Anzeige
ANZEIGE

Gear-Chat & Interview: Raymond “Ray” Blake (Sasha)

Raymond „Ray“ Blake ist seit drei Jahrzehnten fester Bestandteil der deutschen Musikszene. Auf seinem Konto stehen zahllose Studiosessions, Konzerte und Tourneen. Ray arbeitet unter anderem mit Cosmo Klein oder Stefanie Heinzmann zusammen. Vor allem aber ist der 54ährige mittlerweile seit mehr als zwei Jahrzehnten fester Bassist bei Sasha, seines Zeichens einer DER deutschen Top-Acts. Sashas soeben beendete Deutschland-Tournee trug den Beinamen „The Show“ und umspann seine komplette Karriere mit Songs der unterschiedlichsten Stilistiken. Ein solcher Job bringt unweigerlich einige Herausforderung in Sachen Spieltechnik und Basssound bzw. Equipment mit sich. Wie Ray diese gemeistert hat, haben wir ihn noch während der Tour gefragt.

Ray Blake
Gear-Chat & Interview: Wir haben den langjährigen Sasha-Bassisten Ray Blake zu seiner Karriere und seinem Equipment befragt

Karibische Wurzeln

Ray, du hast seitens deiner Eltern karibische Wurzeln, bist in London geboren und bereits in sehr jungen Jahren nach Deutschland gekommen. Inwiefern hat dich diese Konstellation auch musikalisch geprägt?

Ray Blake: Ich stamme aus einer sehr musikalischen Familie, vor allem Soul, R&B, Blues und natürlich Reggae wurden bei uns zu Hause sehr viel gehört. Mein Vater ist ein begeisterter Musikliebhaber mit einer riesigen Vinyl-Sammlung. Von ihm konnte ich mir in meinen jungen Jahren immer wieder Platten leihen, die mich faszinierten. Es gab kaum etwas, was sich nicht in seiner Sammlung befand. Mein Vater war es auch, der mich im Alter von 12 Jahren zu meinem ersten Konzert mitnahm: Bob Marley in Dortmund! Das war ein unglaubliches und wahnsinnig prägendes Erlebnis!

War es immer dein Ziel, Musik zu deinem Beruf zu machen? Oder war das ein schleichender Übergang?

Auch interessant: So läuft dein Bass-Soundcheck perfekt ab!
Auch interessant: So läuft dein Bass-Soundcheck perfekt ab!
5 Tipps & Riffs für einen gelungenen Bass-Soundcheck

Ausbildung zum Gärtner

Ray Blake: Der Wunsch wuchs so nach und nach in mir. Nach der Schule machte ich zunächst eine Ausbildung als Zierpflanzengärtner. Ich spürte aber bald, dass das nicht wirklich meine Berufung war. Nebenbei hatte ich schon eine gut laufende Coverband und immer wieder andere Jobs z. B. ein The Commitments Tribute. Um Musik studieren zu können, habe ich daraufhin mein Abitur nachgemacht. Witzigerweise habe ich das Studium jedoch nie begonnen, da ich zu dem Zeitpunkt bereits zu busy war. Da war es dann auch endgültig an der Zeit, den Beruf als Zierpflanzengärtner an den Nagel zu hängen.

Hattest du jemals Unterricht, oder bist du komplett Autodidakt?

Ray Blake: Doch, ich hatte mal ein Jahr Unterricht, ansonsten habe ich mir alles durch raushören selbst beigebracht und bei jeder Möglichkeit versucht, mir bei anderen Bassisten etwas abzuschauen.

Ray Blake live
Ray Blake auf der Bühne mit Drummer Sven Petry (verdeckt)

Bassist von Sasha

Du spielst seit den ersten Tagen in Sashas Band, und Sasha ist unbestritten einer der bedeutendsten deutschen Topstars. Wie verlief deine Karriere bis dahin und wie bist du in die Szene gekommen?

Ray Blake: Wie gesagt hatte ich bereits immer wieder Jobs und auch eine gut gebuchte Coverband. Eine befreundete Sängerin fragte mich eines Tages, ob ich für sie im Studio ein paar Songs einspielen könnte. Das war so Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre. Das Studio hieß „Clickmusic“ und befand sich in Werl, das zwischen Dortmund und Soest liegt. Dort arbeitete auch das Team, welches kurze Zeit später den deutschen Rapper „Der Wolf“ produzierte, der dann mit Hits wie „Gibt’s doch gar nicht“ und „Oh Shit, Frau Schmitt“ durchstartete. Ihnen gefiel wohl, was ich für die befreundete Sängerin damals im Studio spielte und engagierten mich prompt für den Wolf. Wie der Zufall so will, nahm das gleiche Produzenten-Team auch Sasha unter seine Fittiche. Mit ihm hatte ich schon zuvor einige Background-Chöre im „Clickmusic“-Studio eingesungen. Und zum Glück wurde ich auch dieses Mal wieder für die Stelle des Bassisten gefragt!

