Feature
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11.12.2018

Schallwandler Podcast: Zu Gast bei Nils Frahm

Gespräche mit Klangforschern und Soundtüftlern

Der Klangpoet Nils Frahm spricht über Höhlenmenschen, Raum und Akustik sowie die Entstehung seines neuen Albums "All Melody"

Bei einem russischen Lehrer lernte Nils Frahm bereits in jungen Jahren das klassische Klavierspiel, sozusagen nach „alter russischer Schule“. Als Teenager entdeckte er analoge Synthesizer und elektronische Klänge. Dann zog er von Hamburg nach Berlin, wo er noch bis vor gar nicht allzu langer Zeit in einer kleinen Wohnung im Wedding im eigenen Heimstudio herumfrickelte. Heute ist er stolzer Gastgeber eines überdimensional großen Studios, einem Saal im legendären Funkhaus in der Nalepastraße in Berlin. Es war seine eigene Vision, die ihn hier her an diesen Ort geführt hat.

Seitdem Nils das erste Mal das beeindruckende Tonstudio eines Familienfreundes erleben durfte, war es sein größter Wunsch eines Tages auch so einen Ort zu erschaffen. Den hat er nun, auch wenn er ihn momentan nicht nutzt.

Mit seinem Album "All Melody" war Nils Frahm im letzten Jahr auf großer Welttournee und schon im Vorverkauf, waren fast alle Konzerte restlos ausver-kauft. 2019 setzt er seine "All Melody" Tour fort und am 25. Januar 2019 erscheint auf Erased Tapes "Encores 2" u.a. mit seiner zwölfminütigen Ambient Odyssey "Spells". Seine minimalistische, manchmal fast meditative Musik mit den warmen Klängen und diesem endlosen Raum zwischen den Tönen berührt und trifft einen Nerv der Zeit.

Das hat mich neugierig gemacht und ich wollte heraus finden, wer ist der Mensch hinter dem Musiker Nils Frahm? Was ist ihm wichtig, woran glaubt er und wie arbeitet er?

Die Atmosphäre, wenn man den Raum betritt, ist ganz besonders. Beinahe so, als würde man in eine andere Zeit treten. Enorm hohe Decken, das viele Holz, die strukturierten Vertäfelungen, das tolle alte Parkett und die vielen, vielen alten und neuen Instrumente, ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll.

Mittendrin empfängt mich ein gut gelaunter und quirliger Gastgeber, mit Schal und Schiebermütze, der mich in einen kleinen, ebenso behaglichen Nebenraum, einer Küche mit einer beeindruckenden hochglanzpolierten Kaffeemaschine, einer Minibadewanne zum Geschirrspülen und sehr geschmackvollen Möbeln führt. Hier machen wir es uns an einem Tisch gemütlich. Worüber wir uns unterhalten haben? Hört selbst …

Soviel war klar: Nils Frahm ist ein Visionär und bei meinen Recherchen vor unserem Gespräch wurde dieser Aspekt immer deutlicher. Nur ein paar weitere Beispiele: 2015 rief Nils den „Piano Day" ins Leben und schuf eine Plattform, um wie er selbst sagt „die Weiterentwicklung der musikalischen Dimensionen des Klaviers zu fördern und die Freude am Klavierspielen zu teilen".

Das erste initiierte Projekt war nichts Geringeres, als der Bau des größten Klaviers der Welt oder besser gesagt eine Weiterentwicklung des „bislang" größten Klaviers der Welt - dem 1987 erstellten „Modell 370".  Dieses stammt vom deutsch lettischen Klavierbauer David Klavins, mit dem Nils Frahm 2016 bereits ein Una Corda und eine Softwareversion vom gleichnamigen Instrument entwickelt hat:    

Das neue Projekt, was beim Piano Day vor zwei Jahren  ins Leben gerufen wurde, trägt den viel versprechenden Namen „Modell 450" und hier ist der Name Programm, denn es handelt sich um ein 4.50 Meter großes Klavier, was über zwei Stockwerke aufgebaut ist und fast eine Tonne wiegt. Ehrlich gesagt, hatte ich gehofft, wenn ich Nils Frahm in seinem Studio zum Gespräch besuche, auf dieses Klavier zu stoßen. Leider nein. Noch ist das M450 nicht fertig, aber wenn es soweit ist, soll es dort platziert werden. "Falls es durch die Tür passt...", sagt Nils. Ansonsten wäre sein neues Studio auf jeden Fall groß genug.

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