Eine gewagte These: Kassetten sind die Tonträger der Zukunft

Die Musikerin und Youtuberin Mary Spender stellt in ihrem Video „Cassette Tapes. The Future Of Music?“ Die These auf, dass die Musikkassette die Lösung für die Probleme sein könnte, mit der Musiker heutzutage zum kämpfen haben. 

Foto von Sven Rosswog

Die Kassetten-These von Mary Spender

Sind Kassetten die Zukunft des Tonträgermarktes? Eine gewagte These, denn laut der Aussage von Mary Spender liegt der Marktanteil von Tonträgern bei 13,1 %, und die der Kassetten beträgt knapp ein Prozent. Trotzdem bringt Mary Spender Gründe an, warum es schon seit Jahren eine verstärkte Nachfrage nach Kassetten gibt und warum es gute Gründe geben könnte, die Kassette als Tonträger der Zukunft nicht vollkommen auszuschließen.

  1. Manche Genres wären ohne Kassette gar nicht möglich gewesen, weil sie es ermöglichten, unabhängige Vertriebswege aufzubauen.Auch heute gibt es noch viele Label die nur Kassetten anbieten. 
  2. Eine Kassette unterstützt die Langlebigkeit von Inhalten. Eine These für die Schnelllebigkeit unserer Zeit besteht darin, dass wir Inhalte nicht mehr an Objekte binden, wodurch sie schneller wertlos werden. An eine Kassette, ein Buch oder eine Schallplatte ist man gebunden und dadurch werden sie länger genutzt und gewinnen eine andere Wertigkeit. Objekte werden durch Besitz und Benutzung mit Bedeutung aufgeladen und gewinnen dadurch an Wert. 
  3. Wer Musik auf Kassette anbietet, stellt eine echte Verbindung zu seinen Zuhörern her. Die Kassette lässt sich anfassen und ist ein direkter Ausdruck des Künstlers. Man hört die Kassette nicht immer, aber man besitzt sie und baut eine Bindung zur Musik auf. Siehe auch:  Punkt 2. 
  4. Kassetten sind preisgünstig in der Herstellung und mit ihnen könnten mehr Einnahmen erzielt werden als nur durch Streaming. Nach dem Rechenbeispiel von Mary Spender müssen 88.000 Streams erzielt werden, um 300 Dollar zu verdienen, wohingegen man nur 30 Tapes verkaufen muss, um 300 Dollar einzunehmen. Die Frage ist, welches Ziel realistischer zu erreichen ist?  
  5. Mit Kassetten macht man sich unabhängig von Streamingdiensten. 
  6. Die Abos von Streamingdiensten werden immer teurer und gleichzeitig werden die Nutzungsdaten ausgewertet. Algorithmen bestimmen das Nutzungsverhalten und sind intransparent. Streamingdienste bewerben Musik, die gehört werden soll und nicht Musik, die der Zuhörer sich selbst aussucht. Mit Kassetten bestimmt der Zuhörer selbst die Inhalte. 
  7. Streamingdienste löschen immer wieder Musik, daher besteht kein Anrecht darauf, dass Lieblingssongs für immer auf den Streamingplattformen vorhanden sind. Mit Kassetten kann der Zuhörer jederzeit die gewünschte Musik hören.

Mit vielen ihrer Thesen unterstützt Mary Spender selbstverständlich den Kassetten-Hype. Abgesehen davon können viele der Thesen auf alle Medien zutreffen und gelten nicht nur für die Kassette. Natürlich ist Vinyl in der Herstellung teurer, aber eine CD zu brennen, dürfte auch nicht mehr kosten, als eine Kassette zu bespielen.Man kann sein Herz an ein Buch, eine Schallplatte, eine CD oder eben auch an eine Kassette hängen und macht sich tatsächlich von den Algorithmen der Streamingdienste unabhängig. Natürlich gibt es auch viele Argumente gegen die Kassette, wie z. B. Bandsalat, das unsägliche Spulen und das Rauschen. Man kann dieses Video auch als Aufforderung sehen, sich mit unserem Medienkonsum auseinanderzusetzen und sich klar zu machen, wen wir mit den derzeit angesagten Modellen des Medienkonsums unterstützen und ob wir vielleicht an der einen oder anderen Stelle in der Lage sind, unser Verhalten zu ändern.

