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Workshop
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22.01.2017

Bass stimmen mit und ohne Stimmgerät - Workshop

"Wie stimme ich meinen Bass?" - Bass Tuning für Einsteiger

Hilfreiche Tipps für ein perfekt gestimmtes Instrument

Ob Frischling am Bass oder gestandener Profi: niemand kommt am Thema "Stimmen des Instrumentes" vorbei! Es ist der erste Weg, den es zu beschreiten gilt, bevor man überhaupt mit dem Musikmachen beginnen kann.

Heutzutage gibt es natürlich zahlreiche digitale Helferlein in Form von Stimmgeräten oder Apps, welche einem die Arbeit erleichtern. Dennoch ist es ebenso nützlich, ein paar Hintergrundkenntnisse zu besitzen, für den Fall, dass man das Instrument einmal ganz ohne Hilfe in Stimmung bringen muss.

Grundsätzlich gibt es also mehrere Möglichkeiten, wie man seinen Bass auf die richtige Stimmung bringen kann. Hierzu zählen folgende Punkte:

  • Stimmen mit Stimmgerät
  • Stimmen mit Stimmgabel
  • Stimmen ohne Stimmgerät

Die einzelnen Methoden und ihre Unterpunkte, wie etwa das Stimmen mithilfe von Flageolettönen, werdet ihr in diesem Workshop kennenlernen.

Historie:

Was für uns heute selbstverständlich ist, war nicht immer so! Bereits im antiken Griechenland machte sich Pythagoras Gedanken über die Entstehung von Tönen, die Verhältnisse von Schwingungen, sowie die Beziehung solcher Schwingungen zueinander. Er entdeckte, dass sich ein Ton aus vielen Teiltönen zusammensetzt; den sogenannten Obertönen. Tatsächlich beruht unser heutiges westliches Tonsystem noch immer im Wesentlichen auf den Erkenntnissen eben dieser Beobachtungen.

Es dauerte abermals viele hundert Jahre, bis man sich zur polyphonen (also mehrstimmigen) Ebene von Musik emporarbeitete. In der abendländischen Instrumentalmusik konnte man sich bis weit in das 18., in einigen Teilen Europas sogar bis in das 19. Jahrhundert hinein, nicht auf eine einheitliche Stimmung einigen. Bis zur allgemeinen Anerkennung der "gleichschwebend temperierten Stimmung" existierten daher sogar mehrere unterschiedliche Stimmungsarten nebeneinander. Eine recht chaotische Situation, die angesichts der wachsenden Internationalisierung den immer populärer werdenden Instrumentenbau zusehends vor große Probleme stellte. Je komplexer die Musik wurde, desto zwingender wurden nämlich auch die Anforderungen an eine Vereinheitlichung des Tonsystems sowie gewisse Normen und Standards im Instrumentenbau.

Die "gleichschwebend temperierte Stimmung" wurde um 1700 von Andreas Werckmeister entwickelt. Sie teilt die Oktave in zwölf gleiche Halbtöne auf. Im Gegensatz zur "natürlichen Stimmung", bei der die Tonabstände durch die natürliche Obertonreihe vorgegeben werden, ist die temperierte Stimmung ein rechnerisch gefundener Kompromiss, denn die "gleichschwebenden" Halbtonintervalle sind nur annähernd rein. Dieser Kompromiss erleichterte jedoch das gemeinsame Musizieren ungemein und ermöglichte es Komponisten ab diesem Zeitpunkt in uneingeschränkter Weise, durch alle Tonarten komponieren zu können. Ein gutes Beispiel hierfür liefert die berühmte Sammlung von Präludien und Fugen "Das wohltemperierte Klavier" von Johann Sebastian Bach.

