Stem-Separation für Producer & DJs

Die Entwicklung von Stem-Separation lässt sich mit der Entwicklung von Timestretching gut vergleichen. Mit Hardware-Samplern der Neunziger dauerte das Stretchen eines simplen Drumloops oft noch die ganze Nacht! 1998 kam dann Sony Acid, gefolgt von Ableton Live 2001.

DAWs, Apps und Plugins, Online Tools oder DJ-Software: Was passt zu mir?

Diese DAWs machten das Timetretching in Echtzeit möglich! Die Soundqualität ließ zu wünschen übrig, doch der Anfang war gemacht. Mittlerweile beherrschen alle DJ-Softwares und DAWs die Manipulation von Tonhöhe und Zeit in hoher Qualität.

Stem-Separation hingegen ist gefühlt auf dem Stand von Ableton Live 1.0: Verblüffend effektiv und trotzdem noch voller Artefakte – aber selbst die können bekanntlich künstlerisch genutzt werden!

Stem-Separation in Kürze:

  • Vier-Stem-Separation ist Industriestandard, qualitativ ausgereift – aber überwiegend ein Offline-Prozess
  • Echtzeit-Lösungen und Hardware-Integration stehen vor dem Durchbruch
  • Beste Ergebnisse liefert Logic, Ableton holt auf, iZotope bleibt Spezialist
  • DJ-Software ebenfalls gut, aber mit Einschränkungen

Gang of Four & Status Quo

Beim Stemming hat sich inzwischen ein klarer Vierer-Standard etabliert: Die meisten DJ-Softwares und DAWs zerlegen Stereo-Files algorithmisch in Drums, Bass, Vocals und „Other“-Instrumente.

Den konzeptionellen Startpunkt setzte Native Instruments 2015 mit dem kommerziell wenig erfolgreichen STEMS-Format. Einen Technologiesprung lieferte Sony 2018 mit einem praxis­tauglichen Separation-Modell. 2019 öffnete Deezer die Stem-Trennung für den Massenmarkt.

Zur heutigen Reife geführt wurde das Verfahren durch Entwickler wie iZotope, Audionamix, Serato sowie Music.AI – deren Technologien inzwischen auch in Ableton (seit Version 12.3) integriert.

Charakteristisch für diese Systeme ist die Offline-Berechnung: Stereo-Signal wird vorab in vier oder mehr Stems zerlegt – mit hoher Qualität und ohne Echtzeitfähigkeit. Parallel dazu arbeitet zplane an Realtime-Separation, aktuell jedoch noch mit spürbarer Latenz.

Auch Hardware-Plattformen verfügen inzwischen über genügend Rechenleistung für Stem-Splitting, etwa aktuelle Systeme von Akai. DJ-Controller können Stems wiedergeben – die eigentliche Trennung erfolgt jedoch weiterhin in externer Software.

Wofür sind Stems gut?

Mal eben Vocals aus dem Lieblingstrack ziehen und in der eigenen Produktion verwenden: Das ist easy machbar – und genau deshalb schauen viele Künstler kritisch auf die Entwicklungen. Mit Stems ist es eben nun noch einfach geworden, Urheber- und Leistungsrechte zu verletzen. Lang lebe der Bootleg!

DAT-Kassette vor Computer-Bildschirm
DAT klappt: Mit Stem-Separation erweckt man alte Stereoaufnahmen zu neuem Leben.

Auf der anderen Seite tun sich dank Stem-Technologie auch viele kreative und faszinierende Möglichkeiten auf:  

  • Restauration der eigenen Arbeit durch Zugriff auf alte Sounds: Eigene Tracks, die ohne moderne DAW direkt in Stereo aufgenommen oder gerendert wurden, können jetzt endlich auseinandergepflückt und neu abgemischt werden.
  • Bereitstellung von Remix-Files: Sounds können dank Stem-Technologie aus den Stereo-Masters herausgezogen und für Remixes oder Live-Performances aufbereitet werden.
  • Levels neu mischen: Ist der Gesang zu laut oder sind die Drums zu leise? Mit Stem-Separation kann man das oft fixen, ohne erneut ins Studio gehen zu müssen.
  • Regrooven: Alte, untight gespielte Aufnahmen können dank Stems und z. B. Ableton Lives Warp-Technolgie endlich in den richtigen Groove gebracht werden.
  • Übungsmaterial: Wie spielt der Drummer oder der Bassist seinen Part? Mit Stems lassen sich die Instrumententeile zum Üben und Nachspielen extrahieren.
  • Sounddesign: Mit den separierten Synthesizern einer Aufnahme lassen sich die Sounds viel einfacher nachprogrammieren.

