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Feature
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20.05.2015

Vintage Drum Machine: Roland TR-505 Rhythm Composer

Programmierbarer, Sample-basierter Drum Computer

Der Roland TR-505 Rhythm Composer erschien 1986 als Einsteiger-Drumcomputer und ergänzte die TR-Serie nach unten hin. Wie ihre Zeitgenossen, die größeren und vielseitigeren TR-707 und TR-727, arbeitet die TR-505 mit Samples. Heute ist die Roland TR-505 Drum Machine bei weitem nicht so gefragt wie die übrigen Mitglieder der TR-Familie und sehr günstig zu bekommen. In unserem Vintage Drum Machine Feature erfahrt ihr, was die TR-505 kann und ob sich die Anschaffung lohnt. Außerdem findet ihr hier Samples und Loops der Roland TR-505 zum Download.

In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre war die Sampling-Technik der letzte Schrei. Die analogen Roland Drum Machines wie die TR-808, TR-606 und die halb-analoge Nachfolgerin TR-909 verschwanden vom Markt und wurden durch die komplett Sample-basierten Modelle TR-707 und TR-727 ersetzt. Die TR-505 kam als günstige Einsteiger-Variante hinzu.  

Details

Bedienfeld

Die Maschine steckt in einem schmucklosen Plastikgehäuse und wirkt ziemlich klapperig und billig. Meiner TR-505 sieht man die Jahre besonders an – ich habe sie vor Jahren in einer Ramschecke eines Proberaums gefunden und prompt geschenkt bekommen. Aber sie geht noch. In der unteren Hälfte des Bedienfelds findet man 16 graue, ebenfalls recht klapperige Plastiktaster, die je nach Modus als Drumpads, Step-Taster und Auswahltaster für Patterns arbeiten. Sie werden von vier weiteren Buttons flankiert: START/STOP, SHIFT zum Aufrufen spezieller Funktionen, LEVEL für den Lautstärke-Einstellmodus sowie ACCENT/ENTER.

Darüber befindet sich eine weitere Knopfleiste aus kleinen Tastern, die verschiedene Programmierfunktionen aufrufen und die sechs Patternbänke A-F anwählen. Auch zwei Plus/Minus-Buttons für Lautstärkeeinstellungen sind hier platziert. Rechts daneben besitzt die TR-505 zwei Drehregler für das Tempo und die Gesamtlautstärke.

Das Display zeigt das gewählte Pattern bzw. den Track und verschiedene weitere Funktionen an. Eine Gitterdarstellung und die Anzeige der Timing-Auflösung helfen bei der Programmierung. Leider nicht angezeigt wird das Tempo, aber diese Anzeige war bei Geräten aus jener Zeit meistens ohnehin nicht wirklich genau. Da sich die TR-505 über MIDI synchronisieren lässt, wird man darauf verzichten können.

Anschlüsse

Auf der Rückseite der Roland TR-505 findet man einen Stereoausgang (L/R) und einen Kopfhörerausgang. Außerdem gibt es eine Buchse zum Anschluss eines Fußtasters für Start/Stop und ein Tape-Interface (kombinierte Miniklinkenbuchse für In/Out) zum Sichern des Speicherinhalts auf einem Kassettenrecorder. Hinzu kommen die beiden MIDI-Buchsen In und Out. Einzelausgänge gibt es leider nicht – es ist eben eine Einsteigermaschine.

Sounds und Polyphonie

Die Roland TR-505 besitzt 16 gesampelte Sounds, ist aber nur 8-stimmig polyphon, und das schließt den programmierbaren Akzent mit ein. Bestimmte Klänge können nicht gleichzeitig erzeugt werden. Bei der Hi-Hat macht es noch Sinn, dass sie nicht gleichzeitig geschlossen und offen sein kann, aber dass man zum Beispiel Clap und Rimshot oder Crash- und Ridebecken nicht zugleich programmieren kann, ist schon eine empfindliche Einschränkung. Die Sounds der TR-505 lassen sich leider nicht bearbeiten, noch nicht einmal stimmen. Auch das Panning lässt sich nicht einstellen – die Hi-Hat klingt zum Beispiel immer etwas rechts und die Toms sind im Stereobild verteilt. Hier hört ihr sie im Einzelnen:

Folgende Instrumentengruppen sind in der Polyphonie eingeschränkt (es kann jeweils nur ein Sound aus jeder Zeile zur Zeit klingen):

Hi-Hat Open, Closed
Hi Tom, Mid Tom, Low Tom, Timbale
Hi Conga, Low Conga
Clap, Rimshot
Crash, Ride

Statt wie bei der TR-707 eine separate Percussion-Maschine zu bauen (TR-727) hat Roland also sowohl Drums als auch Percussion in die TR-505 integriert. Die Sounds mögen in der damaligen Zeit bemerkenswert „authentisch“ geklungen haben, heute wird man damit aber selbst Nostalgiker kaum noch beeindrucken können. Vor allem die Bass Drum ist etwas schwach auf der Brust und eignet sich wohl kaum als Grundlage für einen Track. Meine Lieblingssounds sind die bauchige, kompakte Snare, die auch heute noch in Disco-Patterns Verwendung finden könnte, und der mittige, nicht zu scharfe Clap, der irgendwie perfekt zur Snare passt. Die übrigen Klänge klingen nach dem, was sie sind: Kurze, recht leblose Samples aus einer Einsteiger-Maschine von 1986. Als nostalgische Ergänzung vielleicht hier und da brauchbar, aber kaum als Basis für Beats in der heutigen Zeit.

