USB/MIDI-Interfaces gibt es reichlich – erst vor Kurzem haben wir uns beispielsweise das H12MIDI Pro von CME angesehen. Wenn Erica Synths allerdings eine MIDI-Kiste baut, darf man Besonderes erwarten. Genau das liefert der MIDI Dispatch: Seine Ausgangsfilter und Routing-Funktionen sind konsequent auf die klassische Thru-Mentalität zugeschnitten, bei der Signale traditionell vor allem vervielfacht werden.

Vereinfacht gesagt heißt das hier: USB und DIN-MIDI rein, achtmal DIN-MIDI raus – inklusive des alten, beliebten „MIDI-Kanal-rein-zu-MIDI-Port-raus“-Partytricks. Was sonst noch drinsteckt, klärt der Test.
- Acht individuell konfigurierbare MIDI-Ausgänge
- Channel-Remapping und umfangreiche Filter
- Einfache, praxisnahe Konfiguration
- Keine USB-Host-Funktion
DETAILS
USB/MIDI Thru von Erica
Der Erica Synths MIDI Dispatch, aka Thru Box II, ist ein modernes USB/MIDI-Interface mit konsequentem MIDI-Thru-Konzept. Dabei lassen sich ein DIN-MIDI- und ein USB-MIDI-Eingang auf acht DIN-MIDI-Ausgänge multiplizieren. Da jeder Ausgang eigene Filter- und Channel-Remapping-Funktionen bietet, lassen sich Signale somit auch “umleiten” und neudeutsch re-routen.

Der USB-C-Port arbeitet bidirektional und kann die am DIN-Eingang anliegenden MIDI-Daten an den Computer weiterreichen. Auf USB-Ebene steht allerdings auch nur ein MIDI-Port mit den üblichen 16 Kanälen zur Verfügung. Wer die acht physischen DIN-Ausgänge vom Rechner aus getrennt ansprechen möchte, muss daher bereits hier mit Kanalfiltern und Remapping arbeiten.
Die Stromversorgung erfolgt über USB-C oder ein externes Netzteil, das nicht zum Lieferumfang gehört. Mit 222 × 35 × 48 mm und rund 500 g ist der MIDI Dispatch kompakt, aber auch nicht schlank. Das schwarze Metallgehäuse wirkt zudem robust, selbst wenn die DIN-Buchsen beispielsweise nicht mit dem Gehäuse verschraubt sind.

Mehr als Thru-Box, Konfiguration per Browser-App
Im Auslieferungszustand arbeitet der MIDI Dispatch wie eine klassische MIDI-Thru-Box. Das am DIN-Eingang eintreffende Signal wird einfach auf die einzelnen Ausgänge verteilt. Interessanter wird das Gerät jedoch durch seine umfangreichen Routing-, Filter- und Remapping-Funktionen.

Die Konfiguration erfolgt über eine mitgelieferte HTML-Web-App. Nach dem Anschluss per USB und einem Druck auf den verborgenen CONFIG-Taster erscheint MIDI Dispatch als externes Laufwerk. Von dort lässt sich der Configurator als lokale Webseite direkt im Browser öffnen.
MIDI-Kanäle easy remappen
Über die Remap-Funktion lassen sich nun u.a. eingehende MIDI-Kanäle auf andere Ausgangskanäle umsetzen. So kann beispielsweise ein auf MIDI-Kanal 5 eintreffendes Signal an einem bestimmten Port auch wieder auf Kanal 1 ausgegeben werden.

Dadurch lassen sich fest konfigurierte Synthesizer gezielt ansprechen, ohne deren eigene MIDI-Einstellungen verändern zu müssen. Besonders in komplexeren Studio- oder Live-Setups dürfte das eine der interessantesten Funktionen des MIDI Dispatch sein.
+ Filter pro Ausgang
Erst wenn für einen Ausgang der Filter aktiviert wird, stehen die zusätzlichen Einstellungen bereit. Für jeden Port lässt sich separat bestimmen, welche MIDI-Kanäle übertragen werden sollen – und damit vor allem auch, welche nicht mehr unnötig den seriellen MIDI-Bus belasten müssen.
Darüber hinaus lassen sich verschiedene Nachrichtentypen filtern. Erica Synths unterscheidet dabei zwischen Voice Messages wie Notenbefehlen und CCs, System Messages sowie Real-Time Messages wie MIDI Clock oder Start/Stop.

So lässt sich gezielt festlegen, welche angeschlossenen Geräte welche Daten erhalten. Gerade in größeren Hardware-Setups ist das praktisch, wenn beispielsweise einige Geräte zur MIDI-Clock synchron laufen sollen, andere dagegen unabhängig.
SysEx-Presets
Konfigurationen lassen sich zudem als SysEx auf dem Computer sichern und importieren. Werden mehrere MIDI-Dispatch-Geräte verwendet, müssen diese einzeln konfiguriert werden. In Browsern wie Chrome, Edge oder Opera wird MIDI Dispatch automatisch erkannt, Änderungen werden direkt auf das Gerät übertragen und auch gespeichert.
