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12.06.2021

Die besten Soft-Synths im Überblick

Die beliebtesten Software-Synthesizer im unvollständigen Vergleich: Platzhirsche, Underdogs & Newcomer

Welche Plugins machen auch über viele Jahre einen guten Job?

Was macht einen wirklich guten Synthesizer aus? Die Antwort ist simpel: Er muss in Klang und Bedienung sofort begeistern. Punkt, aus, fertig! Denn sind wir mal ehrlich: Fällt schon der erste persönliche Kontakt mit einem neuen Software-Synth ernüchternd aus, wird es meist so bleiben, auch wenn sich im Netz etliche positive Reviews finden. Ein Synthesizer muss inspirieren, einen guten Sound liefern und sich möglichst einfach bedienen lassen – so die drei allerwichtigsten Kriterien.

Es gibt zwar gute Freeware, hier soll es aber um kostenpflichtige Software-Synthesizer gehen, die wir euch anhand von Audiodemos vorstellen. Dabei bieten Hersteller inzwischen auch Abo-Modelle an: Bekannt ist vor allem die Roland Cloud mit dem zentralen Synthesizer Zenology Pro, mit dem sich Klangdaten zwischen Soft- und Hardware tauschen lassen. Das ist ein schöner Bonus. Auch einige andere Synthesizer sind gleichzeitig auf mehreren Plattformen unterwegs und erlauben so etwa den Preset-Tausch zwischen Tablet- und Desktop-PC.

Verschiedene Formen der Klangerzeugung

Den wesentlichen Unterschied der vielen vorhandenen Plugins macht die Klangerzeugung, wie man schon leicht anhand unserer Hörbeispiele beobachten kann. Zu den Top Five der Syntheseformen gehören: Subtraktiv, FM, Granular, Wavetable und Physical Modeling. Welche Syntheseform gut ist, richtet sich nach den klanglichen Wünschen und den Sounddesign-Skills.

Die subtraktive Synthese ist am weitesten verbreitet, nicht nur bei analogen Synthesizern, sondern praktisch auch bei allen sample-basierten Instrumenten – sie ist sehr einfach zu verstehen, bietet sich daher auch für Einsteiger an und ist für klassische analoge Synthesizer-Klänge die erste Wahl.

Punchige Digitalsounds sind Stärke der FM-Synthese, die für Einsteiger kaum zu verstehen ist. Bewegte digitale Wellenfahrten sind sehr einfach per Wavetable-Synthese möglich, während Granularsynthese futuristische und experimentelle Sounds hervorbringt. Das Physical Modeling wird gern für Imitate akustischer Instrumente (Mallet, Bass, Klavier etc.) verwendet. Spannend sind zudem Vectorsynthese und WaveSequencing. Auch das Konzept der LA-Synthese, das Verbinden von PCM-Samples mit subtraktiver Synthese, ist noch immer gut. 

Eine solide Basis inklusive: Instrumente der DAW

Dies sollte doch ein wenig beruhigen: Wer mit Apple Logic, Steinberg Cubase oder einer ähnlichen DAW produziert, benötigt eigentlich keine weiteren Synthesizer. Schauen wir uns nur einmal das Angebot innerhalb von Apple Logic Pro X an: Alchemy ist ein wahres Multitalent und beherrscht Additiv-, Spektral- und Granularsynthese, importiert Audiodateien und ermöglicht viele Echtzeiteingriffe.

Die mitgelieferte Bibliothek ist so umfangreich, dass man sich gar nicht auf die Such nach neuen Sounds machen muss. Man nimmt eine Datei aus dem Loop Browser oder ein anderes Audio-File und zieht es auf Alchemy, das nun schnell zum granularen Spaß verhilft – so einfach wie genial verbinden sich Sound- und Musikproduktion. Wie man klanglich noch mehr aus Alchemy herausholen kann, erläutert der Bonedo-Workshop.


