Anzeige

Test: Behringer The Flange With No Name – Viel mehr als nur ein Flanger?

Mit dem Behringer The Flange With No Name lässt der Hersteller einen weiteren Klassiker der Effektpedal-Historie neu auferstehen. Das analoge Stereo-Modulationspedal basiert auf dem gleichnamigen Modell der englischen Firma Lovetone, die zwischen 1995 und 2001 aktiv war. Entgegen der Namensgebung handelt es sich beim Flange With No Name keineswegs nur um einen Flanger. Vielmehr operiert das Pedal an den Grenzen zwischen Chorus, Vibrato, Flanger und Tremolo. Und das Ganze mit einem deutlichen Hang zum Chaotischen und Abgedrehten.

Behringer The Flange With No Name bonedo Test
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • eigenständige und inspirierende Sounds
  • vielseitig einsetzbar
  • flexible Anschlussmöglichkeiten
  • niedriger Preis
Contra
  • kein echter Bypass (Input-Gain-Stage immer aktiv)
  • leicht erhöhtes Grundrauschen

Behringer The Flange With No Name – Das Wichtigste in Kürze

  • Was für ein Effekt ist das Flange With No Name? Das Pedal liefert eine große Bandbreite an Chorus- und Flanger-Effekten, die bei Bedarf mit einem tremoloartigen Schaltkreis und einem FX-Loop kombiniert werden können.
  • Was macht das Pedal besonders? Dank eines ausgeklügelten Bedienlayouts lassen sich alle Effekte variabel miteinander kombinieren und in Extremsettings an ihre Grenzen bringen. Das Ergebnis sind pulsierende Synth-Sounds, Ringmodulatorklänge und Selbstoszillationen.
  • Wie wird das Pedal angeschlossen? Die beiden Effekt-Modi des Pedals „Time“ (Flanger/Chorus) und „Space“ (Tremolo) können in Stereo über zwei getrennte Outputs oder in Mono als Summe ausgegeben werden.
  • Welche weiteren Anschlüsse gibt es? Das Flange With No Name hat einen integrierten FX-Loop und kann via Control-Voltage mit einem Expression-Pedal oder externen Trigger-Signalen gesteuert werden.
  • Was sagt der Test? Das Behringer The Flange With No Name liefert einzigartige und bei Bedarf sehr experimentelle Modulationseffekte. Die Bandbreite von Chorus/Flanger über Tremolo bis hin zu Synth-ähnlichen Klängen wirkt dabei sehr inspirierend. Leichte Abzüge gibt es bei der Signaltreue (kein echter Bypass, erhöhtes Grundrauschen).

Was für ein Effekt ist das Flange With No Name?

Beim Flange With No Name handelt es sich im Kern um einen analogen zeitbasierten Modulationseffekt, bei dem eine Kopie des Eingangssignals per LFO periodisch verzögert wird. Die dadurch entstehende Tonhöhenmodulation kann je nach Intensität und Anteil des trockenen Signals genutzt werden, um Vibrato-, Chorus- oder Flanger-Effekte zu erzeugen (Time-Sektion). Zusätzlich verfügt das Pedal über einen Tremoloschaltkreis (Space-Sektion), bei dem das Signal in seiner Lautstärke moduliert wird. Beide Schaltkreise können per Fußschalter separat aktiviert, als Mono-Summe oder über getrennte Ausgänge in Stereo ausgegeben werden. Zusätzlich kann per Fußschalter eine Effektschleife (Loopage) aktiviert werden, die in der Schaltung vor der zeitbasierten Effektsektion (Time) platziert ist.

So wird das Behringer Flange With No Name bedient

Das Herzstück der Time-Sektion bildet das Manual-Poti, da es die Verzögerungszeit der zeitbasierten Modulation festlegt und damit auch den Übergang von Chorus zu Flanger. Effektanteil, Effekttiefe und Feedback werden dabei über die Potis „Action“, „Depth“ und „Reaction“ gesteuert. Die Wahl der Modulationsgeschwindigkeit erfolgt über das Rate-Poti und betrifft die beiden Effektsektionen Time und Space gleichermaßen. Ebenfalls für beide Effekte zuständig ist ein Vierfach-LFO-Schalter, mit dem verschiedene Kombinationen aus Rechteck- und Dreieckskurven für beide Effekte gewählt werden können. Ständig, also auch im Effektbypass, ist dabei das I/p-Gain-Poti aktiv, mit dem die Eingangsverstärkung des angeschlossenen Instruments geregelt wird. Im Hinblick auf die Verarbeitung fällt auf, dass die Potis recht wackelig wirken, da sie direkt auf der Platine sitzen und nicht zusätzlich mit dem Gehäuse verschraubt sind.

