Hersteller_Mackie
Test
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12.03.2009

Details

Frisch ausgepackt…
…und direkt angefixt. Beim bloßen Anblick des Metallkameraden werden die DJ-Augen größer. Kaum angefasst und schon läuft der Speichel in den Mundwinkeln zusammen. Nee, im Ernst: Ist der Mixer erst mal zwischen den beiden Turntables aufgestellt, steigt die Neugierde auf den Sound des Mixers ins Unermessliche, denn wenn der d.4 Pro nur die Hälfte von dem hält, was Aussehen, Verarbeitung und Pultlayout versprechen, kann der d.4 Pro in meinen Augen ein ganz Großer werden. Das Layout des Mackie-Mixers ist symmetrisch, was der Übersicht trotz zahlreicher Features und damit einhergehender Bedienelemente sehr entgegenkommt. Die vier Kanäle sind alle gleich ausgestattet, sodass kein Anschlusskonzept nötig ist, da jeder Kanal die gleichen Möglichkeiten bereitstellt. Fein! Sämtliche Regler und Anschlüsse machen einen sehr guten Eindruck. Ohne dass Strom durchgeflossen ist, kann man das schon durch bloßes Anfassen erahnen.

Konzept und Layout
Das Pultlayout des d.4 Pro ist wie eben bereits erwähnt symmetrisch. Links von der Kanalsektion sind zwei Mikrofonkanäle und die Aux-Sektion untergebracht, während links, wie so oft, Master, Phones und Monitor zu finden sind. Links und rechts neben dem unten fußenden Infinium-Crossfader (!) hat Mackie die beiden Filterbänke platziert. Genau kann ich gar nicht sagen, warum mir das Layout so gut gefällt. Was mich allerdings beeindruckt, ist das Gefühl, welches der Mixer vermittelt, nämlich dass man hier nie den Überblick verlieren wird - sei es in der DJ-Ecke im Club auch noch so dunkel. Der Mixer hat verglichen mit einem Allen&Heath-Pult (z.B. XONE 92) nicht viel weniger Funktionen, schafft es aber dabei, einen sehr genauen Überblick zu gewährleisten. Insbesondere die Neulinge an diesem Pult, wie ich im Augenblick einer bin, werden das zu schätzen wissen.

 

Der d.4 Pro richtet sich mit seinem Konzept an die Clubbesitzer, die eine Festinstallation planen und wechselnde DJs mit digitalen Systemen zu Gast haben. Für Partyveranstalter mit festen Residents, die dann womöglich auch noch reine Vinyl- oder CD-Junkies sind, wäre das Pult zu „overdosed“. Natürlich lassen sich mit diesem Pult auch sehr gut „nur“ zwei Turntables verwalten, doch wäre der d.4 Pro damit ein wenig unterfordert, bzw. man kann für diesen Zweck auch günstigere DJ-Mischer kaufen. Darüber hinaus gehören natürlich auch professionelle DJs, die im Studio produzieren, zur Zielgruppe. Schließlich beheimatet der Mixer nicht nur einen Haufen analoger Verwaltungsperipherie sondern auch noch ein 14-in-8 Firewire-Audiointerface. Zum Lieferumfang gehört übrigens auch Tracktion 3, die hauseigene Musikproduktionssoftware von Mackie.

Die Kanäle
Die Kanäle 1-4 verfügen alle über einen CD-Player-Eingang und einen weiteren Eingang, der rückseitig wahlweise als Phono- oder Line-In konfiguriert werden kann. Darüber hinaus kann jeder Kanal als Firewire-Einspielweg fungieren. So können also vier Plattenspieler, vier Line-Quellen und vier Kanäle aus Traktor Pro o.ä. simultan über das Pult verwaltet werden! Jeder Kanal verfügt über eine eigene Feststellschraube zum Anschluss eines Plattenspieler-Massekabels. Toll!
Das Pult gleichzeitig auch als Audiointerface für DJ-Applikationen zu nutzen, erspart natürlich jede Menge „Kabelei“ zu Beginn eines DJ-Gigs. Für DJs, die ihre virtuellen Player mit externen Timecode-Platten steuern wollen, hält Mackie zudem ein „Goody“ bereit.

 

Auf der Rückseite gibt es in jedem Kanal einen FW-Out-Schalter, der das Signal des Phono/Line-In direkt auf den jeweiligen FW-Ausgang schaltet. Das Timecode-Signal ist also direkt in der DJ-Applikation verfügbar, um dort ein virtuelles Deck zu steuern.

In den Kanälen schaltet ein dreistufiger Kippschalter zwischen CD, Phono/Line und dem Firewire-Signal hin und her. Der Gain-Regler ermöglicht einen Regelbereich von –inf. dB bis +12dB. Der Eingang ist sehr übersteuerungsfest und der Preamp klingt satt und völlig unangestrengt.