Welche Tracks eignen sich für Stem-Separation?

Stem-Separation kann man an jedem Musikstück ausprobieren. Viele Tools und Algorithmen bieten keine Einstellmöglichkeiten und somit wird es eh ne bunte Wundertüte, wie das Ergebnis am Ende klingt.

Generell lässt sich aber schon sagen, dass sich aufgeräumte, sauber produzierte Tracks natürlich sehr viel besser in Stems aufbrechen lassen als Stücke mit vielen Harmonischen wie verzerrte Gitarren, Flöten oder Glocken

Stem-Splitter kommen auch viel besser mit Stücken klar, in denen alle Elemente gut getuned sind. Starkes Übersprechen von Geräuschen hat mit der Qualität des Stem-Algorithmus ebenso viel zu tun wie das Ausgangsmaterial selbst.

Audio Samples
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Bonedo House Test Track 

Aus Gründen des Urheber- und Leistungsschutzrechts nutze ich für die Audiobeispiele einen lizenzfreien House-Track mit Gesang aus der Dose. 

Womit erzeugt man Stems?

Es gibt drei große Gruppen: DAWs, Apps und Plugins, Online-Tools und DJ-Software. Alle haben ihre Vor-und-Nachteile und wir versuchen, euch einen Überblick über diesen sehr dynamischen Markt zu geben.

Collage von Plugin, Online-Tool und DJ-Software-Screenshots
DAWs, Apps und Plugins, Online Tools oder DJ-Software: Was passt zu mir?

DAWs, Apps und Plugins

Fast jede DAW, die etwas auf sich hält, integriert mittlerweile Stem-Separation. Der Vorteil: Man kann meist ohne Umschweife direkt mit den Stems weiterarbeiten, ohne den Workflow zu ändern.

Logic 11.2.2

Logic 11 war die erste „klassische“ DAW mit Stem-Separation. Als Ableton-User sich gedulden mussten, waren Logic-User bereits begeistert von der neuen Wunderwaffe auf dem Desktop.

Screenshot Logic 11.2.2
Logic11.2.2 beherrscht bereits eine verblüffend gute Trennung von Piano, Gitarre und den restlichen Instrumenten.

Mit Version 11.2.2 hat Logic nach wie vor die Nase vorn: In unserem House-Track-Test gelang hier eine überragend saubere Trennung zwischen Piano, Gitarre und den anderen Instrumenten. Viele andere Mitbewerber scheitern daran bislang noch.

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Stem-Zusammenschnitt Logic 11.2.2: Vocals, other, Guitar, Piano, Bass, Drums 

Ableton Live 12.3

Die Berliner haben sich wie immer Zeit gelassen, bis mit Live 12.3 Stem-Separation kam, in dem der Algorithmus von Music.AI praxisnah eingebaut wurde. Lives Spalt-Algorithmus ist prinzipiell ein Bounce-in-Place auf Stereoiden, für die Ableton Live Software UND den standalone-controller Push 3.

Der Algorithmus funktioniert offline – mit relativ langer Rechenzeit – und erzeugt die üblichen Standardgruppen Vocals, Drum, Bass und Other. Ihr könnt hier allerdings auch nur selektierte Stems erstellen – also zum Beispiel nur Bass und Vocals. Ferner könnt ihr zwischen hoher Geschwindigkeit oder hoher Qualität wählen.

Screenshot Ableton Live 12.3
In Ableton Live 12.3 lassen sich nur selektierte Spuren als Stems heraus bouncen. 

Anschließend wird der Original-Clip deaktiviert und eine neue Group mit entsprechenden Tracks kreiert, die direkt und ohne umständliches Importieren zur Verfügung stehen. Die Beatgrids des Stereotracks werden in allen erzeugten Stems übernommen, was sich ebenfalls in einem schnellen Workflow bemerkbar macht.

