Gitarre Hersteller_Duesenberg
Test
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21.08.2015

Duesenberg Berlin Amplifier & Box Test

E-Gitarren Topteil & Box

Edeltriebwerk

Duesenberg Berlin Amplifier nennt sich das markante Röhrentopteil, das sich zumindest optisch nahtlos in die Philosophie der Marke einfügt. 1995 erblickte diese in Hannover das Licht der Welt und die Instrumente im Retro-Stil der 40er und 50er Jahre fanden schnell begeisterte Liebhaber. Inzwischen zieren klangvolle Namen die Endorserliste, von deutschen Künstlern wie Peter Maffay, Uwe Hassbecker und Carl Carlton bis zu internationalen Stars wie Ron Wood, John Mayer oder Billy Gibbons, um nur einige zu nennen. Ein Grund dafür ist auch die Kombination aus Retro-Design und innovativen Elementen, die Duesenberg-Gitarren zu zeitgemäßen Instrumenten machen.

Auch das neue Duesenberg Berlin Topteil schließt sich diesem Markenimage an und verstärkt die bisher aus diversen Effektpedalen bestehende Elektronikabteilung zusammen mit einer in jeder Hinsicht abgestimmten Lautsprecherbox. Dass es sich bei unserem Testkandidaten nicht um ein 08/15-Teil handelt, ist natürlich Ehrensache.

Details

Konzept

Am Anfang der knapp einjährigen Entwicklungsphase des Berlin Amps stand zunächst die Frage im Raum, ob der neue Sprössling ein eher leistungsschwacher Boutique-Combo oder ein kräftiges Topteil mit einer passenden Box werden sollte. Schließlich entschied man sich für die Amp/Box-Variante mit einer Endstufenleistung von 45 Watt, denn ein dynamischer Amp braucht einen gewissen Headroom, um nicht zu schnell in der Endstufenkompression zu landen. Als Grundlage soll der Berlin Amp deshalb einen stabilen Cleanton liefern, auch als Basis für die verzerrten Sounds. Eine integrierte Boost-Schaltung ermöglicht es, das cleane Signal zu erweitern, ohne dabei die Tontextur durch zusätzliche Röhren zu verändern. Bei der Konstruktion wurde übrigens auch viel Zeit in die Entwicklung der Box gesteckt. Diverse Lautsprecher, Gehäuseformen und Holzsorten wurden ausprobiert, bis klar war, dass es eigentlich ein Bulldog-Speaker in dem jetzt aktuellen Gehäuse sein müsste. Leider war dieser Klassiker mit seinen 15 Watt viel zu schwach und hätte bei höheren Lautstärken schnell den Geist aufgegeben. Glücklicherweise brachte Celestion pünktlich zur Endphase der Entwicklung die Gold-Version ihres Bulldog-Speakers heraus, die 50 Watt verträgt, sodass die Box letztlich doch noch mit dem Wunsch-Lautsprecher bestückt werden konnte.

Das Frontpaneel

Das Gehäuse des Topteils ist ebenso wie das des Cabinets aus leichtem, mehrfach verleimtem Birkenholz gefertigt. Neben der exzellenten Verarbeitung und Bauweise setzen sich Amp und Box optisch durch eine abgefahrene "Metal-on-Wood"-Lackierung von der Masse der dunklen Tolex-Gehäuse anderer Hersteller ab. Diese Metalllackierung wird je nach Benutzung weiter rosten und der Kombination mit der Zeit ihr individuelles Gesicht verleihen. Auf der Vorderseite des Topteils sitzen alle Regler des Amps. Obwohl man den Eindruck haben könnte, es handele sich um einen Zweikanaler, ist unser Proband tatsächlich ein einkanaliger Amp, dessen Sounds auf dem cleanen Kanal basieren. Eine Boost-Abteilung arbeitet innerhalb des cleanen Kanals, bietet aber trotzdem die Möglichkeit, den Sound sehr variantenreich zu formen. Der Amp kommt mit einem Volume-Regler und einer Dreiband-Klangregelung, bestehend aus Bass, Middle und Treble aus. Mittig gelegen befindet sich der Schalter, der den Boost aktiviert. Diese hochkomplexe Schaltung besitzt drei weitere Regler, die man im Prinzip auch von vielen Verzerrern her kennt. Gain regelt den Verzerrungsgrad und Level die Ausgangslautstärke, während man mit dem Contour-Regler den Frequenzgang der Schaltung beeinflusst. Bliebe noch das Strommanagement zu erwähnen, das mit den traditionellen Schaltern für Power On/Off und Standby, hier mit der Bezeichnung Go/Wait, ausgestattet ist.

