rocker ist „Two Fools a Minute“. Achtet vor allem auf den ausgeschlafenen Groove sowie die Backslides in Takt 3. Meine Fingerangaben sind nur Vorschläge, aber ich denke, dass ihr damit am besten fahrt:

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„Two Fools a Minute“ – Intro-Riff

„Damn Good“ – Intro-Riff

Auf „Damn Good“ legt uns Steve eine regelrechte Gitarrenwand vor die Füße. Laut eigenen Angaben sind hier sieben Gitarrenspuren zu hören, und das nur im Hauptriff! Dabei kommen eine Coral Sitar, zwei Steelstrings, zwei 12-saitige in doppelter Geschwindigkeit (also in halber Geschwindigkeit aufgenommen) und eine normal aufgenommene aufs Band. Dazu eine cleane E-Gitarre mit auf D heruntergestimmter E-Saite. Auch die tollen Flageoletts solltet ihr auf jeden Fall beachten:

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„Damn Good“ – Intro-Riff

Steves Solo-Spiel

Betrachten wir nun ein paar Soloelemente in Vais Spiel. Anders als bei anderen Gitarristen, die ein spezifisches technisches Element als Hauptcharakterzug ihres Spiels erkennen lassen, beherrscht Vai so ziemlich alle Techniken der modernen Rockgitarre in unglaublicher Präzision.


„Perfect Timing“ – Sweep-Lick

Sweeps finden bei Vai gerne in folgender Form statt, wie z.B. in „Perfect Timing“. Dabei handelt es sich um ein m7 Arpeggio-Shape, das innerhalb der Tonleiter verschoben wird. Da wir in jeder Durscale drei m7-Akkorde finden, nämlich auf der II., III., und VI. Stufe, können wir dieses Shape an verschiedenen Positionen einsetzen:

Perfect Timing

„Perfect Timing“ – Sweep-Lick
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„Perfect Timing“ – Sweep-Lick

„Skyscraper” – Sweep-Lick

Ganz ähnlich auch im ersten Refrain von „Skyscraper“. Das „Schnalzgeräusch“ entsteht dadurch, dass ihr den Tremoloarm von euch weg in Richtung Gurtpin dreht, nach hinten drückt und dann nach oben eben „schnalzen“ lasst. Erinnert ihr euch noch daran, wie ihr diesen Sound in der Schule mit einem Lineal an der Tischplatte gemacht habt?

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„Skyscraper” – Sweep-Lick „Skyscraper” – Sweep-Lick – Jam-Track

„Big Trouble” – Sweep-Lick

Im Outro von „Big Trouble“ gehts ähnlich zur Sache. Den Double-Stop am Ende zieht ihr mit dem Tremolohebel nach oben:

Big Trouble
„Big Trouble” – Sweep-Lick
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„Big Trouble” – Sweep-Lick

„Elephant Gun” – Pentatonik-Lick

Aus der Pentatonik entstammende Repeating-Pattern gibt´s im Hause Vai natürlich auch.
Hier ein Beispiel aus „Elephant Gun“:

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„Elephant Gun” – Pentatonik-Lick

„Stand Up” – Pentatonik-Lick

Oder in leichter Variation bei „Stand up“:

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„Stand Up” – Pentatonik-Lick

„Shy Boy” – Legato-Run

Sequenzläufe beschert uns „the little italian virtuoso“, wie Zappa ihn zu nennen pflegte, in ganz verschiedenen Ausführungen.
Mal legato wie hier in „Shyboy“ – achtet darauf, die rhythmischen Ebenen der Triolen und Sechzehntel deutlich zu machen. Das Lick in Takt 5 und 6 zeigt uns wieder, wie Vai eine Phrase an verschiedene Stellen der Scale platziert und mit identischem Fingersatz abfeuert:

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„Shy Boy” – Legato-Run „Shy Boy” – Legato-Run – Jam Track

„Big Trouble” – Schluss-Lick

Oder am Ende von „Big Trouble“, wo Vai die C# aeolische Skalensequenz zweistimmig in Quinten harmonisiert, im Notenbild sind beide Stimmen übereinander transkribiert. Analysiert diese Sequenz und spielt sie in jedem Skalenpattern, so könnt ihr sie am besten in euer eigenes Spiel integrieren:

Big Trouble
„Big Trouble” – Schluss-Lick
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„Big Trouble” – Schluss-Lick

„Bump and Grind” – Tapping-Lick

Oder auch gerne mal getappt, wie hier in „Bump and Grind“:

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„Bump and Grind” – Tapping-Lick
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„Bump and Grind” – Tapping-Lick „Bump and Grind” – Tapping-Lick – Jam-Track