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Dank Warp-Markern besteht die verlockende Möglichkeit, Ungenauigkeiten, zum Beispiel im Bass oder den Drums, ohne Umschweife zurechtzurücken. Der Ableton-Stem-Separation-Algorithmus scheint eine vernünftige Qualität zu haben: die Vocals klingen sauber, während die “Other”-Spur hingegen deutliche Artefakte der anderen Spuren aufweist. Die Bassspur klingt zunächst schön lebendig mit spürbaren Bass-Anteilen – verliert allerdings sobald der Snarewirbel reinblutet. Die Bassdrum in der Drumspur hat ordentlich Pfund, aber gegen Ende ebenfalls deutlich Bleed von der Vocalspur.

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Stem-Zusammenschnitt Ableton Live 12.3: Vocals, Other, Bass, Drums 

Serato Studio

Serato nutzt ein eigenes Stem-Separation-Modell mit Fokus auf knackige Transienten sowie DJ- und Remix-Tauglichkeit. Drums und Vocals weisen geringe Artefakte auf, weswegen sich Serato Studio gut für Musik wie Hip-Hop eignet, wo es auf Beats und Vocals ankommt. Freundlicherweise schreibt Serato beim Export gleich die BPMs und die Tonart ins File. Auch die Vocals unseres House-Tracks bringt Serato Studio ziemlich artefaktfrei zur Geltung. 

Screenshot Serato Studio
Die Vocals unseres House-Tracks in Serato Studio. 
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Serato Studio Vocal Stem

Zplane PEEL + PEEL STEMS

Zplane lizensieren ihre SDKs wie Elastique (Timestretching) und STEMS an verschiedene Partner.  Die eigenen Produkte PEEL und PEEL STEMS laufen als Plugin in der DAW und funktionieren in Realtime, aber mit hoher Latenz (ca. 1 Beat).

In PEEL könnt ihr musikalische Ereignisse isolieren, vorhören, mit externen Plugins bearbeiten und auf beliebige Spuren in der DAW routen. PEEL ist ein spezialisiertes Sounddesign-Tool, um zum Beispiel eine Snare in einem Drum-Loop zu isolieren und ihr etwas Hall zu geben. 

Aber Zplane hat mit PEEL Stems auch ein geradliniges Stem-Separation-Plugin im Angebot. Hier können wir vier Gruppen (Drums, Bass, Vocal, other) mischen, muten, klanglich isolieren und als separate Outputs in die DAW routen, hier gezeigt am Beispiel von Ableton Live.

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Natürlich kann man die entsprechende Spur auch in Live in-place bouncen – oder auch gleich den Ableton-eigenen Stem-Separation-Algorithmus verwenden, den es mittlerweile gibt. 

PEEL ist mit der What-you-hear-is-what-you-get-Soundisolierung allerdings flexibler und daher eine gute Ergänzung für Sounddesigner. 

Die Echtzeitfähigkeit ist derzeit das große Alleinstellungsmerkmal von Zplane und der nächste große Schritt in Sachen Stem-Separation

In unserem Audiobeispiel mit PEEL STEMS 1.0.3 hören wir, dass sich einige Vocals in die Instrumentenspur verirrt haben und auch Drums und Bass nicht so knackig klingen wie andere Mitbewerber. Als Echtzeit-Processing-Plugin kann PEEL sehr nützlich sein, während einige Mitbewerber in Sachen Stem-Separation schon deutlich besser und praktischer sind. 

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Stem-Zusammenschnitt PEEL STEMS: Vocals, other, Bass, Drums 

iZotope RX 11

RX ist ein hochwertiges Master- und Musikrestaurationstool, mit dessen „Musik Rebalance“-Feature ihr die Lautstärke der vier Gruppen (Drum, Bass, Vocals und andere Instrumente) neu mischen könnt. Dank Sensitivity-Regler könnt ihr sie außerdem von den anderen Gruppen abgrenzen.

Per „Stem Split“-Befehl erhaltet ihr vier weitere Tabs mit den gesplitteten Spuren, die ihr nun mit den fortschrittlichen Tools von RX 11 weiter optimieren könnt. Das erlaubt hochprofessionelles Arbeiten zu einem saftigen Preis von 1.449 Euro.

