Bass
Feature
7
02.03.2021

Alles über Bass-Equalizer

Klangregelungen an Bassverstärkern: 2-Band, 3-Band, passiv, aktiv, grafisch, Tonestack, Parametrik …

Equalizer-Typen für E-Bass verstehen

Sie ist ein wesentlicher und unverzichtbarer Bestandteil eines jeden Bassverstärkers - ganz egal, ob er auf Röhren-, Transistor- oder Hybrid-Technologie basiert: Die Rede ist von der Klangregelung, auch Equalizer genannt. Wie der Name bereits andeutet, wird mithilfe dieses wichtigen Tools der Klang des Basses am Verstärker geregelt. Wer schon einmal Kontakt mit unterschiedlichen Verstärkern hatte, wird festgestellt haben, dass sich die Klangregelungen von Amp zu Amp nicht selten drastisch unterscheiden. Während einige Vertreter lediglich mit zwei Reglern für Höhen und Bässe ausgestattet sind, kommen andere geradezu mit multifunktionalen Schaltzentralen daher. In diesem Artikel wollen wir näher beleuchten, was die Unterschiede der verschiedenen Klangregelungen sind und wie man sie effektiv bedienen kann.

Achtung: Zum besseren Verständnis der allgemeinen Wirkungsweise von Klangregelungen ist ein elementares Grundwissen über Frequenzen enorm hilfreich, weswegen ich euch zuvor meinen Artikel "Soundeinstellungen für E-Bass und was sie bewirken" ans Herz legen möchte.

Auch interessant:

Was du über die Elektronik in deinem E-Bass wissen musst!

Bass-Equalizer verstehen: Bass-Recording früher und heute

Im Umgang mit dem Audiosignal von E-Bässen haben sich in den letzten 40 Jahren zwei Philosophien entwickelt. Die erste, die auch mangels Alternativen bis in die 1970er-Jahre vorherrschte, besagte, dass der Basssound nach Möglichkeit schon an der "Quelle" so geformt und gefärbt werden sollte, damit Sound und Charakter genau so aufgenommen oder live wiedergegeben wurden, wie es der Bassist selber aus seinem Bassamp hörte. Auf diese Weise konnte jedes Element in der Signalkette einen entscheidenden Fingerabdruck zur Identität eines sogenannten Signature-Sounds einzelner Musiker, aber letztlich auch der gesamten Gruppe beitragen.

In den 80er-Jahren, im Fahrwasser aufkeimender Synthie-Basssounds und "steriler" klingenden Klangfarben in der elektronischen Musik, begann sich aber auch eine zweite Philosophie zu entwickeln. Sie war der sich wandelnden Studiotechnologie zuzuschreiben und erlebte ihren Zenit in den 90er-Jahren im Zuge des Vormarsches der Digitaltechnik.

Ein Bass wurde nach dieser zweiten Philosophie möglichst "nackt" aufgenommen, um sich in der späteren Nachbearbeitung alle Möglichkeiten offen zu lassen - die verlustfreie Digitaltechnik machte es ja schließlich möglich. Aus diesem "fix it later"-Workflow vieler Produzenten resultierte der Trend nach möglichst cleanen, natürlichen, radikal direkten Basssounds, frei nach dem Motto "Man muss hören, wie das Instrument klingt, nicht der Verstärker!"

Dies war die Geburtstunde hochwertiger DI-Boxen. die nichts anderes tun sollten, als das reine Basssignal unverändert, dafür aber in höchster Signalgüte zu übertragen - nicht selten übrigens, um dann im Laufe des Produktionsprozesses durch diverse Plug-Ins doch wieder komplett verdreht zu werden! Ein wenig ist es vergleichbar mit der analogen und digitalen Fotografie: Beim analogen Prozess müssen alle Parameter vor der Aufnahme festgelegt und optimal abgestimmt werden, beim digitalen Prozess kann man viele Parameter erst nach der Aufname frei bestimmen und nach Belieben verändern.