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Eine kurze Kassetten Exkursion

Nach vielen Versuchen wurde 1963 die Kassette, wie wir sie kennen, von Lou Ottens für Philips entwickelt. Phillips verzichtete in Verhandlungen mit anderen Herstellern auf Lizenzrechte und konnte damit eine Standardisierung durchsetzen. Lou Ottens war von dem Erfolg überrascht, trauert der Kassette aber nicht nach. Er ist der Meinung, dass Kassettenliebhaber Nostalgiker seien, denn wegen der Klangqualität hört man sich eine Kassette nicht an. Lou Ottens war später auch an der Erfindung der CD beteiligt.

Sehr viele Leser werden mit Kassetten aufgewachsen sein, und mit Sicherheit gibt es eine Generation von Bonedo Lesern, die nichts über Kassetten weiß oder sie wiederentdeckt. Bis in die 2000er-Jahre war die Kassette das Massenmedium ihrer Zeit. Sie wurde dazu genutzt Musik zu hören und aufgrund ihrer Größe konnte sie im Auto oder in einem Walkman gehört werden. Sie war praktisch, weil man Vinyl, CDs oder Radio auf ihr aufnehmen konnte. So war es auch möglich, ein Mixtape zusammenzustellen, was ein altmodischer Begriff für Playlist ist.

Die Kassette wurde zuerst durch preisgünstige CD-Brenner vom Markt verdrängt. Der Todesstoß wurde ihr durch die Verbreitung von MP3 versetzt. Heutzutage kann die Frage gestellt werden, wer sich im Zeitalter von Streaming noch ernsthaft für Tonträger interessiert? Am Anfang dieses Textes wurde festgestellt, dass der Marktanteil von Tonträgern bei 13,1 % liegt und davon hält die Kassette ein Prozent. Trotzdem gibt es nach wie vor Kassettenliebhaber und damit Hoffnung.

Screenshot Mary Spender Video
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Profilbild von x_vice

x_vice sagt:

#1 - 24.06.2024 um 11:34 Uhr

1

Das klingt mir viel zu sehr nach: "Wann wird es endlich wieder so, wie es früher nie war?" Wenn man so wie ich mit Audiokassetten aufgewachsen ist, ist der Hype darum schwer nachvollziehbar. Kassetten sind *keine* haltbaren Tonträger, die Bänder verschleißen, die Höhen verschwinden immer mehr je öfter das Band gespielt wurde (wer entmagnetisiert seinen Kassettentonkopf regelmäßig um das zu reduzieren?) und ältere Bänder verwickeln sich irgendwann im Laufwerk, weil sie nimmer so laufen wie sie sollen... In Wirklichkeit waren Kassetten nie mehr als eine Notlösung, weil es technisch nix besseres gab. Was waren wir alle froh, als zuerst dank CD-Brenner und dann MP3 kamen, und der elende Bandsalat endlich Geschichte war! Klar, zum schnellen Verteilen von Musik sind Kassetten unschlagbar, weil superbillig in der Herstellung. Man bekommt dafür halt auch nur einen superbilligen Tonträger mit bescheidener Tonqualität, der maximal 5 Jahre hält. Wem das recht ist, bitteschön.

    Profilbild von BadTicket

    BadTicket sagt:

    #1.1 - 28.06.2024 um 14:45 Uhr

    0

    CDs könnte man auch heute noch brennen. Sind zwar auch nicht unbegrenzt haltbar, aber klingen wenigstens besser. Aber wenn schon, dann: Winül :-)

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