Formula Sound NN106 Test

Formula Sound NN106 ist der lang erwarteten Nachfolger des PM100. Dabei diente das modular aufgebaute PM100 als erste Vorlage, der mehrere Features aus anderen Pulten hinzugefügt wurden, unter anderem die Phono-Stage aus dem FF2.2 samt Kapazitätsan­wahl. Das Prinzip der modularen Bauweise findet in dem NN106 zwar keine unmittelbare Fortsetzung, dennoch legen die Briten großen Wert auf Service-Tauglichkeit, weswegen viele Komponenten relativ leicht und zügig ausgetauscht werden können.

00-FormulaSound-NN106-Teaser


Beim vorliegenden Prototyp handelt sich um einen Clubmixer mit sechs Kanälen, davon vier mit hochwertigen sowie flexiblen Phono-Preamps, um Gastronomiebetriebe jeglicher Couleur, Clubs, Verleiher und nicht zuletzt auch anspruchsvolle Vinyl-DJs von sich zu überzeugen.

Angekündigt wurden zudem noch zwei weitere Versionen: ein NN108 mit acht Kanälen und ein NN104 mit vier Kanälen. Ob der vorliegende Testproband mutmaßlich in die Fußstapfen des PM100 treten kann, erfahrt ihr in folgendem Testartikel.

Details

First Touch

Da es sich hier um einen Prototyp handelt, ist der Lieferumfang minimal gestaltet: Der Mixer selbst sowie ein Kabel zur Stromversorgung liegen dem Paket bei. Der NN106 macht auf mich einen sehr hochwertigen Eindruck. Das Gehäuse stammt aus der FF6.2-Serie und ist ein „Full Metall Jacket“, Marke „Black is beautiful“.

Satte 12 kg bringt der schwarze Bolide auf die Waage und wirkt mit seinen Abmessungen von 442 x 355 x 110 mm (B x T x H) ganz schön wuchtig. Sowohl CDJ-Player als auch Diskolaufwerke wie Technics 1210 MK7 oder Pioneer PLX-1000 fehlt es an Höhe, wenn sie direkt neben dem NN106 stehen. Ein wenig mehr als 1,5 cm gilt es auszugleichen, wenn einem die Ergonomie wichtig ist.

Chassis

In beide Seitenwände sind jeweils vier Schlitze in die Metallwand eingelassen, die als Wärmeabzug dienen. Das scheint den Entwicklern effektiv genug zu sein, denn Lüfter wie beim FF6.2 springen hier nicht an, was grundsätzlich sehr begrüßenswert ist, da für meine Dafürhalten eine Kandidatur als potenzieller Hausmixer direkt zurückgezogen werden würde. Egal, wer gibt schon drei Steine für seinen Bedroom-Mixer aus, oder?

Auf der Frontplatte haben weder Anschlüsse noch Controller oder Schalter Einzug gehalten, obwohl hier grundsätzlich eine Menge Platz dafür wäre. Das sieht auf der Rückseite des NN106 ganz anders aus, doch dazu gleich mehr.

Während das vorliegende Chassis in der FF6.2-Serie Anlehnung findet, entsprangen die aus Kunststoff hergestellten Potikappen eindeutig aus der FF6000-Reihe. Sie fühlen sich sehr gut an, weil sie aufgrund des großen Durchmessers über eine gute Haptik verfügen.

Cross und Linefader

Der große Drehweg verleiht einem sehr viel Gefühl beim Schrauben. Auch die 60 mm langen Linefader wie auch der 45 mm Crossfader hinterlassen einen sehr guten Eindruck und flutschen unbeeindruckt auf ihren Leiterbahnen.

Hinsichtlich des Looks kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass es sich hier schon rein äußerlich um einen waschechten „Briten“ der 70er- und 80er-Jahre handelt. Insgesamt ein toller erster Eindruck!

Fotostrecke: 3 Bilder Nicht gerade üppig der Lieferumfang, aber es ist ja auch noch der Prototyp!
Fotostrecke

Channel-Sektion

Alles in allem stellt das Pult von der Insel sechs Stereokanäle bereit, von denen vier Channels (CH3 – CH6) mit Phono/Line-Eingängen ausgestattet sind, die über je zwei Stereo-Cinch-Buchsen mit Signalen versorgt werden. Für die vier Phono-Preamps, die aus dem FF2.2 übernommen wurden, stehen rückseitig separate Schalter zur Verfügung, mit denen verschiedene Eingangskapazitätswerte (100 PF/220 PF/330 PF/470 PF) zur besseren Adaptierung an die vorliegenden Tonabnehmer vorausgewählt werden können.