Praxis

Programmierung

Die TR-505 verfügt über sechs Bänke mit je 16 Patterns. Die Bänke A-C sind mit 48 Preset-Rhythmen wie 8-Beat, 16-Beat, Disco oder Samba gefüllt, auch „passende“ Fills sind dabei. Die meisten Grooves sind eher langweilig, aber ich bin mir fast sicher, einige der lateinamerikanischen Rhythmen der TR-505 auf der einen oder anderen Brazilectro-Compilation als Percussionspur gehört zu haben. In den Bänken D-F kann man sich selbst austoben und somit bis zu 48 Patterns selbst programmieren und speichern. Für die damalige Zeit nicht schlecht!

Zur Pattern-Programmierung gibt es den Step-Eingabemodus STEP WRITE und die Echtzeitprogrammierung mittels TAP WRITE. Im Step-Modus wählt man mit den Tastern PATTERN GROUP die Bank und mit einem der 16 Step-Taster das gewünschte Pattern aus, das durch gleichzeitiges Drücken von CLEAR und Step-Taster bei Bedarf zunächst gelöscht werden kann. Die Timing-Referenz lässt sich mit SCALE einstellen, hier stehen 16tel, 32tel und Viertel- sowie Achteltriolen zur Verfügung. Dann startet man den Sequencer, wählt mit der Kombination INST/METRO und Step-Taster eines der 16 Instrumente aus und kann dann mit den Step-Tastern die gewünschten Schritte setzen. Auch die Step-Programmierung findet bei der TR-505 stets bei laufendem Sequencer statt, wodurch man sofort hört, was man tut. Um ein einzelnes Instrument wieder zu löschen, wählt man das Instrument aus und hält dann CLEAR gedrückt, wodurch der Track in Echtzeit „überschrieben“ wird. Um den Akzent zu programmieren, drückt man INST/METRO und ACCENT gleichzeitig und kann dann den Akzent mit den Step-Tastern eingeben.

Im Modus TAP WRITE kann man Patterns mit den 16 Step-Tastern live eintrommeln. Hier lässt sich ein Instrument wieder löschen, indem man CLEAR und den Taster für das Instrument gedrückt hält. Ein Metronom ist integriert, sodass man nicht wie bei einigen anderen Maschinen zunächst eine Hi-Hat o.ä. programmieren muss.

Die TR-505 ist nicht gerade die tighteste Maschine (besonders bei ausgereizter Polyphonie), was aber manchmal ganz charmant sein kann. Hier hört ihr einige Beispielgrooves:

Für etwas Verwirrung dürfte am Anfang vielleicht die Frage sorgen, welche Funktionen bei laufendem und welche bei gestopptem Sequencer ausgeführt werden müssen. Hier ist die TR-505 nicht gerade besonders komfortabel. Auch die vielfältige Belegung der Step-Taster (Auswahl von Patterns, Auswahl von Instrumenten, Step-Programmierung) führt dazu, dass man anfangs den einen oder anderen Fehler macht. Aber nach einer Weile klappt die Programmierung zügig und problemlos.

Etwas unpraktisch: Die Sounds, die nicht gleichzeitig klingen können (also z.B. Clap und Rim Shot) löschen sich auch gegenseitig aus dem Sequencer. Programmiert man also versehentlich einen Clap auf einem Step, wo schon ein Rim Shot ist, ist der Rim Shot weg und bleibt es auch, wenn man den Clap wieder löscht. 

Lautstärkeeinstellungen

Die 16 Sounds der TR-505 lassen sich zwar nicht bearbeiten, aber einzeln in sechs Stufen (0-5) in der Lautstärke regeln. Dafür wechselt man durch Druck auf LEVEL in den Einstellmodus, wählt das Instrument per Step-Taster aus und kann dann mit den Buttons DOWN / UP die Lautstärke regeln. Auch die Stärke des Akzents lässt sich auf diese Weise einstellen. Durch erneuten Druck auf LEVEL wird der Modus wieder verlassen. Die Level-Einstellungen werden leider nicht mit Patterns gespeichert, sondern gelten global für die ganze Maschine.

