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SSL Sigma Test

Solid State Logic (kurz SSL) ist nun bei weitem keine unbekannte Marke in der Audiowelt. Die Geschichtsbücher wollen wir aber lieber geschlossen halten und uns auf die Hauptfrage konzentrieren: Gibt es hier den großen Sound der Konsolen-Schlachtschiffe für „kleines“ Geld? Immerhin wirbt SSL selbst mit dem „Super Analogue Sound“ von AWS und Duality, was sicherlich technisch auch richtig ist, wenn man von fehlenden EQs, Kompressoren und „anderem Schnickschnack“ einmal absieht.

SSL_Sigma_01_Aufmacher


Zugegebenermaßen haben sich die Anforderungen an das „Hirn“ eines Studios in den letzten 20 Jahren aber auch dramatisch geändert, und so wird heutzutage eher der Computer respektive die DAW anstelle des Mischpults als der zentrale Punkt im Studio angesehen. Klar, so eine SSL 4000G passt allein schon aus Platzgründen nicht in jedes Schlafzimmer, von Stromverbrauch und Hitzeentwicklung einmal ganz abgesehen. Insofern ist eine 2 HE große Adaption mit Fernsteuerungs- und Total-Recall-Möglichkeiten auf jeden Fall der richtige Weg, der modernen DAW wieder analogen Sound, besser „Super Analogue Sound“, zu verpassen. Und das schauen wir uns jetzt einmal genauer an.

Details

Der SSL Sigma ist ein analoger und über MIDI fernsteuerbarer Mixer im pragmatisch-verarbeiteten 2 HE 19-Zoll-Rackformat mit 16 Eingangskanälen sowie zwei parallelen Ausgangsbussen und zwei individuellen Abhörpfaden (H/P und MON). Die 16 Eingänge können dabei sowohl Mono mit Panorama-Regler als auch Stereo verwendet werden, weshalb man bis zu 32 Eingangskanäle nutzen kann und in diesem Zusammenhang auch von einem 32-Kanal Summierer spricht.

Der Sigma ist SSL-pragmatisch verarbeitet und auch ausgestattet: Das internationale, externe Netzteil, das kurze Ethernet bzw. LAN-Kabel sowie das Handbuch gehören zum Lieferumfang.
Der Sigma ist SSL-pragmatisch verarbeitet und auch ausgestattet: Das internationale, externe Netzteil, das kurze Ethernet bzw. LAN-Kabel sowie das Handbuch gehören zum Lieferumfang.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Mitbewerbern, die meist nur „passiv“, weil günstig,  summieren, verfügt hier jeder Kanal über eigene analoge Aufholverstärker bzw. Line-Stufen. Diese werden im SSL Marketing-Jargon gern mit „Super Analogue“ umschrieben, sind hier im Speziellen in ihrem Gain digital über MIDI, und zwar jeweils von -∞ bis + 10dBu, regel- bzw. steuerbar.  

Diese 16 bzw. 32 Kanäle können bis zu zwei parallelen Bussen – namentlich Mix A und Mix B – zugewiesen werden, und auf diesen selbstverständlich summiert sowie über die beiden Abhörpfade H/P und MON selektiv abgehört werden. Beide Abhörpfade sind also unabhängig voneinander belegbar sowie in ihrer Intensität regelbar. Somit kann der Künstler also auch etwas anderes hören, als der Produzent über die Boxen.

Sechsmal 32 LEDS in den Farben grün, gelb und rot informieren über die Eingangsaktivität, nicht den Gain. Das gelbe A und das rote B wiederum verraten das Ausgangsrouting. Leuchtet außerdem die Kanalnummer auf, ist der Kanal im Mono-Modus und bietet auch einen Panorama-Regler.
Sechsmal 32 LEDS in den Farben grün, gelb und rot informieren über die Eingangsaktivität, nicht den Gain. Das gelbe A und das rote B wiederum verraten das Ausgangsrouting. Leuchtet außerdem die Kanalnummer auf, ist der Kanal im Mono-Modus und bietet auch einen Panorama-Regler.

Jedem einzelnen der 32 Eingänge steht außerdem ein permanent aktiver Direct-Out „Post-Fader“ zur Seite, der natürlich ebenfalls von dem über MIDI-bereitgestellten Line-Gain abhängig ist. Darüber hinaus lässt sich Mix B auf Mix A routen (A to B), was insofern sinnvoll ist, da jedem der beiden Mix-Busse ein Relais-geschalteter Stereo-Insert zur Verfügung steht, womit auch komplexere SubMix/Stem-Arbeiten möglich sind. Der Insert lässt sich aber auch mit dem Mixbus mischen, was einerseits Parallelkompressionen ermöglicht, andererseits auch das Kaskadieren mehrerer Sigma-Einheiten erlaubt. Weiterhin lässt sich jeder der Busse in seiner Ausgangslautstärke individuell anpassen, was nahelegt, dass hier nochmals SSL Gain-Stufen zum Einsatz kommen.

