40 Jahre nach dem Original bringt Cherry Audio den Ensoniq ESQ-1 zurück! 1986 war der hybride Synthesizer für viele Keyboarder der erste Profi-Synth: digital und analog zugleich, dabei warm, transparent und ganz anders als die Konkurrenz aus Japan. Was kann nun die neuste Software-Version ?

- Dual-Layer-Konzept
- Ausdrucksstarker Hybrid-Sound
- Top Preis/Leistung
- Sequenzer und Effekte
- Gelungene Preset Library
DETAILS & PRAXIS
Cherry Audio ESQ-1 – was macht das Vorbild aus dem Jahr 1986 aus?
Die US-Firma Ensoniq vermarktete den ESQ-1 als preisgünstigen „Digital Wave Synthesizer“. Im Grunde kombinierte er digitale Oszillatoren mit warm klingenden, analogen Filtern – ein typischer Hybrid-Synthesizer eben. Mehr noch: Der ESQ-1 integrierte einen mehrspurigen MIDI-Sequenzer mit einer Kapazität von bis zu 24.000 Noten.
Bei nur insgesamt acht Stimmen und einem eher speziellen Klangangebot ohne Drums und anderen Natursounds ging das anvisierte Workstation-Konzept á la Korg M1 aber noch nicht auf. Die über 50.000 Units des ESQ-1 gelangten unter anderem in prominente Hände – Skinny Puppy, Prince, John Carpenter oder Steve Roach hinterließen klanglich ihre Spuren.
Wird die DNA des Ensoniq-Synthesizer bei der Emulation eingefangen?
Das neue Software-Instrument entwickelte Cherry Audio in Kooperation mit Creative Technology, dem heutigen Inhaber der Ensoniq-Markenrechte. Und ja, der ESQ-1 ist sehr dicht an seinem Vorgänger und im/exportiert natürlich auch entsprechende SysEx-Klangdaten.

Insgesamt drei digitale Oszillatoren verwenden die ursprünglichen 32 Wellenformen des ESQ-1 in den vier Kategorien „Basic and Noise“, „Samples“, „Additive/Formant“ und „Band Limited“. Wie beim Vintage-Synth bekommt ihr Oszillator-Sync, Amplituden-Modulation und mehrere Stimmenmodi.
Der Cherry Audio ESQ-1 emuliert den Curtis-CEM-3379-Filter-Chip präzise und erweitert es um einen zwei-poligen Tief-, Hoch- und Bandpass. Pro Layer stehen drei LFOs bereit sowie vier separate mehrstufige Hüllkurven.
Cherry Audio Dual Layer: mehr Stimmen & bessere Bedienung?
Der Cherry Audio ESQ-1 schaut mit seinem GUI gut aus. Sein größter Trumpf ist die üppige Dual-Layer-Architektur mit bis zu 32 Stimmen pro Layer, die als Keyboard-Split und Layer-Stack angelegt werden können. Dabei können beide Layer separat inklusive Synthese, Effekte, Modulation und Arp/Sequenzer-Pattern programmiert werden. Und wer programmieren kann, entlockt dem Cherry Audio ESQ-1 imposante Arrangement-Strukturen.

Gegenüber dem Vintage-Synthesizer läuft die Bedienung deutlich angenehmer. Beim originalen ESQ-1 müsst ihr euch mit einem kleines Display, Soft Buttons und einem Datenregler abfinden. Nicht so beim Plugin. Es macht sich auf dem großen Bildschirm ziemlich breit und bietet über die fünf Bereiche „Play“, „Edit“, „Modulation“, „Envelopes“ und „Sequencer“ zu allen Parametern einen schnellen Zugriff. Allerdings müsst ihr euch in die Materie einarbeiten – so einfach ist der ESQ-1 nicht zu erobern.

Extras Cherry Audio ESQ-1: Matrix, Sequenzer & Effekte
Die Emulation bietet an einigen Stellen mehr Power: Eine Modulationsmatrix mit vier Slots, Makros und simpler Klick-Zuweisung umfasst nicht weniger als 41 Quellen inklusive MPE und 85 Ziele – auch Arp/Sequenzer und Effekte lassen sich adressieren. Damit wird die Klangprogrammierung noch viel spannender als beim Hardware-Synth.

