Bass Workshop_Folge
Workshop
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18.02.2019

Die optimale Effekt-Reihenfolge – Workshop Bass-Effekte

Bass-Effektpedale optimal verschalten

In welcher Reihenfolge sollten Effektgeräte für E-Bass angeordnet sein?

Effektgeräte für E-Bass sind schon eine tolle Sache: Sie können einem Sound das i-Tüpfelchen aufsetzen, ihn veredeln oder ihn völlig verfremden, je nach dem persönlichem Geschmack. Sie können uns inspirieren und zu ganz neuen musikalischen Ideen führen, auf die wir mit unserem puren Basssound nicht gestoßen wären. Besitzt man schon mehrere Effektpedale, kommt irgendwann unweigerlich die Frage nach der richtigen Reihenfolge der Effektkette auf. Schaltet man den Equalizer besser vor oder hinter den Overdrive? Legt man den Kompressor an den Anfang oder an das Ende der Signalkette? Und wo soll überhaupt der neue Octaver hin? Verwirrend, oder? Und dabei wollten wir doch eigentlich einfach nur Spaß haben!

Um nicht mehr Konfusion als Aufklärung zu stiften, bleiben wir in diesem Workshop beim häufigsten Fall der Verwendung von Effekten und gehen davon aus, dass sich diese allesamt im Signalweg vor dem Amp befinden. Line Selector, serielle oder parallele Effektwege etc. führen für diesen Grundlagen-Artikel etwas zu weit.

Welche Effekttypen gibt es eigentlich?

Schauen wir doch zunächst erst einmal, welche Effekte es für Bass gibt. Nicht alle können hier Erwähnung finden, dafür ist das Angebot einfach zu groß. Diese Auflistung deckt aber die beliebtesten und üblichsten Kandidaten ab. Sie teilen sich in verschiedene Arten auf:

Verzerrpedale können in drei Arten eingeteilt werden

Den großen Bereich der Verzerrpedale kann (und muss!) man grundsätzlich in drei Teilbereiche gliedern:

  1. Overdrive
  2. Distortion
  3. Fuzz

Aber wie unterscheide ich die drei Typen? Klingen die wirklich so anders?

1.) Overdrive

Dies ist die erste und ursprünglichste Art der Verzerrung. Sie basiert historisch gesehen auf einer übersteuerten Röhrenendstufe. Diese liefert für gewöhnlich eine milde, warme und moderate Verzerrung.

2.) Distortion

Sie simuliert die Übersteuerung einer Vorstufe. Verglichen zum Overdrive ist der Klang einer solchen Verzerrung deutlich schärfer und aggressiver.

Auf einem Overdrive-Pedal wird der Regler für die Verzerrung meist mit "Drive" bezeichnet, auf einem Distortion Pedal mit "Gain". Viele Effekthersteller nehmen es aber heute auch nicht mehr so genau mit den Unterschieden. Ein Overdrive-Pedal bildet heutzutage nicht mehr zwangsläufig die gutmütige Übersteuerung einer Röhrenendstufe nach. In der Regel wird damit generell ein röhrenähnlicher, milderer Charakter der Verzerrung beschrieben. Distortion-Pedale dagegen liefern die beschriebene aggressivere Art. Je nach Hersteller kann diese Auslegung der Begriffe durchaus etwas differieren.

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3.) Fuzz

Eine weitere beliebte Art der Verzerrung für Bass ist das sogenannte Fuzz. Es basiert nicht mehr auf Röhren, sondern auf einer Transistorschaltung. Daraus ergibt sich ein sägender, schon fast synthetischer Klang, dem oft der Charakter einer Kreissäge nachgesagt wird.

Modulations-Effekte

1.) Chorus

Dem Originalsignal wird ein zweites, leicht verstimmtes hinzugefügt, welches zudem noch minimal zeitlich versetzt wird. Dadurch entsteht der charakteristische schwebende Sound, der sich hervorragend für Flagoletts, Fretless, Soli und Melodien eignet.