Die Rückseite

In punkto Lautsprecheranschlüsse bleibt hier wirklich kein Auge trocken, wobei man tunlichst darauf achten sollte, immer die korrekte Ohmzahl zu wählen und nicht zu schlampen! Ich kann leider ein Lied davon singen, was passiert, wenn man es dabei an Aufmerksamkeit vermissen lässt. Es war der Ausgangstrafo meines alten JMP Marshalls, den ich wegen falscher Anpassung in die ewigen Jagdgründe schickte. Dabei sprühten zwar weder Funken noch ging das Chassis in Flammen auf, aber der Ärger war groß, als die Rechnung für die Reparatur auf dem Tisch lag. Der Berlin Amp ist mit einem seriellen Einschleifweg ausgestattet, bei dem der gesamte Sound durch das angeschlossene Effektgerät geschleust wird. Ich kann nur raten, hier wirklich gute und möglichst aktuelle Teile mit akkuraten Wandlern einzusetzen. Alte Analogschleudern, geschweige denn das gute alte Bandecho, haben hier nichts verloren. Bei schlechten Wandlern geht die herausragende Dynamik des Amps schnell verloren und der Sound wird flach wie eine Flunder.

Die besten Geräte für serielle Einschleifwege bei Gitarrenverstärkern kommen meiner Meinung nach von Eventide, TC Electronics, Strymon, T-Rex, die neuen Teile von Boss und Vox, usw.

Passende Geräte Tests findet ihr übrigens unter:

Testmarathon Modulationseffekte

und

Testmarathon Delay Pedale

Direkt neben dem Einschleifweg befindet sich die Boost-Buchse für den beigelegten Fußschalter, um diesen Bereich auch vom Bühnenrand aus schalten zu können. Diese Sektion bietet zwei unterschiedliche Sättigungsgrade, die sich nur hinten am Amp umschalten lassen. Leider gibt es keine zweite Buchse, um auch diesen Bereich fernzuschalten, aber man kann nicht alles haben. Ein Schuko-Netzsteckeranschluss mit integrierter Sicherung rundet das Bild ab.

Die Box

Als passenden Sparringspartner dient eine 1 x 12 Box, die optisch perfekt zum Topteil passt. Das Birkensperrholz-Gehäuse wurde, wie auch das Gehäuse des Topteils, mit einem mit Metallpartikeln versetzten Speziallack versehen. Als Speaker kommt ein Celestion Alnico Gold 8 Ohm Lautsprecher mit einer Leistung von 50 Watt zum Einsatz. Mit der Konstruktion dieses Lautsprechers ist es den Ingenieuren von Celestion gelungen, den Klang des legendären Blue Bulldog mit größeren Leistungsreserven zu realisieren. Die Box ist sehr handlich und bringt ein Gewicht von knapp 16 Kilo auf die Waage. Wegen der nach hinten geöffneten Bauweise klingt sie besonders in Räumen beeindruckend fett und rund. Dieser Eindruck verschwindet auf großen Bühnen jedoch sehr schnell; dort verpufft die Power nach hinten ins Nirvana, wobei besonders die tiefen Frequenzen verlorengehen. Deshalb würde ich speziell auf Open Air Bühnen eine geschlossene Box vorziehen. Für Proben und Clubgigs klingt die Box allerdings sehr amtlich und passt auf jede Rückbank. Sowohl dem Topteil als auch der Box liegt ein Softcover bei, das beim Transport kleinere Blessuren verhindern kann.

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