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iZotope RX 11 Advanced Download
iZotope RX 11 Advanced Download
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iZotope RX11 trennt die Drums dafür aber auch präzise aus dem House-Track. Sehr schön, wie die tiefe Bassdrum im Break den Puls setzt und die Reverse-Cymbal und Claps Crisp darüberspielen.

Die Bassspur zeigt die Kehrseite der guten Bassresponse im Drumtrack: Die Anteile der Kickdrum im Break sind deutlich zu hören. Auch sonst hat die Bassspur tiefe Frequenzen spürbar an die sehr gute Drum-Spur verloren. Der „Bleed“ hält sich dafür in akzeptablen Grenzen.

Der Instrumental-Stem offenbart trotz hoher Qualität die aktuellen Grenzen von Stem-Separation: Hohe Percussion- und Bassanteile sowie Gesangsfetzen suppen in die Spur hinein. Im Mix mit anderen Quellen ist das Ganze aber trotzdem brauchbar.

Der Vocal-Track erhält deutlich mehr „Bleed“ aus anderen Quellen, und das bei recht hoher Klangqualität. Die stillen Stellen bleiben fast unberührt. 

Screenshot iZotope RX11
iZotope RX11 erlaubt nicht nur intuitives Stem-Splitting, sondern auch präzise Nachbearbeitung bis ins kleinste Detail. 

Reine Stem-Separation ist hier eigentlich eher Beifang und auch der One-by-One-Exportprozess ist im Vergleich zu DAW-basierten Stem-Split-Lösungen etwas langwierig. iZotope gehört mittlerweile zu Native Instruments, sodass man dieselben Algorithmen auch in Maschine 3 und Traktor Pro 4 findet – in gefühlt geringerer Qualität, aber zum Bruchteil des Preises. Aktuell ist der Konzern zwar in der Insolvenz, aber das wird sicherlich nicht lange so bleiben.

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iZotope RX11 Stems- Zusammenschnitt: Drums, Bass, other, Vocal

Native Instruments Maschine 3

In Maschine 3 werkelt ebenfalls der iZotope-Algorithmus, allerdings liefert er nicht so gute Ergebnisse wie im iZotope-Flaggschiff: mehr Bleed in Vocals und Instrumental, weniger Wucht in Bass und Drums. Dafür ist der Stem-Separation-Workflow auf das bewährte Maschine-Konzept angepasst. Stem-Erstellung geht nur mit allen vieren auf einmal. Nach Abschluss erstellt Maschine automatisch eine neue Group.

Maschine 3 zaubert aus einem Stereotrack eine neue Group mit vier Stem-Samples.

Die ersten vier Pads enthalten jeweils einen Stem in einem eigenen Sampler. Die Stems werden auch als einzelne Samples im Maschine-Content-Ordner abgelegt, wo sie lokalisiert und weiter verwertet werden können, zum Beispiel in Maschine+. Stand-alone und ohne potente Computerunterstützung funktioniert Stem-Separation bei Maschine+ noch nicht und ob das nach der im Januar 2026 angekündigten Insolvenz von Native Instruments jemals passieren wird, steht noch in den Sternen. 

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Native Instruments Maschine MK3 Black
Native Instruments Maschine MK3 Black
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Maschine 3 Stems-Zusammenschnitt: Vocal, other, Bass, Drums

Akai Pro MPC

Auf der MPC-Hardware kann man Stems nun auch berechnen, das MPC STEMS Add-ON macht es möglich. Die MPC 2 Desktop Software Version 2.14 nutzt den hochwertigen Zplane-Algorithmus. Auf der MPC-Groovebox-Systemen läuft hingegen ein effizienter programmierter Algorithmus, der zur Berechnung mehr als drei mal mehr Zeit benötigt, siehe Akai Website.

Auch die MPC-Hard-oder-Software erzeugt das klassische 4-Stem-Modell – entweder alle vier oder individuell nach Wahl. Der Fokus liegt auf Beat- und Hip-Hop-Tauglichkeit. Er klingt ähnlich gut wie Serato Studio, allerdings nicht so gut wie Logic 11.2.2 oder Ableton Live 12.3.

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In diesem offiziellen Akai-Video erkärt Produktspezialist Andy Mac sehr eindrucksvoll und emotional, was mit Stems alles möglich ist.