Mittlerweile ist es beim Recording eines Basssignals usus, beide Aspekte miteinander zu kombinieren: Ein reines DI-Signal wird hier also parallel zu einem oder mehreren verfärbten Signalen aufgenommen. Auf diese Weise hat man stets die Wahl zwischen einem quasi-analogen Fingerabdruck, also einer Momentaufnahme des realen Basssounds, und dem natürlichen Basssound, der nachträglich digital weiterbearbeitet werden kann. Häufig finden beide Signalformen im Mischverhältnis dann den Weg in den finalen Mix.

Auch interessant:

Diese klassischen E-Bässe sollte jeder kennen!

Bass-Equalizer verstehen: Welches Basssignal kommt von der Bühne in den Saal?

Im Livebetrieb stellt sich nicht minder häufig die Frage, welches Signal den Weg zum FOH Platz findet. Damit verbunden ist die Frage: "Soll das Publikum denselben Sound zu Hören bekommen, den der Bassist auf der Bühne hört?" Die Antwort ist extrem abhängig vom Bandsound sowie der jeweiligen Rolle des Basses oder des Bassisten: Spielt der Bass eine Basisfunktion, ohne viele Änderungen von Parametern während des Sets, dann wird der FOH-Mischer bevorzugen, den Sound per DI direkt abzunehmen und selber den Raumverhältnissen entsprechend anzupassen.

Hat der Bass jedoch eine sehr wandelbare Rolle inne, etwa mit vielen Effekten und Soundwechseln, so wird die Abnahme des Signals mindestens ab dem letzten unverzichtbaren Element der Signalkette erfolgen müssen - auch wenn dies bedeutet, dass der FOH-Mischer weniger Handlungsspielraum erhält.

Doch egal, welchem dieser beiden Ansätze man letztlich den Vorrang gibt, nahezu immer wird man in die Frequenzkurve des Signals eingreifen müssen, denn der Bass steht selten alleine im Playback, sondern muss sich das Frequenzspektrum mit anderen Klangquellen teilen. Im Livebetrieb kommen dazu erschwerend noch Bühnen- und Raumverhältnisse hinzu, die ihrerseits das Frequenzbild gehörig durcheinanderwirbeln können.

Auch interessant:

Richtig arbeiten mit dem Bass-Octaver!

Bass-Equalizer verstehen: Frequenzen filtern, Sounds verbiegen

Der Klang des Basses kann sich also mitunter durchaus sehr von den eigenen Vorstellungen des Bassisten unterscheiden, auch durch Lautsprecher- und Boxentypen. All die genannten Faktoren können den Sound verziehen, verschieben, man sagt auch "verzerren" (nicht zu verwechseln mit Overdrive-Verzerrung!).

Um den Sound wieder "gerade", "linear" auszugleichen, benötigt man ein klangliches Werkzeug, das auf den Namen "Equalizer" oder kurz "EQ" hört (vom lateinischen "aequus" = "gleich"). Daher nennt man den Equalizer auch gelegentlich "Entzerrer" - dahinter verbergen sich schlicht gesagt Frequenzfilter.

Auch interessant:

Bass-Equalizer verstehen: Die einfachste Lösung - der passive 2-Band-EQ

Die älteste Form des Equalizers in frühen Röhren-Bassverstärkern (eigentlich waren es leicht oder gar nicht modifizierte Gitarrenamps) war eine passive Klangregelung, die zwei sehr breite Frequenzbänder für "Höhen" und "Bässe" regeln konnte, und zwar ausschließlich durch ein Absenken von Frequenzen. Das heißt, wenn beide Klangregler voll aufgedreht waren, hörte man das unveränderte Bassignal. Ich sage bewusst nicht "neutral", denn auch in dieser Einstellung färbte der Amp das Signal natürlich schon mächtig. Dies war vollkommen normal - und durchaus gewollt.

Schon bei dieser sehr einfachen Methode der Klangregelung gibt es viele Möglichkeiten, je nachdem, wie der Hersteller die Frequenzbereiche der beiden Regler ansetzt und ob und inwieweit sie sich überlappen und/oder sich wechselseitig beeinflussen.

