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Tape-Delay mit Tonbandgerät bauen Workshop

Der Delay-Effekt ist neben dem Reverb einer der ältesten und beliebtesten Effekte in der Musik überhaupt. Allein deshalb bietet der heutige Markt eine Vielzahl von Geräten, die sich dem Delay-Effekt widmen. Von digitalen Neuheiten über Vintage-Modelle bis hin zu modernen Nachbauten alter Geräte. Das Tape-Delay nimmt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle ein.

Tape-Delay mit Tonbandgerät bauen Workshop
Workshop: Tape-Delay mit Tonbandgerät selbst bauen (Quelle: Sascha Bachmann)

Dieser Workshop klärt, was man unter einem Delay versteht, welchen Effekt es bietet und wer es erfunden hat. Darüber hinaus beschreiben wir detailliert, mit welchen Mitteln kann man sich den Effekt selbst bauen kann und was man dafür benötigt.

Inhalte
  1. Was versteht man unter einem Delay?
  2. Die Tape-Delay Story
  3. Tape-Delay selbst bauen Workshop
  4. Audiobeispiele zum Workshop
  5. Zum Schluss

Was versteht man unter einem Delay?

Der englische Begriff Delay bezeichnet verschiedene Verfahren zur Erzeugung von akustischen Verzögerungseffekten.

Zu diesen zählen Reverb (Nachhall), Echo sowie weitere Effekte. Delay-Effekte werden durch raumakustische, elektroakustische oder softwarebasierte Verfahren erzeugt und für verschiedene Zwecke eingesetzt, darunter für die Gestaltung von Klängen, für die Abmischung (Mixing) von Tonaufnahmen oder für die Beschallung von Live-Events. Dieser Workshop beschreibt die Erzeugung des Echo-Effekts mithilfe einer Tonbandmaschine. Man spricht hier vom sogenannten Tape-Delay.

Die Tape-Delay Story

Die Geschichte des Delay-Effekts, genauer gesagt des Tape-Delays beginnt in den 1940er Jahren und geht auf den Wunsch zurück, einen räumlichen Sound zu erzeugen. Für die Umsetzung wurden zwei hintereinander geschaltete Tonbandgeräte benötigt. Das erste Gerät zeichnete auf und gab das Audiosignal in Echtzeit wieder. Das Band wurde weitergeleitet an die Aufrollspule des zweiten Tonbands. Durch die Verzögerung der Wiedergabe erzeugte das zweite Gerät somit ein Echo. Auf diese Weise entstand ein künstlicher Raumsound, den man der Aufnahme hinzufügen konnte.

Besondere Tape-Delay Entwicklungen

Wenn es um Erfindungen im Zusammenhang mit Tape und Gitarre geht, muss natürlich Les Paul erwähnt werden. Er brachte die erste Tape-Delay Maschine (Band-Echo) auf den Markt. Die legendären Sun Studios in denen u. a. Elvis Presley aufnahm, machten diesen typischen Effekt berühmt. Danach kam Ray Butt ins Rennen. Er kreierte in 1950er Jahren einen Gitarrenverstärker mit integriertem Tape-Delay namens „Echosonic“. Dieses Gerät bot einen sehr kurzen Echo-Effekt, den man eher als Slapback-Echo bezeichnet; längere Verzögerungszeiten erlaubte diese Technik nicht. Echosonic bot aber die Vorlage für alle späteren Modelle bzw. Varianten.

Ray Butts Echosonic (Quelle: https://www.vintageguitar.com/36894/the-ray-butts-echosonic/)

Danach folgten viele weitere wichtige Erfindungen. Eine der eindrucksvollsten ist wohl das Roland Space Echo. Dieses mit drei Tonköpfen versehene Gerät verfügte zusätzlich über einen Equalizer und einen Federhall (Spring-Reverb). Das von Roland im Jahr 1974 in den Markt gebrachte Space Echo ist bis heute eines der beliebtesten Tape-Delays der Welt.

Tape-Delay: Roland RE-201 Space Echo
Der Klassiker: Roland RE-201 Space Echo. (Quelle: https://www.vintagesynth.com/roland/re201.php)

Tonbandgeräte mit Monitorfunktion ersetzen zweites Bandgerät

Um ein Tape-Delay selber zu bauen, benötigt man nicht unbedingt zwei Tonbandgeräte. Ein Tonbandgerät mit Monitorfunktion – zu Deutsch: Hinterbandkontrolle – erfüllt diesen Zweck bereits. Die Hinterbandkontrolle diente ursprünglich zur Überprüfung der laufenden Aufnahme und ist meistens in den etwas hochwertigeren Modellen zu finden. Drei dieser sogenannten Three-Head-Recorder sollen hier vorgestellt werden.