Hit ‘n Mix RipX

RipX war eines der ersten Stem-Separation-Tools überhaupt und hat mit RipX DAW Pro 8 mittlerweile eine DAW am Start, die sich als „first AI DAW“ mit voller Kontrolle über Noten, Harmonien und Sound präsentiert. Sie geht damit weit über reine Stem-Separation hinaus.

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RipX DAW bietet mehr als die üblichen vier Stems an und legt diese nach etwas Berechnung in einem Folder ab: Neben Drums, Bass, Voice und anderen Instrumenten separiert RipX auf Wunsch auch Piano und Gitarre – oder zumindest das, was es dafür hält.

RipX separiert zusätzlich Gitarre und Piano – oder zumindest das, was es dafür hält.

Bei unserem Bonedo-House-Test-Track sind das einige Gitarren-Restbestände und ein letzter Piano-Ton ganz am Ende eines leeren Files, wie ihr in unserem Soundbeispielzusammenschnitt hören könnt. Kein Vergleich zu Logic 11.2.2. Auch andere Experimente mit RipX haben gezeigt, dass die Trennung zwischen other, Gitarre und Piano nur selten hilfreich ist und man in der Regel ohne „Separate Guitar & Piano“-zu besseren Ergebnissen kommt. Dafür erkennt RipX die Hall-Anteile auf dem Gesang sehr gut. Probiert das ruhig selbst mit eurer Musik aus, denn RipX DAW Pro kann man 21 Tage umsonst testen.

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Stem-Zusammenschnitt RipX: Vocals, other, Guitar, Piano, Bass, Drums 

LANDR

LANDR startete als Online-Mastering-Plattform und bietet mittlerweile eine Vielzahl von Plugins und Audio-Tools. Für LANDR Stems (vier Stems, powered by Audio Shake) benötigt man mindestens den Standardplan für 15,99 Euro netto im Monat oder 119,88 Euro netto im Jahr.

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Dafür bekommt man ein Komplett-Bundle zum Produzieren, Mastern und zur Distribution von Musik. LANDR splittet in vier Stems, die heruntergeladen und offline weiterverarbeitet werden können.  Auch LANDRs nutzt das Stem-Separation-Modell von Audioshake.

Audioshake

Warum dann nicht gleich das Original? Als eigenen Service erlaubt Audioshake das Separieren von bis zu 12 Stems – aufgeteilt wird hier in Lead Vocal, Backing Vocal, Piano und das, was der Algorithmus als „Guitar“ identifiziert. Man kann eine kurze Passage der Ergebnisse vorhören und einzelne oder alle Spuren als mp3 oder WAV herunterladen. Für den Download einzelner mp3-Spuren zahlt man zwischen 10 US-Dollar (z. B. Drums) und 20 US-Dollar (Lead Vocal), für das komplette Instrumental 25 US-Dollar und für alle mp3s 50 US-Dollar. WAVs kosten natürlich mehr, das Komplettpaket eines Songs muntere 89 US-Dollar. Abo-Modelle liegen zwischen 421 US-Dollar  und 1.069 US-Dollar pro Jahr.

Die Qualität gehört allerdings zum Besten, was es gerade auf dem Markt gibt – nahezu artefaktfrei und ohne diese harschen Badezimmerfrequenzen, die anderen Stem-Separation-Algorithmen oft anhaften. 

Wer häufig Edits und Remixes macht, fährt mit einer DAW defintiv besser, aber wenn es mal wirklich besonders qualitativ hochwertig sein soll, ist Audioshake eine Überlegung wert.

Screenshot Audioshake
Das Online-Tool Audioshake bietet eine besonders scharfe Trennung von bis zu 12 Stems, die es einzeln oder als Bundle zu kaufen gibt.
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Stem-Zusammenschnitt Audioshake: Leadgesang, Backing-Vocals, Piano, Bass, Drums 

LALAL.AI

LALAL.AI startete als Online-Vocal-Remover-Tool und bietet mittlerweile auch Stem-Separation an. Kostenlos kann man hier aber höchstens den Vocal-Remover in der Vorschau ausprobieren. Um an die anderen Stems in voller Länge heranzukommen, muss man ein Abonnement abschließen. Hier zahlt man für Lite 81 Euro im Jahr, für pro 162 Euro im Jahr. Die Qualität der Gesangsspur ist dafür durchaus passabel.