Mit lediglich zwei Frequenzbändern ist man natürlich hinsichtlich der Möglichkeiten ziemlich limitiert. Einige Röhrenamps waren/sind jedoch zweikanailig aufgebaut und die EQs der beiden Kanäle auf andere Frequenzbänder ausgerichtet. Diese Kanäle ließen sich durch Patchkabel verbinden und durch die Kombination der beiden Kanäle die Regelbereiche deutlich erweitern (beispielsweise bei alten Vox AC50 oder den klassischen Ampeg Röhren-SVTs).

Eine passive Klangregelung kann nur Frequenzen absenken, nicht aber anheben, denn dafür ist eine eigene Verstärkungsstufe innerhalb der Klangregelung notwendig. Bei Gitarrenverstärkern leisten solche sogenannten passiven Tonestack-EQs auch heute noch in vielen Amp-Modellen hervorragende Dienste. Für die Anforderungen an modernere Basssounds wurden jedoch allmählich andere Lösungen notwendig, da das Frequenzspektrum deutlich breiter ist und entsprechend auch detaillierter bearbeitet werden muss.

Bass-Equalizer verstehen: Unterschied zwischen passivem und aktivem Equalizer

Die simple Form eines "aktiven" 2-Band-EQs ist eine gegensätzliche Schaltung zur passiven - also eine, bei der man nur Frequenzen anheben kann und das neutrale Signal nur dann zu hören ist, wenn die Regler des EQ auf Null stehen. Dazu benötigt man jedoch innerhalb des EQ eigene Verstärkungselemente, denn nur so können Frequenzen "aktiv" angehoben werden.

Der klangliche Unterschied zwischen diesen beiden Typen liegt darin, was mit dem Frequenzbereich geschieht, der genau zwischen den Höhen und Bässen liegt, den sogenannten "Mitten". Senkt man bei einer passiven Klangregelung die Höhen und Bässe ab, dann bleiben die Frequenzen im Bereich der Überlappung von Höhen und Bässen unangetastet oder senken sich weniger ab. Dadurch werden sie jedoch im Gesamtspektrum im Verhältnis lauter - die Mitten werden also angehoben.

Dies begünstigt, im Bassistenjargon gesprochen, einen eher bluesigen, rockigen Klangcharakter. Durch das Absenken der Bässe und Höhen verliert das Signal an Lautstärke, weswegen der Pegel wieder ausgeglichen werden muss.

Hebt man bei einer aktiven Klangregelung Höhen und Bässe an, dann geschieht das Umgekehrte mit dem angesprochenen Grenzfrequenzwert: Die Frequenzen "in der Mitte" zwischen Höhen und Bässen sinken scheinbar ab (tatsächlich bewegen sie sich nicht oder nur weniger nach oben als die beiden Rahmenfrequenzen!).

Diese Klangregelung findet man beispielsweise in den berühmten Preamps des New Yorker Herstellers Sadowsky. Der dadurch resultierende "Scoop"-Sound bekommt einen Klangcharakter, der weitläufig als "funky" tituliert wird. Durch die Anhebung der Bässe und Höhen bei diesem "rein additiven" aktiven 2-Band-EQ gewinnt das Signal an Lautstärke und muss entsprechend abgesenkt werden, um den gleichen Ausgangspegel gegenüber der Nulllposition zu erhalten.

Auch interessant:

Bass-Equalizer verstehen: Jedes Verändern eines Klangfilters verändert auch die Lautstärke!

Das Nivellieren des Signalpegels ist eine der Hauptregeln im Umgang mit Klangregelungen, denn um die Veränderung im Frequenzspektrum wirklich objektiv beurteilen zu können, sollte das Signal stets gleich laut bleiben. Dazu müssen wir es stets angleichen, also beim Anheben von Frequenzen das Volumen absenken und beim Absenken der Frequenzen das Volumen anheben.

Grund dafür ist, dass der Mensch grundsätzlich ein lauteres Signal automatisch als druckvoller und ein leiseres Signal als schwächer empfindet, was die Objektivität für die tatsächliche Frequenzwiedergabe verschleiert. (Diese Illusion führt übrigens auch dazu, dass man generell eher dazu neigt, Frequenzen am Amp oder der Onboard-Klangregelung seines E-Basses) anzuheben, statt sie abzusenken.

