Bass
Test
7
20.11.2017

Praxis

Aufgrund der Masse des Bodies und der ausladenden Rundung sitzt der Hope 5 felsenfest auf dem Oberschenkel. Kopflastigkeit ist ihm vollkommen fremd. Das lange obere Korpushorn beeinträchtigt die Bespielbarkeit in höheren Lagen in keiner Weise - man nimmt es genaugenommen gar nicht wahr! Das untere Cutaway gewährt freien Zugang bis hoch zum 24. Bund.

Der Hals besitzt ein asymmetrisches D-Profil, welches für eine wirklich sehr angenehme Bespielbarkeit sorgt. Er ist für solides und zupackendes Groovespiel auf den tieferen Saiten etwas kräftiger, zu den höheren Saiten hin flacht er jedoch etwas ab: Fills, Soli, Akkorde etc. fallen dadurch leichter. Der Hope fühlt sich trotz Singlecut-Bauweise und modernem Design sofort vertraut an und fordert mir tatsächlich keinerlei Umgewöhnung ab.

Kommen wir zu einem Wermutstropfen: Der Hope 5 hat, bedingt durch die Singlecut-Konstruktion, mehr Masse, die auch unweigerlich zu mehr Gewicht führt. Trotz WPS zeigt die Waage satte 5 kg. Allerdings sollte man natürlich nie das reine Datenblatt betrachten, denn die Ergonomie ist hierbei ja viel entscheidender. Tatsächlich wirkt der Hope am Gurt etwas leichter, da sein Gewicht gut verteilt ist. Er zerrt nicht an der Schulter und man könnte denken, er hat auf magische Weise locker ein Kilo abgespeckt. Sicherlich werden sich die 5 kg bei längerem Spiel im Stehen bemerkbar machen, aber man sollte sich erst einmal nicht davon abschrecken lassen und selbst probieren.

Zieht man das Konzept, Konstruktion und Design in Betracht, hat Danijel wohl auch eine Zielgruppe im Auge, die eher konzertant unterwegs ist und weniger fünfstündige Cover-Gigs mit schweißtreibender Bühnenshow spielt.

Kommen wir zum Vorteil von mehr Masse: dem Sound. Alle Bassbauer, mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe, bestätigten die einfache Formel, die besagt, dass mehr Masse am Bass auch für einen wuchtigeren Ton sorgt. Schon akustisch beeindruckt der Hope 5 mit genau diesem Attribut, zumal die Hohlkammern im Korpus dafür sorgen, dass er auch ohne Amp schon ordentlich laut ist. Das Konzept mit Singlecut, durchgehendem Hals und WPS geht hier voll auf und alle Versprechungen, die diese aufwendige Konstruktion macht, hält sie auch. "Mächtig", "definiert", "differenziert" und "laut" beschreiben den akustischen Ton des Hope am besten. Auch eine schnelle Ansprache darf man ihm getrost bescheinigen. Hut ab, das ist schon mal großes Kino!

Bringt man die Dolezal-Humbucker ins Spiel, bestätigen sich durchweg alle akustischen Eindrücke, die ich oben schon gelobt habe. Hinzu kommt eine enorme Wucht bis tief hinunter zum tiefen H ‑ der Ton steht geradezu im Raum! Kräftiges Output besitzen die Dolezals auch reichlich, den Gain-Regler meines Amps muss ich im Vergleich zu meinen eigenen Bässen doch deutlich zurückdrehen.

Die Pickups bringen im Vergleich zum akustischen Test zudem eine leichte Betonung der Mitten ins Spiel, die für viel Präsenz, Akzentuierung und für die saubere Trennung der einzelnen Töne sorgt. Durch die Verschaltung der Spulen (Singlecoil, Parallel, Seriell) via Kippschalter hat der Wreck Hope 5 bereits eine breite Palette an "Presets". Im passiven Modus kann man diese noch mit der Tonblende feintunen.

Aktiviert man den Hope, so stehen mit der Glockenklang 3-Band Elektronik unzählige Sounds zur Verfügung. Aufgrund dieser enormen Vielfalt habe ich mich bei den Soundbeispielen und im Video auf den Grundsound des Hope 5 beschränkt, d.h. Passiv-Modus und die verschiedenen Konfigurationen der Pickups. Das sind allein bereits neun (!) verschiedene Sounds, ohne die Höhenblende oder die Elektronik zu bemühen. Was ab da noch alles möglich ist, kann sich sicher jeder vorstellen!

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