Mit dem Free Plan kann man einen Ausschnitt des A-capella und des Instrumentals abhören. Der Download aller Stems benötigt ein Abo.

Screenshot LALAL.AI

10_STEM_Separation.wav

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Zusammenschnitt LALAL.AI: A-capella und Instrumental Stem

Spleeter by Deezer

Die französische Musik-Streaming-Plattform Deezer hat mit Spleeter 2019 tatsächlich
das erste Stem-Tool online gestellt und damit einer breiten Masse Stem-Separation zugänglich gemacht. 

Mittlerweile wirkt Spleeter im Vergleich aber altbacken – sowohl im Look als auch im Sound. Man muss sich per Google-Account einloggen und ein Mp3 hochladen (kein WAV möglich). Anschließend kann man dieses dann wahlweise in zwei (Vocals + Instrumental), vier (Vocals, Piano, Drums + Bass) oder fünf (Vocals, Piano, Drums, Bass + other) Mp3-Stems aufbrechen.

Allerdings muss man dafür dem „Guy“ für 10 Euro „einen Kaffee kaufen“, denn „der Online-Dienst Spleeter.online läuft von seinem Heimcomputer aus.” Echt jetzt?

Screenshot Spleeter by Deezer
Buy the Guy a Coffee – erst dann gibt’s die Stems in Mp3-Qualität.

Native Instruments Traktor Pro 4

NI haben das Stem-Format für DJ-Software bereits 2015 erfunden. Logischerweise werden auch die seit neuestem von Traktor generierten Stems in den gewohnten Stem-Decks abgespielt. Für die vier üblichen Stems (Drums, Bass, Other, Vocals) stehen dort dann jeweils ein Mini-Mixer mit Lautstärke, zwei Effektsends und ein bipolarer Filter zur Verfügung. Traktor-typisch kann man diesen auch von Controllern wie NIs Kontrol D2 oder dem Faderfox PC44 fernsteuern.

Traktor Pro 4 stellt auch die selbst erstellten Stems wie gewohnt in den seit über zehn Jahren bekannten Stem-Decks dar. Der Minimixer erlaubt das Jammen mit den Spuren, der Maus oder mit Controllern. 

Traktor Stems greifen auf die Technologie von iZotope RX zurück und bürgen für erstaunlich gute Qualität und Flexibilität, dank der direkten Einflussmöglichkeiten mit DJ-Techniken und Effekten. Der Separationsalgorithmus scheint die Transienten in den Drums zu präferieren und zieht sie von der Bass- und Other-Spur ab. Dadurch sind die Drums schön knackig, während die anderen Spuren einen leichten Pump-Effekt haben, der im DJ-Set aber nicht störend wirkt, im Gegenteil.

Möchte man ein Stem für Produktionszwecke exportieren, so geht das nur über Solo-Schalten und interne Echtzeitaufnahme. 

Audio Samples
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Zusammenschnitt Traktor Pro 4 Stems: Vocal, Other, Bass, Drums
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Native Instruments Traktor Pro 4 Download
Native Instruments Traktor Pro 4 Download
Kundenbewertung:
(10)

Serato Studio

Serato stellte Stems bereits in Version 3.0 vor. Hier gibt’s den gleichen Stem-Separation-Algorithmus wie in Serato Studio. Das Modell hat man auf eine geringe Latenz und knackige Transienten optimiert. Die Stems werden automatisch im Hintergrund erstellt, ein direkter Stem-Export ist aber – typisch DJ-Software – nicht vorgesehen. Auch hier geht der Exportweg über Soloschalten und Echtzeitaufnahme. 

Immer mehr Controller unterstützen Serato Stems und erlauben so das Stem-Mixing mit der Konsole, die zum persönlichen DJ-Stil passt.

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AlphaTheta rekordbox 7.2.9

Rekordbox stellt im Performance Mode ebenfalls Stems zur Verfügung, wenn auch nur drei: Drums, Vocals und die restlichen Instrumente. Damit orientiert sich AlphaTheta an den Grundbedürftnissen von DJs, die einfach mal ein A-capella über einen anderen Beat legen oder den Beat auch mal allein separieren wollen. Die Qualität ist vergleichbar mit Serato DJ und damit brauchbar für DJ-Sets. Der Export der Stems ist natürlich auch nicht vorgesehen. 