2.) Flanger

Der Flanger ist dem Chorus grundsätzlich sehr ähnlich. Der zeitliche Versatz der beiden Signale wird hier ständig variiert. Der Effekt ist dadurch nicht statisch, sondern besitzt eine eigene Dynamik. Er eignet sich für drastische Choruseffekte oder spacige Sounds und klingt auch bei geslappten Passagen sehr interessant.

3.) Phaser

Hier wird ebenfalls mit einer zeitlichen Verschiebung gearbeitet, das technische Prinzip ist jedoch ein anderes als beim Flanger. Erzeugt wird aber ein ähnlicher Sound.

4.) Octaver

Ein Octaver fügt dem Originalsignal ein weiteres hinzu, welches eine oder zwei Oktaven tiefer ist als das Original. Manche Octaver können zudem auch in die andere Richtung arbeiten und zusätzlich bei Bedarf ein oder zwei höhere Oktaven hinzufügen.

Zeitbasierte Effekte

1.) Rever/Hall

Der Hall-Effekt ist eigentlich selbsterklärend: dem Originalsignal wird ein Hallanteil beigemischt, der je nach Effekt einen bestimmten Raum, Plattenhall, Federhall etc. simuliert. Vor allem bei solistischen Einlagen verleiht das dem Bass entsprechend Tiefe und Räumlichkeit.

2.) Delay

Es gibt eine oder mehrere verzögerte Kopien des Originalsignals wieder. Der Effekt, der entsteht, gleicht einem Echo.

Effekte, welche die Lautstärke betreffen

1.) Kompressor

Der Kompressor beschränkt den Dynamikbereich des Spiels. Der Sound wirkt insgesamt kompakter, da die Unterschiede zwischen leisen und lauten Tönen reduziert werden. Dies kommt vor allem perkussivem Spiel wie Slappen oder Plektron zugute.

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2.) Booster

Der Booster ist genau genommen gar kein Effekt, da er den Sound nicht wirklich verändert. Er dient stattdessen lediglich dazu, das unverfälschte Signal lauter zu machen. Allerdings kann das Anheben der Lautstärke nachfolgend den Sound beeinflussen. So reagieren z.B. Verzerrer anders, wenn sie mehr Input bekommen.

3.) Tremolo

Die Funktion des Tremolos ist, in einem bestimmten Intervall ständig leiser und wieder lauter zu werden. Genau so, als würdest du am Volumenregler deines Amps oder Basses drehen. Vor allem bei Synthie-Basssounds ist dieser Effekt sehr beliebt, da das Tremolo einen pulsierenden Effekt erzeugt.

4.) Envelope Filter

Dies ist ein Derivat des beliebten Wah-Wah-Pedals. Der Effekt wird hier aber nicht per Fuß, sondern durch die Lautstärke des Eingangssignals gesteuert. Das Ergebnis ist ebenfalls der berühmte "Quak-Sound", der vor allem in funky Gefilden beliebt ist.

5.) Equalizer

Den kennt vermutlich jeder! Mit seiner Hilfe kann man bestimmte Frequenzen oder ganze Frequenzbereiche anheben oder absenken, d.h. diese lauter oder leiser machen.

Dies sind die beliebtesten Effekte für Bass auf einen Blick. Hat man Lust auf Effekte und Sound-Experimente oder will man einfach nur den Sound seines Idols nachbauen, so besitzt man schnell mehrere Pedale. Diese kann man nun munter miteinander kombinieren, was wieder zu unzähligen neuen und interessanten Sounds führt.

Allerdings wirft es auch zwangsläufig die Frage auf, in welcher Reihenfolge sie Sinn machen. Effekte können sich nämlich durchaus positiv wie negativ beeinflussen. Wobei die negative Beeinflussung eventuell zu einem interessanten "kranken" Sound führen kann.

Reihenfolge von Effektgeräten: Alles kann, nichts muss!

