Hersteller_Behringer
Test
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30.07.2011

DETAILS

Konzept
Der Xenyx X1222 ist ein 8-Kanal Mischpult, bei dem die ersten vier als Mono-, die letzten vier als Stereokanäle ausgelegt sind. Sämtlichen Kanälen stehen zwei Aux-Wege (Aux 1 Pre-Fader / Aux 2 Post-Fader) zur Verfügung wobei letzterer fest auf den internen 24-Bit Effektprozessor geroutet ist. Beide Aux-Wege lassen sich aber auch als externe Effekt/Monitor-Schleife nutzen. Ein weiterer Kanal nimmt entweder ein externes Line-Signal oder via Rechner angelieferte Audiodaten entgegen. In diesem Kanalzug steht zusätzlich auch eine Voice-Canceling-Schaltung zur Verfügung. Das Summensignal kann mittels eines grafischen 7-Band Equalizers in Form gebracht werden, der eine zuschaltbare, optische Feedback-Detection-Funktion besitzt.  

Auspacken
Wie bei kleinformatigen Behringer-Mischpulte üblich, hat auch der X1222er sein Reise-Habitat in Form einer praktischen Henkel-Kiste, mit der sich das Gerät auch problemlos im Nahverkehr transportieren lässt. Geschützt durch Styropor-Formteile sollte der Mischer allen Widrigkeiten der Reise problemlos trotzen. Weitere Inhalte sind: Eine DVD mit Treibern und einer ganzen Reihe von Freeware-Plug-Ins, zusätzlich eine Lizenz des Programms EnergyXT2.5 Compact – eine zwar einfache, aber dennoch leistungsfähige DAW-Software. Ferner ein Stromkabel, ein mehrsprachiges Handbuch und zwei Rackwinkel, die – wenn man sie gegen die werksseitig montierten Kunstoff-Seitenteile tauscht - den Einbau in 19-Zoll-Racks ermöglichen. Dass die Metallrahmen bereits inkludiert sind und man sie nicht extra Nachkaufen muss, gibt einen Pluspunkt. Einen Minuspunkt hingegen handelt sich das Handbuch ein: Hier wurde der Versuch unternommen ganze zehn Sprachen in einer Publikation zusammen zu fassen und zwar untereinander. Zum Lesen muss man sich also durch alle Absätze quälen, um an dritter Stelle (zwischen Russisch und Polnisch, was sowohl in alphabetischer, wie auch geografischer Hinsicht grundfalsch ist) endlich Erklärungen in Deutsch zu finden. Das mag vielleicht Papier sparen, ist aber im Ergebnis äußerst mühsam zu lesen. Ich mutmaße an dieser Stelle auch einfach, dass hier weniger das ökologische Gewissen, sondern vielmehr das wirtschaftliche Kalkül ausschlaggebend war: Druckkosten sind eben auch Kosten.

Äußerlichkeiten
Ich schaue auf die Rückseite und sehe von links nach rechts: Zunächst einmal die Strombuchse, flankiert vom obligatorischen Power-Schalter. Daneben ein baugleicher Schalter der zum Befeuern der XLR-Eingänge mit Phantomspannung (+48V) dient. Zentriert sitzt eine USB-B-Buchse, die auf die Verbindung mit einem Rechner wartet.

Die Frontplatte macht einen aufgeräumten Eindruck: Auf den (von links gesehen) ersten Zweidritteln haben die Kanalzüge ihren Platz gefunden, das rechte Drittel beherbergt den Summen-EQ nebst AUX-Wegen, Routing und Effektsektion. 

Anschlüsse
Auch die Anschluss-Sektion des X1222 wirkt auf den ersten Blick übersichtlich, hält aber einige Besonderheiten bereit, da nicht alle Kanäle identisch ausgelegt sind. In den Kanälen eins bis vier stehen jeweils eine XLR-, und alternativ eine symmetrisierte Klinkenbuchse zur Verfügung. Zusätzlich besteht die Möglichkeit einen Insert-Effekt einzuschleifen. Die Kanäle 5/6 und 7/8 besitzen hingegen keinen Insert, hier dient die Klinkenbuchse dann als rechter Kanal-Eingang für unsymmetrisierte Stereo-Signalquellen. Bei den Kanal-Paaren 9/10 und 11/12 fällt dann auch die XLR-Buchse weg und sie arbeiten als reine Stereo-Line-Eingänge.

