Arturia Memory V Test – Memorymoog für die DAW

Für Bob Moog war ein Synthesizer in erster Linie eine expressive Einzelstimme – Polyphonie hielt er für überflüssig. Trotzdem gab es immer wieder Versuche, den ikonischen Minimoog-Sound mehrstimmig umzusetzen. Problemlos gelang das allerdings nie.

Arturia Memory V im Test – Modern-erweiterter Memorymoog für die DAW
Unser Fazit:
5 / 5
Pro
  • breiter und monumentaler Moog-Poly-Sound
  • starke Preset-Library inklusive originaler Factory-Presets
  • umfangreiche Effektsektion mit vier frei belegbaren Slots
  • sehr flexible Drag’n’Drop-Modulation, vier unabhängige Arpeggiatoren
Contra
  • (kein Split-Mode)

Highlights Arturia Memory V

  • Memorymoog für die DAW, inoffiziell von Arturia
  • erweiterte Polyphonie, feine Detail-Erweiterungen sowie moderne Extras
  • 4-facher Arp, zusätzliche Envelopes, viele Effekte
  • gute Library mit praxisrelevanter Bedienung durch Arturia MIDI-Keyboards

DETAILS

Warum das Arturia Memory V Plugin besonders spannend ist

Der Arturia Memory V wird aktuell einzeln verkauft und dürfte künftig Bestandteil der nächsten Arturia V Collection werden. Technisch handelt es sich um eine virtuelle Interpretation des legendären Memorymoog, die massiv um moderne Effekte, Modulationsmöglichkeiten und Spielhilfen erweitert wurde.

Neben der Multi-Arp und FX-Page gibt es auch drei Slots für weiter Envelopes, Functions und Co!

Zunächst wurde die ursprüngliche Polyphonie von sechs auf bis zu zwölf Stimmen erweitert und ein unkomplizierter Voice-Spread für Unison integriert. Darüber hinaus spendiert Arturia dem Arturia Memory V einen weiteren OSC Sync von “1 to 3“, was dem ohnehin mächtigen Grundsound weitere aggressive Klangfarben entlockt.

Auch beim Drive wurde nachgelegt, denn gerade der berühmte Mixer-Crunch vor dem Filter gehörte zu den stilprägenden Eigenschaften des historischen Memorymoog. Entsprechend kräftig darf das Plugin heute schmatzen!

Ebenfalls gelungen ist die Integration der Arturia-Controller: Selbst mit einem kleinen MicroLab lassen sich Presets komfortabel durchsteppen oder die Library direkt durchsuchen. NKS und MPE werden aber auch unterstützt.

Wie praktisch alle aktuellen Arturia-Instrumente bietet auch Memory V eine ausgereifte Preset-Verwaltung, gut kuratierte Sounds sowie zahlreiche sinnvoll gewählte Makros für schnelles Feintuning. Natürlich darf auch tiefer geschraubt werden – zwingend nötig ist das dank der enormen Preset-Auswahl allerdings keineswegs.

Hervorragendes Drumherum

Ferner finden sich zahlreiche Standard-Kategorien innerhalb der Library, sinnvollerweise liegt der Fokus aber klar auf den klassischen Stärken des Memorymoog: epische Brass-Sounds, breite Unison-Flächen, mächtige Leads und extrem dicke Poly-Sounds.

Selbst die ursprünglichen 100 Factory-Presets wurden übernommen und um rund 200 modernere Sounds der Sounddesigner von Arturia ergänzt.

Der kleine Preset-Browser

Besonders umfangreich ist auch der Arpeggiator des Arturia Memory V, welcher gleich vier unabhängige Arpeggiatoren bereitstellt, die sich parallel mit unterschiedlichen Rhythmen, Oktavlagen oder Pattern betreiben lassen, sodass extrem dichte, ineinandergreifende Sequenzen sowie komplexe polyrhythmische Moog-Lines entstehen.

Flinke Zuweisungen, sehr viel Modulation

Ebenfalls sehr funktional gelungen: Sämtliche Performance-Befehle wie Mod-Wheel, Velocity, Release-Velocity, MPE Slide, Aftertouch oder Key-Tracking lassen sich extrem schnell und unkompliziert per Drag’n’Drop zuweisen und in der Intensität anpassen.

Gleiches gilt für sämtliche Modulationsquellen, darunter die vier Arpeggiatoren, zusätzliche Envelopes, ein Function-Generator, Voice- und Modulations-Sequencer sowie ein Randomizer. Besonders praktisch: Die Modulatoren dürfen frei kombiniert werden, drei entsprechende Slots stehen dafür neben den Effekt- und Arpeggiator-Sektionen bereit.

Auch bei den Effekten wurde geklotzt statt gekleckert: Reverb, Delay, Tape Echo, Pitch Delay, Kompressoren, Filter, EQs sowie Distortion und Bitcrusher lassen sich frei auf vier FX-Slots verteilen.