Fotostrecke: 6 Bilder Das Flange With No Name liefert eine große Bandbreite an Chorus- und Flanger-Effekten, die bei Bedarf mit einem tremoloartigen Schaltkreis und einem FX-Loop kombiniert werden können.

Welche Anschlüsse beherbergt das Gehäuse?

Das Flange With No Name verfügt über einen Mono-Eingang für Instrumente (In) und zwei separate Outputs für die beiden Effektsektionen (Time Out, Space Out), die im Mono-Betrieb auf einem Ausgang (Space Out/Mono) summiert werden. Externe Effekte können über einen FX-Loop (Send, Return) integriert werden, während zwei weitere Anschlüsse zum Triggern des LFOs (Trig/Gate) und zur externen Steuerung des Manual-Potis (CV In/Pedal) genutzt werden können. Die Stromversorgung des (B × H × T) 200 × 60 × 150 mm großen und 1080 Gramm schweren Pedals erfolgt mit einem Standard-9-V-Netzteil bei einer Stromaufnahme von 400 mA.

Anzeige

So wird das Behringer Flange With No Name getestet

Für das Mono-Setup sitzt das Flange With No Name vor einem Budda Superdrive 45 in Kombination mit einem Two Notes Torpedo Captor X, während ich das Stereo-Setup mit einem Universal Audio Dream ’65 Amp aufzeichne. Im FX-Loop kommt ein TC Electronic Flashback Delay zum Einsatz und als Gitarren stehen unter anderem eine Maybach Texonian T54 und eine Maybach Lester bereit.

Affiliate Links
Maybach Texonian T54 Vintage Cream
Maybach Texonian T54 Vintage Cream
Kundenbewertung:
(3)
Maybach Lester Bullion Gold 60s aged
Maybach Lester Bullion Gold 60s aged Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Wie schlägt sich das Flange With No Name in der Praxis?

Das Wichtigste vorab: Das Behringer Flange With No Name ist kein selbsterklärendes Pedal und erfordert in meinen Augen eine gesunde Mischung aus Gebrauchsanweisung und Experimentierfreudigkeit. Dies beginnt schon bei der beliebten „12-Uhr-Stellung“ aller Potis, bei der unser Testkandidat einen kaum wahrnehmbaren Effekt ohne Signal aus dem Time-Output produziert. Hier sollte man sich als Erstes mit dem Zusammenspiel aus Action- und Reaction-Poti beschäftigen. Beide Regler sind als sogenannte Center-Minimum-Potis konstruiert und entfalten ihre volle Wirkung erst ab der 10- bzw. 14-Uhr-Stellung. Hat man sich mit dieser Funktion einmal vertraut gemacht, bildet das Zusammenspiel mit dem Manual-Poti die Basis für alle weiteren Effekte. Hier ist vom leichten Chorus über extreme Flanger-Settings bis hin zur chaotischen Selbstoszillation sehr vieles möglich. 

Dabei überrascht mich das Pedal auch nach langer Testphase immer wieder mit scheinbar unvorhergesehenen Sounds, die stets lebhaft und inspirierend wirken. Das vielzitierte „Eigenleben“ des Vorbilds aus den 90er-Jahren wird hier sehr deutlich. Davon abgesehen eignet sich das Flange With No Name aber auch hervorragend für subtilere Klänge und punktet in meinen Ohren vor allem bei den leicht psychedelischen Leslie- und Univibe-Sounds. 

LFO-Switch und Stereo-Routing sorgen für Abwechslung

Wer von der eigenständigen Mischung aus Chorus und Flanger noch nicht genug hat, findet zusätzliche Abwechslung durch Variationen der LFO-Wellenformen und durch das Zuschalten des Tremoloeffekts. Dieser arbeitet grundsätzlich synchron zur Modulationsrate und verstärkt vor allem die pulsierenden Vibrato- und Flanger-Effekte noch einmal zusätzlich. Besonders spannend wird es hier im Stereobetrieb, bei dem beide Effektsektionen separat ausgegeben werden. Zusammen mit einem Delay im FX-Loop sind hier äußerst lebhafte und sphärische Sounds möglich, die man in dieser Art von kaum einem anderen Pedal kennt. 

So empfiehlt sich das Flange With No Name für alle experimentierfreudigen Gitarristen, die auf einen Schlag eine große Bandbreite an Modulationseffekten abstecken wollen und keine Angst vor einem gepflegten Chaos haben. Bemängeln könnte man, dass das Pedal keinen „echten“ Bypass hat, da der Input-Level-Circuit auch bei ausgeschaltetem Effekt aktiv bleibt (siehe letztes Audio-File). Zudem produziert das Pedal ein leicht erhöhtes Grundrauschen, das in Extremsettings recht deutlich hörbar ist. 

