Die DXR-Serie gehört seit Jahren zu den etablierten Arbeitspferden unter den aktiven PA-Boxen. Mit der dritten Generation geht Yamaha allerdings deutlich über eine reine Modellpflege hinaus. DXR10 MKIII und DXR12 MKIII bekommen neue, Yamaha-eigene Chassis, einen 2.000-Watt-Peak-Class-D-Verstärker, einen 96-kHz-DSP mit FIR-X-Tuning und vor allem eine sehr umfangreiche Fernsteuerung per D-Remote-App. Dazu kommen Bluetooth-Audio, neue DSP-Modi und ein überarbeitetes Gehäusekonzept.
Die Mischung aus unkompliziertem Handling und erstaunlich tiefgreifender DSP-Kontrolle macht die beiden Kandidaten interessant. Die DXR10 MKIII ist dabei die kompaktere und leichtere Variante, während die DXR12 MKIII mit mehr Membranfläche und etwas mehr Maximalpegel die klassische Allround-Lösung darstellt. Die Frage ist also weniger, ob Yamaha die DXR-Serie modernisiert hat, sondern wie viel davon man im praktischen Einsatz tatsächlich merkt.

Yamaha DXR10 MKIII und DXR12 MKIII – das Wichtigste in Kürze
- klarer, druckvoller Klang
- hohe Maximalpegel
- Leistungsfähiger 96 kHz-DSP mit umfangreichen Einstellmöglichkeiten
- D-Remote-App mit tiefgreifender Fernsteuerung
- PEQ, Delay, Crossover, Feedback-Suppressor und weitere Funktionen per App
- Bluetooth-Audio und mehrere DSP-Modi
- bis zu zehn Lautsprecher über D-Remote verwaltbar
- Kaltgerätekabel zur Stromversorgung
Yamaha DXR10 MKIII und DXR12:Was ist im Lieferumfang?
Zum Lieferumfang gehören die jeweilige Aktivbox und das für den Betrieb notwendige Netzkabel. Optional erhältlich sind unter anderem Lautsprecherhüllen und U-Bügel für unterschiedliche Montagearten. Beide Modelle besitzen mehrere Montagepunkte und einen Stativflansch. Die DXR10 MKIII ist zusätzlich über einen einzelnen oberen Griff besonders einfach zu transportieren, während die DXR12 MKIII über zwei seitliche Griffe verfügt.


Wie ist das Gehäuse beschaffen?
Yamaha setzt bei beiden Modellen auf ein leichtes, hochfestes Spritzgussgehäuse. Das ist nicht nur eine Frage des Gewichts, sondern auch akustisch sinnvoll, weil die Konstruktion Gehäuseresonanzen reduziert. Schon beim ersten Anfassen entsteht der Eindruck, dass die Kandidaten keine Probleme mit regelmäßigem Transport und Bühnenbetrieb haben sollten.
Die Verarbeitung gehört im Test zu den klaren Stärken. Kanten, Griffbereiche, Frontgitter und Anschlusssektion sind sauber ausgeführt und solide. Die DXR10 MKIII bringt 14,5 Kilogramm auf die Waage und misst 310 x 502 x 310 Millimeter. Damit lässt sie sich auch bei häufigem Auf- und Abbau angenehm handhaben. Die DXR12 MKIII ist mit 17,4 Kilogramm und 366 x 600 x 350 Millimetern naturgemäß etwas größer, bleibt für eine 12-Zoll-Box aber erfreulich transportabel. Beide Modelle verfügen über eine 55-Grad-Monitorschräge und mehrere Flug- beziehungsweise Montagepunkte.
Interessant ist die Konstruktion der Bassreflexöffnungen. Yamaha hat deren Position gezielt optimiert, um stehende Wellen zu reduzieren. Beim Blick hinter das Frontgitter Box fällt die mittige Anordnung des Reflexbereichs auf. Das ist in dieser Klasse eher ungewöhnlich.



Welche Anschlüsse bieten Yamaha DXR10 MKIII und DXR12 MKIII?
Auf der Rückseite stehen bei beiden Modellen zwei Combo-Buchsen für die analogen Eingänge bereit. INPUT 1 arbeitet als Line-Eingang, INPUT 2 kann zwischen Line und Mic umgeschaltet werden. Der maximale Eingangspegel liegt laut Yamaha bei satten +24 dBu im Line-Betrieb. Die Ausgangssektion besteht aus zwei XLR-Ausgängen, wobei OUTPUT 1 als THRU und OUTPUT 2 wahlweise als THRU oder DSP OUT genutzt werden kann. Damit lässt sich die Box problemlos in eine klassische Daisy-Chain integrieren oder als Teil eines komplexeren Systems mit externem DSP beziehungsweise Subwoofer einsetzen. Bluetooth 5.0 mit A2DP steht zusätzlich für drahtloses Audio-Streaming zur Verfügung. Das ist kein Ersatz für eine kabelgebundene Signalzuführung im professionellen Live-Betrieb, aber für Konservenmusik, Präsentationen oder kleine Veranstaltungen ausgesprochen praktisch.
DSP/Mixer/Funktionen der Aktivboxen
Bei der DSP-Ausstattung hat Yamaha die DXR MKIII deutlich aufgerüstet. Im Inneren arbeitet ein 96-kHz-DSP, der nicht nur die klassische Lautsprecherentzerrung übernimmt, sondern auch Yamahas FIR-X-Technologie und die neue Drive Motion Calibration verarbeitet. FIR-X kombiniert linearphasige FIR-Filter für die Frequenzweiche mit Korrektur-EQ und soll dadurch eine möglichst gleichmäßige Phasencharakteristik und einen klaren, verzerrungsarmen Klang ermöglichen. Die Drive Motion Calibration greift zusätzlich in die Tieftonverarbeitung ein und korrigiert die Bewegung des Tieftöners, um dessen Verhalten bei höheren Pegeln möglichst linear zu halten. Soweit die Theorie.