Für Physical Modeling steht das Logic-Instrument „Sculpture“. Ein Drum-Synthesizer und Vocoder ist in Apples DAW ebenso vertreten und mit „Retro Synth“ kommt man ziemlich einfach in den Kontakt mit subtraktiver Synthese, FM und Wavetable-Synthese. Gut aufgestellt ist man ebenso mit Steinberg Cubase Pro, das neben dem Sampler HALion die Synthesizer Retrologue und Padshop enthält. Als Bundle „Steinberg Absolute“ können diese hochwertigen Plugins auch für den Einsatz mit anderen DAWs erworben werden. Die Suite von Ableton Live umfasst nicht weniger als 17 Software-Instrumente. Kurz, wer sich wirklich mit Synthesizern auskennt und ein wenig Zeit hat, kann auf hohem Level seine eigenen Sounds designen. Für Einsteiger ist das Studio Korg Gadget für iOS/Mac ein Tipp. Aber es gibt noch etliche Anreize, über den Tellerrand einer DAW hinausschauen und weitere Synthesizer zu verwenden.

Hochwertige Emulationen legendärer Synthesizer

Wie gut klingt der Prophet, wie authentisch ist der Moog? Die Emulation historischer Instrumente galt schon immer als der Maßstab bei Software. Wer möglichst nahe am klassischen Synthesizer sein möchte, nimmt eine der zahlreichen und eigentlich fast immer gelungenen Emulationen. Es gibt kaum noch einen Klassiker, der heute nicht als Software zu haben ist. Zu den beliebtesten Originalen gehören der Minimoog, Oberheim SEM und Oberheim OB-X(a), Roland Jupiter-8 und Roland Juno-60/106 sowie natürlich der Prophet-5, den Dave Smith inzwischen wieder als Hardware aufleben lässt. Mehrfach emuliert worden sind auch Synthesizer von ARP (Odyssey und 2600) sowie der monofone Roland SH-101.

Hinzu kommen weitere Veteranen wie Yamaha CS-80, Elka Synthex oder Moog Polymoog, die mit ihrem jeweiligen Klangcharakter jedes DAW-Arsenal bereichern. Die wichtigsten FM-Synthesizer wie der Yamaha DX7 sind längst in der Software-Welt angekommen und wie beim FM8 von Native Instruments, dem Arturia DX7 V oder dem KaoX von Xils-Lab aktualisiert worden. Am Rande spielen noch die Modelle der Casio CZ-Serie mit, die seit Mitte der 80er mit dem Phase Distortion eine Alternative zu FM-Synthese bieten und als VirtualCZ bei Plugin Boutique verfügbar ist.

Den Zeitgeist der frühen 80er Jahre trifft man klanglich auch mit den String Machines, die eine analoge Klangsynthese zur Imitation von Streichern und auch Bläsern nutzen. Berühmt ist vor allem der Solina String Ensemble Synthesizer. Die italienische Firma Crumar hat ihren Klassiker „Performer“ nun selbst als Software-Instrument programmiert. Ein üppiges Aufgebot mit über 1.000 Klängen typischer String Machines offeriert GForce mit VSM (Virtual String Machine). Die „EZkeys String Machine“ von Toontrack ermöglicht es, den typischen Solina-Sound direkt auf MIDI-Ebene zu arrangieren.

Interessiert an einem Rundum-Sorglos-Paket? Mit der Arturia V-Collection bekommt man eine umfangreiche Sammlung dieser analogen und digitalen Klassiker, die um einige neue Features erweitert worden sind. Allerdings finden sich bei einigen Emulationen bessere Alternativen, was den Klang betrifft. Wer sich aufs Abo-Modell einlassen will: Roland hat seine kultigen Synthesizer vorzüglich emuliert. Von Korg gibt es die Korg Collection 2 mit acht Klassikern wie MS-20, Polysix, Mono/Poly, M1, Triton und Arp Odyssey.

Die neuen Klassiker: Kreative elektronische Sounds

Alles nur geklaut? Keineswegs, denn einige Software-Entwickler haben ihr eigenes Ding gemacht. Heraus gekommen sind großartige Instrumente, die konzeptionell wie klanglich eigenständig sind und Musiker wie Designer gleichermaßen begeistern. Diese Synthesizer bilden eine Klasse für sich: U-he Zebra 2, Xfer Records Serum, Arturia Pigments und Synapse Audio Dune 3. Sie beruhen meist auf der Wavetable-Synthese und lassen mit ihren speziellen Features und Klangeigenschaften die Herzen von Synthesizer-Fans schneller schlagen. Es sind keine Schnäppchen, aber definitiv jeden Cent wert. Kaum zu erwähnen, dass es sehr viele Presets zu kaufen gibt.

