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In 5 Schritten zu langen Tape Loops Workshop

Typische Kassetten-Loops haben meist eine limitierte Länge von 5–10 Sekunden. Dieser DIY-Workshop zeigt in fünf Schritten, wie man Tape Loops mit individueller Länge herstellt.

In fünf Schritten zum langen Tape Loop (Quelle: Bachmann/Geisel)

Limitierung bietet im musikalischen Schaffensprozess eine große Chance, beste Ergebnisse zu erzielen. Auf der anderen Seite ist es aber schön, möglichst viele Inspirationsquellen anzapfen zu können. Hier kommt die variable Länge der Kassetten-Tape Loops ins Spiel. Die typische Länge selbstgefertigter Kassetten-Tape Loops bietet größtenteils eine Spielzeit von 5 bis 10 Sekunden. Es ist auch nicht untypisch, den Bandlauf innerhalb der Kassette mit kleinen Rädchen zu verlängern.

Dieser Workshop konzentriert sich allerdings auf eine andere Technik. Dazu wird das Band außerhalb der Kassette laufen. Dies bietet die maximale Ausschöpfung der Tape Loop Länge. Wie man eine Kassette dafür modifiziert, erklären wir in unserem Workshop detailliert.

Inhalte

  1. Anwendung langer Kassetten-Tape Loops
  2. Werkzeuge und Vorbereitung
  3. Schritt 1: Kassette öffnen, Tape entnehmen und Kassette schließen
  4. Schritt 2: Kassette anlegen und oberhalb mit Sägen beginnen
  5. Schritt 3: Innen und außen Sägespan mit Sandpapier entfernen
  6. Schritt 4. Tape Loop in gewünschter Länge herstellen
  7. Schritt 5: Tape Loop in das Gehäuse einsetzen und bespielen
  8. Variationen geöffneter Kassetten-Tape Loops
  9. Kurze oder lange Loops?
  10. Zum Schluss

Anwendung langer Kassetten-Tape Loops

Keine Idee, was mit einem langen Loop anzufangen ist? Das folgende Video zeigt sechs lange Kassetten-Tape Loops, die verwendet werden, um ein Stück mit experimentellem Ambient-Charakter zu kreieren. Jeder der Loops spielt dabei einen bestimmten Sound ab. Zusammen ergeben sie einen breiten Klangteppich. Ein Mixer mischt die einzelnen Loops und belegt sie mit Effekten. Reverb– und Delay-Effekte eignen sich hervorragend, um einen typischen Ambient-Sound zu produzieren. Zudem werden die sechs Loops nacheinander ausgetauscht. Somit entstehen zwei verschiedene Stücke und ein ausgedehnter Übergang. Es ist auch zu erwähnen, dass diese Technik durchaus eine visuelle Komponente birgt.

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Werkzeuge und Vorbereitung

Workflow ist nicht nur ein Begriff, der beim Produzieren von Musik Bedeutung hat. Immer, wenn mehrere Schritte zum Ziel führen, sollte es einen Fahrplan geben. Um einen möglichst reibungslosen Workflow zu bekommen, empfiehlt es sich den Workshop gut durchzulesen, das Video anzusehen und sich Notizen zu machen.

Folgende Werkzeuge sind notwendig, um die Kassette möglichst effektiv und problemlos zu modifizieren:

  • Stabile Unterlage
  • Aufschraubbare Musik Kassette
  • 2 x Zwingen zum Befestigen der Bretter am Tisch
  • 2 x Leisten für die Justierung der Kassette
  • Feinsäge für das Auftrennen des Kassettengehäuses
  • Sandpapier mit 120er-Körnung zur Entfernung des Sägegrats
  • Kleiner Kreuzschraubendreher zum Öffnen der Kassette
  • Splicing Tape zum Verbinden beider Tape Enden 
  • Splicing Block für den sauberen Schnitt
  • Rasierklinge zum Schneiden des Loops
  • R16 Batterie zum leichten straffen des Magnetbandes
Alle Werkzeuge zum Modifizieren einer Kassette (Quelle: Sascha Bachmann)
Eine Übersicht der benötigten Werkzeuge (Quelle: Sascha Bachmann)

Schritt 1: Kassette öffnen, Tape entnehmen und Kassette schließen

Wie in den vorhergehenden Workshops erwähnt ist es sinnvoll das Band zunächst zurückzuspulen, damit es sich von der Leerspule einfacher entfernen lässt. Dazu schraubt man die Kassette auf und entnimmt in Folge das Band und andere Teile. Danach wird die Kassette wieder mit allen Schrauben fest verschraubt.

