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Snare des Tages: Pearl Jupiter Vintage Brass COB

Neben den üblichen Verdächtigen laufen einem öfter mal Trommeln über den Weg, die nicht ultrabekannt sind, aber auch keinen echten Geheimtipp-Status haben. Zwei davon sind die COB (Chrome over Brass) Pearl Jupiter Snares aus den 1970er Jahren, die sich sowohl als Studiosnares als auch durch einen gewissen Stewart Copeland in der Szene einen Namen machen konnten. Vor nicht allzu langer Zeit startete Pearl mit den Sensitone Duoluxe-Modellen eine Art Hommage, allerdings ohne eine Neuauflage der Parallelabhebung. Wir hatten jetzt die Möglichkeit, herauszufinden, was die originalen Jupiter Snares auszeichnet.

Die zwei Pearl Jupiter Snares im Gruppenbild.
Die zwei Pearl Jupiter Snares im Gruppenbild. Alle Medien: Christoph Behm
Inhalte
  1. In den 70ern kamen sehr viele interessante Trommeln heraus
  2. Pearl Jupiter: Messingkessel mit Parallelabhebung
  3. Nach der Einführung der Free Floating-Reihe musste die Jupiter weichen
  4. Besonderheiten der Jupiter COB Snare
  5. Die Kessel haben kein Untermaß und benötigen entsprechende Felle
  6. Der Sound der beiden Snares ist ein Traum
  7. Gussreifen oder geflanscht?
  8. Was kostet eine Pearl Jupiter COB Snare gebraucht?

In den 70ern kamen sehr viele interessante Trommeln heraus

Die Ära der 1970er Jahre ist rückblickend eine der interessantesten in der Evolution des modernen Drumsets. Die asiatischen Hersteller waren auf dem Vormarsch und dabei, US-Hersteller wie Ludwig, Gretsch und Rogers in schwere Bedrängnis zu bringen. Anders als durch simples Kopieren und günstigere Produktionsweisen, die oftmals mit kompromissbehafteter Qualität einhergingen, buhlten die Hersteller zu dieser Zeit mit technisch immer ausgereifteren Trommeln um die Gunst der Käuferschaft. Yamaha ist hier sicher als Leuchtturm für die japanische Fertigung zu nennen, die dann in der legendären 9000er-Serie mündete. Ein anderes Aushängeschild für kompromisslose Fertigungsqualität war hierzulande Sonor. Wer sich Phonic Trommeln aus der Zeit anschaut, merkt auch nach über 40 Jahren, dass es – was die Qualität der Bauteile betrifft – eigentlich nicht besser geht.

Aber auch die japanische Firma Pearl, die zu dieser Zeit immer noch mit Spannböckchen in (nicht patentierter) Optik von Rogers arbeitete, legte ordentlich vor. Ein Beispiel sind die heute besprochenen Jupiter Snares. 

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Sehr hier unser Video mit beiden Jupiter Snares:

Pearl Jupiter: Messingkessel mit Parallelabhebung

Die Messing-Snares in den Größen 14“ x 5“ und 14“ x 6,5 gab es schon länger, unter der Bezeichung „Jupiter“ und mit einer Parallelabhebung ausgestattet, tauchten sie zum ersten Mal im 1973er Katalog auf. Daneben gab es sie als 4214 bzw. später B4514 mit der einfachen Gladstone-Abhebung (so wie sie Stewart Copeland spielte) und als Stahl-Variante. Letzteres Modell, die D4514, das oftmals sehr günstig angeboten wird, haben wir hier besprochen. Die Stahlsnares lassen sich übrigens durch die zwei schmalen Sicken auf der Mitte der Kesselwand sehr leicht von den Messingkesseln mit drei an der Zahl unterscheiden. Allerdings gab es in späteren Modellreihen auch tiefe Snarekessel aus Stahl mit drei Sicken, hier sollte man etwas aufpassen. Die Typenbezeichnungen änderten sich öfter mal, die grundsätzlichen Merkmale der Jupiter blieben aber bis zum Ende ihrer Herstellung nahezu identisch.

Pearl Jupiter COB Snare
Fotostrecke: 2 Bilder Besonderes Markenzeichen: die Parallelabhebung.
Fotostrecke

Nach der Einführung der Free Floating-Reihe musste die Jupiter weichen

1980 wurde nochmals ein neues Parallelabhebungs-System vorgestellt, auch die Option, die Trommeln mit Gussspannreifen zu bestellen, taucht im Katalog auf. 1984 erfolgt dann die Einführung der wohl bis heute bekanntesten Pearl Snare-Reihe, der Free Floating Serie. Die aufwendige Parallelabhebung der Jupiter musste dann einer Pseudo-Parallelabhebung weichen, wie sie zu dieser Zeit bei fast allen großen Herstellern in Mode war.