Dazu kommen spezielle Modulationseffekte wie Trance-Gate, Phaser, Panner, Flanger und Chorus – inklusive Juno-6-Chorus und BL-20-Flanger.

Sämtliche Effekte können zudem ebenfalls unkompliziert moduliert werden. Mehr Ausstattung geht derzeit kaum – zumal Arturia das Ganze erfreulich intuitiv bedienbar und übersichtlich gestaltet hat.

Warum der Memorymoog legendär war

Der Memorymoog gilt als absoluter Meilenstein der Synthesizer-Geschichte und zählt für viele bis heute zu den fünf wichtigsten Poly-Synths überhaupt. Im Kern vereint er sechs Minimoog-Stimmen in einem vergleichsweise transportablen Instrument mit fünf Oktaven Tastatur.

Besonders die Speicherbarkeit der Sounds sowie die Möglichkeit, sämtliche Wellenformen gleichzeitig zu nutzen, machten das Instrument begehrt. Hinzu kamen Funktionen wie freie PWM, die den Synth klanglich weit flexibler machten als einen Minimoog Model D.

Gleichzeitig sorgten der andere interne Aufbau, das abweichende Stimmen-Summing sowie die CPU-gesteuerte Voice-Allocation dafür, dass der Memorymoog etwas kontrollierter, glatter und „zahmer“ klang als der oft unberechenbare und aggressivere Minimoog Model D.

Live war das Gerät allerdings berüchtigt: 18 analoge Oszillatoren neigen nun einmal stärker zu Drift, als einem lieb ist. Extreme Verstimmungen, instabile Stimmen und Voice-Ausfälle gehörten beinahe zum Alltag.

Hinzu kamen enorme Hitzeentwicklung sowie zahlreiche Folgeprobleme, die letztlich auf das extrem ambitionierte Design zurückzuführen waren: riesige diskrete Schaltungen und dazu die typischen Kinderkrankheiten früher mikrocontrollergesteuerter Analogmonster.

Trotzdem wurde der Sound legendär. Wenn der Memorymoog gut gelaunt war, erzeugte er einen gewaltig-breiten „Wall of Sound“, den bis heute kaum ein anderer Poly-Synth erreicht. Entsprechend hielten nur extrem leidensfähige Studio-Nerds das wartungsintensive Monster jahrzehntelang entgegen jeder Vernunft am Leben. Mit Arturia Memory V liefert Arturianun eine angenehm moderne und weitgehend leidensfreie Software-Interpretation dieses Kultsynths.


PRAXIS

3x3x6 Wellenformen für ein Unisono!

Der Memorymoog klang größer und breiter als ein Minimoog Model D, gleichzeitig aber auch etwas glatter. Teilweise wurde er als eine Art „HiFi-Version“ des Minimoog beschrieben.

Das lag vor allem am anderen Summing der Stimmen sowie der veränderten Hüllkurven-Architektur. Obwohl der Arturia bis zu 12 Voices Polyphonie anstatt der ursprünglichen sechs Stimmen des Orognals bietet, scheint das keinen Einfluss auf den maximalen Unison zu haben: aber 6×3 OSCs ist immer noch breit genug!

Audio Samples
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Hello World Massive Breach Ethernal Blocked bandwidth Saturated Ladder Knurzbass Saddy All Waveforms, detuned Unison, max Spread – plus Filter & Reso

Während der Minimoog übrigens auf ultraschnelle analoge “Contour”-Generatoren setzte und dadurch extrem perkussiv und direkt reagierte, arbeitete der Memorymoog bereits mit digital gescannter Steuerung sowie CPU-basierter Voice-Allocation.

Dadurch wirkt er vergleichsweise weniger „snappy“, liefert aber deutlich monumentaler Schiebungen. Vor allem auch, weil hier die Wellenformen im Gegensatz zum Minimoog auch alle gleichzeitig und nicht nur alternierend verwendet werden! Das hört man sogar beim INIT-Patch beider V Modelle von Arturia.

Im Großen und Ganzen klingt das Ganze sehr angenehm und natürlich, trotzdem fehlt mir die echte analoge Tiefe, wie sie nun mal leider nur die echte Vintage-Hardware liefert. Das macht aber nichts, denn für ein Plug-in klingt der Arturia Memory V verdammt gut – und sicherlich besser als viele moderne Synths, selbst wenn diese analog sind.

Was könnte besser ?

Wenn Makros aktiv sind, lässt sich unter Umständen nicht mehr die komplette Bandbreite eines konventionellen Reglers nutzen. Dafür muss das jeweilige Makro zunächst deaktiviert werden. Noch besser wäre allerdings ein globaler Makro-Bypass sowie eine Option, dieses Verhalten auch über Preset-Wechsel hinweg beizubehalten. Ähnliches gilt für die Effekte: Auch hier hätte ich mir eine schnellere globale Deaktivierung gewünscht, denn viele Presets sind etwas üppig damit ausgestattet.