In der Mitte des X1222 ist ein Stereo-Cinch Buchsen-Paar beheimatet, welches zum Anschluss eines Line-Zuspielers/Recorders dient. Rechts davon geben zwei XLR-Buchsen wahlweise symmetrisch oder unsymmetrisiert, das Main-Signal an die Außenwelt weiter. Eine Buchse zum Anschluss eines Fußschalters für die Effektwahl und ein Stereo-Kopfhörer Ausgang schließen diese Reihe ab. Darunter befinden sich zwei Aux-Ausgänge, die wahlweise als Pre/Post-Fader-Send oder als Monitor-Wege genutzt werden können. Hier ist ein bisschen Aufmerksamkeit beim Routing gefragt, denn wie viel „Strom“ auf die Buchsen gegeben wird, regelt man zum einen über die Kanalpotis und zum anderen über die Monitor- und Fx Send-Fader. Die beiden Stereo-Aux-Returns hingegen sind nicht justierbar und werden der Stereo-Summe „hart“ beigemischt.

Kanalzüge
Alle Eingangskanäle verfügen über einen Gain-Regler nebst einer LED, die über anliegende Signale Auskunft gibt. Die ersten vier Eingänge besitzen zusätzlich einen zuschaltbaren Low-Cut, der leider nicht beschriftet ist. Wir haben durch Messen herausgefunden, dass er seine Arbeit bei ca. 100 Hz mit einer Flankensteilheit von 18db/Oktave aufnimmt. Auf den darunter liegenden 3-Band Equalizer gehe ich gleich noch ein. Weiter südlich davon wohnen die beiden Potis für die Aux/Monitor-Mischung. Ihnen folgen der Panning-Regler und ein Mute-Taster. Die Stummschaltung eines Kanals wird praktischerweise durch eine Mute-LED visualisiert. Ebenso warnt eine Clipping-LED vor grob fahrlässiger Übersteuerung. Den Abschluss nach unten bildet dann der 60-Millimeter Fader.

Kompressor
Den ersten vier Kanälen wurde eine „Ein-Knopf-Kompressor“-Schaltung spendiert, die, trotz „Einfach-Bedienung, erstaunlich gute Dienste leistet, wenn es um die Verdichtung von Audiomaterial geht. Im mittleren Regelbereich erfahren sowohl Sprache als auch Gesang eine recht brauchbare Lautstärke-Nivellierung. Dreht man den Regler zu weit auf, kommt es allerdings zu einer überdeutlichen Mittenanhebung und die Bearbeitung klingt entsprechend „angestrengt“.

Kanal-Equalizer
Der 3-Band Festfrequenz-Equalizer arbeitet mit den Eckfrequenzen 12 kHz (High), 2,5 kHz (Mid) und 80 Hz (Low). Diese sind praxisgerecht gewählt und liefern bei allen grobpinseligen Bearbeitungen ein erstaunlich ausgewogenes Regelverhalten. Allein den maximalen Pegelhub von +/- 15db halte ich für einen Einsteiger-Mischer schon fast für etwas überzogen: Wenn man so viel „Gas“ geben muss, damit es gut klingt, hat man erfahrungsgemäß schon am Anfang der Audiokette irgendwo einen groben Fehler gemacht. Acht bis maximal zwölf Dezibel hätten es sicherlich auch getan und die Gefahr von kompletten Fehlmischungen - wie sie gerade Anfänger machen, die aus mangelnder Hörerfahrung die Regler oft auf Vollanschlag drehen - verringert. Also Vorsicht bei soviel EQ-Power: Weniger ist hier – wie so oft - mehr (und ich werf‘ jetzt mal einen Euro in die onkelige Ratschläge-Kasse)!

