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28.01.2020

Bass-Kompressor richtig einstellen

Wie arbeitet ein Bass-Kompressor? Wie stelle ich einen Bass-Kompressor ein?

Bass Kompressor Settings - So stellst du deinen Bass-Kompressor ein!

In diesem Workshop beleuchten wir den beliebtesten Effekt für Bass: den Kompressor! Die Bezeichnung "Effekt" ist allerdings fast etwas unangebracht, da ein Kompressor den Sound für gewöhnlich ja nicht so massiv verändert. Häufig liest man sogar, dass man einen guten Kompressor gar nicht hören sollte. Im Unterricht oder bei Workshops stelle ich jedoch häufig fest, dass viele BassistenInnen zwar einige Effektgeräte besitzen, aber oftmals gar nicht so genau wissen, wie diese arbeiten und wie man sie sinnvoll einstellt. Viel Potenzial, für das man ja eine Menge Geld bezahlt hat, bleibt auf diese Weise leider auf der Strecke! Warum sich dennoch der eine oder andere Euro für ein Kompressor-Pedal lohnt und wie man richtig mit ihm umgeht, möchte ich euch daher heute näherbringen.

Hier findest du den großen Bass-Kompressor-Kaufratgeber!

Welcher Bass-Kompressor ist der richtige?

Was macht ein Bass-Kompressor?

"Wie arbeitet eigentlich ein Bass-Kompressor?"

Ein (Bass-)Kompressor verringert den Dynamikbereich, also den Unterschied zwischen leisen und lauten Tönen des Signals, indem er Pegelspitzen glättet. Mitunter liest man, ein Kompressor mache "laute Töne leiser und leise Töne lauter". Das ist so jedoch nicht ganz korrekt: Tatsächlich wird nämlich nur der Unterschied zwischen lauten und leiseren Tönen geringer. Dadurch erhält der Spieler die Möglichkeit, das komprimierte Signal insgesamt in der Lautstärke anzuheben. Erst dann werden also auch die vormals leisen Töne lauter.

Sinn und Zweck eines Kompressors ist also die Erzeugung eines dynamisch ausgeglichenen, kompakteres Signals, welches sich besser in den Mix integrieren lässt. Ein angenehmer Nebeneffekt ist das verlängerte Sustain, da beim Anheben der Lautstärke auch die leise Ausklingphase der Töne lauter wird.

Aber Achtung: Der Schuss kann auch nach hinten losgehen und das Basssignal kann im schlimmsten Fall leb- und kraftlos klingen, weil es jeglicher Dynamik beraubt wird, wenn man es mit der Kompression übertreibt. Wie bei jedem Effekt macht auch hier die Dosis das Gift! Im Idealfall kann einem ein gut eingestelltes, qualitativ hochwertiges Kompressor-Pedal aber sehr viel Spielspaß bereiten. Das Signal klingt nicht nur besser, sondern das eigene Spiel wird bestenfalls sogar "kompakter" und "flüssiger" erlebt.

Kompressor-Terminologie: Threshold, Ratio, Gain, Attack, Release - wie bitte?!

"Was versteht man unter Threshold, Ratio, Gain, Attack und Release?"

An jedem Kompressor, ob Pedal oder 19-Zoll-Gerät, finden sich verschiedene Regler, um die entsprechenden Parameter einzustellen. Diese werden mit bestimmten Fachbegriffen beschrieben, von denen die folgenden die wichtigsten sind:

Threshold (auch Sensitivity)

Auf Deutsch "Einsatzschwelle". Hier legt man einen Lautstärkewert fest, ab welchem der Kompressor ins Geschehen eingreift. Alles, was leiser ist als dieser Wert, wird vom Kompressor nicht beachtet. Alles was darüber ist, bearbeitet er - und zwar mit der sogenannten Ratio.

Ratio (auch Compression)

Die Ratio ist das Verhältnis, mit welchem der Kompressor das Signal glättet. Ist die Ratio z.B. auf den Wert 8:1 eingestellt, wird ein um 8dB lauteres Eingangs-Signal als der eingestellte Threshold-Wert auf ein 1dB lauteres Ausgangs-Signal als der eingestellte Threshold-Wert reduziert.

Gain (auch Makeup Gain)

Diesen Begriff kennt man auch von Verstärkern oder anderen Effektgeräten. Hier kann man das Ausgangssignal in der Lautstärke anheben, falls man möchte. Durch die Kompression verliert man nämlich natürlicherweise einige Dezibel im Dynamikumfang. Mit dem Gain-Regler kann man nun das komprimierte Signal wiederum etwas lauter machen, sodass es insgesamt kompakter bzw. druckvoller wirkt.