Aller Anfang ist „A“

Die "Stimmung" bezieht sich auf das Verhältnis der Töne unseres Tonsystems zueinander. Man kann ein Instrument in sich geschlossen stimmen und damit wohlklingend musizieren. Möchte man jedoch im Verbund mit weiteren Instrumenten gemeinsam spielen, dann kommt ein weiterer unerlässlicher Faktor hinzu: Wir benötigen einen zentralen, gemeinsamen Referenzton, nach dem sich alle Instrumente gemeinsam ausrichten. Nur dann ist gewährleistet, dass alle Instrumente im Zusammenklang harmonisch wirken. Historisch hat sich für diesen Referenzton der Begriff "Kammerton" etabliert und als Ton hat man sich dafür das "A" auserkoren.

Ein weiterer geschichtlicher Streitpunkt neben den genannten unterschiedlichen Stimmungsarten, betraf also die verbindliche Festlegung des Kammertones a1 (das sogenannte "eingestrichene A"). Dieser Kammerton war der seit jeher der am meisten umstrittene Ton überhaupt. So rangierte laut Ellis ("The History of Pitch") in der Kirchenstimmung im 16. Jahrhundert die Höhe des Kammertones zwischen 377 und 567 Hertz (Hz). Dazwischen lagen alle möglichen weiteren Kammerton-Kalibrierungen - vor allem zum Leidwesen der damaligen Orgelbauer. 1920 legte das "Bureau of Standards" in den USA den Kammerton auf 440 Hz fest. Am 12. Mai 1939 folgte man diesem Trend auch in Europa und manifestierte in London eine internationale Übereinkunft mit der allgemeinen Empfehlung, den Kammerton a1 auf 440 Hz bei 20°C festzulegen. Diese Einigung brachte schließlich und endlich Ordnung in den Instrumentenbau und verschaffte zahllosen Sängern und Instrumentalisten eine enorme Erleichterung bei der Ausübung ihrer Tätigkeiten. Gleichwohl existieren natürlich immer noch unterschiedliche Kammertonstimmungen; in erster Linie bei klassischen Orchestern, wo die Höhe des zentralen Stimmtones den Orchesterklang deutlich hörbar beeinflussen kann!

Schön und gut – aber was bedeutet das für den Bass?

Das nachweisbar älteste Instrument mit der heute üblichen Kontra- und auch E-Bass-Stimmung wird auf das späte 16. Jahrhundert datiert. Es war eine sogenannte Großbass-Viola da Gamba, die sechs Saiten besaß und vom Kontra-E aufwärts in Quarten gestimmt (E-A-d-g-c1-f1) war. Die Entwicklung bis zur heutigen Bass-Stimmung lief derweil durch viele weitere Stadien. Letztlich sind wir inzwischen bei der Stimmung E-A-D-G eines Viersaiters angekommen, so wie wir sie heute kennen. Fünfsaiter besitzen gewöhnlich eine den Tonumfang nach unten erweiternde B-Saite, und Sechssaiter-Bässe erweitern den Tonbereich zusätzlich nach oben mit einer C-Saite.

Stimmen mit Stimmgerät

Der Stimmprozess mithilfe eines Stimmgerätes bedarf im Prinzip keiner weiteren Erklärung. Dennoch hier ein paar Fakten: Die ersten Stimmgeräte waren in den 60er-Jahren sogenannte Stroboskop-Tuner und solche mit Nadelzeiger und Skala. Später kamen LED-Anzeigen hinzu und schließlich komplett auf LED-Anzeige basierte (zunächst immer noch analoge, später dann digitale) Stimmgeräte. Heutzutage gibt es selbst für Smartphones sehr gute Tuner Apps, die das Leben sehr erleichtern können. Musste man früher zuerst den anvisierten Stimmton am Tuner manuell vorwählen, so verfügen heute alle Stimmgeräte über eine automatische Tonerkennung.

Man sollte immer in Betracht ziehen, dass Stimmgeräte auch Abweichungstoleranzen besitzen. Das heißt: nicht jedes Stimmgerät ist exakt gleich! Das hat zum einen mit der Tonhöhenerkennung selbst zu tun, zum anderen aber auch mit der Anzeige der Tonhöhe mittels Zeiger, LED- oder LCD-Display. Man sollte sich daher durchaus innerhalb einer Band einmal den Spaß zu gönnen, alle verwendeten Tuner miteinander zu vergleichen.