Summen-Equalizer / Feedback-Detection
Dem Summensignal lässt sich mit einem grafischen 7-Band Equalizer zu Leibe rücken. Er agiert in den Frequenzbändern 63, 160, 400, 1k, 2,5k, 6,3k und 12kHz mit einem Pegelhub von +/- 12 db und kann über einen Taster in den Bypass geschaltet werden. Ein weiterer Druckknopf legt fest, ob er auf das Summensignal oder den Monitorweg wirken soll. Der dritte Taster im Bunde aktiviert die Feedback-Detection-Schaltung. Ist sie aktiviert, beginnen winzige LEDs in den Potiköpfen mit der Stärke ihres Leuchtens die Energie im entsprechenden Frequenzband zu visualisieren. Ein böses Feedback-Pfeifen zeigt sich entsprechend durch ein helles Glimmen. Das funktioniert erstaunlich gut und tatsächlich lässt sich hiermit im Eifer des Mix-Gefechts zielstrebig Gegensteuern, falls sich irgendwo die Frequenzen aufschaukeln. Analytisches Hören ersetzt natürlich auch diese hilfreich Schaltung nicht, denn ob da nun gerade ein schneidendes Gitarrensolo abgefeuert wird, oder sich eine Rückkoppelung Bahn bricht, kann auch die praktische Visualisierung nicht unterscheiden.

Voice-Cancelling
Der 2-Track Return-Kanal nimmt wahlweise Audiomaterial vom Stereo-Cinch oder USB-Anschluss entgegen. Neben einem Taster mit dem sich alle Mikrofonkanäle stumm schalten lassen, wartet er mit einer Voice-Cancelling-Schaltung auf, die für den Einsatz bei Karaoke-Veranstaltungen oder zum Einüben von Stücken dienen soll. Sie arbeitet nach dem klassischen Prinzip der Phasenauslöschung und liefert durchwachsene Ergebnisse: Am besten funktioniert der Trick mit akustischem Material, bei dem die Stimme ohne viel Hall in der Stereomitte platziert ist und die anderen Instrumente weit im Panorama verteilt sind. Mischungen mit engem Stereofeld und starker Kompression werden hingegen im Mittenbereich extrem ausgedünnt, ohne dass die Stimme wirklich verschwindet. Eine Wunderwaffe ist der Algorithmus also sicherlich nicht – beim Üben von Vocal-Parts kann er sich im Einzelfall jedoch als durchaus brauchbar erweisen.

USB-Audio
Hier kann ich nur Gutes berichten: Die Treiber sind in Nullkommanichts installiert (Windows 7-Treiber sind allerdings nicht auf der DVD vorhanden und man muss sie sich auf der Behringer-Hompage zusammensuchen), der USB-Chipsatz arbeitet einwandfrei und mit hervorragender Latenz (auf unserem Testsystem 5 Millisekunden). Die Wandlung des Summensignals in Richtung Rechner erfolgt ebenso mit einer einwandfreien Audioqualität, wie der Weg zurück über den USB-Return-Kanal: Perfectamente!

XPQ-Surround
Als ob Voice-Cancelling und Feedback-Detection noch nicht genug Mehrwert wären, hat man dem Xenyx auch noch eine Stereo-Verbreiterung spendiert die auf den Namen „XPQ“ hört. Sie lässt sich über einen Taster aktivieren und mit einem Potentiometer der Stereosumme stufenlos beimischen. Der Effekt ist je nach Stärke und zugeführtem Material durchaus beachtlich: Er reicht von einer leichten Höhenanhebung und einer dezenten Auffächerung der Stereo-Basis bis hin zu einer überzogenen und unnatürlichen Separierung der Frequenzen. An Bord eines Einsteiger-Mischers halte ich diese Funktion aber für ähnlich fallstrickig wie den mächtigen Pegelhub des EQs: Denn wer klopft hier dem unerfahrenen Tontechniker auf die Schulter und sagt dass er gerade zu viel des Guten appliziert? Im Zweifel also besser Finger weg und lieber ordentlich Mikrofonieren und Mischen. (Und noch einen Euro in die Onkel-Kasse)

Effektsektion
Die Effektsektion liefert eine solide Auswahl von sechzehn Standard-Effekten, die von Hall, über Delay bis hin zu Modulationseffekten wie Chorus und Flanger reicht. Bei jedem Programm lässt sich ein Parameter editieren (z.B.: Hallzeit, Modulationstiefe und Delay-Dauer). Über den Tap-Taster kann man bei Tempo-abhängigen Effekten den BPM-Wert einklopfen, bei Effekten, wo die Geschwindigkeit irrelevant ist, dient er zum Abrufen eines klanglich leicht variierten Programms. 

Reverb

Ambience/ Delay

Modulation

Detune/ Pitch

Combination FX

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