Auch interessant:

So arbeiten die gut gebuchten Freelancer der Bass-Szene!

Bass-Equalizer verstehen: Die Mitten - Torwächter zum Soundcharakter des Basses

Um gezielter in den essentiellen Frequenzbereich des E-Basses einzugreifen, bedarf es einer flexibleren Regelbarkeit der Mitten. Bleibt man bei einer aktiven 2-Band-Klangregelung, so wird dies dadurch ermöglicht, dass wir die Regler von einer neutralen, mittigen Nullposition ausgehend sowohl anheben, als auch absenken können. Man kann das auch mit einer passiven Schaltung "faken", allerdings ist die Mittelstellung dann keineswegs neutral.

Eindeutig flexibler lassen sich die Mitten natürlich mit einem eigenen Mittenregler justieren. Hierbei erhalten wir die weitverbreitete 3-Band-Klangregelung, manchmal auch eine 4-Band-Klangregelung, bei der die Mitten noch in hohe und tiefe Mitten unterteilt werden.

Man kann durchaus sagen, dass die Mitten einen Sound stärker färben, als Höhen und Bässe. Deswegen sind effiziente Mittenregler heutzutage bei nahezu jedem Bassverstärker unverzichtbar! Röhrenamps mit einer sogenannten 3-Band-Tonestack-Klangregelung, wie einige Modelle von Fender, Marshall oder Vox (FMV-Tonestack) besitzen zwar auch einen Mittenregler, schaltungsbedingt agiert dieser allerdings stark interaktiv mit den anderen Reglern. Deswegen kann man bei dieser EQ-Form nicht immer intuitiv mit der optischen Stellung der Regler arbeiten, sondern muss gegebenenfalls etwas mehr experimentieren, um zum Ziel zu kommen!

Übrigens: Wenn wir beim E-Bass vom Bereich der Mitten sprechen, so ist dies ein sehr breit interpretierbarer Freqenzbereich zwischen 100 und 4000 Hz und es gibt in Wahrheit eigentlich keine Norm dafür. Deswegen interpretiert jeder Hersteller die relevanten Parameter "Frequenz" und "Bandweite" für die Mittenregler etwas unterschiedlich, woraus unter anderem auch ein individueller "Klang-Charakter" für verschiedene Amps resultiert.

Auch interessant:

Bass-Equalizer verstehen: Kuhschwanz, Regal, Glocke - wie bitte?

An dieser Stelle lohnt es sich, einen Blick auf die unterschiedlichen Frequenzregelkurven zu werfen, die für diese Bereiche angewendet werden. Bei den Flankenfrequenzen Höhen und Bässe, die ja die Außenbereiche des Spektrums darstellen, verwendet man eine breitbandige, sich nach einer Seite öffnende Filterkurve, die aufgrund ihres optischen Frequenzbildes als "Kuhschwanzfilter" bezeichnet wird.

Die englische Bezeichnung "shelf" (Regal/Ablage) trifft es meiner Ansicht nach noch besser, denn der Verlauf dieser Kurve endet immer in einer geraden, parallel zur X-Achse verlaufenden Fläche. Hier unterscheidet man zwischen Low-Shelf für die Bässe und Hi-Shelf für die Höhen.

Für die Frequenzbereiche zwischen den Shelf-Filtern ist es sinnvoll, nach beiden Seiten eingegrenzte Sektionen zu verwenden. Dadurch sehen die Frequenzkurven dieser Regelbereiche beim anheben oder absenken aus wie eine Glocke (Bell) und werden daher auch "Glockenfilter" genannt.

