Im ersten Teil unseres Workshops zum Thema “Metal-Bass” haben wir uns mit der Harmonik und der Rhythmik dieses Genres beschäftigt. Heute werfen wir einen Blick darauf, mithilfe welcher Werkzeuge bzw. welchen Equipments wir typische Metal-Basssounds umsetzen können. Uns beschäftigen also Frage wie „Was sind die besten Metal-Bässe?“, „Was sind die besten Metal-Amps?“, „Was sind die besten Effektpedale für Metal?“ etc. Tatsächlich gibt es nämlich kaum eine andere Stilistik, für die es derart viel spezialisiertes Equipment gibt! Der Grund: Im Vergleich zu den meisten anderen Musikrichtungen ändern sich hier die Spielregeln komplett. Dies alleine ist schon mal ein sehr interessanter Aspekt und es lohnt sich, hier einmal genauer hin zu schauen.

(Bild: ZUMA Press, Inc. / Alamy Stock Photo)
Was ist das beste Pick für Metal-Bass?
Hier ist der erste Reflex zu sagen: “Je dicker, desto besser”, doch dem ist bei genauerem Hinsehen nicht wirklich so! Die Wahl des Picks ist nämlich in erster Linie Geschmacksache. Hier hilft wirklich nur das individuelle Experimentieren mit verschiedenen Plektrum-Ausführungen. Nahezu jedes Pick fühlt sich anders an und mit der Zeit stellt man fest, was man am liebsten in der Hand hat. Zudem gibt es die unterschiedlichsten Materialien, von denen einige trotz ihrer geringen Dicke relativ steif sind und der Saite mehr Widerstand leisten.
Apropos Saiten: Die Physik lässt sich freilich zu keinem Zeitpunkt besiegen. Spielt man z. B. aufgrund von Drop Tunings per se relativ dicke Saiten, so benötigt man auch stabilere Picks, entweder aufgrund ihrer Dicke oder härteren Materials. Ansonsten lässt sich die Saite nur schwer bewegen, man erzeugt vergleichsweise wenig Attack und kommt aufgrund der zu hohen Flexibilität des Picks bei schnellen Rhythmen nicht mehr hinterher. Drei grundlegende Faktoren gibt es bei der Wahl des Plektrums:
Material: Picks gibt es aus Kunststoff (Celluloid, Delrin, Nylon etc.), Metall, Glas, Knochen, Leder oder weiteren Materialien. Den allergrößten Anteil nehmen jedoch die Kunststoffe ein, welche sich hinsichtlich ihrer Eigenschaften (Haptik, Flexibilität, Abnutzung usw.) stark unterscheiden können. Hier muss man einfach mal verschiedene Picks in die Hand nehmen und eine zeitlang herumprobieren, um seinen persönlichen Favoriten in Sachen Handling und Sound zu finden.

Stärken: Auch hier gibt es eine schier endlose Auswahl. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Picks unter einer Stärke von 0,70 mm für Basssaiten weniger gut eignen. Die Stärke sollte man allerdings nicht isoliert betrachten, denn wie bereits erwähnt spielt das Material im Zusammenspiel mit seiner individuellen Flexibilität ebenfalls eine große Rolle. Dünnere Picks aus einem bestimmten Kunststoff können daher steifer sein als dickere aus einem anderen Material. Auch hier kommt man um Ausprobieren also nicht herum.
Form: Die klare Nummer 1 ist wohl die klassische „351“-Form. Danach folgt die Tropfenform und mit etwas Abstand dahinter das Triangle, zu Deutsch „Dreieck“. Dieses bietet der Hand mehr Fläche und verzeiht daher auch schon mal ein Verrutschen in der Hand. Alle anderen Formen – wie kleine, spitze Jazz-Picks, Teardrop oder Sharkfin wurden unterm Strich für spezielle Gitarren-Spieltechniken entwickelt. Für das (Metal-)Bassspiel dürften sie daher – Ausnahmen dürften hier die Regel bestätigen – eher ungeeignet sein.
Nachfolgend präsentiere ich euch hier meine persönlichen Favoriten – je nachdem, welcher Sound oder welches Genre gefragt sind. Diese Auswahl kann Neulingen sicherlich als kleine Orientierung dienen.