So klingt das Behringer Flange With No Name vor dem Amp

Wir starten den Praxisteil mit drei Beispielen verschiedener Settings, welche die Bandbreite der zu erzielenden Modulationseffekte verdeutlichen sollen. Im dritten Beispiel hören wir zusätzlich ein paar Selbstoszillationen, die aus dem Zusammenspiel von Action-, Reaction- und Rate-Poti entstehen.

Audio Samples
0:00
Chorus, Bypass → Time → Time + Space (Strat) Chorus/Vibrato, Bypass → Time + Space (Tele) Flanger/Vibe, Time → Time+Space → Selbstoszillationen (Tele) Flanger/Ring-Mod, Manual-Poti 10/12/14/16/max (Les Paul)

Sphärische Klänge im Stereobetrieb

Weiter geht es mit einem Überblick über unterschiedliche Stereo-Routing-Optionen, der Integration eines Delays im FX-Loop und den vier wählbaren LFO-Wellenformkombinationen.

Audio Samples
0:00
Stereo-Vibe/Trem, Time → Space → Time + Space (Les Paul) Stereo-Flanger + Delay im FX-Loop (Les Paul) Stereo-Flanger/Trem, LFO-Modi (Tele)

Die experimentelle Seite des Flange With No Name

In den nächsten drei Beispielen hören wir das Pedal wieder in Mono vor dem Amp mit einer Auswahl von extremeren Settings und verschiedenen Selbstoszillationen, die aus dem Zusammenspiel von Action-, Reaction-, Manual- und Rate-Poti entstehen.

Audio Samples
0:00
Praxisbeispiel 1, Time-Mode + Selbstoszillationen (Tele) Praxisbeispiel 2, Time/Space/Loop (Delay) + Selbstoszillationen (Tele) Praxisbeispiel 3, Time/Space/Loop (Delay), Selbstoszillationen ohne angeschlossene Gitarre

Für das letzte Beispiel sitzt das Flange With No Name in einem True-Bypass-Looper und wir hören das echte Bypass-Signal im Vergleich zum ausgeschalteten Effekt im Mono- und im Stereo-Modus. Von echter Signaltreue kann hier leider nicht die Rede sein.

Audio Samples
0:00
Bypass (ohne Pedal) → Bypass Mono → Bypass Stereo (Tele)
Anzeige

Fazit

Das Behringer Flange With No Name ist eine echte Empfehlung für Fans von analogen Modulationseffekten und deckt einen weiten Bereich zwischen Chorus, Vibrato, Flanger und Tremolo ab. Mit seinem Hang zum Chaotischen und Unberechenbaren empfiehlt es sich dabei vor allem für experimentierfreudige Gitarristen, die sich vom „Eigenleben“ des Pedals inspirieren lassen können. Echte Soundgourmets dürften sich unter Umständen an der Signaltreue der Bypass-Schaltung und am leicht erhöhten Grundrauschen stören. Gemessen am Preis kann man hier als Analog-Freak aber eigentlich nichts falsch machen.

Artikelbild
Flange with no name
Für 98,00€ bei
  • Hersteller: Behringer
  • Modell: The Flange With No Name
  • Typ: Chorus, Vibrato, Flanger, Tremolo
  • Herstellungsland: China
  • Anschlüsse: In, FX-Loop, Trig/Gate, CV in/Pedal, Time Out, Space(d) Out/Mono, Netzteil
  • Regler/Schalter: Manual, Depth, Rate, I/p Gain, Reaction, Action, LFO, Loopage, Time, Space, Mono/Stereo
  • Stromversorgung: 9-V-Netzteil (nicht im Lieferumfang)
  • Stromaufnahme: 400 mA
  • Abmessungen: (BxHxT) 200 x 60 x 150 mm
  • Gewicht: 1080 g
  • Ladenpreis: 98,00 Euro (Mai 2026)

Herstellerseite: https://www.behringer.com/

Hot or Not
?
Behringer_The_Flange_With_No_Name_001_FIN Bild

Wie heiß findest Du dieses Produkt?

Kommentieren
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bonedo YouTube
  • Marshall Jimi Hendrix 60th Anniversary | Ultimate Plexi Tone?
  • Crazy Sounds from the Flange With No Name
  • Vintage Tele Tones on a Budget? | Harley Benton TE-52 Tremolo | Sound Demo