Bass-Equalizer verstehen: Filter-Parameter - Schlüssel zur Klangzentrale

Bei jeder Filterkurve existieren verschiedene Parameter, die darüber entscheiden, wie sich das Filter auf das Signal auswirkt:

  • Level (Gain): Bestimmt, wie weit ein Frequenzbereich angehoben/abgesenkt wird.
  • Frequenz (Kernfrequenz): bestimmt die zentrale Frequenz, um deren Bereich das Signal bearbeitet wird.
  • Bandweite (Bandbreite) / Q-Faktor (auch Resonance): Bestimmt, wie weit der Bereich sein soll, welcher die zentrale Frequenz umgibt, also wie viel Anteil der benachbarten Grenzbereiche mitbearbeitet werden soll. Dieser Parameter bezieht sich auf einen Glockenfilter.
  • Slope (Flankensteilheit): Bestimmt, wie steil eine Filterkurve von der Kernfrequenz aus zur Zielfrequenz abfällt/ansteigt. Dieser Parameter bezieht sich auf Shelf-Filter. Bei herkömmlichen 3-Band- oder 4-Band-Klangregelungen sind die Parameter für Frequenz, Bandweite und Slope vom Hersteller festgelegt und können nicht verändert werden. Manchmal findet man jedoch Wipp- oder Kippschalter, die eine Option für zwei oder drei unterschiedliche Zentralfrequenzen eines korrespondierenden Klangreglers anbieten (meistens bei Mittenreglern, z.B. Ampeg SVT, Darkglass Microtubes)

Auch interessant:

Standard-Rockgrooves für Proben, Jams und Studiojobs!

Bass-Equalizer verstehen: Optische Hilfestellung - der Grafik-EQ

Einige Bass-Vorstufen verwenden zur Klangregelung einen sogenannten grafischen EQ. Einer der berühmtesten Vertreter dieser Gattung ist die legendäre GP-11-Vorstufe von Trace Elliot. Die Zahl "11" beziffert dabei die Anzahl der verfügbaren Frequenzbänder im EQ. Ein grafischer EQ offeriert also eine größere Anzahl festgelegter Frequenzbänder und Bandbreiten, die mit Schiebereglern angehoben/abgesenkt werden können.

Hierbei könnten natürlich auch konventionelle Potentiometer verwendet werden, doch würden sie erstens zu viel Raum benötigen und zweitens ließe sich ihre Position schlechter ablesen als bei Schiebereglern.

Durch den Ansatz, dass sich die Frequenzkurven optisch gut ablesen lassen, resultiert der Name "grafischer" EQ. Je mehr Frequenzbänder den Bereich des grafischen EQ abdecken, desto detaillierter kann man in den Sound eingreifen. Ursprünglich wurden derartige EQs entwickelt, um unerwünschte Raumresonanzen und Eigenresonanzen von Lautsprechern zu korrigieren - sie sind in der Tat unverzichtbare Werkzeuge in Tonstudios und in der PA-Technik bei Live-Veranstaltungen.

Da sie jedoch dazu neigen, ihrerseits eigene Filterresonanzen zu erzeugen und auch stärker zu rauschen, werden sie nicht sehr häufig als Klangregelung in Bassverstärkern eingesetzt. Sehr wohl aber eigenen sie sich sehr gut als zusätzliche Erweiterung in Bassvorstufen - vor allem, wenn sie per Fußschalter für schnelle Soundwechsel aktivierbar sind!

Auch interessant:

Bass-Equalizer verstehen: Die Parametrik - volle Flexibilität, aber kompliziert?

Die hohe Kunst der Klangregelung beginnt, wenn der Nutzer frei darüber bestimmen kann, welche exakte Zentralfrequenz er mit einem Regler verändern/bearbeiten möchte. Bei allen bisher vorgestellten EQ-Typen ist ja der Parameter für die Zentralfreqenz fest vorgegeben.

Der sogenannte "parametrische" Equalizer erlaubt genau dieses chirurgische Eingreifen in das Freqenzspekrum: Frequenz, Level, Bandweite sind hier völlig frei und stufenlos wählbar. Das macht diesen EQ-Typ zu einem sehr mächtigen Werkzeug, aber auch zu einem etwas komplizierteren, weswegen sich viele Nutzer und auch Hersteller davor scheuen - letztere auch, da sie zusätzliche Kosten vermeiden wollen!