„H/P“ ist - unabhängig von dem „MON“ genannten Ausgangsweg für die Speaker - beleg- und regelbar. Er verfügt neben dem Kopfhörerverstärker mit Front-Ausgang auch über einen Stereo-Line-Ausgang auf der Rückseite.
„H/P“ ist – unabhängig von dem „MON“ genannten Ausgangsweg für die Speaker – beleg- und regelbar. Er verfügt neben dem Kopfhörerverstärker mit Front-Ausgang auch über einen Stereo-Line-Ausgang auf der Rückseite.

Abgerundet wird das Ganze von einer Monitorcontroller-Sektion mit Monoswitch für bis zu zwei Paar umschaltbare Speaker auf XLR-Basis inklusive frontseitigem 3,5mm External-In für iPod und Co. sowie einem Fußschalter-Eingang, Talkbackschaltung und einem entsprechenden Kopfhörerausgang für die Kommunikation mit dem Künstler.
Gesteuert wird entweder von dem multifunktionalen Push-Encoder und den zwei frei belegbaren Hot-Key Tastern auf der folierten, teilbeleuchteten Frontseite oder aber über das HTML-Interface mit einem Browser innerhalb der DAW. Es ist aber auch außerdem möglich, Touch OSC zu nutzen, um so den SSL Sigma mit dem iPad/iPhone kabellos über WLAN steuern zu können.

Fotostrecke: 6 Bilder Die Master-Sektion im Browser …
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Ein Talkback-Mic findet sich nicht an Board, was zugegebenermaßen bei einem fernbedienbaren Gerät aber auch relativ wenig Sinn macht, allerdings wurde an einen weiteren Line-In für ein optionales (Talkback-)Mic plus Preamp gedacht. Dieser steht auf der Rückseite bereit, wo sich auch alle anderen Anschlüsse, überwiegend auf Sub-D Belegung, wiederfinden.
Und so finden sich hier also zehn symmetrische Sub-D-25 Buchsen ein, wovon die oberste Reihe die Eingänge und die unterste Reihe die Ausgänge beherbergt. Die vier obersten, rechten und mit CHIP beschrifteten Buchsen sind also unsere 32 Eingänge (Channel Input) und die vier CHOP-Buchsen darunter die 32 Direct-Outs (Channel Output).

Die überwiegenden Ein- und Ausgänge sind auf zwei Reihen zu je fünf Sub-D-25 Anschlüssen aufgeteilt. Darüber hinaus gibt es drei, im Prinzip frei belegbare XLR-Ausgänge, die für den Mix-Out A und bis zu zwei Paar Speaker gedacht sind.
Die überwiegenden Ein- und Ausgänge sind auf zwei Reihen zu je fünf Sub-D-25 Anschlüssen aufgeteilt. Darüber hinaus gibt es drei, im Prinzip frei belegbare XLR-Ausgänge, die für den Mix-Out A und bis zu zwei Paar Speaker gedacht sind.

Das Sub-D-25 Pärchen außen links wiederum stellt im oberen Bereich einen weiteren, diesmal aber symmetrischen Stereo-Alternativeingang (EXT), die beiden Stereo-Returns und den Talkback-Line-In zur Verfügung. Der achte Kanal bleibt also unbenutzt. Am unteren Sub-D-25-Anschluss finden sich dann der Mix B Ausgang, die beiden Stereo Insert-Sends und ein weiterer Stereo-Ausgang des „HP“ genannten (Kopfhörer-)Abhörpfades, welcher beispielsweise für den oder die Künstler, sprich weitere Kopfhörerverstärker, gedacht ist.

