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06.03.2020

Snare des Tages: Vintage Ludwig Black Beauty in 14“ x 6,5“ von 1980

Die Backbeat-Legende mit Blue-Olive Badge

Ross Garfield, der renommierte Drum Doctor aus Los Angeles, postete zum Ludwig Black Beauty Mythos letztens ein kurzes Video, in dem er eine neuere sechseinhalber Black Beauty Snare dem alten Modell gegenüberstellt. Wem der Name Ross Garfield nichts sagt – er ist seit Jahrzehnten die erste Anlaufstelle für Drummer und Produzenten in Los Angeles. Ross modifiziert und repariert nicht nur Trommeln – Jeff Porcaro zählte zum Beispiel zu seinen Klienten – , aus seiner riesigen Sammlung von über 440 Drumsets stellt er im Tagesgeschäft auch maßgeschneiderte Schlagzeuge zusammen, die unter anderem auf legendären Studioalben von Metallica (Black Album) und Nirvana (Nevermind), den Red Hot Chili Peppers (Blood, Sugar, Sex, Magic) sowie unzähligen weiteren Künstlern zu hören sind. Leider hat der gute Ross in seinem Video keinen direkten Klangvergleich zwischen beiden Black Beautys gemacht. 

Warum sind die 1970er Black Beauty Snares so begehrt?

Ross bezieht sich im Video auf die erste Wiederauflage, die im relativ kurzen Produktionszeitraum zwischen 1977 und 1980 im Katalog auftaucht und in Chicago aus einem schweren, schwarz verchromten und nahtlosen Messingkessel gefertigt wurde. Sie klingt – laut seiner Aussage – im Vergleich zum aktuellen Modell wärmer und druckvoller und hat weniger klingelnde Obertöne. 

Wegen des kurzen Produktionszeitraums sind die Trommeln eher rar gesät

Während Acrolites und Supraphonics sprichwörtlich wie Sand am Meer produziert wurden, rollten schon wegen des kurzen Produktionszeitraumes vergleichsweise wenig Black Beauty Modelle vom Band. Etwas häufiger taucht das Schwestermodell, die Black Beauty Super Sensitive Snare, in den Kleinanzeigen auf. Diese Variante ist mit der bekannten Parallelabhebung ausgestattet, welche dem damaligen Zeitgeist entsprach. Wesentlich rarer und deshalb heutzutage noch begehrter sind aber Black Beautys, die von Haus aus mit einem normalen P85 Strainer ausgestattet wurden – so wie das Modell, welches wir heute vorliegen haben. Neben dem schwarz verchromten Kessel gab es auch gravierte Modelle im Stile der Urahnen aus den 1920er Jahren. Ab und an tauchen auch Umbauten in den Kleinanzeigen auf, bei denen die Parallelabhebung nachträglich entfernt wurde.

Nachdem die Linie aus Kostengründen eingestampft wurde, gab es ab 1988 – nach den erfolgreichen Bronze-Modellen der 1980er Jahre – auch wieder Black Beautys, dabei handelt es sich allerdings um schwarz verchromte Modelle mit Bronzekessel, diese sind u.a. am eingeprägten Kürzel „BZ“ im Kessel erkennbar. Seit 1994 gibt es wieder Messing-Black Beautys im Ludwig-Programm. Die meisten der legendären Blue Olive Black Beautys gehören zum Inventar von Tonstudios rund um den Globus oder sind bei Sammlern gebunkert. Taucht doch mal ein Exemplar auf dem Gebrauchtmarkt auf, ist ein Preisschild weit jenseits der 2000 Dollar Marke nicht ungewöhnlich. Die Chancen, hier in Deutschland an eines der gesuchten Modelle in den Größen 14“ x 5“ oder 14“ x 6,5“  zu geraten, sind also eher rar gesät.

Wie klingt die legendäre 70er Black Beauty denn jetzt?

Im Video habe ich die Snare in einer Vielzahl von Stimmungen aufgenommen, und ich kann die Legendenbildung bestätigen: Die Snare klingt mit einem Coated Ambassador offen, aber gleichzeitig kontrolliert. Widmet man der Teppichspannung die nötige Aufmerksamkeit – also stellt sie weder zu raschelig noch zu fest ein – ,  wird man in allen Stimmungen mit einem warmen und fetten Sound belohnt. Gerade für Backbeat-Grooves ist die Trommel ein absoluter Traum. Meine Supraphonic von 1979 empfinde ich in puncto Teppichansprache als feiner und diffiziler – die Black Beauty punktet mit Durchsetzungskraft und offenbart ihre Qualitäten unter dem Mikrofon. Kein Wunder, dass sie als Studiowaffe schlechthin gilt. Auch in hohen Lagen bleibt der Körper der Black Beauty voll da, und es entwickelt sich kein topfiger, penetranter Klang, wie es bei hoch gestimmten 6,5er Messingsnares öfter der Fall ist. Die beiden aktuellen Ludwig Reissue Snares Super COB und Super Brass, die ich zeitgleich hier habe, haben wesentlich mehr Obertöne und klingen einfach nicht so satt und mit so viel Fundament wie die Black Beauty. 

Apropos Obertöne. Wechselt man das Fell der Black Beauty, fällt auf, dass die 14 Zoll Kesselmaß voll ausgenutzt werden. Das Fell sitzt nicht stramm, aber hat ordentlich Kontakt zum Kessel, was für eine weitere Reduktion der Obertöne sorgt. 

Gibt es Alternativen zur Vintage Black Beauty?

Natürlich hat fast jeder große Hersteller am Markt schwarz verchromte Messingsnares im Programm, die für einen Bruchteil der aufgerufenen Sammlerpreise von alten Ludwigs zu haben sind. Neben neuen Ludwig Black Beautys gab und gibt es Nachbauten von Yamaha, DW, Tama, Pearl, Pork Pie oder Gretsch. Tama-Endorser Kenny Aronoff, auch ein bekennender Fan alter Ludwig Snares, hat bei der Entwickung seiner drei Trackmaster Signature-Modelle übrigens eine Vintage Ludwig LM400 COB Snare als Muster eingereicht. Diese Tama-Modelle gehen für mein Dafürhalten klanglich am ehesten in die Richtung der alten Black Beautys. Auch wenn natürlich für einen echten Fan nichts über das Original geht. 

Mein Dank geht an dieser Stelle an Daniel Schwarz, der die Snare aus seinem Fundus zur Verfügung gestellt hat. 

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Pro & Contra

  • variable Klänge
  • durchweg sehr gute Ansprache
  • leichte Stimmbarkeit

  • teilweise minderwertige Hardware
  • hohe Neu- und Gebrauchtpreise

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