Mit dem Memorytone widmet sich XILS-lab einem der markantesten polyphonen Moog-Synthesizer: Das Plugin emuliert das Flaggschiff des US-Herstellers aus dem Jahr 1982 und überträgt dessen Synthese-Architektur in die virtuelle Welt.

Die französische Softwareschmiede um Xavier Oudin hat sich seit Jahren auf die detailreiche Nachbildung historischer Synthesizer spezialisiert und mit ihren Emulationen bereits mehrfach ein gutes Gespür für die klanglichen Eigenheiten analoger Klassiker bewiesen. Dazu zähle ich etwa den RSF Polykobol II als Xils Lab PolyKB II, den Yamaha CS-80 als Xils Lab The Eighty oder den seltenen wie frühen FM-Synthesizer Yamaha GS-1 als Xils Lab KaoX.
- Original Layout des Memormoog
- Charaktervoller Vintage-Sound
- 16 Stimmen, MPE-Support
- Modulationsmatrix
- Gute Preset-Library
- Praktisches Effekt-System
- Relativ hoher Preis
Im Grunde überrascht es kaum, dass XILS-lab nun den Memorymoog ins Visier genommen hat. Das einstige Moog-Flaggschiff besitzt einen ausgesprochen eigenständigen Klangcharakter – umso reizvoller ist die Möglichkeit, diesen Sound als Plugin zu nutzen, ohne sich mit der notorischen Wartungsanfälligkeit des Originals auseinandersetzen zu müssen.
Mit dem MemoryTone sind 2026 gleich drei neue Emulationen des Memorymoog erschienen. Grund genug für einen kurzen Vergleich: Denn so ähnlich die drei Plugins auf den ersten Blick erscheinen mögen – drei ähnliche Software-Klone braucht nun wirklich niemand.
Xils Lab bleibt möglichst nahe am Konzept des Memorymoog
Das GUI ähnelt sehr der Benutzer-Oberfläche des moogschen Flaggschiffs. Trotz Skalierung finde ich es aber ein wenig unscharf – und das auch mit Lesebrille. Was man sieht, entspricht dem Grundprinzip des Memorymoog. Xils Lab möchte also den Synthesizer nicht bei erfinden. Pro Stimme bekommt ihr drei Oszillatoren, deren Signale ins Moog-Ladder-Filter gelangen und danach leicht unberechenbare, aber musikalisch sinnreiche länge mit viel Erhabenheit ergeben.

Gerade für breite Pads und komplexere Akkorde macht sich die auf 16 Stimmen erweiterte Polyphonie gut. Im Mixer ergänzt Xils Lab noch einen Kanal für Noise und rundet den großen Basisklang mit einem Sub-Oszillator ab.
MemoryTone bietet zusätzliche Modulationen, Effekte und einen Arpeggiator
Wenn ihr nicht nur klassische Memorymoog-Patches nachbauen möchtet, dürfte euch die sechs zuweisbaren Modulation-Slots des MemoryTone gefallen. Hier lässt sich einiges miteinander verknüpfen und auch den dritten Oszillator als Modulationsquelle einsetzen. Zusammen mit MPE, Aftertouch und weiteren MIDI-Quellen lässt sich der neue Synth von Xils Lab ausdruckstark als Performance-Synth spielen.

Ein weiteres Extra gegenüber dem originalen Memorymoog ist der Arpeggiator des Plugins, der sich auch als polyphoner Sequenzer verwenden lässt. Nicht zuletzt gibt es ein FX-System mit fünf Effekten, die sich individuell routen lassen. Es sind die klassischen Typen Chorus, Delay, Phaser, EQ, Resonator und Reverb. Die Effekte lassen sich recht einfach programmieren und runden den Sound des MemoryTone gut ab.
Bei all diesen Erweiterungen hat man nicht den Eindruck, dass Xils Lab das Memory-Konzept unbedingt modernisieren möchte – und das finde ich auch gut so, denn es geht hier um ein Vintage-Modell.

So authentisch nach Vintage klingt der Xils-Lab MemoryTone
Grundsätzlich klingt der Memorytone fett, breit, leicht rau und kraftvoll. Als Besonderheit gehen aber die überraschenden analogen Sounds mit Ecken und Kanten hervor. Am meisten schätze ich die mächtigen Poly-Sounds und Flächenklänge, kernige Bässe und kräftige Leads sowie für stramme Arpeggios.

Für die insgesamt zwölf Audio-Demos habe ich einige Factory Presets ausgewählt, die sich gut auf der Tastatur spielen lassen und meinem Geschmack entsprechen. Im Preset Browser findet ihr noch viele weitere Sounds für die Praxis.
Zwei starke Alternativen: Arturia Memory V und Cherry Audio Memorymode 2
Wer hätte gedacht, dass wir 2026 gleich drei virtuelle Memorymoogs auf den Schirm bekommen? Damit muss sich der MemoryTone von Xils Lab nun gegen den Arturia Memory V und den Cherry Audio Memorymode 2 behaupten – bei einem regulären Preis von fast 200 Euro hat er kein leichtes Spiel.
Auf den Punkt gebracht: Die preiswerteste und flexibelste Lösung ist eindeutig der Cherry Audio Memorymode. Tatsächlich bietet die neue Version 2 zwei Layer, Poly-Step-Sequenzer, 22 Studio-Effekte und eine Factory Library mit über 800 Presets – für 69 Euro ein Budget-Tipp.
Den Arturia Memory V erwirbt man am besten zusammen mit Arturias V-Collection. Er integriert sich gut in die DAW und besticht mit einem modernen Workflow beim Produzieren. Wer dem originalen Flaggschiff klanglich mit seinem markanten Vintage-Sound am nächsten kommen möchte, entscheidet sich wiederum für den Xils-Lab MemoryTone.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir noch nicht ganz am Ende stehen. Es ist möglich, dass in absehbarer Zeit weitere Hersteller – etwa Softube – mit einer weiteren Memorymoog-Emulation nachziehen.
FAZIT: Xils Lab MemoryTone Test
Den Xils Lab MemoryTone habe ich in der Version 1.0.0 Beta getestet. Abstürze unter Apple Logic Pro konnte ich nicht verbuchen. Insgesamt hinterlässt der Synth einen stabilen Eindruck. Die Konkurrenzsituation macht es Xils Lab nicht leicht – vor allem Cherry Audio ist mit dem Memorymode 2 preislich und von den Features kaum zu toppen. Allerdings treffen Puristen und Soundästheten, die auf den speziellen Memorymoog-Charakter größten Wert legt, mit dem Memorytone die momentan beste Wahl. Seinen Einsatz höre ich vor allem bei Synthwave, Electro oder elektronische Retro-Projekte.
Alles in allem ist der Xils Lab keine x-beliebige Memorymoog-Kopie, sondern ein neues Software-Instrument mit analogem Charakter – nicht gerade billig, aber preiswert.
Features

- Emulation des Moog Memorymoog
- Systemvoraussetzungen: Ab Windows 7, Mac OS X 10.13 (M1 Support), Online-Aktivierung, VST2, VST3, AU, AAX.
- WEBSEITE: xils-lab.com/store/memorytone/
- PREIS: 79 €
























