Test: Positive Grid Reactor 50 – Sounds nach Vorlage? Modeling-Combo mit KI-Support

Mit dem Positive Grid Reactor 50 präsentiert der Amp- und Effektspezialist aus dem kalifornischen San Diego einen kompakten 1×12″-Modeling-Combo mit einigen interessanten und neuartigen Features. Neben 50 Watt Leistung, 24 Amp-Modellen und 27 Effekten bietet der Verstärker eine KI-gestützte Sounderstellung, die komplette Signalketten anhand von Texten, Bildern oder Audioaufnahmen generieren soll. Hinzu kommen eine dreistufige Leistungsreduzierung, 8 interne Presets, ein frei platzierbarer Effektweg, Bluetooth und ein integriertes USB-Audiointerface.

Positive Grid Reactor 50 bonedo Test
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • vielseitige Amp- und Effektsounds
  • flexibel, praxisnah und druckvoll
  • hohe Konnektivität
  • drei Leistungsstufen
  • KI-Sounderstellung aus Text, Bild und Audio
  • geringes Gewicht
Contra
  • KI stellenweise ungenau
  • kein Federhall, eingeschränkte Ambient-Effekte

Positive Grid Reactor 50 – Das Wichtigste in Kürze

  • Was ist der Positive Grid Reactor 50? Der Positive Grid Reactor 50 ist ein digitaler 1×12″-Modeling-Combo mit 50 Watt Leistung, 24 Werks-Amps, 27 Effekten und KI-gestützter Sounderstellung.
  • Was ist das Besondere am Reactor 50? Über die Reactor-App lassen sich komplette Amp- und Effekt-Setups mithilfe von Texteingaben, Bildern und Audioaufnahmen erzeugen. Auch eigene virtuelle Verstärkerdesigns können erstellt werden.
  • Benötigt man die App? Nein. Die wichtigsten Funktionen, Presetwechsel und grundlegende Amp- und Effektparameter lassen sich direkt am Panel bedienen. Für die vollständige Auswahl aller Amp-Modelle, tiefere Editierungen, die Anordnung der Effektblöcke und die KI-Sounderstellung wird jedoch die Reactor-App benötigt.
  • Wie viel Leistung bietet der Reactor 50? Die Endstufenleistung lässt sich zwischen 50 Watt, 25 Watt und 1 Watt umschalten.
  • Was sagt der Test? Der Positive Grid Reactor 50 überzeugt mit vielseitigen Amp- und Effektsounds, gutem Spielgefühl, hoher Lautstärke und praxisnahen Features für zu Hause, Studio, Proberaum und Bühne. Die KI-Sounderstellung liefert zwar nicht immer treffsichere Ergebnisse, bietet aber oft einen soliden Ausgangspunkt für eigene Sounds. Insgesamt präsentiert sich der Combo als flexibles Gesamtpaket mit hohem Spaßfaktor.

Wie sind Gehäuse und Bedienfeld des Positive Grid Reactor 50 aufgebaut?

Der Positive Grid Reactor 50 steckt in einem robusten, offenen Holzgehäuse, das den eigens abgestimmten 12″-Lautsprecher beherbergt. Mit Abmessungen von 460 × 240 × 420 mm fällt der Combo vergleichsweise kompakt aus und auch das Gewicht von lediglich 10,3 kg zeigt sich extrem transportfreundlich. Das Bedienfeld befindet sich auf der Oberseite und ermöglicht den Zugriff auf alle wichtigen Funktionen, ohne dass dafür zwingend ein Mobilgerät benötigt wird. Neben dem Netzschalter und dem Volume-Regler stehen Taster zur Auswahl der beiden Preset-Bänke sowie ein Amp-Selector mit sechs grundlegenden Verstärkerkategorien bereit. Die eigentliche Verstärkersektion kommt mit Gain, Bass, Middle, Treble und Master im klassischen Gewand. Zusätzlich bietet der Reactor 50 die beiden Funktionen Push/Smooth und Heat, auf die ich im Praxisteil eingehe.

Wie viele Effekte und Presets bietet der Positive Grid Reactor 50?

