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Workshop
3
16.07.2015

Synthesizer und Sounddesign #4 - LFO

Synthesizer Sounddesign für Einsteiger

Der LFO oder „Low Frequency Oscillator“ ist das Thema der Folge 4 des Crashkurses Synthesizer und Sounddesign. Neben der Hüllkurve, die wir uns in Folge 3 angesehen haben, ist er der zweite wichtige Baustein, um Klangparameter zu modulieren. Wir zeigen euch, was ein LFO macht und wie man ihn einsetzt. Dazu programmieren wir einen typischen „Wobble-Bass“.

Ein LFO ist ein Oszillator, der nicht primär dazu verwendet wird Klänge zu erzeugen. Stattdessen kommt er zum Einsatz um Klangeigenschaften wie Tonhöhe, Lautstärke oder Filter-Cutoff zu beeinflussen. Während eine Hüllkurve im Normalfall für einen einmaligen Modulationsverlauf verwendet wird, kann man mit einem LFO eine zyklische, wiederkehrende Modulation erreichen, also beispielsweise ein Vibrato oder ein Tremolo. Dafür liegt die Frequenz eines LFOs normalerweise deutlich unter der eines „normalen“ Oszillators, nämlich unterhalb des für Menschen als Ton hörbaren Frequenzbereichs, der bei etwa 20Hz beginnt. Es gibt aber auch Synthesizer, deren LFOs in den hörbaren Bereich vordringen können, was interessante Effekte ergeben kann.

Die meisten Synthesizer haben einen oder zwei LFOs, manche auch mehr. Je nach Modell können sie verschiedene Schwingungsformen erzeugen, neben den Basics Dreieck, Sinus, Rechteck und Sägezahn gibt es gelegentlich auch eine Einstellung namens „Random“ oder „Sample&Hold“, die einen (scheinbar) zufälligen, gestuften Verlauf liefert. Der Regler für die Frequenz des LFOs (also die Geschwindigkeit der Modulation) heißt meistens „Rate“, „Speed“ oder „Frequency“. Bei den meisten modernen Synthesizern lassen sich die LFOs auch per MIDI-Clock zum Songtempo synchronisieren.  

Je nach Modell sind in der LFO-Sektion verschiedene weitere Einstellmöglichkeiten zu finden. Oft ist es möglich, den LFO zum Tastenanschlag zu synchronisieren, sodass er bei jeder Note seine Schwingung von vorn beginnt. Das heißt dann meistens „Key Sync“, „Retrigger“ o.ä. Auch gibt es häufig einen Delay-Parameter, mit dem man eine Einsatzverzögerung des LFOs einstellen kann. Dann dauert es nach dem Spielen einer Note etwas, bis der LFO zu arbeiten beginnt. Bei einigen besonders gut ausgestatteten Synthies kann man die Phase des LFOs verschieben und damit wählen, an welchem Punkt der Schwingungsform der LFO seine Schwingung beginnt.

Die Regelmöglichkeiten dafür, was durch den LFO moduliert wird und in welcher Stärke, sind bei verschiedenen Synthesizern an verschiedenen Stellen zu finden. Bei vielen Instrumenten kann man direkt bei den in Frage kommenden Parametern (Filter-Cutoff, Lautstärke, Tonhöhe, etc.) einen LFO als Modulationsquelle auswählen und die Stärke einstellen. Bei anderen Synthies liegen die Regler dafür in der LFO-Sektion. Das ist je nach Gerät unterschiedlich, in beiden Fällen heißen die Regler aber zumeist „LFO Depth“ oder ähnlich. Je komplexer der Synthesizer, desto vielfältiger sind die Möglichkeiten, was man per LFO steuern kann.

So klingt es, wenn ein LFO mit einer Dreieckschwingung die Tonhöhe moduliert (Vibrato):

Und hier kommt ein LFO mit einer Rechteckschwingung zum Einsatz um den Filter-Cutoff zu beeinflussen:

Wobble Bass

Bei einem typischen Wobble-Bass moduliert ein LFO kräftig den Filter-Cutoff, zumeist mit einer Sinus- oder Dreieckschwingung. Zuerst müssen wir aber für das klangliche Ausgangsmaterial sorgen. Dafür stellt ihr beide Oszillatoren eures Synthesizers auf Rechteckschwingungen ein. Einen Oszillator stimmt ihr eine Oktave tiefer und macht ihn im Mixer etwas lauter als den höheren, den ihr mit dem Finetune-Regler leicht verstimmt. Ich habe das wieder mit der Novation Bass Station II gemacht:

Wenn ihr mögt, könnt ihr bei der Lautstärken-Hüllkurve eine kurze Decay-Zeit einstellen (nicht auf Null, aber nur knapp darüber) und das Sustain etwas herunter drehen. Das ergibt eine kurze Pegelspitze bei jedem Anschlag, die für etwas „Punch“ sorgen kann. Attack sollte für dieses Beispiel auf Null stehen und Release auch beinahe, obwohl ihr natürlich damit experimentieren könnt.

Nun dreht ihr den Filter-Cutoff herunter auf etwa die Hälfte (das könnt ihr später natürlich noch nachjustieren) und stellt ein bisschen Resonanz ein, aber nicht zuviel – „zwitschern“ oder kreischen soll der Wobble-Bass nicht.

Und nun schlägt die Stunde des LFOs. Wählt für den LFO eine Dreieck- oder Sinusschwingung aus (in meinem Fall ist es ein Dreieck). Bei den meisten Synthesizern mit vielen Knöpfen gibt es nun entweder in der Filtersektion oder beim LFO die Möglichkeit, eine Modulation des Filter-Cutoffs per LFO einzustellen. Bei weniger gut mit Bedienelementen ausgestatteten Synthies oder Workstations müsst ihr die Regelmöglichkeit eventuell im Filter- oder LFO-Menü suchen. In meinem Fall, also bei der Bass Station II, findet man beim Filter den Regler „LFO 2 Depth“. Wenn man ihn aufdreht, wird der Filter-Cutoff vom LFO 2 moduliert:

Gerade bei einem solchen Wobble-Bass, der eine sehr prominente Funktion im Track einnimmt, ist es natürlich wichtig, dass die LFO-Frequenz zum Song passt. Es liegt deshalb nahe, sie zum Songtempo zu synchronisieren, wenn euer Synthesizer das erlaubt. Es kann aber auch reizvoll sein, den LFO frei laufen zu lassen und die Frequenz mit dem Rate-Regler manuell zu „bedienen“ oder sie in der DAW zu automatisieren, um mit verschiedenen Frequenzen zu spielen:

Ich habe nun zum Schluss bei der Bass Station noch den Filter Overdrive und die Distortion jeweils etwas aufgedreht. Je nachdem, welchen Synthesizer ihr benutzt, können solche Effekte den Klang bereichern:

Mit etwas Chorus aus der DAW klingt das dann so:

In der fünften Folge unserer Workshop-Reihe "Synthesizer und Sounddesign" sehen wir uns den Rauschgenerator an. Ich zeige euch, wie ihr damit im Handumdrehen jede Menge nützlicher Effekte erzeugen könnt, um Übergänge und Steigerungen in euren Tracks aufzupeppen.

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