Sasha The Show
Ray Blake (ganz rechts) on stage mit Sasha & Band (pic: Steff Aperdannier)

Touralltag bei “Sasha – The Show”

Wie läuft die aktuelle Tour bisher? Bemerkst du einen Unterschied zu der Zeit vor der Corona-Pandemie?

Ray Blake: Ich persönlich habe das Gefühl, dass das Publikum die Konzerte mehr zu genießen scheint. Sie nehmen Livemusik nicht mehr als selbstverständlich und erleben den Moment intensiver – zumindest ist das mein Eindruck! Natürlich gibt es auch viele, die nach wie vor vorsichtig bleiben und Maske tragen, aber vieles ist Gott sei Dank auch in diesem Bereich wieder relativ normal.

Wie verläuft ein normaler Tag auf Tour mit Sasha? Wie sieht dein Tour-Alltag in der Regel aus? Manch einer hat davon ja eine recht romantische Vorstellung, aber tatsächlich ist das Ganze ja auch wirklich harte Arbeit …

Auch interessant: Die besten Licks des Top-Freelancers Pino Palladino!
Auch interessant: Die besten Licks des Top-Freelancers Pino Palladino!
Play-Alike Pino Palladino – Bass Workshop

Ray Blake: Bei dieser Tour ist es etwas anders, da wir nicht mit dem Nightliner unterwegs sind. Das heißt, wir schlafen ausschließlich in Hotels. An einem „normalen“ Tag sieht der Zeitplan ungefähr so aus: Zuerst natürlich aufstehen und frühstücken im Hotel, dann mit dem Bus direkt zu dem Venue, wo wir abends spielen. Nach der Ankunft machen wir den „normalen“ Soundcheck, darauf folgt noch ein „VIP-Soundcheck“ für Gäste mit entsprechenden Tickets. Da wir für den „Dick Brave“-Teil der Show die Bühne und das Equipment wechseln, machen wir dafür auch noch einen extra Soundcheck. Dann gibt es vor Ort Abendessen und etwas Zeit, um sich in Schale zu werfen. Und dann ist auch schon Showtime. Nach dem Gig geht es direkt ins Hotel und am nächsten Tag geht das Ganze wieder von vorne los.

Ray Blake
Ray Blake: “Die größte Herausforderung war für mich ganz klar der Kontrabass!”

Ray Blake und die “Herausforderung Kontrabass”

Die aktuelle Tour umspannt Sashas mittlerweile beachtlich lange Karriere mit Songs aus allen Epochen. Welche Herausforderung bringt das für dich mit sich?

Ray Blake: Die größte Herausforderung in der Vorbereitung war für mich ganz klar der Kontrabass! Den benötige ich für den „Dick Brave“-Part innerhalb der Show. Ich habe tatsächlich vorher noch nicht Kontrabass gespielt und musste natürlich feststellen, dass das doch ein vollkommen anderes Instrument mit einer ganz anderen Spieltechnik ist. Und dass der Kontrabass auch einen ganz anderen physischen Einsatz erfordert. Daher habe ich dann bereits mehrere Monate vor der Tour mit dem Üben begonnen und bei dieser Gelegenheit auch etwas Unterricht genommen.

Equipment Ray Blake

Wie beeinflusst das Programm die Wahl deiner Bässe? Welche Bässe nimmst du mit auf Tour, und welchen verwendest du für was?

Ray Blake: Mein Hauptbass ist ein Fender Jazz Bass USA Deluxe 5-Saiter, der einfach ein toller Allrounder ist. Er kommt bei allen Popsongs und Balladen zum Einsatz. Wir haben einen kleinen Abschnitt in der Show, in dem wir ein paar 90’s-Rocksongs covern. Um das etwas authentischer zu machen, greife ich da zu einen Fender Precision American Professional, der mit einem Pickup von Seymour Duncan gepimpt wurde. Für den Song „Lucky Day“ kommt ein Höfner 500/1 Violin Bass zum Einsatz, der einen richtig schönen warm-weichen Sound besitzt. Er kommt der Originalaufnahme am nächsten. Wir covern ja im Set auf dieser Tour auch einige Songs, um Sashas musikalische Einflüsse aufzuzeigen. Dazu gehört unter anderem auch „The Power Of Love“ von Huey Lewis & The News. Die Gitarren sind bei diesem Song einen Halbton tiefer gestimmt. Dafür spiele ich extra einen Japan Fender Jazz Bass Vintage Reissue aus den 90er-Jahren. Als Ersatz habe ich darüber hinaus auch noch einen Music Man Stingray dabei, der früher übrigens einmal mein Hauptbass war. Dann ist da natürlich noch der Kontrabass und ein Novation Bass Station Keyboard für den Song „Der Kommissar“. Das wäre dann alles an Bässen!

ray blake fender jazz bass
Fotostrecke: 6 Bilder Ray Blake mit seinem Hauptbass, einem fünfsaitigen Fender Jazz Bass.
Fotostrecke
Auch interessant: So arbeitest du optimal mit einem Bass-Kompressor!
Auch interessant: So arbeitest du optimal mit einem Bass-Kompressor!
Bass-Kompressor richtig einstellen

Das ist ja doch eine stattliche Anzahl! Und wie sieht es mit Amps aus? Hast du noch einen auf der Bühne – und wenn ja: welchen? Oder läuft auch bei euch mittlerweile alles über In Ear Monitoring?