Auf dem Bedienfeld präsentieren sich sechs beleuchtete Taster für Gate, Modulation, Compressor, Delay, Drive und Reverb. Über einen gemeinsamen FX-Level-Regler wird jeweils ein Parameter des gewählten Effekts verändert, während sich über einen Tap-Taster das Delay-Tempo oder die Modulationsrate bestimmen lässt. In der Summe enthält unser Kandidat 27 Effekte aus den Kategorien Noise Gate, Compressor, Distortion, Wah, Modulation, EQ, Delay und Reverb. Bis zu acht Effektblöcke können gleichzeitig genutzt und innerhalb der App frei angeordnet werden. Hinzu kommen ein Amp-Modell und ein FX-Loop-Block, die sich ebenfalls in der App verschieben lassen.

Der Reactor 50 bietet acht editierbare Hardware-Presets, die sich auf zwei Bänke verteilen. Zusätzlich können in der App zahlreiche Sounds abgespeichert werden, von denen man 8 auf den Amp übertragen kann. Darüber hinaus warten in der App tiefere Editierfunktionen und Zugriff auf alle 24 Amp-Modelle. Insgesamt ist die App sehr intuitiv aufgebaut und lief während meines Reviews auch sehr stabil. Lediglich die KI-generierte Hintergrundgrafik wirkt auf Dauer etwas kitschig und überladen, was allerdings Geschmackssache ist. Ein chromatisches Stimmgerät ist natürlich ebenfalls an Bord. 

Positive Grid Reactor 50: Anschlüsse und Schnittstellen

Sämtliche Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite. Hier stehen ein USB-C-Port, ein frequenzkorrigierter Line-Out, ein Kopfhörerausgang, der Anschluss für den optionalen Reactor-Control-Fußschalter sowie Send und Return für den seriellen Einschleifweg bereit.

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Kundenbewertung:
(4)

Über den Power-Amp-Input können die interne Vorstufe und die Modeling-Sektion umgangen werden, sodass sich der Combo auch als Endstufe mit Lautsprecher für einen externen Preamp nutzen lässt. Die Ausgangsleistung von 50 Watt kann zudem auf 25 Watt oder 1 Watt reduziert werden. Über USB-C fungiert der Reactor 50 als 24-Bit/48-kHz-Audiointerface mit einem Eingang und zwei Ausgangskanälen. Bluetooth 5.0 ermöglicht das Streamen von Songs und Backing-Tracks, während via WLAN unter anderem Firmware-Updates vorgenommen werden können.

Fotostrecke: 7 Bilder Der Positive Grid Reactor 50 ist ein digitaler 1×12″-Modeling-Combo mit 50 Watt Leistung.

Positive Grid Reactor 50: Amp Intelligence mit Text, Bild und Audio

Die größte Besonderheit des Reactor 50 ist die sogenannte Amp Intelligence, die laut Positive Grid auf einer Analyse unzähliger Gitarrensounds und Amp-Designs fußt. Im Creator Hub der Reactor-App lassen sich daraus nun Amp- und Effekt-Setups per Text, Bild oder Audio erzeugen. Bei Text to Tone beschreibt der User den gewünschten Klang als Texteingabe und kann das Ergebnis anschließend anpassen. Audio to Tone analysiert eine Aufnahme und bastelt daraus ein Preset. Bei Image to Tone dient ein Foto – das kann ein Amp, aber auch ein abstraktes Motiv sein – als klangliche Vorlage.

Neben den 24 Werks-Amps lassen sich auch eigene virtuelle Verstärker erstellen und bearbeiten. Die Ergebnisse können dann gespeichert und über die ToneCloud geteilt werden. Tone Memory berücksichtigt zudem frühere Eingaben und Anpassungen, um künftige Ergebnisse auf die persönlichen Vorstellungen abzustimmen. Das kann sowohl Fluch wie Segen sein: Gerade Anfänger verweilen dadurch unter Umständen länger in einer „Ästhetikblase“, die nicht auf professioneller und erfahrener Soundgestaltung basiert.