Schnelle Verkettung von Patterns per BLOCK

Neben dem Song-Modus bietet die TR-505 die sehr praktische Möglichkeit, Patterns schnell zu einem sogenannten BLOCK zu verketten. Dazu müssen die Patterns in der gleichen Bank gespeichert sein und die nacheinander abzuspielenden Patterns müssen hintereinander im Speicher liegen. Im Modus PATTERN PLAY kann man nun einfach die Taster für das erste und das letzte Pattern gleichzeitig drücken und die Maschine durchläuft alle Patterns dieses Bereichs. Man drückt also beispielsweise die Taster Nr. 1 und 4, woraufhin die TR-505 die Patterns 1-4 nacheinander abspielt. Wählt man ein anderes Pattern aus, wird der BLOCK wieder gelöscht. Das funktioniert auch „on the fly“ bei laufendem Sequencer, wodurch das kleine Maschinchen ungeahnte Performance-Fähigkeiten entwickelt.  

TRACK-Modus

Auch der Song-Modus, der hier TRACK heißt, ist eigentlich recht einfach zu programmieren. Es stehen sechs Tracks zur Verfügung. Im Modus TRACK WRITE kann man mit den Tastern BACK und FWD durch die Takte eines Songs steppen. Patterns können hier aus verschiedenen Bänken stammen und lassen sich mit den PATTERN GROUP und Step-Tastern auswählen. Ein Druck auf ENTER weist das Pattern dem Takt zu, woraufhin die TR-505 praktischerweise zum nächsten Takt weiterspringt. Komplizierter wird es erst, wenn man beispielsweise Takte einfügen oder Abschnitte eines Songs kopieren möchte – das geht zwar, erfordert aber dann doch den Blick in die Bedienungsanleitung.

Synchronisation und MIDI-Funktionen

Die TR-505 bietet MIDI In und Out und kann MIDI-Clock empfangen und senden. Analog-Sync ist hingegen nicht vorhanden, das war damals total unmodern. Auch Noten werden per MIDI empfangen und gesendet. Die TR-505 kann beim Empfang von MIDI-Noten sogar mit Velocity umgehen und sendet Noten mit einer etwas höheren Velocity, wo ein Akzent gesetzt ist. Im Song-Modus lassen sich per MIDI außerdem Songs auswählen und bestimmte Taktpositionen „anfahren“. Gar nicht mal so übel für eine Einsteigermaschine aus einer Zeit, in der MIDI noch in den Kinderschuhen steckte!

Fazit

Die Roland TR-505 ist heute verglichen mit den anderen Drum Machines der TR-Serie zum Schnäppchenpreis zu haben (man findet sie z.B. gelegentlich auf Flohmärkten) und bietet einen günstigen Einstieg in die Sample-Soundästhetik der größeren TR-707 und TR-727. Ihre recht dünnen Sounds rufen heute allerdings keine Begeisterung mehr hervor und lassen sich nicht verändern. Für die Drum Machine sprechen der vergleichsweise große Speicher mit 48 programmierbaren Patterns, 48 Presets und sechs Songs. Auch die unkomplizierte und sogar in Ansätzen Performance-taugliche Verkettung von Patterns per BLOCK sowie die recht umfangreichen MIDI-Features inkl. Sync stehen auf der Haben-Seite. Die eingeschränkte Polyphonie von acht Stimmen und die manchmal etwas verwirrende Bedienung trüben das Bild jedoch. Insgesamt ist die TR-505 hauptsächlich interessant, wenn man auf 80er-Trash steht und genau diesen Sound einer Vintage-Einsteigermaschine sucht. Alle anderen sind beispielsweise mit einer TR-707 deutlich besser bedient.

Roland TR-505 Samples

Unser Roland TR-505 Sample-Paket enthält die Einzelsamples im WAV-Format und einige Loops in den Formaten WAV, REX (RX2) und Apple Loops (CAF). Viel Spaß damit!

  • PRO
  • recht umfangreiche MIDI-Fähigkeiten inkl. Sync
  • unkomplizierte Verkettung von Patterns
  • CONTRA
  • Qualität der Samples
  • Sounds nicht veränderbar
  • eingeschränkte Polyphonie
  • keine Einzelausgänge
  • Bedienung etwas umständlich
  • klapperiges Gehäuse und Bedienelemente
  • FEATURES
  • Erscheinungsjahr: 1986
  • 16 gesampelte Sounds
  • Polyphonie: 8 Stimmen
  • Patterns: 96 (48 Presets, 48 programmierbar)
  • Songs: 6
  • programmierbarer Akzent
  • Sounds einzeln in der Lautstärke regelbar
  • Stromversorgung: 6 AA-Batterien oder externes Netzteil
  • Anschlüsse: Line Out (L/R), Kopfhörer, Start-Stop-Fußtaster, Tape Out/In, MIDI In/Out, externes Netzteil

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