Auch mancher Underdog wie Sugar Bytes Aparillo hat seinen Reiz. Im Grunde sollte man zudem sämtliche Plugins mit Granular-Synthese addieren, die wie Output Portal oder Tracktion Delta Spacecraft als Insert-Effekt in kreativen Prozessen zu ungewöhnlichen Sounds und Phrasen führen. Für massives Glitching sind die Plugins des Herstellers GlitchMachines – nomen est omen – ein besonderes Erlebnis.

Einer für alle: Die Macht der Allrounder

Besonders beliebt sind auch Allrounder, die sich für eine ganze Reihe an Sounds und Genres einsetzen lassen. Sie bieten, überwiegend sample-basiert, eine Fülle an Presets aus ganz unterschiedlichen Klangrubriken und bieten im MIDI-Multimode auch das gleichzeitige Spiel mehrerer Sounds. Einen dieser Boliden sollte man haben. Auf dem ersten Platz steht für uns der Spectrasonics Omnisphere. Er ist klanglich mächtig und bleibt dank der unbeschreiblich vielen und exzellenten Angeboten, die es auf dem freien Soundmarkt zu kaufen gibt, immer aktuell.

Ebenfalls eine gute Wahl und wegen der Presets praktisch sind Vengeance Sound VPS Avenger, ReFX Nexus 3 sowie der ausgeklügelte UVI Falcon. Der Preis erscheint zwar meist recht hoch, aber auf lange Sicht wird man den Kauf einer dieser omnipotenten Maschine nicht bereuen – viel hilft viel.

Darüber hinaus spielt der Sampler NI Kontakt eine bedeutende Rolle. Auf ihm basieren einige sehr nützliche Instrumente und speziell auch Synthesizer, die von Sounddesignern entwickelt worden sind.

Natürlich gibt es auch Allrounder ohne Klavier und Konsorten: u-he Hive 2, KV331Audio SynthMaster oder Predator und Go2 von Rob Papen sind flexibel einsetzbare Software-Synths.

Spezialisten: Vocoder, Modulare Systeme, Drum- und Bass-Synthesizer

Wer sich in seinen Aufnahmen eigene Vocals wünscht, sollte sich einen Vocoder zulegen. Ein Vocoder motiviert nämlich gerade auch mäßige Sänger zum Griff nach einem Mikrofon. Ein sehr praktischer Vocoder-Synth nach Moog‘schem Vorbild ist der Arturia Vocoder. Der Xils V von Xils Lab emuliert den Roland VP-330. Weitere Kandidaten sind der Izotope VocalSynth 2 oder Waldorf Lector und – längst ein Klassiker – der Zynaptiq Orange Vocoder.

Als Hardware gibt es unzählige Modularsynths, aber auch ein virtuelles Patchen ist möglich und kann durchaus Spaß machen. Das Urgestein modularer Software ist Reaktor von Native Instruments. Hier gingen schon der Minimoog-Clone Monark, der Kult-Synth Massive und Super 8 hervor.

Weitere empfehlenswerte Produkte sind Softube Modular, u-he Bazille, Arturia Buchla Easel, Phase Plant von Kilohearts oder der preiswerte Cherry Audio Voltage Modular. Sounds, Phrasen und Grooves in Einklang bringen – dies schaffen einige markante Drum-Synthesizer: Rob Papen Punch 2, SonicCharge Microtonic 3, FXPansion Tremor, Xils Lab StiX, Softube Heartbeat.

Speziell für den Sound der Kick macht PunchBox von D16 Group einen guten Job. Den gefeierten Bass-Synthesizer Roland TB-303 bekommt man nicht nur in der Roland Cloud, sondern auch bei anderen Firmen wie AudioRealism aus Schweden.

Sinnvolle Extras: Effekte für MIDI und Audio

Ein guter Synthesizer kommt selten allein. Man sollte auch so manche Tools im Auge behalten. Fehlen beim erworbenen Instrument zum Beispiel Arpeggiator und Step-Sequencer, kann man ganz einfach mit sogenannten „MIDI-FX“-Plugins nachhelfen. Mindestens zehn dieser speziellen Software-Produkte sind einen Tipp wert. Weil die Effekte insbesondere bei Emulationen klassischer Synthesizer eher spartanisch ausfallen, muss man auch hier nicht gleich frustriert sein. In jeder DAW sind gute Hall- und Delay-Effekte vorhanden und das Angebot an Effekt-Plugins ist riesig. Auch fürs rhythmische Design gibt es inzwischen einige Spezialisten – mehr dazu in unserem Feature „Die besten Effekt-Plugins mit Groove-Faktor“. Wer seinen Song ordentlich mischen möchte, wird sowieso die internen Effekte des Software-Instruments deaktivieren (Bypass) und sie durch externe Plugins ersetzen. So etwa braucht es für einen Synthbass einen guten Kompressor plus EQ, dem ein rhythmisches Delay folgt. Selbst diese einfache Konstellation findet man in nur wenigen Software-Synthesizern.

