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Workshop: Oktavreinheit einstellen

Die Einstellung der Oktavreinheit an der Brücke einer E-Gitarre oder eines E-Basses ist unerlässlich für ein sauber klingendes Instrument. Die gute Nachricht: Diese Maßnahme kann jeder Musiker mit etwas Übung selbst vornehmen! In diesem Workshop erfährst du, was du beim Einstellen der Oktavreinheit an deinem Instrument beachten musst. Außerdem lernst du, was der Unterschied zwischen den Begriffen “Bundreinheit” und “Oktavreinheit ist. Wer es eilig hat, kann mithilfe unserer Step-by-Step-Anleitung sofort am eigenen Instrument loslegen. Wer mehr Zeit hat und sich auch für die Hintergründe interessiert, bekommt aber auch darüber hinaus viele wichtige Infos im weiteren Verlauf des Textes. Zudem gibt es am Ende dieses Workshops eine ausführliche Video-Anleitung.

Workshop Oktavreinheit einstellen

Inhalte

  1. Oktavreinheit selber einstellen – Step-by-Step-Anleitung
  2. Oktavreinheit einstellen – wozu eigentlich?
  3. Was ist der Unterschied zwischen Bundreinheit und Oktavreinheit?
  4. Woher kommt der Begriff Oktavreinheit?
  5. Warum müssen die Stegreiter wie in der Anleitung beschrieben verschoben werden?
  6. Was beim Einstellen verschiedener Brücken noch zu beachten ist
  7. Videoanleitung Oktavreinheit einstellen

Oktavreinheit selber einstellen – Step-by-Step-Anleitung

  • Für den Einstellvorgang wird nur passendes Werkzeug sowie ein gutes Gehör benötigt. Wer ganz sichergehen möchte, kann auch ein Stimmgerät verwenden.
  • Berühre eine Saite über dem 12. Bund leicht, ohne sie auf das Griffbrett herunterzudrücken.
  • Schlage die Saite an, um einen Flageolett-Ton (auch: “Oberton” oder engl. “Harmonic Note”) zu erzeugen. Dieser klingt eine Oktave höher als der Grundton der Leersaite.
  • Drücke nun die Saite am 12. Bund herunter. Der gegriffene Ton soll identisch zum zuvor gespielten Flageolett-Ton sein.
  • Ist der gegriffene Ton höher als der Flageolett, so muss die Saite verlängert werden – der Reiter an der Instrumentenbrücke muss also nach hinten geschraubt werden.
  • Ist der Ton zu tief, so muss der Reiter nach vorne geschoben werden.

Bei der Einstellung der Reiter der Bridge ist folgende Eselsbrücke aus dem Reitsport hilfreich: “Bewegt sich der Reiter in Richtung Sattel, geht es nach oben. Bewegt er sich vom Sattel weg, geht es nach unten.”

Oktavreinheit einstellen – wozu eigentlich?

“Warum muss man die Oktavreinheit an einer Gitarre oder einem Bass einstellen?”

Wer meinen Workshop zum Thema “Tuning” gelesen hat, der wird wissen, dass unser existierendes 12-Tonsystem auf der “gleichschwebenden Stimmung” beruht, in welcher alle zwölf Töne den gleichen Halbtonabstand zueinander besitzen. Die Positionen der Bünde müssen sehr exakt berechnet sein, damit das Instrument zum Schluss auch wirklich bundrein ist und alle Töne zueinander im gewünschten Schwingungsverhältnis zueinander stehen, sobald das Instrument korrekt gestimmt ist.

Leider besitzen die Saiten unseres Instrumentes keine identischen Eigenschaften, sondern weisen unterschiedliche Stärken auf, um einen breiten Tonbereich abzudecken. Diese unterschiedliche Masse von Saiten wird jedoch schnell zu einem zum Problem: Sie bewirkt, dass selbst ein korrekt gebautes und bundreines Instrument dennoch verstimmt klingen kann! Die Wahrnehmbarkeit dieser Verstimmung wird umso deutlicher hörbar, je höher das Register (also die Tonhöhe) ist. Vor allem oberhalb des 12. Bundes kann es da bei einem nicht oktavrein eingestellten Instrument schnell ziemlich “haarig” mit der Intonation werden!

Bundreinheit sollte eine Selbstverständlichkeit sein – Oktavreinheit ist es leider nicht!

Ein korrekt konzipiertes und gebautes Instrument sollte auf jeden Fall bereits “ab Werk” bundrein sein, also die Halbtonbereiche zwischen den Bünden exakt abbilden. Während man bei bundlosen Instrumenten nach Gehör intonieren muss, ist man bei einem Bundinstrument darüber hinaus aber auf eine korrekte Justierung der sogenannten “Intonation” an der Brücke angewiesen. Eine perfekt eingestellte Oktavreinheit bewirkt, dass das Instrument über das gesamte Griffbrett und auf jeder Saite korrekt gestimmt klingt! Diese Einstellarbeit ist das dritte und letzte Puzzlestück bei der Einstellung einer Gitarre oder eines Basses nach der Einstellung der Halskrümmung und der Saitenlage bzw. -höhe.

Das Einstellen der Oktavreinheit kann man mit etwas Übung in wenigen Minuten selbst am Instrument mit und ohne Stimmgerät vornehmen!

