Bei einem Fuzz-Effektpedal sind die verwendeten Transistoren ein maßgeblicher Faktor für einen satten Fuzz-Sound. Aber worin liegen die Unterschiede und wie wirken sie sich auf den Klang aus? Wir hatten die Möglichkeit, fünf baugleiche Fuzz-Effektpedale in die Hände zu bekommen, die sich lediglich in ihrer Transistor-Bestückung unterscheiden. Natürlich wollen wir euch das Ergebnis nicht vorenthalten und sind gespannt, welche Version euer Favorit ist.

Woher kommen unsere Vergleichspedale?
Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an Steffen Dörrer von Dörrer Amplification, der uns die Pedale zur Verfügung stellte. Um herauszufinden, welchen Einfluss die Transistoren in einem Fuzzpedal auf den Sound haben, baute er fünf identische Pedale mit unterschiedlicher Halbleiterbestückung. Eine extrem spannende Gelegenheit, die sich nicht jeden Tag bietet und die wir natürlich auch sehr gerne genutzt haben.
Aufbau der Fuzz-Effektpedale
Generell orientieren sich die Pedale an der klassischen Fuzz-Face-Schaltung. Der Aufbau der Pedale ist identisch, lediglich ein Widerstand wurde angepasst, um die Arbeitspunkte der Transistoren anzugleichen und vergleichbar zu machen. Der Bias-Regler ändert die Kollektorspannung des zweiten Transistors, die in der Mittelstellung der halben Versorgungsspannung entspricht, also 4,5 Volt. Dieser Wert dient als Ausgangspunkt und bietet je nach persönlicher Vorliebe bei höheren Settings mehr Zerre und bei niedrigeren Einstellungen schlankere und brüchigere Zerrsounds. Außerdem besteht die Möglichkeit, mit einem sogenannten Fat-Switch den Eingangskondensator umzuschalten. Dabei entspricht die FAT-2-Stellung dem originalen Wert eines Standard-Fuzz-Face. Die beiden anderen Stellungen schwächen den Bassgehalt am Eingang ab.
Welche Transistoren werden verwendet?
In jedem Pedal befinden sich zwei Transistoren, allesamt NPN-Silizium-Typen. Die Transistoren in Pedal 2 und 5 liefern die niedrigste, die Transistoren in Pedal 3 und 4 die höchste Verstärkung. Der Wert wird in der Regel als hFE angegeben. Die beiden Transistoren im jeweiligen Pedal haben unterschiedliche Werte, wobei der erste Transistor niedriger und der zweite höher ausgewählt wurde.
Hier sind die Specs der einzelnen Transistoren:
- Pedal Nr. 1: Hersteller: SGS | Typ: BC107B | Baujahr: 1970er Jahre
- Pedal Nr. 2: Hersteller: Micro Electronics | Typ: C1016 | Baujahr: 1984
- Pedal Nr. 3: Hersteller: Valvo | Typ: BC108C | Baujahr: 1969
- Pedal Nr. 4: Hersteller: CDIL | Typ: BC109C | Baujahr: aktuelle Fertigung
- Pedal Nr. 5: Hersteller: Valvo | Typ: BC408A | Baujahr: 1970er Jahre
Aufnahmen mit den fünf Fuzz-Effektpedalen
Für die Aufnahmen sind zwei Amps im Einsatz, einmal ein clean eingestellter Sovtek MIG-50H und ein leicht angezerrter Marshall SLP100. Beide Amps sind an ein Marshall 4×12 Cab (Celestion G12M Blackback) angeschlossen, das mit einem Royer R-10 und einem SM-57 abgenommen wird.
Die Fuzz-Effektpedale vor einem clean eingestellten Amp
Es geht los mit dem unverzerrten Sovtek-Amp. Gleich zu Beginn gibt es die volle Breitseite mit maximalem Zerrgrad und einer Gitarre mit Humbucker-Pickups. Es folgt eine Strat mit moderatem Gain-Level. Bei Beispiel 3 steht die Reaktion auf die Einstellung des Volume-Potis an der Gitarre im Fokus. Zuerst steht der Regler auf 10 (Maximum), dann wird auf 7 zurückgedreht. Auch bei Linksanschlag im vierten Beispiel ist immer noch eine leichte Verzerrung vorhanden. Die klanglichen Unterschiede der verschiedenen Transistoren sind fein, aber doch in jedem Beispiel hörbar.
Klangunterschiede vor einem angezerrten Amp
Nun ist der Marshall SLP100 an der Reihe, ein altbewährter Partner für Fuzz-Face-Style-Pedale, der bereits einen leichten Overdrive-Sound anbietet. Und schon geht es etwas mehr ins Detail.
Bei einem bereits angezerrten Amp gibt es naturgemäß schon bei mittleren Settings des Fuzz-Reglers eine saftige Säge, insbesondere mit Humbucker-Pickups. In Beispiel 5 und 6 hört ihr bei identischer Einstellung der Pedale einmal den Neck-Pickup (Volume 7) und dann den Bridge-Pickup (Volume 10), um die Reaktion auf das Volume-Poti an der Gitarre noch einmal etwas klarer herauszuarbeiten. Interessant wird es auch beim achten Beispiel, bei dem es um die Übertragung der einzelnen Saiten bei höherem Zerrgrad geht. Hier werden die Unterschiede recht deutlich. Abschließend folgt eine Runde mit der Baritongitarre, um das Low-End auszuloten.
Die fünf Fuzz-Effektpedale im Band-Arrangement
Nachdem wir die Flöhe husten gehört haben, stellt sich natürlich wie immer die Frage, was beim Zusammenspiel mit Drums und Bass davon noch bleibt. Macht den Test – hier sind die fünf Fuzz-Effektpedale im Band-Arrangement.
Fazit
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Transistoren sind auf jeden Fall vorhanden, aber es fällt mir tatsächlich schwer, einen klaren Favoriten auszumachen. Und ich bin gespannt auf Kommentare, denn beim Fuzz-Sound spielen persönliche Vorlieben eine große Rolle. Für den einen kann es nicht genug Sägen geben und die Reaktion auf den Volume-Regler an der Gitarre spielt keine Rolle. Wieder andere bevorzugen einen matschigen, kaputten Ton. Auch meine Favoriten haben im Verlauf des Tests immer wieder gewechselt. Zuerst war es Nummer 2 (Micro Electronics C1016) wegen des etwas wärmeren Sounds. Nummer 3 (Valvo BC108C) und 4 (CDIL BC109C) waren bei der Saitentrennung für mich am deutlichsten vorn. Und bei höheren Zerrgraden mit dem Marshall gefiel mir Nummer 4 am besten. Nummer 5 war grundsätzlich nicht mein Fall,, aber ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere genau diesen leicht kaputten und stärker komprimierten Sound bevorzugt. Also lasst uns gerne wissen, welche Varianten euch am besten gefallen haben, und hinterlasst einen Kommentar.