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Zusammenschnitt rekordbox 7.2.9 Stems: Vocal, Instrumente, Drums

Virtual DJ

Virtual DJ überrascht mit einer sehr schnellen Echtzeitberechnung, einer guten Qualität, der Separation von Kick und Hi-Hat sowie einer zusätzlichen Separierung der Effektanteile einzelner Instrumentengruppen. Wobei man von der Kick- und Hi-Hat-Separation nicht zu viel Detail erwarten darf: In unserem House-Test-Track hat Virtual DJ auch Hi-Hat und Cymbals zum Kick-Stem dazugezählt – also Instrumente, die die Hi-Hat-Stem-Gruppe ebenfalls mitspielt. Hier ergibt sich einfach eine gute und effektive Möglichkeit, die Kickdrum auszublenden. 

Die Vocals werden bis auf ein wenig Bleed sauber ausgeschnitten, die Instrumentenspur klingt dagegen bei keinem der getesteten Songs gut.

Screenshot Virtual DJ
Virtual DJ erlaubt eine Aufteilung der Drums in Kick und Hi-Hat (Sort of) und zeigt sogar die Lyrics an.

Auch hilfreich: Virtual DJ analysiert die Songlyrics und zeigt sie mitlaufend in Klartext an. Der Einsatz von STEMS 2.0 wirklich kinderleicht, wozu auch die dedizierten Taster für A-capella und Instrumental beitragen. Und weil Virtual DJ „für den Heimgebrauch kostenlos“ ist, ist es eine dicke Empfehlung wert.

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Zusammenschnitt Virtual DJ Stems: Vocal, Other, Bass, Drums Zusammenschnitt Virtual DJ Drumspur: Kick und Hihat 

djayPro

djayPro war eine der ersten DJ-Apps, die Stem-Splitting anbot – und zwar in einem sehr DJ-gerechten Verfahren. Die Neural Mix Engine stellt auf ihrem GUI Mute-Buttons und Lautstärkeregler für Drums, Bass, Melody und Vocals zur Verfügung, aber auch der EQ von App oder angeschlossenem Controller lässt sich zum Stem-Mixer umfunktionieren. Sehr praxisnah, aber auch nicht umsonst: Für diesen Trick benötigt die kostenlose App nämlich die Neural Mix Engine der Pro-Version.

Screenshot djayPro
Das Interface von djayPro ist easy für Stem-Separation-Novizen.

Und für die Pro-Freischaltung verlangt Algoriddim 49,99 Euro pro Jahr, woran man von einem Pop-up-Window auch ständig erinnert wird, sobald man ein Stem-Separation-Element bedient. Im Soundbeispiel habe ich deswegen die einzelnen Elemente immer nur so lange solo geschaltet, wie es das Pop-Up-Window zuließ. Ich denke aber, das genügt, ums ich einen Eindruck von der Soundqualität zu machen. Auch für die Echtzeitaufnahme der Stems braucht ihr die Pro-Version.

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Zusammenschnitt djayPro Stems: vier Stems nacheinander solo geschaltet.

Denon Engine DJ 4.2

Auch Engine DJ erzeugt ab Version 4.2 Stems und nutzt dafür den Zplane-Algorithmus, der auch in PEEL STEMS werkelt. Die Stems werden in der Computersoftware zuerst gerendert, bevor sie auf der Stand-alone-Hardware abgespielt werden können.

Prime 4+-User kommen umsonst in den Genuss, alle anderen müssen die Stems-Unlock-Lizenz für einmalig 9.99 US-Dollar hinzukaufen, was ein vergleichsweise faires Angebot ist. Mit dem Rane System One gibt es es sogar eine völlig autarke Konsole mit integrierter Engine DJ-Software, die Stand-Alone Stems erzeugen kann.  Der Denon-Stem-Workflow wird in diesem Video gut erklärt.

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Zusammenfassung: Stem Separation

Die Stem-Separation-Technologie steht trotz ihrer aktuellen Qualität noch am Anfang und wird sich weiter deutlich verbessern. Schon jetzt wirkt es fast wie Zauberei, wenn Gesang, Drums, Bass und Begleitinstrumente aus einem Stereofile sauber freigestellt werden.