Auf einem 14-Zoll-Laptop wirkt das Plugin zudem selbst im Fullscreen einen Tick zu groß, während die Regler gleichzeitig klein geraten – und das obwohl Arturia einige Schalter gegenüber dem Original bereits vereinfacht hat!

Eine optionale, modernere Bedienoberfläche auch für die eigentlichen Synth-Parameter wäre deshalb wünschenswert gewesen. Und wo wir gerade dabei sind: Ein Voice-Spread-Funktion wäre natürlich auch ohne Unison wünschenswert.

Was sind die Alternativen ?

Wie wäre es gar vieleicht mit PolyMoog anstatt MemoryMoog? XILS Lab und Cherry Audio haben immer spannende Alternativen für kleines Geld!

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Fazit: Arturia Memory V

Arturia Memory V ist eine sehr gelungene Software-Interpretation des Memorymoog. Der Sound ist breit, dicht und sofort als monumentaler Moog-Poly erkennbar: epische Brass-Sounds, fette Pads, mächtige Leads und breite Unison-Flächen gehören klar zu seinen Stärken. Der Reiz liegt weniger in Minimoog-artiger Knarzigkeit als in seiner mäandernden, monumentalen und brutzelnden „Wall of Sound“.

Dass auch der Memory V mächtig wirkt, liegt an der solide nachgebildeten Grundarchitektur mit drei VCOs pro Stimme, parallelen Wellenformen sowie gut modelliertem Ladder-Filter, Drive vor dem Filter in den Mixer sowie dezent emulierter Drift, Instabilität und Nichtlinearität. Gleichzeitig erweitert Arturia das Konzept sinnvoll: bis zu zwölf Stimmen, Sync 1 to 3, vier Arpeggiatoren, MPE, extrem flexible Drag’n’Drop-Modulation, viele moderne Effekte und auch eine gute Controller-Integration machen aus dem historischen Vorbild einen absolut zeitgemäßes Produktions-Tool und Go-to-Synth. Gerade Synthwave, Ambient, Cinematic, 80s-Brass und breite Pad-Sounds liegen ihm hervorragend! 5 Sterne

Features

  • Modelliertes Moog-Ladder-Filter auf Basis von Arturias TAE-Technologie
  • Modellierte Triple-VCOs, Mixer und VCAs inklusive ihrer Nichtlinearitäten, erweitert um zusätzliche Drive-Sättigung
  • Multi-Arpeggiator
  • Erweiterte Arturia-Features wie Drag’n’Drop-Modulationssystem und Effektsektion
  • Unterstützung für MPE, Arturia-Controller-Integration, NKS und MTS-ESP
  • „Sync 1 to 3“ für besonders aggressive und obertonreiche Sounds
  • Erweiterte Modulationsmöglichkeiten inklusive zusätzlicher Panorama-Steuerung
  • Sechs Stimmen, erweiterbar auf bis zu zwölf Stimmen

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Profilbild von Stefan

Stefan sagt:

#1 - 27.05.2026 um 08:24 Uhr

1

Hi, Danke fuer den prima Test! Ich bin allerdings ueberrascht, dass alle anderen Alternativen hier nicht genannt oder verglichen wurden: - Memorymoon (erstes VST Plug-In des Memorymoog das schon vor vielen Jahren erschien) - Memorymode von Cherry Audio (hier auf Bonedo schon in 2021 getestet) - Fabric Vintage Memorymoog (Air Music) - UVI PX Memories (Samples) - Syntronik Memory-V (Samples) Die Polymoog emulationen wuerde ich hier nicht vergleichen. Das ist ein ganz anderes Instrumentenkonzept mit anderem Klang und Moeglichkeiten. Beste Gruesse,

    Profilbild von Felix Klostermann

    Felix Klostermann sagt:

    #1.1 - 27.05.2026 um 14:38 Uhr

    0

    Aufgeschoben ist nicht aufgehoben :). Für den Vergleich ist unser Fachmann Matthias zuständig und sobald der aus dem verdienten Urlaub ist, werde ich ihn dein Anliegen nahelegen :-) In diesem Test ging es erstmal um den Arturia als solches – und klar hätten wir auch mit einem echten Memory verglichen, aber aus genannten Gründen ist das ja schwierig :-) Für die Zwischenzeit lege ich dir auch den Vergleich unsere Flaggschiff-Synthesizer und Minimoogs nahe: https://www.bonedo.de/artikel/synthesizer-flaggschiffe-soft-synths-im-vergleich/ https://www.bonedo.de/artikel/moog-minimoog-soft-synths-im-vergleich/ Beste Grüße, felix

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