Gitarre Hersteller_Charvel
Test
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10.03.2020

Charvel Angel Vivaldi Signature DK24-7 Test

7-Saiter E-Gitarre

Vivaldi rockt

Die Charvel Angel Vivaldi Signature DK24-7 ist dem amerikanischen Progressive-Rockgitarristen Angel Vivaldi auf den Leib geschneidert und lässt damit an ihrer Marschrichtung keinen Zweifel. Hier geht es ums gnadenlose Bratgeschäft, denn mit leistungsstarken Humbuckern in Kombination mit einer zusätzlichen tiefen H-Saite lassen sich ziemlich böse Metal-Riffs abfeuern. Womit sich unsere Kandidatin auch gleichzeitig in die Ahnenreihe einer Kultmarke einfügt, denn Charvel-Gitarren galten vor allem in den 80er Jahren als Synonym für Hochleistungsinstrumente. Doch vor seinem Aufstieg zu einer Ikone der progressiven und schnellen Rockwerkzeuge musste das junge Unternehmen einige Rückschläge einstecken.
Charvel Guitars wurde in den 70er Jahren von Wayne Charvel gegründet. Als Wayne im Herbst 1978 in finanzielle Schwierigkeiten geriet, beschloss er, aus dem Geschäft auszusteigen und verkaufte seine Firma mitsamt seinem Namen an seinen Mitarbeiter Grover Jackson, der in den darauffolgenden Jahren viele angesagte Gitarrenvirtuosen gewinnen konnte. Die damalige Endorserliste liest sich wie das Einmaleins der Rock- und Progressive/Fusionjazz-Geschichte, und so finden sich hier so illustre Namen wie Eddie Van Halen, Richie Sambora, Allan Holdsworth, Randy Rhoads, Gary Moore oder der unglaubliche Shawn Lane, um nur wenige zu nennen. Nachdem Grover Jackson seine Firma im Jahr 1986 wiederum an den japanischen Hersteller IMC verkaufte, wurden Charvel-Gitarren bis 1991 ausschließlich in Japan hergestellt. Danach wurde es still, bis der Fender-Konzern die Marke im Jahr 2002 wieder zum Leben erweckte.

Details

Siebensaitige Gitarren

Siebensaitige Gitarren sind beileibe nicht die Erfindung von Steve Vai, auch wenn er maßgeblich an der Entwicklung der Ibanez Universe beteiligt war, die im Jahr 1990 als erste in Masse produzierte siebensaitige E-Gitarre auf den Markt kam. Auch wenn sie damals nicht zum Allgemeingut im Gitarrenbau zählte, gab es schon vor über 150 Jahren akustische Gitarren mit einer siebten Saite, die besonders im brasilianischen und russischen Raum verbreitet waren.

Der Hals

Wegen der zusätzlichen tiefen H-Saite fällt der Hals unserer Kandidatin um einiges breiter aus als bei "normalen" E-Gitarren, woran man sich zuerst einmal gewöhnen muss. Die Sattelbreite beträgt 48 mm - bei meiner sechssaitigen Les Paul sind es nur 43 mm. Wegen des stärkeren Saitenzuges verfügt der Ahornhals über eine zusätzliche Graphitverstärkung, was der Gitarre eine insgesamt sehr gute Stimmstabilität verleiht. Die seidenglatte und von Hand eingeölte Rückseite ist mit dem sogenannten Vivaldi Custom-Halsprofil versehen. Man hat es hier also mit einem flachen und sehr komfortablen Flitzefingerhals zu tun. Das Ahorngriffbrett ist mit einem Compound Radius von 12 bis 16 Zoll ausgestattet und verfügt über 24 perfekt eingepasste Jumbo-Bünde. Beides garantiert flüssiges Spiel und butterweiches Saitenziehen auf höchstem Niveau. Des Weiteren bietet der Hals schwarze Punkteinlagen sowie Luminlay-Dots am Griffbrettrand und einen GraphTech TUSQ XL-Sattel. 

Die Saiten werden mittels Charvel Die-Cast Locking-Mechaniken perfekt in Stimmung gehalten. Die angewinkelte Kopfplatte ähnelt einem Reversed Fender-Hals und erspart durch ihren vergleichsweise hohen Winkel Saitenniederhalter, an denen sich die Saiten verhaken könnten. Der Hals-Korpusübergang liegt in Höhe des 19. Bundes. Hier beträgt die Halsbreite bereits 65 mm und lässt sich immer noch sehr gut bespielen. Bequem geht es weiter bis zum 24. Bund, wobei der Ton erstaunlicherweise nicht dünn klingt. Am Ende des Griffbretts findet sich dann auch der Zugang zum Halseinstellstab. Ähnlich, wie man es beispielsweise vom Musicman Stingray-Bass kennt, lässt sich der Halsstab bequem per Lochmutter einstellen - zur Not auch mit einem Schraubenzieher oder einem Nagel, wodurch die nervende Suche nach einem passenden Inbusschlüssel entfällt.

Der Korpus

Als Grundmaterial hat man sich bei der Konstruktion der Angel Vivaldi Signature DK24-7 für einen Basswood- also einen Lindenkorpus entschieden. Der Klang von Linde ist im oberen Frequenzspektrum zwar nicht besonders crisp, dafür bietet er warme und volle Mitten, sodass sich eine Kombination mit Humbuckern geradezu anbietet. Die sogenannte "Dinky"-Korpusform ist ein Jackson-Design aus den 1990er Jahren, das im weitesten Sinne auf dem der guten alten Stratocaster basiert. Die Korpuskanten sind hier jedoch bei weitem nicht so weich abgerundet, wie man es von Fender gewohnt ist. Dafür bietet der Body tiefere Cutaways und einen weichen Hals-Korpus-Übergang, wodurch man problemlos in den hohen Lagen solieren kann.

Als Tremolo kommt ein Gotoh Custom 7-String 510 Modell zum Einsatz. Das Teil erinnert an ein klassisches Strat-Tremolo mit Zweipunktaufhängung, ist jedoch komplett unterfräst. Als Tonabnehmer dienen zwei mächtige DiMarzio Humbucker, in der Bridge-Position sitzt der DiMarzio The Tone Zone 7, der satte 17,86 Kiloohm auf die Waage bringt. Am Hals hat man sich ebenfalls für ein keramisches Modell entschieden. Der Air Norton 7 hat mit einer Impedanz von 13,34 Kiloohm zwar etwas weniger Fleisch auf den Hüften, aber ein etwas leistungsschwächeres Modell am Hals macht durchaus Sinn, weil hier normalerweise auch mehr Pegel generiert wird. In der Schaltzentrale arbeiten ein Fünfwegschalter und je ein Mastervolume-Regler und ein Tone-Poti, allesamt direkt von hinten auf die Decke montiert. Rückseitig befinden sich unter zwei Kunststoffabdeckungen das Elektrofach und die Federkammer des Tremolos. Verarbeitungstechnisch gibt es auch hier nichts zu meckern.

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