Ray Blake: Wir spielen natürlich schon länger alle mit In Ear Monitoring. Sowohl die Gitarristen als auch ich haben aber trotzdem noch zusätzlich Amps auf der Bühne. Ich nutze einen Ampeg SVT 3 Pro mit einer Ampeg 4×10 HF-Box. Wirklich laut werden die Verstärker aber nicht aufgerissen, sie dienen einfach dazu, für etwas bewegte Luft und mehr Kontrolle zu sorgen!

Verwendest du irgendwelche Effekte – und wenn ja, wie sieht dein Pedalboard aus?

Ray Blake: Auf meinem Board befindet sich ein Fender A/B-Schalter, ein Boss GEB 7 Equalizer, ein Mutron Reissue Envelope Filter, den ich aber bei Sasha gar nicht verwende, ein Boss Tuner und ein TC Electronics Sub ‘n’ Up Octaver. Den finde ich übrigens richtig spannend, da er sehr viele klangliche Optionen bietet.

Sasha Band
Gruppenbild ohne Damen und Chef: Die Musiker von “Sasha – The Show”

Weitere Projekte

Welche musikalischen Aktivitäten verfolgst du neben Sasha? Was sind dein aktuellen Projekte und Pläne nach der Tour?

Ray Blake: Natürlich spiele ich in und um Dortmund herum viele Jobs und auch einige Theater-Revues. Bei der Schweizer Sängerin Stefanie Heinzmann helfe ich ebenfalls ab und zu aus. Mein wichtigstes Projekt neben Sasha ist aber sicherlich der Berliner Sänger und Songwriter Cosmo Klein. Zudem unterrichte ich an vier Tagen in der Woche an zwei privaten und einer städtischen Musikschule – aber natürlich nur, wenn ich nicht gerade unterwegs bin!

Ray, vielen Dank für deine Zeit und die spannenden Einblicke in deinen Arbeitsalltag! Viel Erfolg noch auf der Tour!

Weblinks: www.sasha.de, www.cosmopolytix.com

Hot or Not
?
Ray Blake Sasha Bass

Wie heiß findest Du diesen Artikel?

flame icon flame icon flame icon flame icon flame icon
Your browser does not support SVG files

von Thomas Meinlschmidt

Kommentieren
Kommentare vorhanden
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Für dich ausgesucht
Darkglass meets Music Man: Vorhang auf für den Dark Ray!
Bass / Feature

Die Sensation ist perfekt: Music Man und Darkglass realisieren ein gemeinsames Bassprojekt! Vorhang auf für den Music Man DarkRay, der zwei Verzerrer-Einheiten direkt in seinem Onboard-Preamp mitbringt!

Darkglass meets Music Man: Vorhang auf für den Dark Ray! Artikelbild

Habt ihr ihn schon vernommen, den großen Aufschrei, der derzeit durch die Szene geht? Grund dafür ist der neue Music Man DarkRay, eine Kollaboration der Firmen Music Man aus den USA und Darkglass aus Finnland. Auf den ersten Blick sieht der Music Man DarkRay aus wie ein klassischer Music Man Stingray - und tatsächlich kann man ihn auch ebenso einsetzen, wenn man denn möchte. Doch unter der bekannten Oberfläche schlummert ein echtes Monster!

Top-Gear für Bassisten: Caveman Audio aus Dänemark
Bass / News

Bei der Konzeption und der Herstellung des edlen Bass-Equipments geht die dänische Firma Caveman Audio keinerlei Kompromisse ein. Für Bassisten hat man die Bass-Preamps BP1 und BAS1 im Programm!

Top-Gear für Bassisten: Caveman Audio aus Dänemark Artikelbild

Die dänische Company Caveman Audio um Steen Skrydstrup hat es sich zur Aufgabe gemacht, die weltweite Bassistengemeinde mit Boutique-Equipment zu versorgen, welches selbst höchsten Ansprüchen Genüge tut. Die Zeichen stehen gut, kann Mastermind Skrydstrup doch auf eine mehr als 25 Jahre umfassende Erfahrung im Bereich der Herstellung von Custom-Equipment für bekannte Musiker wie Steve Morse, Rammstein, Steve Stevens, The Edge oder The Scorpions zurückblicken. (Alle Bilder zur Verfügung gestellt von Caveman Audio)

Bonedo YouTube
  • Sandberg California II TT 4 BTW HCAR - Sound Demo (no talking)
  • Joyo BadASS - Sound Demo (no talking)
  • Boss Katana 110 Bass - Sound Demo (no talking)