Schritt 2: Kassette anlegen und oberhalb mit Sägen beginnen

Jetzt kommen die Schraub-Zwingen und die zwei Leisten zum Einsatz. Die Kassette wird mittig zwischen beiden Leisten platziert und auf beiden Seiten mithilfe der Zwingen am Tisch befestigt. Jetzt kann losgesägt werden. Wenn der Umgang mit der Säge noch ungeübt ist, ist es sinnvoll, sich den Schnitt vorher anzuzeichnen. Beim späteren Sägen sollte darauf geachtet werden, den Schnitt im oberen Viertel der Kassette anzusetzen. Dies ermöglicht dem Band etwas mehr Führung. Ist diese Führung nicht vorhanden, läuft man Gefahr, dass sich das Band verdreht.

Schritt 3: Innen und außen Sägespan mit Sandpapier entfernen

Ist der Schnitt vollendet, wird die Kassette aus der Vorrichtung genommen und wieder geöffnet. Unter Zuhilfenahme von Sandpapier wird im Anschluss der entstandene Grat von außen und innen entfernt. Sinnvoll ist hier eine feinere Körnung des Sandpapiers ab 120 aufwärts. Der Grat muss entfernt werden, damit der Bandlauf nicht gestört wird.

Ansicht eines offenen Kassetten-Loops neben der Tape-Machine (Quelle: Sascha Bachmann)
Ansicht eines offenen Kassetten-Loops neben der Tape-Machine (Quelle: Sascha Bachmann)

Schritt 4. Tape Loop in gewünschter Länge herstellen

Im Unterschied zum Loop in der geschlossenen Kassette kann jetzt mit der Länge des Loops freizügig experimentiert werden. Je nachdem, was der Loop wiedergeben soll, wird die Länge angelegt. Es ist hier mehr als bei den kurzen Loops darauf zu achten, was Vorder- und Rückseite des Bandes ist. Beim typischen Magnetband ist nur eine Seite bespielbar. Mit einem wasserfesten Stift markiert man am besten die Rückseite des Tapes, um zu vermeiden, dass sich der Loop in sich verdreht.

Schritt 5: Tape Loop in das Gehäuse einsetzen und bespielen

Ist der Loop zusammengeführt, muss er mit etwas Geduld und Fingerspitzengefühl wieder in die Kassette eingefädelt werden. Es empfiehlt sich für dieses Prozedere den Loop etwas zu straffen. Damit entgeht man der Gefahr, dass sich das Band verheddert. Für das Straffen des Bandes eignet sich eine große R16 Batterie hervorragend. Auch für die spätere Verwendung beim Aufnehmen ist es weiterhin wichtig, das Band straff zu halten. Ist das Band jedoch zu straff, kann es nicht laufen. Hier ist es hilfreich, die Situation mit etwas Gefühl auszuloten.

Zu den Aufnahmetechniken gibt es im Tape Loop Recording Workshop noch jede Menge Anregung.

Kleiner Tipp: Es empfiehlt sich – falls möglich – die Klappe des Recorders zu entfernen. Das erleichtert es dem Band ungestört zu laufen.

Variationen geöffneter Kassetten-Tape Loops

Warum nicht das Kassettengehäuse bis auf ein Minimum reduzieren? Das geht natürlich auch. Meine Erfahrung ist jedoch, dass sich das Band schneller verheddert. Den Schnitt weiter oben anzusetzen, bietet dem Band mehr Führung und verringert die Gefahr von Bandsalat.