Treibende musikalische Kraft sind der Arpeggiator mit vier Modi sowie der transportierbare 16×4-polyphone Stepe-Sequenzer pro Layer. Letzterer begeistert mit vier zuweisbare Makro-Bewegungen, 33 Presets und Humanize-Funktionen.
Wie die anderen Synths von Cherry Audio verfügt auch der ESQ-1 über das inzwischen bewährte Effektsystem mit 20 FX-Typen und vor allen Effektketten pro Layer. Zusammen mit Arpeggiator und Effekten ergeben sich Sounds, die während der 80er so einfach nicht möglich waren.
Wo liegen die Stärken des Cherry Audio ESQ-1?
Der Software-Synth kommt mit den 40 originalen Factory Presets des Ensoniq ESQ-1 mit Piano, Strings oder Brass. Das klingt schon amtlich und verdient sich den „80ies“-Stempel. Selbstverständlich bietet Cherry Audio selber noch eine tolle Library mit über 350 Presets in 15 Kategorien.

Wenn ihr ins Staunen kommen wollt: „Motion“ und „Splits“ enthalten die passenden Sounds. Auch LoFi-artige und glasige Klangcharaktere des originalen ESQ-1 auf Basis des „Ensoniq 5503 Digital Oscillator Chip“ schimmert bei einigen Sounds von Cherry Audio herrlich durch.
Dutzend Presets habe ich für ausgewählt. Diese Sounds demonstrieren die Layer-Möglichkeiten inklusive Arp/Seq- und FX-Unterstützung des Plugins. Auf „Show“ getrimmt fallen sie etwas spezieller aus. Trotzdem findet ihr beim Cherry Audio ESQ-1 viele Brot-und-Butter-Sounds in den Sparten „Keys“, „Pads“ oder „Poly“ – das ist echte Abwechslung zu den virtuell-analogen Klassikern.
Gibt es Alternativen zum Cherry Audio ESQ-1?
Der Cherry Audio ESQ-1 ist quasi die erste offizielle Emulation des Ensoniq-Synthesizer von 1986. Bislang stand nur die Freeware SQ8L zur Verfügung. Sie klingt mit den vielen Preset-Bänken durchaus passabel und importiert auch ESQ-1/SQ-80-Daten. Die GUI des SQ8L wirkt aber schon altbacken und das Plugin läuft auch nur als 32-Bit-VST.

Wie ihr euch schon denken könnt, bietet wieder einmal Arturia ordentlich Paroli: Der Arturia SQ80V ist eine Weiterentwicklung des ESQ-1 und hat uns 2021 im Bondeo-Test ziemlich überzeugt. Er ist aber nicht so nah am ESQ-1 wie der Cherry Audio und kostet doppelt so viel, wenn ihr noch nicht die Arturia V-Collection mit den vielen Synth-Klassikern gekauft habt.
Eigentlich sehe ich Cherry Audio und Arturia gar nicht so sehr als Konkurrenten. Die Plugins beider Hersteller haben ihre Stärken bei Features und Presets. Jeder Ensoniq-Fan oder Liebhaber von hybriden Synths der 80er sollte sich ruhig zwei Software-Synths gönnen – sie ergänzen sich in der Praxis mehr als man vermutet.
FAZIT
Ende gut, alles gut: Cherry Audio hat mich davor bewahrt, mir doch noch einen ESQ-1 gebraucht zu kaufen. Für ab etwa 500 Euro könnte man sich tatsächlich diesen Sammler-Spaß leisten – genügend Studioplatz und Spaß an der Staubwischerei vorausgesetzt. Es geht aber viel komfortabler und erst recht günstiger: Für einen Bruchteil bekommt ihr den Cherry Audio ESQ-1 und damit einen aufpolierten Vintage-Synthesizer, der sich sofort in die DAW integriert und euch schon mit den guten Presets inspiriert. Dieses persönliche Wow-Erlebnis sind mir als Tester fünf Sterne wert.
Der ESQ-1 ist einer der besten und interessanten Emulationen von Cherry Audio – ein schöner Anlass, das 40-jährige Jubiläum des Ensoniq ESQ-1 im Sommer 2026 zu feiern – Cheers!
Features
- Emulation des hybriden Vintage-Syntzhesizers Ensoniq ESQ-1 von 1986
- Dual-Layer-Architektur, Effekt-System, Arpeggiator und Step-Sequenzer
- Systemvoraussetzungen: Ab Windows 7, Mac OS X 10.13 (M1 Support), Online-Aktivierung, VST, VST3, AU, AAX, Standalone.
- PREIS: 69 Euro (Straßenpreis vom 16.06.2026)
