Fotostrecke: 3 Bilder Die linke Rückseite des Sigmas.
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Darüber liegt eine Klinkenbuchse für den Fußschalter, der frei belegbar ist, wobei eine Verwendung im Zusammenhang mit der Talkback-Aktivierung oder der Speaker-Umschaltung natürlich den meisten Sinn ergibt. Direkt daneben versammeln sich die XLR-Ausgänge: Auf der rechten Seite ist Mix A Ausgang (MIX A R/L), daneben der Ausgang für die Hauptlautsprecher (MON R/L) sowie links der Anschluss für das zweite „alternative“ Paar Speaker (ALT R/L). Diese Ausgänge sind hinsichtlich ihrer Belegungs-Flexibilität natürlich auch anderweitig nutzbar.
Abschließend zeigt sich rechts außen der DC-Anschluss für das mitgelieferte externe und 100-240V taugliche Netzteil (12V/5A) sowie die RJ-45 „Netzwerkbuchse“ für die etwas spezielle Ethernet-basierte MIDI-Kommunikation. Die USB-Buchse und der kleine Prog Taster indes sind nur für Service-Zwecke gedacht und somit nicht weiter für uns relevant. Was ohnehin viel interessanter ist, ist wie die ganze MIDI-Kommunikation in Verbindung mit der DAW klappt – und das schauen wir uns doch am besten im Praxis-Teil einmal genauer an!

Die rechte Rückseite des Sigmas mit dem Netzwerkanschluss.
Die rechte Rückseite des Sigmas mit dem Netzwerkanschluss.
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Profilbild von Martin Zull

Martin Zull sagt:

#1 - 29.07.2014 um 19:10 Uhr

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Ich finde den Test hervorragend recherchiert. Auf Details wurde prima eingegangen. Daumen hoch! Die Unzulänglichkeiten des Gerätes wurden gut beleuchtet und werden den Sigma in meiner Prioritätenliste für Neuanschaffungen so lange weiter hinten bleiben lassen, bis sich Selbstverständlichkeiten wie dezidierte Gainsteuerung und Remoteeinbindung vernünftig realisieren lassen. Das hätte ich schon erwartet! Vielleicht könnte man auch den Sum.mation von Greiner Engineering zu einem Vergleichstest heranziehen, denn hier könnte sich ein ebenbürtiger Konkurrent mit kleineren Abstrichen in der Funktionalität (Abhörschiene etc.) gerade für Analogpultautomationen profilieren und so einmal eine kleinere Hersteller-Firma in den Fokus gerückt werden.

Profilbild von Felix Klostermann

Felix Klostermann sagt:

#2 - 02.08.2014 um 22:30 Uhr

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Hallo Martin Zull. Danke für die Blumen! Man kann wirklich nur hoffen, dass SSL da noch etwas nachbessert - oder einfach drastisch den Preis für eine SSL Matrix senkt ;-)

Profilbild von Bapt M Dan

Bapt M Dan sagt:

#3 - 08.06.2016 um 22:31 Uhr

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Hallo :),
Erstmal vielen Dank für den überragenden Bericht -Daumen richtig hoch-
Ich habe dennoch eine wichtige Frage; was für ein Audio Interface bzw. Audio-Wandler würden sie als besonders kompatibel empfehlen im Bezug auf die jeweils 32 I/Os? Oder was für ein Set Up würden sie emphelen, das mit dem Sigma am meisten Sinn geben würde?
Ich hoffe Sie können mir weiter helfen, habe bislang nichts hilfreiches gefunden, vor allem weil der Sigma eben d-sub 25 Anschlüsse hat... :/ Danke für Ihre Zeit.

Profilbild von Martin Zull

Martin Zull sagt:

#4 - 09.06.2016 um 12:46 Uhr

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Martin Zull sagt:

#5 - 04.06.2018 um 18:14 Uhr

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Mittlerweile (nach gut einem Jahr des Besitzes) muss ich meine Meinung revidieren, da SSL hier in der Bedienung stark nachgebessert hat. Es gibt nun pro Stereokanal ein Plugin innerhalb der DAW der Wahl (Logic ist ein Sonderfall), mit dem man Hüllkurven der Volumenautomation sehr übersichtlich direkt in die Spur einzeichnen kann. Bei Monospuren nehme ich jeweils zum Beispiel 2 zusammengehörige gepannte Spuren, deren Lautstärkeverhältnisse ich gleich in der Audiodatei bestimme. Faderfahrten werden dann durch das Plugin in einer der Spuren aufgezeichnet und wiedergegeben und gelten für beide. Das ist eine Einschränkung, die mir erst etwas Kopfzerbrechen bereitet hat, in der Praxis bemüht man sich aber so gleich um ein vernünftiges Stereobild. Wenn ich doch mal nur eine Monospur brauche, dann verliere ich halt einen AD/DA Ein,- und Ausgang. Ein Maler knallt ja auch nicht immer alles an Farben, was er hat, aufs Bild. Darüber hinaus gibt es Talkback, 2 Subgruppen, einen vernünftigen Kopfhörerausgang und noch ein paar nette Dinge, die aus 2 Höheneinheiten einen automatisierbaren Summierer mit Monitorkontroller machen. Mit einem Nucleus und Patchbay mit Outboard kommt da fast schon Konsolenfeeling auf.

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