Um es etwas einfacher zu gestalten, bieten daher die meisten Bassvorstufen eine reduzierte Version der Parametrik an, bei der die Bandbreite des Regelbereichs (Q-Faktor) fest vorgegeben ist, aber die zentrale Frequenz innerhalb eines Rahmens frei bestimmt werden kann. Genau genommen sind Bandbreite und Q-Faktor nicht dasselbe, aber sie stehen in direktem Verhältnis zueinander, weswegen die Bestimmung eines der beiden Parameter weitgehend ausreicht.

Dieser Kompromiss wird "Semi-Parametrik" genannt. Fast immer handelt es sich um einen solchen EQ-Typ, wenn bei Bassverstärkern von "parametrischen Mitten" die Rede ist. Man sollte jedoch nie vergessen: Zu einer Voll-Parametrik müssten in Wahrheit alle drei Parameter (Frequenz, Level und Bandbreite bzw. Q-Faktor) stufenlos regelbar sein.

Der Röhren/Transistor-Hybrid Ampeg SVT 6 Pro war einer der seltenen Amps, die eine vierfache Semi-Parametrik anboten und diese noch zusätzlich mit einer 2-Band-Höhen/Bassregelung kombinierten. Ein sensationeller Amp, der jedoch scheinbar zu viel des Guten bot: Seine Produktion wurden damals leider schnell wieder eingestellt.

Ein weiterer Amp, der mit einer sehr effektiven 4-Band-Parametrik aufwartet, ist der Transistorverstärker Orange 4 Stroke. Die Besonderheit bei diesem Amp besteht darin, dass sich die Regelbereiche der vier Frequenzbänder weit überlappen und daher gegenseitig sehr stark beeinflussen, was wiederum zu sehr interessanten und effektiven Resultaten führt.

Sehr wirksam ist auch die Semi-Parametrik in den programmierbaren RH-Verstärkern des dänischen Herstellers tc electronic. Hier können ebenfalls die Regelfrequenzen der vier EQ-Regler frei bestimmt und zusätzlich in drei Presets abgespeichert werden, was enorme Möglichkeiten bietet.

Seltener als die Semi-Parametrik und fast niemals in Bassverstärkern zu finden ist die Quasi-Parametrik. Während die Semi-Parametrik keinerlei Einfluss auf eine fest vordefinierte Bandbreite/Q-Faktor nimmt, bietet die Quasi-Parametrik zumindest Optionen auf zwei oder drei unterschiedliche Bandbreiten/Q-Faktoren per Umschalter.

Auch interessant:

So unterschiedlich klingen Jazz und Precision Bass im Bandmix!

Bass-Equalizer verstehen: Parametrischen EQ bedienen

Am besten beschreibt man den Sinn und Zweck eines parametrischen EQs damit, dass er dort gezielt eingreifen kann, wo es das Ohr stört. Manchmal kann man nicht genau definieren, in welchem Frequenzbereich einen etwas am Basssound nicht behagt. Man weiß quasi nur, "dass" es eben irgendwie stört. Mag sein, dass es irgendwie wummert, dröhnt oder näselt. Oder es fehlt einem das entscheidende Quäntchen "Druck" oder "Klarheit".

Das beste Verfahren ist dabei, ein entsprechendes Frequenzband stark anzuheben (also den Klangregler voll aufzudrehen) und dann durch verschiedene Frequenzen zu "sweepen", also den Frequenzwahlregler der Parametrik langsam durch alle Bänder zu drehen.

Das macht man so lange, bis sich einem plötzlich eine bestimmte Frequenz offenbart, die extrem unangenehm hervorsticht, ähnlich wie eine Hupe. Das ist für gewöhnlich eine Resonanzfrequenz, verursacht durch Bass, Tonabnehmer, Lautsprecher, Bassbox, Raum, Bühnenboden etc., die etwas gezähmt werden darf.

Belässt man nun den Frequenzregler auf genau dieser Position und senkt die Frequenz mit dem Klang-/Levelregler ab, so hat man diesen Frequenzbereich im Gesamtspektrum herausgefiltert - der Klang wird "sauberer".