Ein toller Assistent stammt von PluginGuru und nennt sich Unify. Dies ist ein plattformübergreifendes Host-Plugin, mit dem sich sämtliche virtuelle Instrumente sowie MIDI- und Audio-Effekte unter einem Dach vereinen und beliebig kombinieren lassen. Ein FM-Synth, einen Konzertflügel der Sample Library und eine Soundcollage aus einem wiederum anderen Plugin schichten oder als Keyboard Split anlegen? Mit Unify gelingt dies schnell. Es sorgt auch dafür, dass Logic-Anwender neben AU-Plugins auch VST oder VST3-Plugins verwenden können. PluginGuru Unify integriert übrigens selbst einige simple, aber praktische Software-Synthesizer.

Synths nach Musikstilen

Die Wahl eines Synthesizers richtet sich auch nach Musikstilen. Für einen angesagten LoFi-Track benötigt man natürlich ganz andere Sounds als für eine typische EDM-Produktion. Der Sylenth 1 von LennarDigital war der erste amtliche EDM-Synth, NI Massive mit seinem druckvollen Sound steht für Techno, Plugin Alliance DS Thorn für Trap und im Acid House darf keine TB-303 Emulation fehlen. Kleiner Hinweis für Leute, die noch wenig erfahren sind beim digitalen Produzieren: Schneller als mit bestimmten Synthesizern kommt man mit einschlägigen Sample Packs beziehungsweise mit Construction Kits ans Ziel. Eine beliebte Alternative sind die Expansion Packs für NI Maschine. Hier kommen Presets, Samples, Sequenzen und weitere Daten zusammen. Unbedingt einmal probieren sollte man Output Arcarde, ein Loop-Synthesizer mit ständig erweitertem Sample-Content aus der Cloud. Es ist ein Abo-Modell mit überschaubaren Kosten von rund zehn Euro monatlich.

MPE-fähige Synths

Wer einen MPE-Controller wie den Roli Lumi, Rise oder Block besitzt, kann sich direkt beim Hersteller Roli im Detail über kompatible Software-Synthesizer informieren. Wir emppfehlen gern den Software-Synth Roli „Equator“. Mit der Anpassung der Synthesizer an den verwendeten Hardware-Controller lässt sich der Haptik-Faktor im wahrsten Sinne hochschrauben. Viele Synthesizer verfügen über eine „MIDI Learn“-Funktion, mit der sich zumindest die wichtigsten Klang- und Effektparameter den Reglern und Knöpfen des physikalischen Controllers zuweisen lassen. Für die Juno-60 Emulation TAL U-NO-LX gibt es den Hardware-Controller SoundForce SFC-60. Einige Synthesizer der Roland Cloud erlauben ein Soundprogramming mit dem Hardware Plugout-Synthesizer Roland System-1/8.

Fazit

Meist legt man sich Dutzende Software-Synthesizer zu, von denen man aber nur eine gute Handvoll verwendet. Dennoch ist es nicht nur praktisch, sondern fördert auch die Kreativität, wenn an auf weitere Software-Instrumente zugrückgreifen kann. Gerade wenn man Input sucht, können die Synthies inspirieren. Zudem sind sie günstig zu erwerben und nehmen keinen Platz im Studio ein.  

Wenn die Editier-Sessions nicht zu den erhofften bombastischen Sounds führen wollen, finden sich viele kommerzielle Soundware-Produkte, die für relativ wenig Geld einen Boost schaffen. Presets zu konsumieren ist nicht „uncool“, sondern inspirierend und auch ein entscheidender Vorteil gegenüber den allermeisten Hardware-Synthesizern, die meist ohne professionelle Designer-Hilfe erobert werden müssen. 

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