Alternativer Schnitt eines modifizierten Kassetten-Tape Loops. (Quelle: Sascha Bachmann)
Auf ein Minimum reduziertes Kassettengehäuse (Quelle: Sascha Bachmann)

Es gibt auch eine Möglichkeit, die Kassette an ihrer Seite zu öffnen. Wie im Foto zu sehen, hat diese Tascam Tape-Machine an der Seite des Gehäuses eine Aussparung. Diese ermöglicht dem Band ohne Hindernisse aus dem Recorder heraus- und hereinlaufen zu können.

Die Aussparung der Tascam eignet sich perfekt für einen seitlichen Bandverlauf außerhalb der Kassette. (Screenshot: Blank For.ms)
Seitliche Schnittvariation der Kassette in der Tascam Tape-Machine (Screenshot: Blank For.ms)
VorgangZeit
ZERTEILEN DER KASSETTE
Zurückspulen der Kassette00:03
Öffnen der Kassette00:21
Entnahme des Kassetten-Inhalts00:48
Schließen der Kassette01:04
Aufbau der Halterung zum Sägen01:19
Absägen am oberen Teil der Kassette01:42
Abschleifen des Sägegrats außen02:14
Öffnen der Kassette02:26
Abschleifen des Sägegrats innen02:38
ANFERTIGEN DES LANGEN KASSETTEN-TAPE LOOPS
Entfernen des Tapes von der Spule02:46
Entfernen des Vorlaufbands mit vertikalem Schnitt02:54
Tape Loop Länge anlegen03:08
Vertikaler Schnitt am zweiten Loop Ende03:26
Zusammenführen des langen Tape Loops03:47
Einfädeln des Tape Loops in das Kassettengehäuse04:29
Zusammenschrauben der Kassette04:41
Tape Loop straffen und abspielen04:54

Kurze oder lange Loops?

Mit der Modifizierung des Kassettengehäuses, eröffnen sich erneut viele kreative Möglichkeiten um Tape Loops musikalisch einzusetzen. Im Gegensatz zu kurzen Loops lassen sich mit langen Loops, längere Sounds produzieren. Das mag jetzt sehr einfach klingen, an dieser Stelle sollte man jedoch einmal Brian Eno’s „Music for Airports“ und Delia Derbyshires „Doctor Who Theme“ von 1963 miteinander vergleichen.

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Eno mischte 7 Tape Loops in variabler Länge von 17 bis 38 Sekunden. Sein Ziel war es, möglichst lange und ineinanderfließende Sounds zu verschmelzen. Im Gegensatz dazu arbeitete Delia Derbyshire mit kurzen und rhythmischen Loops, welche in einem Song-Arrangement münden. Es ist also schon ein großer Unterschied, ob man kurze oder lange Loops in der Musikproduktion einsetzt.

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Zum Schluss

Musik zu machen bedeutet kreativ zu sein. Warum sollte man nicht auch beim Umgang mit Instrumenten kreativ sein? Tape Loops bieten genau diesen Spielraum, mehr noch, sie fordern es geradezu. Das ist Musik erschaffen mit Haptik. Aus diesem und den vorangegangenen Workshops haben wir gelernt, wo die Unterschiede zwischen kurzen und langen Tape Loops liegen und wie man sie produziert. Insbesondere bieten die langen Tape Loops einen besonderen Spielraum, den man im ersten Schritt mit dem Modifizieren des Kassettengehäuses erreicht. Es gibt allerdings noch andere Wege zu längeren Tape Loops, ohne die Kassette zu zersägen. Dazu mehr im nächsten Workshop.

Einen umfangreichen wie detaillierten Tape Loop Kurs von Sascha Bachmann bietet die Plattform RAMP ACADEMY, welche sich auf Unterricht und Mentoring für viele Bereiche der Musikproduktion spezialisiert hat.

Weitere Folgen dieser Serie:

Tape Loop Recording Workshop Artikelbild

Tape Loop Recording Workshop

Unser Tape Loop Recording Workshop erklärt, mit welchen Aufnahmetechniken man einen Tape Loop bespielt und was dabei zu beachten ist.

22.01.2022
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von Sascha Bachmann

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