Channels 1 und 2 hingegen nehmen nur Line-Signale und diese entweder unsymmetrisch über Stereo-Cinch-Anschlüsse oder symmetrisch über je zwei 6,35 mm Klinkenbuchsen auf und sind zur Aufnahme eines AUX-Returns oder eines Instruments konzipiert. Alle sechs Kanäle stellen zudem je einen Mikrofoneingang bereit, der mit Phantomspeisung betrieben werden kann.

Zur Aktivierung der Versorgungsspannung sind separate Schalter, die in der Bodenplatte versenkt sind, verfügbar, sofern man einen Schlitzschraubendreher dabeihat. Rechts außen flankiert ein weiterer Kanalzug das Geschehen. Hierbei handelt es sich um das Konsolenmikrofon, das ebenfalls mit Phantompower, Level-Regler, 3-Band-EQ sowie schalt- und regelbarem Voice-over ausgestattet ist.

Dieses Mikro ist ausschließlich auf dem Master zu hören und umgeht immer den DJ-Monitor. Die sechs Mikrofonsignale aus den Kanälen können wahlweise mit Hilfe eines Switches unterhalb der Bodenplatte allesamt post Booth geschaltet werden. Ein versenkter Routing-Switch unterhalb des Bassreglers schaltet das Signal aus dem Kanal und stattdessen auf den Mic-Bus. Dieser nutzt dann dasselbe Voice-over wie das Konsolenmikrofon.

USB und mehr…

Als vierte mögliche Quelle kann in Kanälen 1 bis 6 auch einer der beiden USB-Streams ausgewählt werden, denn das britische Pult verfügt auch noch über ein USB 2.0-Interface mit vier Playout-Kanälen (2x Stereo mit bis zu 32 Bit & 192 kHz). Hierbei handelt es sich um das Amanero Combo384-Modul, das mit einem Audiochip von Texas Instruments bestückt ist, namentlich PCM1502. Welcher der beiden USB-Streams in dem jeweiligen Kanal zu hören ist, bestimmt auch ein versenkter Schalter nah beheimatet am Linefader.

3-Band-EQs mit 6dB Boost & Full Kill haben in allen Channels Einzug gehalten, ebenso wie die 60 mm langen VCA-Fader. Unabhängige Routing-Schalter sorgen in jedwedem Channel für die Besaftung des FX-Inserts, des AUX-Sends oder erledigen das Routing zum Crossfader (A/B).

Eine ganz schöne „Wuchtbrumme“ der NN106, den Platz muss man erst mal haben
Eine ganz schöne „Wuchtbrumme“ der NN106, den Platz muss man erst mal haben

Wer Anschluss sucht, soll herkommen …

Auf dem Backpanel vereint das Pult von Formula Sound all seine Schnittstellen. Die Betriebsspannung wird mit einem Kaltgeräteanschluss aufgenommen. Das interne Netzteil ist entweder für 110 oder 230 Volt ab Werk vorkonfiguriert, ein Wahlschalt-Betrieb oder gar eine Wahl-Automatik wie bei einem Schaltnetzteil gibt’s hier natürlich nicht. Immerhin gibt es einen Netzschalter, was bei den DJ-Mixern von Formula Sound längst nicht immer der Fall ist. Dafür ist dieser aber meiner Meinung nach ein wenig unglücklich positioniert, nämlich direkt unterhalb der Strombuchse. Wenn erst mal das Stromkabel steckt, kommt man kaum noch von der Seite dran. Na ja.

Master und Monitor

werden symmetrisch via XLR aus dem Pult geführt. Der AUX-Send (Pre-Fader) sowie die beiden Monosummen MONO und SUB BASS können ebenfalls symmetrisch abgegriffen werden. Doch sorgen für diese Busse 6,35 mm Klinkenbuchsen für die Anbindung der Peripherie. Der einzige unsymmetrische Ausgang ist der Recording-Out, der Pre-Fader an einem Cinch-Buchsen-Paar vorliegt.

Effekte

Der FX-Weg ist als klassischer Insert realisiert, der dann natürlich nur in einem Kanal aktiv sein kann, weswegen sich die Briten dazu entschlossen haben, dass die Funktion automatisch komplett inaktiv wird, sobald der FX-Button gleichzeitig in 2 Kanälen angewählt ist. Zwei 6,35 mm Klinkenbuchsen (bzw. ISR-Buchsen = Insert/Send/Return) sorgen für die praktische Realisation der Effektschleife ebenso wie beim Insert für den Masterbus.