Für Edits, Vocals, Drumloops und DJ-Mixes sind die Ergebnisse bereits sehr gut nutzbar – insbesondere bei hochwertigen Original-Aufnahmen mit sauberer Stimmung der einzelnen Spuren. Für echte High-End-Remixe oder vollständige Neuabmischungen aus Stereomaterial reicht die Qualität aktuell noch nicht ganz aus. Hier ist noch etwas Geduld gefragt.

Spannend ist allerdings, dass Stem-Separation inzwischen auch Stand-alone funktioniert – etwa mit Ableton Push 3, aktuellen MPC-Systemen von Akai oder dem RANE ONE. Grundsätzlich lohnt es sich, mehrere Engines mit dem eigenen Material zu testen. Die Algorithmen unterscheiden sich teils deutlich, und ein schneller Vergleich bringt oft die besten Ergebnisse.

Im DAW-Bereich setzt aktuell Logic Pro (ab Version 11.2.2) Maßstäbe – insbesondere bei der präzisen Trennung von Piano, Gitarre und weiteren Instrumenten. Als Ableton-User bin ich mit der in Ableton Live 12.3 integrierten Lösung für Edits dennoch zufrieden: Die Qualität ist solide und der Workflow extrem schnell.

Wer maximale Audioqualität und umfangreiche Nachbearbeitungs-Möglichkeiten sucht, ist mit iZotope RX 11 hervorragend bedient. Ohne lokale Stem-Software lohnt sich der Blick auf Online-Services wie AudioShake – besonders für sauber extrahierte Vocals oder Drumloops für die Produktion.

Bei DJ-Softwares liefern nahezu alle aktuellen Programme brauchbare Resultate. Artefakte fallen im Mix weniger ins Gewicht als bei Studioproduktionen. Für den Club-Alltag werden Stems allerdings erst dann relevant, wenn sie auf gängigen Festival- und Club-Playern Standard sind.

Das dürfte erst passieren, wenn entsprechende CDJ-Systeme von AlphaTheta mit nativer Stem-Funktion etabliert sind. Zum Abschluss daher die klare Empfehlung für Virtual DJ: kostenlos für den Heimgebrauch und mit erstaunlich guter Stem-Separation!

Eine Übersicht: Features der Stem-Separation Tools 2026

ProductCompanyTypeStemsBesonderheitenPreis in Euro
iZotope RX 11iZotopeAudio Restauration4Audiorestaurationstool1.449,00 €
Maschine 3NIDAW + Groovebox4Bounce to new Group109,00 €
Logic 11.2.2AppleDAW6Bounce in Place229,99 €
Live 12.3AbletonDAW4Bounce in Place279,- € (Standard)  599,- € (Suite)
Serato StudioSeratoDAW4Abo-Modellkostenlos (limitiert) Abo: 8,53 €/ Monat Kauf: 169,99 €
MPC OSAKAI ProDAW + Groovebox4
MPC + MPC STEMS 8,51 €
PEELZplanePlugin/Latenz 483 ms, Spectral Filter39,00 €
PEEL StemsZplanePlugin4Latenz 483 ms59,00 €
Rip X ProHit’n MixDAW7
RipX DAW Pro 228,00 € RipX DAW 114,00 €
LANDR StemsLANDRWeb4Abo-Modell
Audio ShakeAudioshakeWebbis 12Abo-Modell + Einzel-DownloadsAbos: 358,15 € bis 909,41 € pro Jahr, Einzel-Downloads möglich
Lalal.AILALAL.AIWeb8 – 10Abo-Modellkostenlos (limitiert) Lite: 6,75 €/ Monat Pro: 13,50 €/ Monat
SpleeterDeezerWeb2 – 5nur mp310,00 € pro Download
MoisesMusic.AIEntwickler2 – 5
Entwickler
NIDJ4Kreiiert Stem File mp4149,00 €
Serato DJ 4.0SeratoDJ4Abo-ModellStandard: 10,24 €/ Monat 212,69 €/ Jahr Suite: 12,80 €/ Monat 383,54 €/ Jahr
rekordbox 7.2.9AlphaThetaDJ3nur im Performance Moduskostenlos
Virtual DJ
DJ6Kick + HH-Separationkostenlos
Djay Pro 5.6.1AlgoriddimDJ3
Kostenlos, Pro Funktionen: 49,99 €/ Jahr
Engine DJ 4.2Denon DJDJ4
Kostenlos
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