Man kann natürlich auch umgekehrt vorgehen und durch abgesenkte Frequenzbänder sweepen. Welches Verfahren auch immer bei der Verwendung von Voll-Parametrik und Semi-Parametrik verwendet wird - es erlaubt dem Bassisten eine wesentlich gezieltere Gestaltung seines Sounds!

Dabei sollte man allerdings darauf achten, dass man sich nicht selbst verwirrt. Hat man beispielsweise einen aktiven Bass, der bereits eine 3-Band-Klangregelung an Bord hat, so sollte man sich entscheiden, welche der beiden Klangregelungen (Bass oder Amp) bei der Klangformung die zentrale Rolle spielen soll. Danach sollte man nur noch das andere Element zum Verfeinern verwenden, um nicht sein eigenes Ergebnis zu kannibalisieren (z.B. Mitten am Bass anheben und am Amp wieder absenken).

Auch interessant:

Bass-Equalizer verstehen: Feedback- und Resonanzkiller - der Notchfilter

Wird bei einem parametrischen EQ der maximale Q-Faktor gewählt (bzw. die kleinste Bandbreite), so kann man geradezu chirurgisch sehr schmale Frequenzbänder bearbeiten. Ein klassischer Einsatz hierfür ist der Feedback-Supressor. Gerade bei Instrumenten wie Akustik-, Halbresonanz- oder Kontrabass kann es leicht zu akustischen Rückkopplungen kommen (Feedback).

Meistens wird dieses Problem nur durch eine einzelne Resonanzfrequenz verursacht und kann entsprechend durch Absenken dieser Frequenz beseitigt oder zumindest gezähmt werden. Einige Verstärker bieten eine Sonderform des semiparametrischen EQs an, der nur diese Aufgabe erfüllt. Nur die Frequenz kann geregelt werden, während fest voreingestellt eine starke Absenkung mit enger Bandweite stattfindet. Diese spezielle Form der Filterabsenkung nennt man "Notchfilter" - quasi ein "Skalpell" für die Entfernung von unerwünschten Soundwucherungen!

Auch interessant:

Klein, aber bassstark - Bassukulelen!

Bass-Equalizer verstehen: Voicing Filter - zusätzliche Filterkomponenten

Die meisten Verstärker/Vorstufen ergänzen die Regelmöglichkeiten durch zuschaltbare feste Klangfilter wie Hi, Lo, Deep, Enhance oder stufenlos regelbare Voicing Filter, wie z.B. "Contour". Dahinter verbirgt sich in der Regel eine verschiebbare Mittenabsenkung - mitunter mit gleichzeitiger Anhebung der Höhen und Bässe. Diese Klangfilter bieten den Vorteil, dass man nicht die Klangregelung verändern muss, um beispielsweise nur für wenige Songs einen alternativen Sound abzurufen!

Auch interessant:

Die besten Licks und Grooves des Studio-Bassmeisters!

Bass-Equalizer verstehen: Nicht gucken, sondern hören!

Bei all den vielfältigen Möglichkeiten, die uns heute als Bassisten zur Verfügung stehen, um unseren Sound zu formen, sollte man sich immer primär auf sein Gehör verlassen. Lasst euch nicht durch optische Stellungen von Reglern und Schaltern vom Wesentlichen ablenken. Eine große Hilfe bieten daher Vorstufen, bei denen man die Klangregelung oder einzelne EQ-Sektionen ausschalten kann. So bietet sich die tolle Möglichkeit von A/B-Vergleichen.

Merke: Nicht immer bedeutet "mehr" auch "besser"! Ein Sound muss formbar und korrigierbar sein, aber nicht immer braucht er extrem flexibel zu sein. Gerade in seiner traditionellen Basisfunktion erfüllt der Bass meistens seine Aufgabe heute wie vor 70 Jahren mit ein oder zwei unterschiedlichen Sounds. Die Wahl liegt wie immer bei Euch!

Ich hoffe, dieser Exkurs war interessant und hilfreich für euch!

Alles Gute und bis bald, euer Ollie

Verwandte Artikel

User Kommentare