Um eine möglichst exakte Tonbestimmung zu gewährleisten, muss man eine Einteilung vornehmen, die den Abstand eines Halbtonschrittes in möglichst viele kleine Punkte unterteilt, die sogenannte "Skalierung". Je kleiner diese Skalierung ist, desto präziser ist auch die Möglichkeit, eine etwaige Tonabweichung zu bestimmen und zu benennen. Bereits im Jahr 1885 führte der Akustiker Alexander John Ellis die Bezeichnung "Cent" ein. Da im modernen 12-Ton-System alle Halbton-Intervalle den gleichen Abstand zueinander besitzen, teilte Ellis eine Oktave in 1200 gleiche Teile ein. Somit war jeder Halbton in 100 Einheiten zerlegbar, die er Cent (vom lateinischen Centum = Hundert) nannte. Ein Halbton umfasst also 100 Cent. Auch die Skala von heutigen Stimmgeräten ist nach dieser Norm unterteilt.

Mögliche Probleme bei der Tonerkennung beheben

Da der Tonbereich eines E-Basses bekanntermaßen sehr tief angesiedelt ist, können Stimmgeräte die Töne der Leersaiten nicht immer souverän erkennen. Daher bedient man sich gerne des Tricks, Obertöne zu verwenden. Hier kommen wir wieder auf Pythagoras zurück, der bei Experimenten mit einer frei schwingenden Saite feststellte, dass man verschiedene Teiltöne erzielen konnte, wenn man die Saite an bestimmten Positionen mit einem Finger berührte, während man sie anschlug. Dabei ergeben sich mathematische Verhältnisse: Greift man die Saite exakt an der Stelle ab, die sich in der Mitte zwischen den Auflagepunkten befindet, also die Saite halbiert, dann verdoppelt sich die Schwingungszahl und der Ton erklingt eine Oktave höher als der Grundton. Halbiert man diese Strecke erneut (sie ist dann geviertelt), dann verdoppelt sich die Schwingungszahl zur halbierten Saite erneut und der zu hörende Ton klingt zwei Oktaven höher, als der Grundton bzw. die Leersaite.

Auf dem Bass umgesetzt, entspricht der die Position über dem 12. Bund der Halbierung der Leersaite und über dem 5. Bund dem Viertel der Leersaite. Wenn man die Saite über den Bundstäbchen dieser Positionen nur leicht berührt, sie aber nicht herunterdrückt, dann kann man das Phänomen deutlich hören. Diese Töne nennt man Obertöne oder englisch "Harmonics". Weitgehend etabliert hat sich auch die aus dem französischen stammende Bezeichnung "Flageolet" (oder auch "Flageolett"), nach einer gleichnamigen Flöte.

Stimmgeräte (und auch unser Gehör) können höhere Töne aufgrund der höheren Schwingungszahl präziser erkennen als tiefe Töne. Eine leere A-Saite auf dem Bass schwingt 55 x pro Sekunde, sie schwingt also mit 55 Hertz. Das Flageolet über dem 12. Bund der A-Saite schwingt doppelt so schnell, also mit 110 Hertz. Über dem 5. Bund schwingt das Flageolet mit 220 Herz, liegt also nur noch eine Oktave unterhalb des Kammertons. Man kann dieses Flageolet deswegen auch gut mit den 440 Herz einer Stimmgabel vergleichen, um die A-Saite korrekt zu stimmen.

Stimmen ohne Stimmgerät

Wie man mithilfe solcher Flageolets den ganzen Bass stimmen kann, zeige ich euch im folgenden Video.

 

Ich wünsche euch viel Erfolg und immer den "richtigen Ton"!

Alles Gute, euer Oliver

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