Sehr beliebt und auf dem Kassettenrecorder-Markt hoch gehandelt sind die Marantz PMD 221/ 222 Modelle. Klein, kompakt und besonders für Fieldrecordings geeignet.

Marantz PMD 221: Kassettenrecorder mit Monitorfunktion
Kassettenrecorder mit Monitorfunktion: Marantz PMD 221. (Quelle: https://aisynthesis.com/ modifying-the-marantz-pmd221/)

Nach wie vor ein Geheimtipp ist das Uher Royal De Luxe. Es ist wahrscheinlich nicht das schönste Gerät, dafür kommt es jedoch mit einer Vielzahl an Funktionen. Diese ermöglichen dem Sounddesigner ein weites Spektrum im Bereich der Klangerzeugung.

Uher Royal de luxe in Vorderansicht.
Uher Royal De Luxe: Der Geheimtip in der Tape Loop Szene. (Quelle: Sascha Bachmann)

Wer ein absolutes Sahnestück der Tape-Machines bevorzugt, dem sei das Uher 4000 Report Monitor empfohlen. Es ist als Mono-Gerät und auch als Stereo-Variante erhältlich. Übrigens kann man diese Bandmaschine noch im NOS – new old stock – käuflich erwerben. Im Video weiter unten ist dieses Tonbandgerät in Aktion zu sehen.

Uher 4000 Report Monitor: Mono-Tonbandmaschine.
Uher 4000 Report Monitor: Mono-Tonbandmaschine. (Quelle: https://www.next-archive.com/wp-content/uploads/2020/04/D05_0967.jpg)

Die Uher Geräte verwenden noch 5-Pol-Stecker. Es wird empfohlen, sich einen Adapter wie diesen zuzulegen.

Miniklinke zu 5-Pol-DIN-Kabel
Nützlicher Adapter: Miniklinke zu 5-Pol-DIN-Kabel. (Quelle: Sascha Bachmann)

Tape-Delay selbst bauen Workshop

Welches Material wird für den Tape-Delay Workshop benötigt?

  • Tape-Recorder mit Monitorfunktion
  • Klangerzeuger (z.B. Keyboard, Gitarre, Mikrofon … etc.)
  • Mischpult zum Zusammenführen von Audiosignalen
  • Verbindungskabel

In wenigen Schritten zum Tape-Delay mit dem Tonbandgerät

Um einen Delay-Sound zu erzeugen, braucht man gewisse Geräte. Unverzichtbar ist ein Tape-Recorder mit Monitorfunktion (Hinterbandkontrolle). Des Weiteren wird ein Klangerzeuger benötigt. In diesem Workshop erfüllt ein altes Casio PT-1 Keyboard diesen Zweck. Dieses bietet viele typische Sounds, unter anderem den berühmten Beat von Trio’s „da da da“ Song. Als letztes Glied in der Kette kommt ein Mixer ins Spiel. Dieser führt die Audiosignale zusammen und macht sie aussteuerbar.

Tape-Delay Instrumentarium komplett
Tape-Delay Instrumentarium komplett. (Quelle: Sascha Bachmann)

Schritt I

Zunächst wird der Keyboard-Ausgang mit dem Tonband-Eingang verbunden, um das Audiosignal aufzunehmen. Dazu wird ein 3,5-Klinke zu DIN 5-Pol-Kabel benötigt. Dann wird der Ausgang des Tape-Recorders mit dem ersten Kanal des Mixers verbunden. Im Anschluss schickt man den Monitor-Ausgang in den zweiten Kanal des Mixers. Auch hier werden DIN-auf-Klinke-Kabel verwendet. Somit hat man nun auf Kanal 1 das originale Audiosignal und auf Kanal 2, das verzögerte Audiosignal. Optional kann am Mixer auch die Send-/Return-Funktion genutzt werden. Die folgende Infografik soll dabei helfen, den Überblick zu behalten.