Was ist der Unterschied zwischen Bundreinheit und Oktavreinheit?
  • Bundreinheit bedeutet, dass bei Saiteninstrumenten (E- und A-Gitarre, E-Bass, aber auch Banjo, Mandoline oder Laute) die verwendeten Bundstäbchen auf den Griffbrettern korrekt platziert wurden. Ein Saiteninstrument ist bundrein, wenn jeder Bund (engl. Fret) bei der Fertigung so platziert wurde, dass jede gedrückte Saite exakt den ihr zugedachten Ton produziert. Sind die Bünde einmal in das Griffbrett eingesetzt, kann eine fehlerhafte Bundreinheit nachträglich nur mit viel Aufwand vom Fachmann korrigiert werden.
  • Die Oktavreinheit hingegen ist ein Sonderfall der Bundreinheit. Oktavrein ist ein Saiteninstrument, wenn es das Verhältnis zwischen der Mensur jeder Saite und den eingesetzten Bünden korrekt abzeichnet. Wenn ein Saiteninstrument per se bundrein ist und zusätzlich über eine Brücke mit einzeln verschiebbaren Saitenreitern verfügt, kann jeder Musiker die Oktavreinheit mit etwas Übung auf eigene Faust einstellen.

Woher kommt der Begriff “Oktavreinheit”?

Der Begriff der Oktavreinheit bezieht sich auf das doppelte Schwingungsverhältnis oberhalb eines Grundtons. Die leere A-Saite eines E-Basses schwingt beispielsweise mit 55 Hz (was bedeutet, dass sie 55 Mal pro Sekunde schwingt). Halbiert man die Saite, so schwingt sie doppelt so schnell, also mit 110 Hz. Dieser Ton ist dann die Oktave über dem Grundton der Leersaite.

An diesen Stellschrauben an der Brücke wird die Oktavreinheit mit einem Schraubenzieher eingestellt.

Warum müssen die Stegreiter wie in der Anleitung beschrieben verschoben werden?

Hierbei ist ein wenig Theorie hilfreich: Der Abstand zwischen zwei Auflagepunkten (A&B) einer frei schwingenden Saite wird als “Mensur” bezeichnet. Allerdings unterscheidet sich die Strecke der Saite zwischen den Punkten A und B minimal – je nachdem, ob die Saite offen klingt oder heruntergedrückt wird.

Damit eine Saite schwingen kann, wenn ein Ton gespielt (gedrückt/gegriffen) wird, darf sie logischerweise nicht flach auf dem Griffbrett liegen, sondern muss in einer gewissen Höhe darüber schweben. Durch das Herunterdrücken/Greifen der Saite wird deren Länge jedoch minimal größer als die Länge der nicht gegriffenen Leersaite (Mensur).

>>>Noch mehr Input? In diesem Workshop gibt es ausführliche Anleitungen für die richtige Pflege deines Griffbretts!<<<

Gleichfalls erhöht sich nun die Spannung der Saite durch das Herunterdrücken. Diese zusätzliche Spannung beeinflusst die Tonhöhe der Saite in Verbindung mit der Saitenhöhe über dem Griffbrett, aber auch durch deren Masse und Biegefestigkeit.

Diese Skizze veranschaulicht, wie die Strecke der Saite beim Herunterdrücken zunimmt – dargestellt als blaue Linie:

Verlängerung der Saite durch Herunterdrücken auf das Griffbrett
Verlängerung der Saite durch Herunterdrücken auf das Griffbrett

Wenn das Wörtchen wenn nicht wär’ …

Wenn alle Saiten auf dem Bass identisch wären (gleiche Stärke, identisches Material), dann würden alle Reiter an exakt der gleichen Position sitzen und es gäbe nichts zu justieren – außer einmal für alle Saiten gleichzeitig den gesamten Steg auszurichten.

Da die Saiten auf dem Bass jedoch nicht identisch sind, sondern unterschiedliche Masse aufweisen, müssen die dadurch resultierenden Tonhöhendifferenzen pro Saite angeglichen werden, damit das Instrument über die gesamte Strecke des Griffbretts gestimmt klingt, wie dieses Bild zeigt:

Je tiefer die Saite klingt, desto weiter wandert der Stegreiter beim EInstellvorgang nach hinten.
Je tiefer die Saite klingt, desto weiter wandert der Stegreiter beim EInstellvorgang nach hinten.

Was beim Einstellen verschiedener Brücken noch zu beachten ist

Lösung der Saitenspannung
Bei manchen Brückenkonstruktionen lassen sich die Reiter nicht unter voller Saitenspannung verstellen. In diesem Fall muss die Saite vor dem Verschieben des Reiters entspannt werden. Dies macht die Justierung etwas zeitaufwendiger, aber das Ganze bewegt sich immer noch im erträglichen Rahmen.

3D-Bridge mit Locking-Funktion
Zu beachten ist außerdem, dass es auch Konstruktionen mit Locking-Funktion gibt, bei denen die Reiter durch seitliche Schrauben arretiert werden. Diese Arretierung muss vor Beginn der Arbeiten natürlich gelöst werden! Die Reiter sogenannter “3-D-Brücken” gestatten zusätzlich das seitliche Verschieben der Reiterchen, um den Abstand der Saiten zueinander (String-Spacing) zu variieren.
Diese seitwärts gerichtete Justierung ist für die Oktavreinheit weitgehend irrelevant. Sehr relevant ist hingegen die Justierung der Saitenhöhe (Saitenlage), denn sie verändert ggf. auch die Oktavreinheit. Daher sollte die Saitenlage immer vor Einstellung der Oktavreinheit justiert werden, um unnötige doppelte Arbeitsschritte zu vermeiden.

Fotostrecke: 8 Bilder Auf diesem Bild seht ihr eine klassische 2D-Bassbrücke, und …
Fotostrecke

Videoanleitung Oktavreinheit einstellen

Im folgenden Video erkläre ich das Einstellen der Oktavreinheit und worauf außerdem noch zu achten ist:

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Viel Spaß und Erfolg beim Setup eures Instruments wünscht

euer Ollie

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von Oliver Poschmann

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