Falls möglich, empfehle ich von ein oder zwei Marken ein Mix-Pack, um verschiedene Picks auszuprobieren. Und siehe da; die Firma Dunlop hat sogar ein Pack speziell für Bassistinnen und Bassisten:
Was sind die besten Bass-Saiten für Metal?
Ähnlich wie bei den Picks ist die Wahl der Saite zum großen Teil Geschmacksache. Die Haptik der Oberfläche, die Steif- bzw. Weichheit, die dynamische Rückmeldung der Saite etc., empfindet jede(r) unterschiedlich. Allerdings gibt es auch hier wieder ein paar Faktoren, welche bestimmte Saiten für Metal prädestinieren.
Material: In der Regel ist ein aggressiver Sound mit viel Attack das Ziel. Dafür sind Roundwound Strings in der Regel die beste Wahl, bei denen der Kern (auch „Saiten-Seele“ genannt) mit Runddraht umwickelt ist. Dieser Runddraht besteht entweder aus mit Nickel legiertem Stahl (Nickel Plated Steel) oder reinem Stahl (Stainless Steel). Letzteres klingt brillanter, bietet mehr Höhen und Bässe und ist gleichzeitig etwas weniger präsent in den Mitten als die Variante mit Nickellegierung. Daher eignen sich Stainless-Steel-Saiten besonders gut für Metal-Basssounds – sind andererseits aber auch keine gesetzte Voraussetzung. Wie unterschiedlich hier die Geschmäcker sind, zeigt sich zum Beispiel daran, dass Iron-Maiden-Boss Steve Harris bis heute begeisterter User von Flatwound-Saiten ist.

Stärke: Drop Tunings waren früher eine Ausnahme, heute sind sie aus dem Metal nicht wegzudenken. Häufig sind Gitarren und Bässe um einen bis zwei Halbtöne tiefer gestimmt, die tiefste Saite mitunter sogar um zwei weitere Halbtöne. Die weit verbreitete Standard-Stärke von Basssaiten mit 0.45 bis 105 besäße dabei nicht mehr genug Spannung und würde nur „schlabberige“ Nebengeräusche verursachen. Damit das Verhältnis zwischen Stimmung und Stärke beziehungsweise Saitenspannung wieder stimmt, müssen also die Saiten zwangsläufig dicker werden. Für diesen Zweck bietet mittlerweile nahezu jeder Hersteller entsprechende Sets für Drop Tunings an.
Konstruktion: Manche Hersteller gehen aber noch einen anderen Weg und experimentieren mit verschiedenen Materialien. Wird die Saite sehr dick, lässt sie sich leider unweigerlich auch schwerer spielen und bringt eine hohe Eigendämpfung mit – sprich: sie bremst sich aufgrund der hohen Masse selbst schneller aus. Daher verwenden einige Hersteller einen steiferen Kern, um somit die Saite trotz tiefer Stimmung dünner halten zu können.
Was sind die besten E-Bässe für Metal?
In so ziemlich allen Genres dominieren nach wie vor die beiden Klassiker P-Style und J-Style Bass. Dies gilt auch für bereits härtere Gangarten wie Punk oder Hardrock. Überschreiten wir aber die Schwelle hin zum Metal, so ändern sich die Spielregeln: P-Style und J-Style haben hier eher ausgedient bzw. kommen eher in modernen Interpretationen vor.
Die meisten ausgewiesenen Metal-Bässe setzen auf zwei Humbucker-Pickups oder die Kombination aus einem Humbucker und einem anderen Tonabnehmer. Auch die P/J-Konfiguration ist hier sehr beliebt. Meist werden die Tonabnehmer darüber hinaus mit einer aktiven Elektronik kombiniert. Beliebt sind auch EMG-Pickups, welche von vornherein aktiv ausgelegt sind, was bedeutet, dass ein Preamp bereits im Tonabnehmer verbaut ist.
All diese Features führt zu einem mächtigen, drückenden und gleichzeitig transparenten Sound mit viel Attack. Durch den hohen Output der genannten Tonabnehmer-Konfigurationen plus aktiver Elektronik lässt sich auch sehr gut aus Verzerrer-Pedalen das Maximum herauskitzeln.