Der 3-Band Equalizer arbeitet DJ-typisch, wenn ich das mal so sagen darf. Die Regler sind allesamt blau beleuchtet, sodass die dunklen Tage in den Clubs endlich in die Geschichtsbücher gehören.  Der Hi-Shelf setzt bei 4kHz an, das Mittenband bei 1kHz und das Tiefenband bei 300Hz.  Sowohl die vollständige Absenkung als auch der Boost der drei Bänder klingt vorbildlich und für meinen Geschmack wirklich sehr gut! Überzeugt euch selbst!

Unterhalb des EQs finden wir den Auxsend-Regler, der signalflusstechnisch auch nach dem EQ kommt. Links neben den Aux-Reglern sind dreistufige Kippschalter eingelassen, mit deren Hilfe das Kanalsignal auf die beiden Filterbänke X oder Y geschaltet werden kann. Darunter schließt das Crossfader-Routing in Form eines vierstufigen Drehschalters an. Das jeweilige Programmsignal wird hier auf Seite A oder B des Crossfaders, direkt auf die Stereosumme oder stumm (OFF) geschaltet. Dies kann hilfreich sein, wenn man einen Kanal nur benutzten möchte, um ein Signal mit EQ und Gain aufzubereiten, um anschließend damit ein externes Effektgerät über den Auxsend anzusteuern, es aber auf keinen Fall direkt zur Stereosumme hinzumischen möchte. Bei den Kanal-Fadern handelt es sich um leichtgängige 45mm VCA-Fader. Rechts neben den Fadern sind die Mono-Peakmeter in die Pultoberfläche eingelassen. Sie bestehen aus 12 LED-Segmenten und visualisieren den Pegel des jeweiligen Kanals durch Mono-Summenbildung in einem Bereich von -30dB bis +15dB sehr zuverlässig und akkurat.

Weitere Features
Unterhalb der Kanalsektion ist der Crossfader untergebracht. Ein optischer und sehr leichtgängiger 45mm Infinium-Crossfader, der herrlich von links nach rechts flutscht, sodass man den ganzen Tag nix anderes machen könnte. Die Charakteristik des Crossfaders ist stufenlos regelbar und ermöglicht einen kurzen Cut sowie einen sehr langsamen Fade-Vorgang.

An das d.4 Pro können gleichzeitig zwei Mikrofone angeschlossen werden. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob es sich um dynamische Mikrofone oder Kondensatormikrofone handelt. Auf der Rückseite kann für beide Mikrofone die 48V-Phantomspeisung eingeschaltet werden. Mit den integrierten Vorverstärkern der Onyx-Serie lässt sich das Signal um bis zu 60dB verstärken. Zwei LEDs zeigen an, ob ein Signal anliegt (grün) oder der Kanal übersteuert wird (rot). Ein 3-Band EQ mit den Mackie-typischen Eckfrequenzen (Hi@12kHz, Mid@2,5kHz und Low@80Hz) sorgt für eine gute klangliche Anpassung des Mikrofonsignals. Natürlich können beide Mic-Signale auf den Auxweg geführt werden. Für die Unterbringung auf den Stereo-Mix hat sich Mackie ein wenig mehr einfallen lassen. Klassischerweise findet man ein Poti vor, doch das ist nicht alles, denn für das Mikrofonsignal zeigt sich zudem ein dreistufiger Kippschalter verantwortlich. Auch wenn sich jener Kippschalter unter dem Poti befindet, liegt er im Signalflussplan vor dem Poti. In Stellung „nach oben“ ist das Signal auf die Stereo-Summe geroutet, in der Mittelstellung ist es gemutet. Zieht man den Schalter zu sich hin, wird das Mic-Signal ebenfalls auf den Masterbus geschaltet, aber eben nur so lange, wie man den Schalter in der Stellung hält, da dieser hinten nicht einrastet. Diese Schaltung eignet sich also hervorragend, um kurze Einsätze mit dem Mikro durchzuführen. Die Talkover-Schaltung bedämpft die vier Programmkanäle um 14dB und hat eine Release-Zeit von ca. 2-3 Sekunden. Unterhalb der Mikrofon-Sektion sind die Regler für Aux-Send und Aux-Return untergebracht. Mithilfe der beiden Regler können der Send- und Rückweg im Pegel um 12dB angehoben werden. Der Auxweg wird auf dem Backpanel über Schaltklinkenbuchsen realisiert. Leider können weder Send noch Return abgehört werden.

