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21.12.2018

Alles, was ihr über Portablism wissen müsst

Mit mobilen Turntables, portable Crossfader und 7-Inch unterwegs

Die Welt des Deejaying ist im ständigen Wandel. Was mit einem einfachen Plattenspieler begonnen hat, wurde zu einer eigenen Kunstform, immer wieder angefeuert und erneuert durch diverse technische Innovationen. Die handwerklichen Kernkompetenzen machen dabei natürlich immer noch das Mixing und Scratching aus, selbst wenn vieles davon heute nicht mehr auf analogen Weg gemacht wird, zum Teil sogar auf Gerätschaften, die im Entferntesten an einen Turntable erinnern.

Scratch-DJs sind aber häufig immer noch Traditionalisten, für die Vinyl weiterhin einen hohen Stellenwert einnimmt – auch wenn es unter Umständen nur noch als Timecode für ein Digital-Vinyl-System, kurz DVS, herhalten muss. Aber auch hier sorgt die Technik für frischen Wind und neue Möglichkeiten und schon sind wir beim Thema: Portablism.

Quick Facts Portablism

Portablism ist ein Turntablism-Stil, der unter DJs immer populärer wird. Dabei geht es meist um tragbare Plattenspieler, kleine Fader und Gear, das im Idealfall in die Hosentaschen passt. Zum Scratchen benutzen Portablists am liebsten Vinyl im kleinen 7“-Single-Format. Zum ersten Mal ist Portablism auf dem diesjährigen DMC World DJ Championship vertreten.

Der Begriff Portablism

... leitet sich von dem Wort „Turntablism“ ab, eine Wortschöpfung, die in den 90er Jahren populär wurde und laut Wikipedia-Eintrag dem Scratch-DJ Babu aus Kalifornien zugeschrieben wird. Turntablism bedeutet, dass Schallplatten mit einem Turntable so manipuliert werden, dass dabei völlig neue Sounds entstehen oder vorhandene Strukturen zerlegt und komplett neu zusammengesetzt werden. Technisch wird das von den Künstlern mit Scratching, Cutting und Beatjuggling in die Praxis umgesetzt. Die sogenannten Turntablists stehen dabei speziell in der Traditionslinie von Hip-Hop-DJs wie Grandwizard Theodore, Grandmaster Flash oder Kool DJ Herc, die im Besonderen mit Scratching die ersten Akzente gesetzt haben.

Zu den Vertretern des Turntablism zählen Plattenzauberer wie DJ Qbert, Mixmaster Mike oder ganze Crews wie The X-Ecutioners. Portablists wiederum fühlen sich im Prinzip der gleichen Kunstform verbunden, setzen aber mit der Wahl der Werkzeuge dabei neue Akzente. Hier geht es vor allem um die Performance an ausgefallenen Orten und wie handlich die Gerätschaften sind, sprich die Portabilität. Portability + Turntablism = Portablism.

Mobile Plattenspieler: Vorsprung ohne Technics

Während die Turntablists ganz in der Tradition der Oldschool-DJs Club-Plattenspieler wie den Technics 1200 MKII oder bevorzugt auch neuere Modelle wie die PDX-Serie von Vestax benutzen, interessiert sich die nächste Generation für tragbares Gear. Hier ist nicht so entscheidend, dass der Plattenspieler wie ein Panzer gebaut ist, schwer und fest auf seinen Beinen steht und das richtige Gewicht auf der Nadel liegt – nein, es geht sogar um genau das Gegenteil. Möglichst klein und leicht sollen die Tools sein, dafür nehmen die Portablists sogar Einschränkungen in Kauf, die für viele DJs fast schon ein Ausschlusskriterium darstellen.

Denn damit die Plattenspieler in den Backpack passen, sind sie eher für das Abspielen von 7“-Platten, sprich Singles, optimiert. Losgetreten wurde die Bewegung zunächst durch praktische tragbare Plattenspieler wie zum Beispiel dem HandyTrax von Vestax. Sehr populär und neueren Datums ist der Numark PT01 Scratch. Noch wichtiger ist aber ein weiteres Gadget, was erst in den ungefähr letzten vier Jahren auf der Bildfläche erschienen und populär ist.

Crossfader für die Hosentasche

Portable Fader, die sich bequem in die Hosentasche stecken lassen, ohne großes Heckmeck mit den kleinen Plattenspielern verbinden und einen Ausgang für ein paar aktive Lautsprecher oder einen Ghettoblaster bieten, spielen hier eine ganz wichtige Rolle. Auf einen klassischen Mixer kann man bei diesem Stil durchaus verzichten, denn er würde eh zu viel Platz wegnehmen und am Ende wird per se nur der Crossfader wirklich gebraucht. Auf wenige Zentimeter zusammengestaucht bieten diese alles, was für die Performance notwendig ist. Als einer der Ersten ist dabei der Frisk Fader von Stokyo zu nennen, der im Prinzip schon all die Features bietet, die auch heute noch wichtig sind, aber auch noch genügend Spielraum für Verbesserungen hatte, wie unser Test zeigte.

Neuere Modelle wie der Raiden RXI-F2 bieten ein bisschen mehr, bei dem kabellosen Mixfader ist sogar über Bluetooth eine Verbindung mit Smartphone/Tablet möglich und kann mit einer App eingesetzt werden, die einen virtuellen Plattenspieler in petto hat.

Sehr oft werden die Fader direkt an den Plattenspielern befestigt und haben deshalb häufig eine Klebefläche an der Unterseite. Es gibt aber auch kleine Modifikationen wie zum Beispiel den sehr originellen Pitch Shifter von DJ Woody.

Hybride Sets

Portablists müssen sich nicht nur auf analoges Gear beschränken, dank Timecode-Vinyl im 7-Zoll-Format und immer kleiner kleineren Laptops ist auch ein mobiles DVS überhaupt kein Problem. Alternativ tun es auch ein paar virtuelle Decks auf dem Tablet oder Smartphone. Denkbar ist auch die Kombination von Turntable, Fader und Smartphone, was beispielsweise einen Beat abspielt, über den dann mit Vinyl ein paar Cuts und Scratches gelegt werden. Mit handlichen Controllern kommt noch mehr Abwechslung ins Spiel, Stichwort hier: Controllerism.

7-Inches sind groß genug

Wichtig für die Performance in Park, U-Bahn, Freibad oder auf Hausdächern ist natürlich die Musik. Und die gibt es ja massenhaft im beliebten Single-Format. Und selbst Timecode gibt’s auf 7-Inch, soviel wissen wir bereits. Turntablists bevorzugen bekanntermaßen Platten, die voll mit Beats, Breaks und Scratchsounds sind, auch da gibt es bereits ein breit gefächertes Angebot für die Scratch-Künstler. Kult-DJ Qbert hat mit Thud Rumble einige im Sortiment oder die Flexi-Discs von DJ Woody, die wirklich ein Hingucker sind.

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