Dem Effektbus sind eine eigene Filtersektion und ein analoger Kompressor anheimgestellt. Der Kompressor wird auf der Pultoberfläche bloß (de-) aktiviert. Konfiguriert wird er … na, habt ihr es schon erraten? Richtig … zwei Schrauben in der Bodenplatte sorgen für die Justage des Schwellwerts (Threshold) und des Kompressionsverhältnisses (Ratio). Das finde ich dann aber doch ein wenig sehr umständlich. Ebenso umständlich wie unnötig ist die dortige Positionierung des X-Fader On/Off-Schalters.

Die Filtersektion

… besteht aus einem Lowpass- und einem Highpass-Filter, die beide stufenlos geregelt werden können. Einen Resonanz-Regler gibt es nicht. Die Filter sind auch eher zahmer Natur und dienen in erster Linie dazu, das FX-Signal falls nötig ein wenig zu bändigen, weniger um Filterfahrten zu realisieren.

Was sich durch alle DJ-Mixer von Formula Sound wie ein roter Faden zieht, ist das Konzept der zwei Gain-Stages. Alle analogen Eingänge, gleich ob un- oder symmetrisch, können grundsätzlich in der ersten Instanz über in das Backpanel versenkte Schlitzschrauben den individuellen Spitzenpegeln der jeweiligen Quellen angepasst werden. Über die auf der Bedienoberfläche befindlichen Gain-Regler werden dann „nur noch“ die Lautstärkeunterschiede zwischen den Tracks angeglichen. So ist es möglich, seine Quellen derart zu kalibrieren, dass ein jeder Gain-Regler z. B. in 10 Uhr Stellung nahezu gleiche Pegel verursacht.

Über einen 6-Pin-Connector kann ein weiterer “Zone Out” verfügbar gemacht werden. Zwei weitere grüne Klemmen besorgen die Verbindungen für eine Fernbedienung und für die vom Gesetzgeber vorgesehene Mute-Schaltung per Remote.

Fotostrecke: 2 Bilder Der Anschlussreigen ist üppig. Ein Wunder, dass noch Platz für Rückwand war …
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Master, Booth & Monitor

Besonders auffällig ist das Metering des NN106, das drei Stereo-Peak-Meter besorgen, die schnell, fein und übersichtlich die Pegelverhältnisse mithilfe von je 2x 12 LEDs (7x grün 3x gelb & 2x rot) visualisieren. Das rechte Meter zeigt den Master an, das linke den Cue-Bus, sprich die Vorhöre über den Kopfhörer, während sich das mittlere Stereo-Meter für den Pegel in der Booth verantwortlich zeigt. Die Booth-Sektion stellt für den User ein Potentiometer für die Abhörlautstärke, einen Panorama-Regler und einen Mono-Switch bereit. Steht der Switch in Mono-Stellung, ist der Pan-Regler selbstredend inaktiv.

Die Master-Sektion hat keinen Pan- oder Balance-Regler abbekommen, was ich nicht unbedingt nachvollziehen kann. In Anbetracht der fetten Phono-Sektion sollte man davon ausgehen, dass das Verwalten von vielen Plattenspielern das oder besser ein Steckenpferd des NN106 sein sollte. Und gerade eben der gewohnte Umgang mit Phono lehrt, dass immer wieder (und gar nicht so selten) Situationen im DJ-Kontext auftreten, die wenigstens einen Balance-Regler erforderlich machen können, wie zum Beispiel ein Tonabnehmer mit Pegeldifferenzen zwischen linkem und rechtem Kanal oder ganz plötzlich „knusprige“ Phono-Kabel, die vor dem DJ-Gig aber voll in Ordnung zu sein schienen, ganz zu schweigen von mäßig hergestellten Pressungen, die mir auch immer mal wieder unterkommen.

Die Pult-Summe passt man hinsichtlich des Ausspielpegels mit dem Master-Pegelsteller der aktuellen Situation an. Darüber hinaus wird in der Master-Sektion der Insert schaltbar gemacht. Die Kurvencharakteristik des Crossfaders kann stufenlos zwischen hartem Cut und langer Überblendung justiert werden.

Die Kopfhörerabteilung ist ein wenig komfortabler ausgestattet. Zwei Kopfhörerausgänge (6,35 mm und 3,5 mm Stereo-Klinkenbuchsen) stehen für die Versorgung der Headphones mit einer Impedanz von idealer Weise mehr als 32 Ohm zur Verfügung. Des Weiteren ist der Kopfhörersektion ein Level-Poti für die Abhörlautstärke, eine Split/Cue-Schaltung sowie ein stufenloser Balance-Controller, der für das richtige Mischungsverhältnis zwischen Mix-Bus und Cue-Schiene sorgt, anheimgestellt.

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