Tape-Delay Infografik
Tape-Delay Infografik.(Quelle: Sascha Bachmann)

Schritt II

Damit das Audiosignal im Mixer ankommt, muss der Tape-Recorder auf Record (Aufnahme) eingestellt sein. Im nächsten Schritt muss man das anliegende Audiosignal einpegeln. Das Uher Tonbandgerät kann für unterschiedliche Delay-Varianten in vier verschiedenen Bandgeschwindigkeiten betrieben werden. Diese werden in Zentimeter pro Sekunde angegeben. Die Geschwindigkeiten sind deshalb interessant, weil sie die Länge des Delays bestimmen. Je langsamer das Tempo, desto später das Delay. Wie in den Audiobeispielen gut zu hören ist, erzeugt die schnellste Geschwindigkeit von 19 cm/sek, ein sehr kurzes Delay, das man eigentlich nur als Räumlichkeit wahrnimmt.

Tipp

Interessante Effekte lassen sich erzeugen, wenn man das Band manuell manipuliert (gut zu hören in Aufnahme 3 und 4). Dazu halte ich das Band zwischen Daumen und Zeigefinger und kontrolliere gefühlvoll das Tempo. Es entsteht ein „woobeliger“ Effekt.

Audiobeispiele zum Workshop

Audio Samples
0:00
1. Beat 2,4 cm/sek Delay 2. Beat 4,75 cm/sek Delay 3. Beat 9,5 cm/sek Delay + manuelle Bandmanipulation 4. Beat 19 cm/sek Delay + manuelle Bandmanipulation 5. Sound 2,4 cm/sek Delay 6. Sound 4,75 cm/sek Delay 7. Sound 9,5 cm/sek Delay 8. Sound 19 cm/sek Delay

Video zum Tape-Delay Workshop

Tape-Delay per Tonbandgerät erzeugen. (Video: Sascha Bachmann)

Timeline zum Tape-Delay Video

ZeitAktion
Benötigte Geräte
00:11Tonbandgerät mit extra Monitor-Tonkopf
00:302x DIN XLR, 1x DIN Miniklinke Kabel
00:37Tonquelle (Keyboard)
00:396-Kanal Mischpult
Geräteaufbau
00:52Verbinden von Tonband-Ausgang mit Mixer-Eingang und Tonband Monitor-Ausgang mit Mixer-Eingang
01:02Verbinden von Keyboard Ausgang mit Tonband Eingang
Demo verschiedener Delay-Längen mit Tönen
01:08Pausierten Aufnahme-Modus und Bandgeschwindigkeit einstellen
01:12Abspielen von Ton mit Delay bei 2,4 cm/sek Bandgeschwindigkeit
01:37Einstellen der höheren Bandgeschwindigkeit 4,75 cm/sek und abspielen von Ton mit Delay
01:58Einstellen der höheren Bandgeschwindigkeit 9,5 cm/sek und abspielen von Ton mit Delay
02:15Einstellen der höheren Bandgeschwindigkeit 19 cm/sek und abspielen von Ton mit Delay 
Demo verschiedener Delay-Längen mit Beats
02:37Abspielen von Beat mit Delay bei 19 cm/sek Bandgeschwindigkeit
02:59Abspielen von Beat mit Delay bei 9,5 cm/sek Bandgeschwindigkeit und manueller Bandmanipulation
03:23Abspielen von Beat mit Delay bei 4,75 cm/sek Bandgeschwindigkeit und manueller Bandmanipulation
03:53Abspielen von Beat mit Delay bei 2,4 cm/sek Bandgeschwindigkeit und manueller Bandmanipulation

Zum Schluss

Klar ist, dass handelsübliche Analog- oder Digital-Delays mehr Einstellungen bieten und auch zuverlässiger arbeiten. Wer sich jedoch als Soundtüftler versteht und offene Ohren für all die unperfekten Klänge hat, wird mit diesem Tape-Delay im DIY-Verfahren glücklich, denn es bietet gerade durch seine Einschränkungen mehr Spielfläche zum Experimentieren. Charakteristisch ist auch der spezielle DIY Tape-Delay Sound. Egal ob eine Kassetten- oder Tonband-Variante, der Sound liefert eine ganz besondere Färbung, die von handelsüblichen Delay-Effekten nicht erreicht wird. All das bietet Raum, Sounds zu erforschen und mit ihren Besonderheiten Musik zu kreieren.

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von Sascha Bachmann

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