So wird Positive Grid Reactor 50 in der Praxis getestet

Für die Audiofiles nehme ich den Reactor 50 mit einem Audio-Technica AT4050 ab. Zum Überprüfen des Line-Outs verbinde ich den Amp direkt mit meinem Audio-Interface, einer RME Fireface UFX. Die jeweils verwendeten Gitarren werden angegeben.

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Positive Grid Reactor 50 im Soundcheck

Der Positive Grid Reactor 50 ist ab Werk mit acht praxisnahen Presets bestückt, die sich allesamt überschreiben lassen. Der Klang im Raum ist durchaus beeindruckend: Der Amp kann ordentlich laut und druckvoll werden und vermittelt einen lebendigen, warmen Eindruck. Auch Ansprache und Spielgefühl überzeugen, wenngleich im direkten Vergleich mit hochpreisigen Benchmark-Modelern dezente Abstriche bei der Dreidimensionalität in Kauf genommen werden müssen. Nichtsdestotrotz liefert der Reactor 50 absolut überzeugende Ergebnisse und macht beim Spielen enorm viel Spaß.

Audio Samples
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Glass Clean – Stratocaster Open Crunch – Les Paul Ambient Wash – Les Paul Modern High Gain – Les Paul

Wie klingen die Amp-Modelle des Positive Grid Reactor 50?

Konzentriert man sich ausschließlich auf die Amp-Sounds, erweist sich der Reactor 50 als enorm vielschichtig. Die Clean-Modelle klingen crisp, twangy und offen, während die Crunch-Sounds mit authentischem Charakter und überzeugender Dynamik punkten. Auch die High-Gain-Modelle trumpfen auf ganzer Linie und liefern transparente Sounds mit ordentlich Druck und Autorität. Zusätzliche Eingriffe erlauben die beiden Funktionen Push/Smooth und Heat. Push holt die oberen Mitten etwas stärker nach vorne, während Smooth den Ton weicher und runder gestaltet. Der fünfstufige Heat-Regler macht sich klanglich weniger deutlich bemerkbar, beeinflusst das Spielgefühl jedoch spürbar. Höhere Einstellungen kommen straffer und direkter, niedrigere Werte dagegen weicher und elastischer.

Audio Samples
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Clean – Stratocaster Crunch – Stratocaster Mid Gain – Normal/Push/Smooth – Les Paul High Gain – Heat Switch – Les Paul

Die Effektsektion im Detail

Die Effektauswahl ist funktional und deckt eine breite Palette gängiger Effektmodelle ab. Insgesamt handelt es sich um eine praxisnahe Selektion, die für den gängigen Einsatz mehr als ausreichend ist. Extreme Ambient-Sounds, Shimmer- oder Pitch-Shift-Effekte fehlen zwar, doch das Filter-Echo beispielsweise ermöglicht durchaus experimentellere Klänge. Etwas schade ist, dass sich unter den neun Reverb-Modi kein Federhall findet. Klanglich liefern die Effekte durchweg gute und für einen Modeling-Amp dieser Preisklasse mehr als überzeugende Ergebnisse.

Audio Samples
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Chorus + Delay – Stratocaster Phaser + Tube Screamer + Delay – Les Paul Tremolo + Filter Delay – Les Paul

Wie gut funktioniert die KI-Sounderstellung des Positive Grid Reactor 50?

Das große Alleinstellungsmerkmal des Positive Grid Reactor 50 ist zweifellos die KI-gestützte Sounderstellung. Zwar ist der Reactor 50 nicht der einzige Amp mit KI-Technik, mit Text to Tone, Audio to Tone, Image to Tone, Fix my Tone und der Erstellung eigener Amp-Designs geht er jedoch deutlich weiter als die meisten Konkurrenten. In der Praxis funktioniert das insgesamt ganz ordentlich, auch wenn man keine Wunder erwarten sollte. Je nach Vorgabe erzeugt die App nach einer merklichen Wartezeit mehrere Presets, die mal mehr und mal weniger überzeugend klingen oder der Beschreibung entsprechen. Nichtsdestotrotz hat die Idee durchaus Potenzial und es bleibt abzuwarten, was zukünftige Entwicklungen mit sich bringen. Momentan sehe ich die KI-Ergebnisse daher lediglich als groben Ausgangspunkt für die weitere Bearbeitung. Praktisch ist dabei, dass sich auch Änderungen unkompliziert per Textbefehl vornehmen lassen.

