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Sound-Workshop: Lead Sound Calvin Harris & Alesso feat. Hurts “Under Control”

In dieser Folge bauen wir den Leadsound aus dem Dance-Hit „Under Control“ von Calvin Harris & Alesso feat. Hurts nach. Eigentlich könnte man aber auch fast jeden anderen aktuellen Dance-Kracher zum Vorbild nehmen, denn solche Unison-Leads erleben seit einigen Jahren ihren zweiten Frühling.

(Foto: © Sony Music, Montage: bonedo.de)
(Foto: © Sony Music, Montage: bonedo.de)


Das wesentliche Merkmal solcher „Trance-Anthem“-Leads ist die Verwendung mehrerer Sägezahn-Oszillatoren im Unison-Modus, leicht gegeneinander verstimmt. Der 1996 erschienene virtuell-analoge Synthesizer Roland JP-8000 besaß eine spezielle Wellenform namens „Supersaw“, die diesen Sound lieferte, trat damit in den 90er-Jahren die erste Welle solcher Klänge los und wurde zum modernen Klassiker. Nachdem sie zwischenzeitlich aus der Mode gekommen waren, sind diese Sounds in den letzten Jahren zurückgekehrt. Um euch das Nachbasteln zu erleichtern, habe ich wieder den Freeware-Softsynth u-he Tyrell N6 verwendet, obwohl er keine „Supersaw“-Wellenform hat. Aber wir kommen auch so zum Ziel, denn es gibt einen Unison-Mode und einen Detune-Parameter. Das fertige Patch gibt es wie immer unten zum Download.
Wir beginnen mit dem Init-Sound, der nach dem Laden des Plugins automatisch aktiv ist. Er besteht aus einer Sägezahnschwingung von Oszillator 1 und einer Pulswelle von OSC2 und klingt so:

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Schritt 1: Init-Sound

Als erstes machen wir aus der Pulswelle von OSC2 ebenfalls einen Sägezahn, indem wir den Regler SHAPE 2 in der Oszillatorsektion ganz nach links drehen. (Hier hat sich in der Bedienoberfläche des Tyrell leider ein Fehler eingeschlichen – obwohl hier ein Dreieck aufgedruckt ist, liefert der Oszillator in dieser Stellung einen Sägezahn.) Dann dreht ihr OSC1 und OSC2 im Mixer jeweils auf -20.00 auf (nicht ganz aufreißen, sonst gibt es nachher Übersteuerungen) und zusätzlich den Suboszillator SUB ganz leicht auf etwa -95.  

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Schritt 2: 2 Oszillatoren plus Suboszillator

Nun wird OSC2 mit dem Regler TUNE2 eine Oktave höher als OSC1 gestimmt (+12.00). Um die typischen Schwebungen leicht verstimmter, analoger Oszillatoren zu imitieren, soll die Tonhöhe beider Oszillatoren leicht von den beiden LFOs moduliert werden. Dafür setzt ihr beide LFOs auf die Schwingungsform RAND GLIDE (stufenlose Zufallsschwingung). Die restlichen Einstellungen sollten für beide LFOs so aussehen: SYNC = 10s, RATE = 0, RESTART = SYNC. Dadurch werden die LFOs nicht zum Songtempo synchronisiert, sondern schwingen frei einmal alle zehn Sekunden, was ganz gut das Verhalten nicht stimmstabiler analoger Oszillatoren imitiert.
(Eine ausführliche Erklärung der etwas unorthodoxen, aber sehr flexiblen Synchronisationseinstellungen der Tyrell-LFOs findet ihr in diesem Artikel. Anders als man meinen könnte, heißt SYNC hier nicht unbedingt, dass der LFO zum Tempo oder zum Tastenanschlag synchronisiert wird.)
Zusätzlich muss beim LFO 1 noch der Regler DEPTH MOD auf Null gedreht werden, denn sonst wird der LFO nur bei Betätigung des Modulationsrads wirksam. Bei LFO 2 sollte dies schon voreingestellt sein. Um die Frequenz der beiden Oszillatoren mit je einem LFO zu steuern, wählt ihr in der Oszillatorsektion bei SOURCE 1 und SOURCE 2 den LFO 1 bzw. den LFO 2 aus der Liste aus und dreht die beiden Regler T-MOD („Tuning Modulation“) 1 und T-MOD 2 ganz leicht entgegengesetzt auf -0.20 bzw. +0.20 auf.  

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Schritt 3: Schwebungen per LFO

Das muss noch fetter werden! Also versetzen wir den Tyrell in den Unison-Mode, indem wir in der globalen Sektion ganz rechts oben bei VOICES die maximal mögliche Stimmenzahl 8 aus der Liste auswählen. Dadurch werden acht Stimmen übereinandergelegt wie bei einem polyphonen Analogsynth im Unison-Mode. Jetzt könnt ihr zwar nur noch einen Ton zur Zeit spielen, aber dafür klingt das Ganze schon ziemlich dick. Zusätzlich könnt ihr die Oszillatoren mit dem DETUNE-Regler links oben noch weiter gegeneinander verstimmen, indem ihr ihn auf etwa +10 aufdreht – oder mehr, je nach Geschmack.

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Schritt 4: Unison

Das geht doch schon in die richtige Richtung. Die Amp-Hüllkurve (ENV 1) sollte ungefähr so eingestellt werden: Attack = 0, Decay = 25, Sustain = 70, Release = 35. Wer mag, kann bei ENV1 den VELO-Regler aufdrehen, um die Lautstärke mit der Anschlagstärke steuern zu können.

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Schritt 5: Amp-Hüllkurve

Nun noch das Filter. Stellt CUT auf etwa 100, RES auf ca. 25 und MOD 1 auf ungefähr +100. In der Filterabteilung sollte bei SOURCE 1 die zweite Hüllkurve (ADSR2) voreingestellt sein, wodurch ENV 2 für die Filtersteuerung zum Einsatz kommt. ENV 2 sollte in etwa so eingestellt werden: Attack = 0, Decay = 25, Sustain = 40, Release = 35. Zusätzlich können wir jetzt noch im Mixer den Regler FEEDB für den Filter-Feedback-Loop leicht aufdrehen (ca. -80), das macht den Sound noch etwas schmutziger.

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Schritt 6: Filter

Zu guter Letzt darf der Chorus-Effekt nicht fehlen. Aktiviert den Chorus des Tyrell und stellt ungefähr diese Werte ein: TYPE = Dramatic, RATE = 20, DEPTH = 30, WET = 50. Zusätzlich drehen wir in der Abteilung OSC MOD den Regler GLIDE auf etwa 10 auf.  

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Schritt 7: mit Chorus und Glide

Wenn man dann in der DAW noch etwas Hall und eine Kickdrum hinzufügt, klingt das Ganze so:

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Schritt 8: “Under Control” – der fertige Sound

Den fertigen Tyrell-Sound könnt ihr euch hier herunterladen. Wie man das Preset in das Plugin hinein bekommt, könnt ihr hier nachlesen.

"Under Control" - der fertige Sound im Tyrell N6
“Under Control” – der fertige Sound im Tyrell N6
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(Foto: © Sony Music, Montage: bonedo.de)

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von Lasse Eilers

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