Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
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22.11.2018

Praxis

Am Gurt wie auch im Sitzen pendelt sich die RB-600 perfekt in der Waagerechten ein und liefert trocken angespielt den für einen Semi-Hollow-Body typischen mittigen, fast schon nasalen Sound. Für mich könnten die Saiten einen Hauch näher am Griffbrett liegen, aber das ist natürlich Geschmacksache. Geschmacksache ist jedoch nicht die Intonation der Gitarre, denn ab Werk war die nicht wirklich zufriedenstellend. Nachdem ich einige Einstellungen vorgenommen hatte, konnte ich einen Kompromiss erzielen. Ich bin aber davon überzeugt, dass es sich dabei um eine Ausnahme handelte, denn ich hatte bereits in der Vergangenheit viele Instrumente von Harley Benton auf der Testbank, die überwiegend gut bis sehr gut eingestellt waren. Was die Bespielbarkeit anbetrifft, kann ich hingegen nur Gutes berichten. Das Hals liegt sehr gut in der Hand und lässt ein ungehindertes Spielen bis in die höchsten Lagen zu.

Ich verbinde die Harley Benton mit meinem Marshall JVM 410 und nehme die mit Vintage 30 Speakern bestückte 2 x 12" Box mit einem SM57 ab. Alle Audiofiles habe ich natürlich während und nach den Aufnahmen nicht weiter bearbeitet.

Los geht es mit dem cleanen Kanal des Amps. Dabei schalte ich durch alle drei Positionen des Pickup-Schalters, beginnend mit der Halsposition.

Die Gitarre liefert in allen drei Positionen des Pickup-Wahlschalters einen perligen und warmen Klang, was mich überrascht, denn wir haben es ja mit Humbuckern zu tun. Nur klingen diese hier so gar nicht danach! Die optische Nähe zu den besagten Filtertrons scheint sich auch klanglich bemerkbar zu machen.

Wie erwartet klingt der Pickup am Steg mittiger und ausgedünnter in den Bässen, die Zwischenposition glasiger, sehr schön!

Ich bleibe im cleanen Kanal und spiele eine Singlenote-Linie. Dabei schalte ich auch wieder die drei Positionen durch.

Alle Töne kommen dick und mit ausreichend Attacks versehen aus den Speakern, dabei wirken sie auf mich, als ob ein Kompressor am Werk wäre, was natürlich nicht der Fall ist.

Je nach Anschlag lässt sich eine große klangliche Bandbreite abdecken, wobei die Gitarre recht feinfühlig das Gespielte an den Amp weiterleitet.

Ich schalte nun in den Crunch-Kanal und stelle einen Vintage-Crunch-Sound ein.

Auch mit dem Zerrkanal des Marshalls versteht sich die Gitarre sehr gut und deckt auch hier mit ihren drei Pickup-Positionen ein großes Feld unterschiedlicher Sounds ab. Der Hals-Pickup zeigt sich warm und durchsichtig, die Mittelposition drahtig-aufgeräumt und am Steg kommt ein schöner, durchsetzungsstarker Vintage-Crunch zustande.

Wie sich die Harley Benton im High-Gain-Kanal des Marshalls macht, sollen die folgenden Beispiele zeigen.

Erstaunlicherweise kann sie auch hier ihren markanten Sound durchsetzen, und das in allen drei Positionen des Pickup-Schalters! Dabei hält sie sich auch bei höheren Lautstärken erstaunlich bedeckt, was das Feedback anbetrifft. Dass gerade der Steg-Humbucker bei der Zerrdichte am meisten punktet, dürfte wohl niemanden überraschen. Aber auch der Hals-PU und die Zwischenstellung gefallen mir sehr gut und liefern einen erfrischend eigenständigen, glasigen Sound.

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