Master, Phones und Monitor
Diese drei Sektionen sind alle auf der rechten Seite des d.4 Pro zu finden. Die Mastersektion besteht aus einem Balance-Regler, dem Master-Poti und einem Stereo-Peakmeter, das mit 12 Segmenten den Pegel der Master-Summe anzeigt. Die Summe kann auf der Rückseite symmetrisch via XLR oder unsymmetrisch über Cinch abgegriffen werden. Mithilfe eines Schalters lässt sich der Pegel der XLR-Ausgänge angleichen. Wird der d.4 Pro beispielsweise nur als Submischer genutzt, hat man die Möglichkeit den Pegel auch auf Mikrofonpegel-Niveau abzusenken. Für die Cinch-Ausgänge kann der Abgriff post oder pre Fader in Bezug auf den Master-Fader geschaltet werden.  Was das Monitoring angeht, ist das Mackie-Pult vorbildlich ausgestattet. Der d.4 Pro ist mit zwei separat ansteuerbaren Paaren Monitorausgängen aufs Beste vorbereitet. Sowohl die Booth- als auch die Zone-Ausgänge werden rückseitig symmetrisch/unsymmetrisch über Schaltklinkenbuchsen ausgegeben. Der Booth-Out verfügt zudem noch über eine Mono-Summenbildung, sodass bei Aktivierung das Monosignal auf beiden Seiten des Monitorausgangs aus dem Pult geführt wird. Die Kopfhörer-Sektion des d.4 Pro stellt einen regelbaren 270mW Kopfhörerverstärker bereit, der auch mit problematischen Headphones sehr gut zurechtkommt. Mackie hat der Sektion eine Split/Cue-Schaltung mitgegeben, die bei Aktivierung Master- und Cue-Summe getrennt auf beide Seiten des Kopfhörerausgangs schaltet. Zudem kann stufenlos zwischen Master und Cue mithilfe des Source-Reglers übergeblendet werden. Der Kopfhörer-Ausgang ist in Form einer 6,3mm Klinkenbuchse auf der Frontseite untergebracht. Ich frage mich nur, warum der Ausgang nicht unten rechts auf dem Top-Panel zu finden ist, schließlich soll das Pult doch als Festinstallation in den Clubs Platz finden, was durch die Position des Kopfhörerausgangs doch ein wenig erschwert wird.

Die Filterbänke
Kommen wir nun zum eigentlichen „Schatz“ des Mackie-Boliden - der Filter-Sektion!
Mackie hat dem 4-Kanalmischer zwei Filterbänke spendiert. Diese haben auf der linken und rechten Seite des Crossfaders ein Zuhause gefunden. Beide Sektionen sind mit den gleichen Features ausgestattet. Neben einem Regler für die Grenzfrequenz (40Hz - 16kHz) und einem Resonanz-Regler findet man dort noch einen vierstufigen Drehschalter, der sich für die Auswahl der Filtercharakteristik verantwortlich zeigt. Hier stehen Low-, Band-, High-Bass und Bypass zur Auswahl. In den Ecken der jeweiligen Filterbänke warten die gleichen dreistufigen Kippschalter, die auch schon in den beiden Mikrofon-Sektionen Verwendung gefunden haben.
Wir erinnern uns: Die Stellung „nach hinten“ („Bump“) schaltet das Filter ein - solange der Schalter in dieser Stellung gehalten wird, bleibt das Filter aktiv. Der Schalter rastet in dieser Stellung nicht ein. In der Mittelstellung ist das Filter deaktiviert und die Position des Schalters „nach vorne“ aktiviert das Filter dauerhaft, der Schalter rastet ein.
Zum Klang der Filter ist zu sagen, dass dies natürlich grundsätzlich eine Geschmacksfrage ist. Mir gefällt der Grundsound der Filter sehr gut. Im Vergleich zu den Filtern eines Carl Cox-Mixers von Vestax klingen sie ein wenig kühl. (An diese Filter ist bislang meiner Meinung nach kein Hersteller mehr herangekommen!) Macht man den Vergleich mit den integrierten Filterbänken der XONE-Mixer von Allen&Heath, gefallen mir die Filter des Mackie besser, weil sie mir doch ein wenig wärmer erscheinen. Am besten ist natürlich, ihr fällt euer Urteil selbst!

Wie „schmutzig“ das Filter im Bereich der Grenzfrequenz klingt, kann stufenlos mit dem Resonanz-Regler eingestellt werden. Wenn man möchte, klingt insbesondere der Mittenbereich ziemlich rotzig. Bei hoher Resonanz lieferte das Filter im Lowpass-Betrieb, abhängig vom Programmmaterial bei hohen Grenzfrequenzen, selbst oszillierende Klangergebnisse. Dies kann man mögen oder nicht. Ich mag es, da die Filter so einen sehr eigenständigen Sound haben. Einen kleinen Wehrmutstropfen gibt es bezüglich der Filter doch anzumerken. Genau wie Aux-Send und –Return lassen sich auch die Filter nicht vorhören. Ein Einschalten bedeutet während des DJ-Mixes immer einen Quasi-Blindflug. Leider.

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