Snare Geheimtipp #6 – Yamaha SD-5000MA 14×5

„Ist das deine Yamaha Recording Custom Snare?“, fragt mich ein Kollege beim Anblick der heutigen Geheimtipp-Trommel. Nein, lautet die Antwort, es ist eine 5000er. Genauer, eine Yamaha SD-5000MA in der Größe 14×5 Zoll. Wer sich jetzt am Kopf kratzt, ist nicht alleine, schließlich bringen es eben nur bestimmte – meist hochpreisige – Instrumente zu besonderem, die Zeiten überdauernden Ruhm. Und das hat in der Schlagzeugsparte des japanischen Großkonzerns Yamaha eben nur die Recording Serie geschafft. Unter dem Namen 9000 wurden diese Edeltrommeln Ende der Siebzigerjahre auf den Markt gebracht, um der amerikanischen und europäischen Konkurrenz ordentlich Feuer unter dem Hintern zu machen. Das hat bekanntlich funktioniert, allerdings hatte man natürlich nicht nur die teuren Profidrums im Programm, sondern auch erschwinglichere Serien. Womit wir bei unserer heutigen Geheimtipp-Snaredrum wären.  

Alle Bilder: Max Gebhardt
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Zugegeben, auf den ersten Blick wirkt diese Trommel weder besonders edel noch auffällig. Und das war auch gewollt. Denn damals unterschieden sich die Produktklassen in erster Linie durch ihre Ausstattung. So besitzt unsere 5000er Snare Drum nur acht statt zehn Stimmschrauben, und anstelle der extrem aufwendigen Parallelabhebung der sogenannten 000-Serie Snare Drums (9000er mit Parallelabhebung) kommt hier nur ein einfacher, einseitig einstellbarer Strainer zum Einsatz. Als moderne, klanglich versierte Drummer wissen wir heute natürlich, dass das absolut ausreicht. Nicht umsonst sind an den besten und teuersten High End Snares diese einfachen Versionen verbaut. Dasselbe gilt auch für die reduzierte Anzahl von Stimmschrauben. Während mehr Stimmschrauben damals ganz klar als „besser“ galten, ist das heute nur noch eine Geschmacksfrage. Unter aktuellen Gesichtspunkten betrachtet, haben wir es also bei der 5000er mit einem zeitgemäßen Design zu tun und nicht mit einem „Billigheimer“. Zusätzlich besitzt unsere unauffällige Snare ein paar Merkmale, die es heute nur für viel Geld zu kaufen gibt.

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Nahtloser Kessel, made in Japan

Eine Yamaha Stahl-Snare der Einsteigerklasse kostet heute etwa 120 Euro neu. Damit lässt sich professionell arbeiten, und roadtauglich ist sie auch. Das gute Stück wird jedoch nicht in einem westlichen Industrieland gebaut, sondern in China. Wer sich eine Snare Drum dieser Art aus japanischer, amerikanischer oder europäischer Produktion zulegen möchte, sollte sich mindestens auf den vierfachen Preis einstellen. Selbst eine moderne, in Taiwan hergestellte Recording Custom Stahl-Snareliegt bei knapp 500 Euro. Der Vergleich ist interessant, denn unsere schlichte 5000er wurde damals – genauer: im Mai 1982 – im Yamaha Stammwerk in Japan gebaut. Und sie besitzt einen nahtlosen Kessel. Diese beiden Merkmale alleine würden sie heute preislich in Oberklasse-Sphären katapultieren. Der Vergleich der Kessel der 5000er und meiner 000 Recording Snare aus dem gleichen Baujahr zeigt zudem, dass ihre Kessel identisch sind. Dasselbe gilt für die doppelseitigen Böckchen sowie die Bauweise der dünnen, 1,6 Millimeter starken Spannreifen. Spezialitäten wie Kunststoff-unterlegte Kessel-Hardware oder Stimmschrauben waren damals allgemein noch nicht üblich. Für Kenner der Materie ist sicherlich noch interessant, dass die ersten 5000er, 7000er und auch 9000 Recording Trommeln bis etwa 1980 in Taiwan gebaut wurden. Die Qualität ist jedoch weitgehend identisch. 

Fotostrecke: 6 Bilder High Tech vs. Basis: Links seht ihr die teure 000-Version, rechts die 5000er.
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Klanglich geht mit der 5000er einiges

Bevor man eine 5000er Stahl-Snare in Betrieb nimmt, sollte man sicherstellen, dass der verwendete Snare-Teppich nicht zu breit ist. Die Snarebeds fallen nämlich eher schmal aus, sodass bereits ein recht breit gebauter, 20-spiraliger Puresound Teppich etwas unpräzise klingt und auch abgehoben noch am Resofell raschelt. Ein schmalerer Canopus Vintage Dry hingegen holt alles aus dieser unscheinbaren Snare Drum heraus. Besonders in hohen und mittleren Stimmungen klingt diese Snare wirklich beeindruckend gut. Sie hat eine sehr präzise Ansprache und einen luftigen, dabei aber fetten Ton. Auch Rimshots und Rimclicks fehlt es an nichts. Je nach persönlichem Geschmack lässt sich der Charakter der Trommel mit Guss- oder Holzreifen in verschiedene Richtungen formen. Besonders letztere gefallen mir ganz ausgezeichnet. Die – ziemlich überstrapazierten – Begriffe „holzig“ und „warm“ treffen dann wirklich voll zu, wie ich finde. Ich muss auch zugeben, dass meine 9000er mit Parallelabhebung nicht besser klingt, eher etwas geschlossener und höhen-betonter. Umständlich in der Handhabung, aber üblich für die Ära ist die Befestigung des Teppichhaltematerials per Kreuzschlitzschrauben. Wen das zu sehr stört, kann diese jedoch gegen Varianten mit Vierkantkopf austauschen. Im Video habe ich euch fünf verschiedene Stimmungen aufgenommen, von ganz hoch bis sehr tief. Als Schlagfell kommt ein Remo Ambassador coated zum Einsatz, beim Reso handelt es sich tatsächlich noch um das erste Yamaha-Werksfell aus Remo Produktion . 

Fazit

Yamaha’s 5000er Serie Stahl-Snares hat kaum jemand auf dem Zettel. Sammler interessieren sich stattdessen eher für die 9000er Recording-Modelle, welche entsprechend kostenintensiv sind. Eine 5000er ist hingegen schon für deutlich unter 100 Euro zu bekommen. Klanglich können die nahtlos gezogenen Trommeln absolut überzeugen und liefern nicht nur große, offene Sounds, sondern auch eine präzise Teppichansprache (ein eher schmaler Teppich vorausgesetzt). Ein weiterer Vorteil ist, dass man nicht allzu lange suchen muss, um ein gut erhaltenes Exemplar zu finden. Ob es ein frühes Modell aus Taiwan oder die Japan-Version wird, ist nebensächlich, denn sie sind praktisch identisch. Wer also eine toll klingende Metall-Snaredrum mit Retro-Flair zum Schnäppchenpreis sucht, sollte die Yamaha Modelle auf keinen Fall übersehen.

Grandiose Sound-Preis-Ratio: Die Yamaha SD-5000 Snare gibt es schon für unter 100 Euro.
Grandiose Sound-Preis-Ratio: Die Yamaha SD-5000 Snare gibt es schon für unter 100 Euro.

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von Max Gebhardt

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