Eher selten finden sich die folgenden zwei Regler an Kompressorpedalen. Meist werden hier vom Hersteller vorgegebene und optimierte Werte für Bass verwendet:

Attack

Attack legt fest, wie schnell der Kompressor zugreift. Der eingestellte Wert ist hier sehr abhängig von der Art des Instruments oder auch der Spielweise. Möchte man seinen Ton lediglich etwas verdichten ohne ihn zu sehr zu beeinflussen, empfehlen sich höhere Attack-Werte. Hat man viele kurze und perkussive Anschläge in seinem Spiel, so muss der Kompressor natürlich schneller eingreifen, um Wirkung zeigen zu können.

Release

Analog zu Attack ist dies der Wert, welcher festlegt, wann der Kompressor das Signal wieder in Ruhe lässt. Im Zusammenspiel aus Attack und Release kann man sich entscheiden, ob man nur der Anschlag oder auch die Ausklingphase des Signals bearbeiten möchte.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte - und Soundbeispiele ebenfalls! Daher habe ich einen Slapgroove mit hohem Dynamikbereich eingespielt und den Kompressor mit verschiedenen Einstellung auf ihn angewandt. Einige Unterschiede sind nur subtil, brachiale Ergebnisse sind aber auch nicht das Ziel. Sehr gut an der Wellenform zu erkennen sind das Verhalten des Attacks und des "Bauchs", also der Ausklingphase.

Bass-Kompressor einstellen in drei Schritten - so geht's!

"Den" ultimativen Weg einen Kompressor einzustellen, gibt es logischerweise nicht, denn er arbeitet abhängig von der Lautstärke unseres Instruments. Diese wird zum einen vom Instrument selbst wie auch von unserer individuellen Spielweise bestimmt. "Viel Ausprobieren und Hören" ist hierbei also zweifelsohne der beste Rat! Dennoch werden dir sicherlich diese Richtwerte als Ausgangspunkte helfen, damit du deinen eigenen Sound finden kannst.

1.) Ein guter Start für den Threshold-Wert sind -20 dB. Von da an kann man gut weiter experimentieren. Passive Bässe mit niedrigem Output verlangen schon mal nach Werten um die -25dB oder -30dB, bei aktiven Bässen mit kräftigem liegt dieser Wert deutlich höher, bei ca. -15 oder -10dB.

2.) Eine 4:1-Ratio ist für Bass eine gemeinhin übliche Wahl. "Nicht zu viel und nicht zu wenig", lautet hier das Motto am Anfang. Wer nur ganz leicht ins klangliche Geschehen eingreifen möchte, kann sich auch für ein Verhältnis von 2:1 entscheiden. Will man stärker komprimieren, sind 6:1 oder 8:1 ebenfalls durchaus sinnvoll, siehe die obigen Beispiele.

3.) Unitiy Gain: Hinsichtlich des Gains ist es am einfachsten, das Pedal während des Spiels ein- und auszuschalten und darauf zu achten, dass man dieselbe Lautstärke (Unity Gain) erreicht. Das unbearbeitete und das bearbeitete Signal sollten also beide den gleichen Maximalpegel besitzen - außer, man möchte ganz bewusst andere Lautstärken erzielen!

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Beispiele für Kompressor-Settings

Abschließend folgen hier noch ein paar typische Beispiele für den Einsatz eines Bass-Kompressors. Allen Beispielen ist gemein, dass die Unterschiede nicht gravierend sind, aber mit Kompressor alles doch kompakter, tighter, präsenter und frischer wirkt.

1.) Einsatz eines Kompressors in einem Slapgroove

Das erste Klangbeispiel ist ein Slapgroove, welcher einen großen Dynamikumfang und Ambitus (Distanz vom tiefsten zum höchsten Ton) aufweist. Dazu kommen die typischen perkussiven Elemente. Gerade diese profitieren übrigens sehr vom Kompressor, da sie mehr in den Vordergrund gerückt werden.

2.) Einsatz eines Kompressors in einem Plektrumgroove

Ein mit jugendlichem Leichtsinn ungestüm gespielter Plektrumgroove ist ebenfalls ein Fall für den Kompressor, welcher das Ganze besser in den Mix einbettet.

3.) Klingen wie Vulpeck: Joe Darts cooler Kompressor-Basssound

Seit einiger Zeit ist Joe Dart in der Bassszene sehr beliebt, seines Zeichens Bassist der Funk-Jazz-Band Vulfpeck. Seine Basslines wandern häufig über das ganze Griffbrett und sind gespickt mit perkussiven Elementen, wie Dead Notes oder Raking. So auch der folgende Groove: Eines von Joes Markenzeichen ist stets eine sehr deutlich hörbare Kompression, um all diese Elemente auch präsent zu machen.

>>>Das "Bassriff der Woche": In dieser Workshopreihe präsentieren wir dir die besten Basslines der Musikgeschichte!<<<

Ich hoffe, ich konnte dich etwas inspirieren, deine eigenen Experimente mit einem Kompressor zu machen und wünsche viel Spaß dabei!

Thomas Meinlschmidt

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