Über das rückseitige LCD samt Encoder lassen sich die wichtigsten Parameter auch direkt an der Box einstellen. Zur Verfügung stehen die DSP-Modi FOH/MAIN, MONITOR, DJ, LIVE MUSIC, SPEECH und OFF. Besonders praktisch ist AUTO V/H POSITION: Ein integrierter Sensor erkennt die Ausrichtung der Box, sodass sich die Abstimmung bei vertikaler oder horizontaler Aufstellung automatisch anpassen lässt. Bis zu acht Benutzer-Presets lassen sich in der Box speichern.
Ebenfalls an Bord ist ein intelligenter Feedback-Suppressor. Im DYNAMIC-Modus werden Rückkopplungen bei Handmikrofonen während des Betriebs automatisch bearbeitet. FIXED eignet sich dagegen für fest installierte Mikrofone und setzt erkannte kritische Frequenzen gezielt „schachmatt“.
Die analoge Ausstattung fällt dagegen bewusst übersichtlich aus. Zwei Combo-Eingänge stehen zur Verfügung, wobei INPUT 2 auch für Mikrofonsignale ausgelegt ist. Dazu kommen zwei XLR-Ausgänge, von denen OUTPUT 2 wahlweise als THRU oder DSP OUT arbeitet.
D-Remote – eine App mit „WOW-Effekt“
Die eigentliche Überraschung der neuen DXR MKIII steckt allerdings nicht auf der Rückseite der Box, sondern auf dem Smartphone oder Tablet. Mit D-Remote bietet Yamaha eine kostenlose iOS-/Android-App, die über Bluetooth die Fernbedienung der Lautsprecher übernimmt. Pegel, EQ, Delay, Feedback-Suppressor, Ducker, Panel-Lock sowie das Speichern und Abrufen von Szenen lassen sich aus der Entfernung bedienen. Zusätzlich zeigt die App Limiter-Aktivität, Temperatur und Fehlermeldungen der Lautsprecher an.
Besonders interessant ist die EQ-Sektion. D-Remote stellt auf den Eingangskanälen einen 4-Band-EQ zur Verfügung, während auf der Main-Ausgangssektion ein 6-Band-EQ arbeitet. Die EQs bieten vollparametrische Einstellungen mit wählbarer Frequenz, Gain und Q-Faktor. Damit geht Yamaha deutlich weiter als die bei vielen Aktivboxen dieser Preisklasse üblichen festen Presets oder einfachen Bass-/Treble-Regler.
Auch beim Routing und bei der Systemabstimmung bietet D-Remote ungewöhnlich viel Kontrolle. Delay, Hoch- und Tiefpassfilter sowie die entsprechenden Ausgangsfunktionen lassen sich direkt via App bearbeiten. Damit lässt sich beispielsweise ein Fill-Lautsprecher vom Hörplatz aus zeitlich an das Hauptsystem anpassen, ohne zur Box laufen zu müssen. Die App ist keine simple Lautstärke-Fernbedienung, sondern tatsächlich eine kleine Systemsteuerung.


Für den Live-Betrieb besonders praktisch: Bis zu zehn DXR/DXS MKIII lassen sich gleichzeitig verbinden. Die Lautsprecher lassen sich gruppieren, sodass Pegel und Mute-Funktionen gemeinsam gesteuert werden können. Wer beispielsweise zwei Main-Boxen, zwei Monitore und mehrere Delays betreibt, kann die einzelnen Lautsprecher entsprechend organisieren und trotzdem jederzeit auf die individuellen Einstellungen zugreifen.
Damit ist D-Remote für mich eines der besten Features der neuen DXR-MKIII-Serie. Gerade die Kombination aus 4-Band-EQ auf den Eingängen, 6-Band-Main-EQ, Delay, Crossover, Feedback-Suppressor, Szenenverwaltung und der Möglichkeit, bis zu zehn Lautsprecher gemeinsam zu verwalten, hebt die Yamaha-Lautsprecher in dieser Preisklasse deutlich von vielen Wettbewerbern ab.

























