Juan Atkins ist verstorben. Mit ihm verliert die Techno-Szene einen ihrer wichtigsten Pioniere und einen der Gründungsväter des Detroit Techno.

Juan Atkins ist am 31. Oktober 2026 im Alter von 64 Jahren vor einem Auftritt in Mexico City verstorben.Mit ihm verliert die Techno-Szene einen ihrer wichtigsten Pioniere und einen der Gründungsväter des Detroit Techno.
Juan Atkins: die frühen Jahren
Zusammen mit Derrick May und Kevin Saunderson gehört Juan Atkins zu den sogenannten Belleville Three. Die Belleville Three sollte man dabei allerdings nicht als festes musikalisches Kollektiv verstehen. Alle drei verfolgten ihre eigenen musikalischen Ziele und entwickelten individuelle Karrieren. Es ist allgemein anerkannt, dass die drei Individuen maßgeblich an der Erschaffung des Detroit Techno beteiligt waren.
Sie lernten sich bereits während ihrer Schulzeit an der Junior High School in Belleville, Michigan, kennen. Dort gehörten sie aufgrund ihrer schwarzen Hautfarbe zu einer Minderheit, was sie zusammenschweißte. Doch viel wichtiger war der gemeinsame Musikgeschmack. Zu ihren musikalischen Einflüssen gehörten unter anderem Parliament-Funkadelic, Bootsy Collins, das Yellow Magic Orchestra, Prince, The B-52s und natürlich Kraftwerk.
Natürlich blieb es nicht aus, dass solche musikbegeisterten Jugendlichen selber anfingen, Musik zu machen. Juan Atkins’ erster Synthesizer war ein Korg MS-10, mit dem er durch Modulation des Rauschens Drum-Sounds herstellte.
Der Legende nach führte Juan Atkins Derrick May und Kevin Saunderson in den Umgang mit Plattenspielern ein. Denn sie waren auch von dem Radio-DJ Charles „The Electrifying Mojo“ Johnson beeinflusst. Für ihn stellten sie Mixe her, die er im Radio spielte. Ein großer Einfluss war der Besuch der Chicagoer Clubszene, wo sie die Geburtsstunde der House Music erlebten. Den funkigen und souligen House-Sound kombinierten sie mit der mechanischen Präzision und den elektronischen Beats von Kraftwerk, aus denen letztendlich Techno entstand.
Cybertron, Model 500, Infiniti und Metroplex
1981 lernte er Rick Davis kennen, mit dem er das Electro-Projekt Cybotron gründete. Es zeigt sich auch hier, dass Juan Atkins ein echter Macher war, denn sie gründeten ihr eigenes Label Deep Space, auf dem legendäre Tracks wie „Cosmic Cars“, „Industrial Lies“ oder „Techno City“ entstanden. Die Titel zeigen deutlich, dass es Juan Atkins zeitlebens wichtig war, sich inhaltlich mit Zukunftsvisionen, Science-Fiction, Maschinen und Visionen einer technologisch geprägten Zukunft auseinanderzusetzen.
Dazu passt es auch, dass er 1985 sein eigenes Label Metroplex gründete. Es wurde zu seiner musikalischen Spielwiese und zu einer wichtigen Plattform für die Entwicklung des Detroit Techno. Die erste Veröffentlichung „No UFOs“, die unter seinem Pseudonym Model 500 erschien, gilt bis heute als einer der wegweisenden Techno-Blueprints. In diesem Stück sind zahlreiche Elemente zu hören, die auch den modernen Techno bis heute prägen. Unter Model 500 entstanden einige seiner wichtigsten Veröffentlichungen. Dazu gehört beispielsweise „Deep Space“ aus dem Jahr 1995. Auch sein Projekt Infiniti gehört zu den wichtigen Stationen seiner Karriere.
Nicht vergessen werden darf außerdem 3MB featuring Juan Atkins. Das Berlin-Detroit-Projekt entstand mit Thomas Fehlmann und Moritz von Oswald. Mit Moritz von Oswald arbeitete Atkins auch unter dem Projektnamen Borderland zusammen. Aus dieser Kooperation gingen die Alben „Transport“ und „Borderland“ hervor.
Der Nachhall aus der Szene
Wenige Stunden nach Bekanntwerden des Todes von Juan Atkins zeigte sich in der Szene große Bestürzung. Auch an einem Sonntagnachmittag reagierten Weggefährten wie Richie Hawtin, Thomas Fehlmann, The Egyptian Lover usw. Sie teilten persönliche Einblicke und Erinnerungen an ihre Begegnungen mit Juan Atkins.
Man darf nicht vergessen, dass hier nicht irgendein Protagonist der Techno-Szene verstorben ist, sondern einer der Pioniere, der diese Musik sein ganzes Leben lang gelebt, geprägt und vorangebracht hat. Juan Atkins gehört zu den Mitbegründern des Techno. 64 Jahre ist kein Alter. Umso schwerer wiegt dieser Verlust, der kaum zu ersetzen sein wird.
Ruhe in Frieden, Juan Atkins.