„Bump and Grind” – Chromatic Lick

Auch Chromatik sorgt für frische Sounds, wie wir hier im Solo von „Bump and Grind“ hören können. Die Rhythmik mit ihren häufig auftretenden Quintolen solltet ihr über das Gehör ins Gefühl bekommen, denn ob Vai hier wirklich an Quintolen gedacht hat, ist schwer zu sagen. Fakt ist allerdings: Wer bei Frank Zappa in der Band spielen wollte, der musste polyrhythmisch sehr fit sein, weshalb es auch durchaus möglich ist, dass Vai sehr bewusst spielte. Die Chromatik entsteht in diesem Lick durch das Mischen der F# dorischen-, F# aeolischen- und der F# Blues-Tonleiter.

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„Bump and Grind” – Chromatic Lick „Bump and Grind” – Chromatic Lick – Jam-Track

„Stand Up” – Stretch-Pentatonik-Lick

Pentatonik-Licks mit Überstreckungen sind uns ja bereits im Intro von „Yankee Rose“ unter die Finger geraten. Bei „Stand Up“ finden wir sie auch:

Stand Up
„Stand Up” – Stretch-Pentatonik-Lick
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„Stand Up” – Stretch-Pentatonik-Lick

„Ladies’ Nite in Buffalo?“ – Solo

Zum Abschluss möchte ich euch noch zwei komplette Soli kredenzen, in denen viel Steve Vai Charakteristik versteckt ist und die eigentlich schon fast eine Steve-Vai-Lick-Enzyklopädie darstellen. Einer meiner persönlichen Favoriten ist das Solo von „Ladies’ Nite in Buffalo?“. Die Schlussphrase habe ich eine Oktave nach unten transponiert, da ich davon ausgehe, dass nicht jeder von euch eine Gitarre mit 24 Bünden hat. Mr. Vai zeigt uns sehr schön, wie er sein Whammybar als Gestaltungsmittel zur Tonformung nutzt. In den Takten 4 und 5 sweept – bzw. “raket” er ein Dm-, G-, F- und erneut Dm-Arpeggio und definiert damit eindeutig die Tonart D-dorisch, um anschließend in Takt 6 eine Skalenmixtur aus D-aeolisch und D-dorisch abwärts zu spielen. Die Takte 9 und 10 bestehen aus einem Cmaj7- und einem Fmaj7-Arpeggio Repeatingpattern, (was man auch durchaus auf andere Akkordtypen oder Tonarten übertragen sollte) und sind erneut ein Beispiel dafür, wie Vai ein und dasselbe Fingershape an verschiedene Stellen des Griffbretts diatonisch verschiebt. Auch Takt 11 zeigt uns ein ähnliches Motiv, bestehend aus vier rhythmisch identischen Einzelbausteinen, das Vai an verschiedene Stellen in der Tonleiter platziert. 

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„Ladies’ Nite in Buffalo?“ – Solo „Ladies’ Nite in Buffalo?“ – Solo – Jam-Track „Ladies’ Nite in Buffalo?“ – Solo – Slow

„Big Trouble” – Solo

Ein weiteres Paradesolo finden wir in “Big Trouble“, vollgestopft mit einem bunten Blumenstrauß an Licks, Tricks und Melodien. Von den Whammy-Bar-Stunts mal abgesehen findet ihr hier zuerst in Takt 8 eine rasant gepickte Sequenz aus C# dorisch. In Takt 9 hört ihr eine Melodie, bei der mit der rechten Hand konstant in den 19. Bund getappt wird, während die linke Hand ein Bending auflöst (aus diesem Grund steht in den Tabs auch eine 21 beim Tapping, da der getappte Ton durch das Bending klingt, als wäre er im 21. Bund – er wird jedoch im 19. Bund getappt!) und anschließend eine fallende Melodie spielt.

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„Big Trouble” – Solo „Big Trouble” – Solo – Jam-Track „Big Trouble” – Solo – Slow

Besonderes Augenmerk möchte ich jedoch auf diese unfassbare Tapping-Orgie am Ende des Solos richten (etwas ganz Ähnliches spielt Vai wenige Jahre später in dem Whitesnake-Stück “Wings of the Storm”/„Slip of the Tongue”). Dazu möchte ich eine kleine Übung vorausschicken, da man sowohl bei der Wahl der Tap-Finger als auch bei der Wahl der Greiffinger sehr wohlüberlegt handeln sollte. Vai hat, nachdem Van Halen sein Tapping der Welt vorgestellt hatte, seine eigenen Ideen, wie er den Tapping-Gedanken voranbringen könnte – übrigens auch ein Beispiel für kreatives Klauen. Er verwendete zwei Finger seiner rechten Hand, vorzugsweise benachbarte Finger – ihr könntet zum Beispiel das Plektrum wie gewohnt zwischen den Daumen und den Zeigefinger nehmen und den Mittel- und Ringfinger zum Tappen verwenden, im Notenbeispiel TM oder TR genannt. Einen Fingersatz für die linke Hand habe ich euch ebenfalls als Vorschlag eingetragen:

Tapping-Übung
Tapping-Übung
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Übung

Fazit

So viel, liebe Kollegen, zu unserem heutigen Gitarrenhelden. Nehmt euch Zeit für die vorgestellten Parts, Steve Vai ist ein ziemlicher Brecher. Und wer die Länge seiner Finger einmal in der Realität sehen konnte, der weiß auch, warum ihm der eine oder andere Lauf oder Stretch leichter von der Hand geht. Den maximalen Nutzen aus solchen Transkriptionen zieht ihr, wenn ihr die einzelnen Motive in andere Tonarten, über andere Akkorde und in andere rhythmische Kontexte übertragt. So wird aus dem Nachspielen ein kreativer Lernprozess, aus dem sich mit der Zeit ganz selbstverständlich ein eigenes musikalisches Vokabular entwickelt. Vieles von dem, was ihr hier seht und hört, läuft natürlich unter der Rubrik “80er-Jahre-Glitzergitarre” und wird heute – vorsichtig ausgedrückt – von einem Plattenproduzenten nicht unbedingt für die Hit-Radiosingle erwartet. Deshalb gehört es auch dazu, ein Gespür zu entwickeln, was man heute “tasty” anwenden darf. Aber was soll’s, Geschichte wiederholt sich bekanntlich und wer weiß, ob wir eine solche Phase nicht noch einmal erleben dürfen. Gitarristen wie Guthrie Govan beweisen schließlich, dass man heute wieder einiges “darf”.

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Profilbild von slashgad

slashgad sagt:

#1 - 10.05.2014 um 12:15 Uhr

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Krasser Workshop!!! Exakte Analysen. Super! Vielen Dank! Sag mal qualen dir nicht auch die Finger! ...gut Fingersätze haben bei mir keine Kreis drum... komme halt von der Klassik, wo das für die Saiten bestimmt ist. Aber ich hab's kapiert, denke ich.

Profilbild von Virtu-ossi

Virtu-ossi sagt:

#2 - 13.05.2014 um 17:44 Uhr

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Schließe mich meinem Vorredner an!!@Haiko: Hast du die Soundbeispiele selber eingespiel?Das wäre krass!!!

Profilbild von Haiko

Haiko sagt:

#3 - 14.05.2014 um 00:47 Uhr

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Vielen Dank für eure Beiträge. Das ist korrekt -entgegen der klassischen Schreibweise sind die Fingersätze in diesem Fall eingekreist.
Die Soundfiles habe ich selbst eingespielt und das musste ich auch üben, das ist echt kein leichter Kram :)

Profilbild von Jan

Jan sagt:

#4 - 15.05.2014 um 12:36 Uhr

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Er ist ein Gitarrengott! Echt heftig, dass du das selbst eingespielt hast! Jetzt werde ich das auch üben.

Profilbild von Christopher Arndt

Christopher Arndt sagt:

#5 - 26.08.2015 um 00:07 Uhr

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Haiko, deine Workshops lassen mich immer wieder in Ehrfurcht erstarren ob der Detailfreude mit der analysiert wird und der Virtuosität, mit der die Hörbeispiel eingespielt sind. So hat es mich diesmal besonders gefreut, dass du dich mit mit zwei meiner Lieblingsalben aus den späten 80ern beschäftigt hast. Diese waren in den damals schon zu spürenden Ermüdungserscheinungen des Hairmetals ein toller frischer Wind und DLR und Steve Vai haben sich mit beiderseitigen ihrer Experimentierfreudigkeit wunderbar ergänzt. Schade, dass es nur bei den zwei Alben geblieben ist. Bei Whitesnake danach, war Steve Vais Talent irgendwie fehl am Platz (dort gab sowieso schon genug Gitarrengenies).

    Profilbild von Haiko Heinz

    Haiko Heinz sagt:

    #5.1 - 27.08.2015 um 09:35 Uhr

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    Hi Christopher, vielen Dank, das freut mich sehr, dass dir der Workshop so gefällt - ich werde weiterhin mein Bestes geben:) Die bedien Platten gehören auch zu meinen Favs!

    Antwort auf #5 von Christopher Arndt

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