Audio Samples
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AI – Stevie Ray Vaughan Tone – Stratocaster AI – Bildvorlage – Stratocaster AI – Aufnahme “Highway to Hell” – Les Paul

Was bietet der Line-Out des Positive Grid Reactor 50?

Der Line-Out ist bereits frequenzkorrigiert und eignet sich hervorragend, um den Amp direkt in ein Mischpult oder Audio-Interface zu stöpseln. Praktischerweise lässt sich in der App festlegen, ob der interne Lautsprecher bei Verwendung des Ausgangs aktiv bleibt oder stummgeschaltet wird. Eine Auswahl verschiedener Cabinets steht zwar nicht zur Verfügung, klanglich liefert der Line-Out dennoch überzeugende Ergebnisse für alle Amp-Modelle.

Audio Samples
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DI Out – Clean – Les Paul DI Out – Crunch – Les Paul

Fazit

Der Positive Grid Reactor 50 erweist sich als vielseitiger Modeling-Combo, der mit überzeugenden Amp-Sounds, gutem Spielgefühl und einem erstaunlich druckvollen und lauten Raumklang punktet. Dank der drei Leistungsstufen, des geringen Gewichts, des FX-Loops, des Line-Outs und der USB-Recording-Funktion eignet er sich gleichermaßen für den Einsatz zu Hause, im Studio, im Proberaum und auf der Bühne. Die Clean-, Crunch- und High-Gain-Modelle decken ein breites Spektrum ab, während die Push/Smooth- und Heat-Switches sinnvolle Eingriffe in Klang und Ansprache ermöglichen. Auch die Effektqualität überzeugt und bewegt sich für diese Preisklasse auf einem guten Niveau. Die Auswahl ist praxisnah, auch wenn mir persönlich bei den Reverbs ein Federhall fehlt und Ambient-Freunde nur rudimentär bedient werden. 

Das große Alleinstellungsmerkmal bleibt die KI-gestützte Sounderstellung aus Texten, Bildern und Audioaufnahmen. Die Ergebnisse treffen die Vorgaben mal mehr, mal weniger genau und benötigen teilweise eine gewisse Berechnungszeit. Als Ausgangspunkt für eigene Anpassungen funktioniert das Konzept dennoch ganz gut, zumal sich Änderungen komfortabel per Textbefehl vornehmen lassen. Tone Memory kann die Ergebnisse langfristig stärker an den persönlichen Geschmack anpassen, birgt aber gerade für Einsteiger die Gefahr einer klanglichen Ästhetikblase. Hinzu kommt die etwas kitschig überladene KI-Optik der App, was jedoch sicherlich Geschmackssache ist. Insgesamt bietet der Reactor 50 ein starkes Gesamtpaket mit großer Flexibilität, Praxisnähe und hohem Spaßfaktor.

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Positive Grid Reactor 50 w/Control Bundle Bisher keine Kundenbewertung verfügbar
  • Hersteller: Positive Grid
  • Name: Reactor 50
  • Typ: Modeling-Combo-Amp für Gitarre
  • Herstellungsland: Vietnam
  • Regler: Amp, Effekte (je Schaltregler), Gain, Bass, Middle, Treble, Volume
  • Schalter: On/Off, Push/Smooth, Heat, 9 Buttons, Power Control (50/25/1 W), Pairing
  • Anschlüsse: Input (6,3 mm Klinke), Foot Control (MIDI und Klinke), Line-Out, Phones-Out (Miniklinke), Send/Return, Power-Amp-In, Kaltgerätebuchse
  • Leistung: 50 Watt (schaltbar auf 25 und 1 Watt)
  • Abmessungen: 460 × 240 × 420 mm
  • Gewicht: 10,3 kg
  • Ladenpreis: 349,00 Euro (August 2026)

Herstellerseite: https://www.positivegrid.com/eu

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