Während in nahezu allen anderen Genres Branchen-Primus Fender dominiert, sind in Sachen Metal Bass die folgenden Firmen führend: Spector, Dingwall, Ibanez, Warwick, ESP und andere.
Schon länger ist zudem ein Trend hin zu Instrumenten mit gefächerten Bünden (Fanned Frets, Multiscale) zu beobachten. Diese Konstruktion bietet den tieferen Saiten eine längere Mensur und sorgt auf diese Weise für ein sehr transparentes und knackiges Low End sowie einen schon fast Piano-artigen Ton. Dingwall setzte schon in den 90er-Jahren auf Multiscale-Bässe, andere Firmen folgten aufgrund von Patentrechten ab dem Jahr 2009.

Was sind die besten Bassverstärker und Bassboxen für Metal?
Hier kommen einem natürlich die üblichen Verdächtigen wie Ampeg, Orange und Darkglass in den Sinn. Die ersten beiden färben den Sound schon in die richtige Richtung und liefern viel Sättigung bzw. Overdrive. Die finnische Company Darkglass spendiert ihren Topteilen sogar ab Werk bereits die beliebtesten Verzerrer aus ihrem Produkt-Portfolio.

Allerdings ist auch dieses Thema mal wieder eine Sache der individuellen Vorlieben bzw. der eigenen Philosophie von Klang: Erreicht man nämlich den eigenen Signature-Sound z. B. mithilfe eines oder mehrerer Pedale, so kann ein cleaner, relativ neutraler Verstärker durchaus die bessere Wahl sein als ein Exemplar, welches den Sound von sich aus massiv färbt.
Ich persönlich habe durchaus schmerzlich erfahren müssen, wie der Sound eines Pedals „gegen“ den färbenden Sound des Verstärker gearbeitet hat. In diesem Fall kann deshalb eine neutral klingende Plattform eindeutig die bessere Wahl sein!

Was sind die besten Effekte für Bass im Metal?
Letztendlich kann man nahezu jedes Overdrive- oder Distortion- oder Fuzz-Pedal verwenden. Tatsächlich muss man aber feststellen und anerkennen, dass es die finnische Company Darkglass Electronics war, die sich als erste des Themas „High Gain“-Metal-Basssound ernsthaft angenommen hat.
Bis heute nehmen die Finnen die Spitzenposition in diesem Marktsegment ein, denn ein Großteil der am Markt erhältlichen Pedale hört klanglich bei Rock bzw. Hardrock auf.

(Bild: Gonzales Photo / Alamy Stock Photo)
Welche Preamps und Modeller sind die besten für Metal-Bass?
Das Metal-Genre ist auch ein großer Katalysator in Sachen Amp-Modelling und Cab-IRs. Verzerrung klingt ohne einen Lautsprecher leider immer etwas harsch, daher sind Cab Sims im Metal nahezu obligatorisch. Pop-, Funk- oder Soul-Basssounds kommen da schon häufiger ohne aus. Folglich scheint sich der Markt stark am Metal-Genre zu orientieren – zumindest gibt es auffallend viele Preamps, die in diese Richtung zielen.
Habt ihr besondere Equipment-Vorlieben für das Genre Metal-Bass? Dann schreibt uns doch eure Tipps in die Kommentare – wir freuen uns über Anregungen!
Viel Spaß beim Abrocken und alles Gute, Thomas Meinlschmidt