Besonderheiten der Jupiter COB Snare

Unsere Snares mit den Bezeichnungen 4814 bzw. 4814L stammen aus der Ära Mitte / Ende 70er, haben also noch den hakenförmigen Hebel an der Snareabhebung. Die Trommeln haben einen verlöteten Messingkessel, der auf der Außenseite sehr hochwertig verchromt ist, obligatorisch ist der Innendämpfer mit Filzauflage. Gestimmt wird per 10er Teilung. Beachten sollte man, dass die Snares kein Untermaß haben, man muss also auf ein Remo Classic Fit oder ein Aquarian American Vintage (wie in unserem Video) als Schlagfell ausweichen, da normale Felle zu eng sitzen. Passende, hochwertige Replica-Teppiche für die Jupiter fertigt beispielsweise der serbische Hersteller Zoran Bibin. Ansonsten gibt es von rdavidr ein Video, wie sich ein Puresound Vintage-Modell an die Jupiter anpassen lässt.

Pearl Snare Strand
Fotostrecke: 2 Bilder Der originale Teppich besteht aus zwei 10-strängigen Stahlspiralen.
Fotostrecke

Die Kessel haben kein Untermaß und benötigen entsprechende Felle

Die Verschleißteile sind also nicht unbedingt günstiger, auch ist die Auswahl an Snarefellen stark begrenzt, zumindest was die beiden hier vorliegenden Modelle betrifft. Ob spätere Jupiter-Kessel untermaßig waren, konnte ich nicht herausfinden. Ist der Teppich sauber eingestellt, was bei dieser Abhebung recht leicht vonstatten geht, kann man sich an einem sehr sauberen und crispen Snaresound erfreuen, der trotz hoher Teppichspannung nicht abgewürgt klingt. 

Der Clou bei der Parallelabhebung ist ja, dass beim Anspannen der Snares kein Anpressdruck über Bänder oder Schnüre auf den Kessel erfolgt. Snares mit Parallelabhebung brauchen daher auch kein Snarebed, da der Teppich gleichmäßig von beiden Seiten an das Fell geführt wird. Im Spielbetrieb hält sich auch die Interaktion mit den Tom-Toms (Stichwort: ungewünschtes Nachrascheln) stark in Grenzen. 

Remo 14

Remo 14″” Ambassador Coated Classic

Kundenbewertung:
(12)
Aquarian 14

Aquarian 14″” American Vintage Medium Co

Kundenbewertung:
(37)

Der Sound der beiden Snares ist ein Traum

Die Trommeln sind – wie man unschwer sehen kann – mit ordentlich Hardware bestückt, das wirkt sich auch auf den Sound aus. So klingen beide Snares sehr dynamisch und haben den typisch-warmen Messington, sie bleiben aber erfreulich kompakt und kontrolliert. Dämpfung ist möglich, aber nicht wirklich nötig – höchstens in den sehr tiefen Stimmungen der 14“ x 6,5“ Jupiter, die übrigens eine astreine Rocksnare ist, die richtig Laune macht! Sie klingt nicht ganz so fett wie die hier vorgestellte Vintage Black Beauty, aber sie geht deutlich in diese Richtung, und das für einen Bruchteil des Preises und dank der P-Abhebung mit einer noch feineren Ansprache.

Das 14“ x 5“ Modell hat seine Stärken ab der mittelhohen bis ultrahohen Stimmung. Hier knallt sie – aber mit einem selten gehörten Tiefgang –, dass es eine wahre Freude ist. Die Ansprache ist dabei auf dem Niveau einer Klassik-Snaredrum.

Ein Aquarian American Vintage hat die richtige Kragenweite für die Jupiter.
Ein Aquarian American Vintage hat die richtige Kragenweite für die Jupiter.

Gussreifen oder geflanscht?

Bei der 14“ x 6,5“ habe ich vor der Aufnahme unterschiedliche Spannreifen ausprobiert, am besten gefiel mir der geflanschte 1,6 Millimeter Reifen, den ich dann auch für die Aufnahme verwendet habe. Am 14“ x 5“ Modell waren schon beidseitig 1,6 mm starke Rogers Dyna-Sonic Replica-Hoops drauf, diese haben besonders auf der Unterseite den Vorteil, dass die Abhebung beim Absenken des Teppichs mehr Platz hat.

Rogers 14

Rogers 14″” Dyna-Sonic Bottom Hoop

Bisher keine Kundenbewertung verfügbar
Rogers 14

Rogers 14″” Dyna-Sonic Batter Hoop

Kundenbewertung:
(2)

Was kostet eine Pearl Jupiter COB Snare gebraucht?

Mit etwas Glück bekommt man eine Vintage Pearl Jupiter zwischen 250 bis 320 Euro, bei gewerblichen Shops sind die Preise zum Teil deutlich höher. Insgesamt sind sie aber eher moderat ausgepreist, wenn man sich die Klangqualität und generelle Verarbeitung vor Augen hält.

Mein Dank gilt an dieser Stelle Michael Weber, der mir die beiden Snares aus seinem Fundus zur Verfügung gestellt hat. Ich denke, ich muss bald auch mal auf den Jupiter!

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von Christoph Behm

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