Der wichtigste Tipp bei diesem Thema lautet: Alles kann, nichts muss! Die "richtige" Reihenfolge gibt es in Wahrheit nämlich gar nicht. Sehr wohl gibt es allerdings Richtlinien, die schon alleine physikalisch Sinn machen und an denen man sich orientieren kann und sollte.

Eine klassische Reihenfolge für Basseffekte sieht so aus:

  1. Kompressor
  2. Octaver
  3. Verzerrer
  4. Envelope Filter
  5. Modulation
  6. zeitbasierte Effekte

Warum macht das Sinn? Fangen wir doch mal am Ende an. Zeitbasierte Effekte machen den Sound indifferent. Ein Signal mit Hall ist nicht mehr so konkret wie eines ohne Hall. Daher können sich manche Effekte durchaus schwer tun, dieses diffusere Signal zu verarbeiten. Also am besten ganz ans Ende mit Hall und Delay!

Ähnliches gilt für die Modulations-Effekte: Ihre dynamischen Schwebungen können ebenfalls irritierend für nachfolgende Effekte sein ‑ ab nach hinten mit den Tretern! Der Envelope Filter etwa bringt durch die Frequenzanhebung und -verschiebung Schwankungen der Lautstärke dieser Frequenzen mit sich. Deshalb ist er besser nach einem Verzerrer aufgehoben, da dieser wiederum auf die Lautstärke des Eingangssignals reagiert (später mehr dazu) und dies mit mehr oder weniger Verzerrung quittiert.

Overdrive und/oder Distortion kommen dagegen meist schon recht früh in der Signalkette. Die Absicht ist ja, ein cleanes Signal in ein verzerrtes zu verwandeln. Je eher dies geschieht, desto besser stehen die Chancen, dass der Verzerrer das auch sinnvoll tun kann.

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Der Octaver macht das Signal nicht wie andere Modulations-Effekte weniger konkret, sondern verdammt fett, er bleibt gewissermaßen Teil meines cleanen Signals und kommt somit ebenfalls relativ früh in den Signalweg. Octaver tun sich besonders schwer, ein nicht eindeutiges Signal zu verarbeiten, was sich in schlechtem "Tracking" der tiefen Oktaven äußert. ("Tracking" bezeichnet die Erkennung des gespielten Tons und die Berechnung und Ausgabe der entsprechenden Oktave(n) in Echtzeit.) Bekommt der Octaver kein für ihn eindeutig identifizierbares Signal, produziert er gerne Müll, also bitteschön gleich an den Anfang mit ihm.

Ein Kompressor ist zu Beginn der Signalkette sinnvoll, falls er moderat eingesetzt wird. Durch ihn wird das Signal kompakter und stabiler. Damit hat es jedes weitere Pedal einfacher - vor allem der Octaver ist dankbar dafür!

Anordnung von Bass-Effektgeräten: Spezielle Tipps

Das wäre ein ganz klassischer Aufbau als Startpunkt. Nun folgen noch ein paar Tipps zu Effekten oder den Kombinationen von speziellen Pedalen. Wie schon erwähnt, gibt es hier keine verbindlichen Regeln - dein Ohr ist der beste Ratgeber! Bei mancher Kombination von Effekten ist kein oder kaum ein Unterschied zu hören, wenn man ihre Reihenfolge vertauscht. Manche Pedale hingegen reagieren sehr sensibel darauf.

1.) Kompressor und Envelope Filter

Gerade für den Einsatz eines Kompressors gibt es nicht nur das oben beschriebene Szenario. Ein Envelope Filter z.B. wird durch die Dynamik des Eingangssignals gesteuert. Begrenzt man diese Dynamik vorher durch einen stark eingreifenden Kompressor, wird der Effekt kaum Wirkung entfalten.

Der Envelope Filter wiederum kann in extremen Einstellungen durch die Anhebung des Frequenzbereichs ziemlich giftig werden. In diesen Fällen kann ein Kompressor, der sich vor dem Envelope Filter befindet, diesen extremen Auslenkungen vorbeugen und Amp, Box und Ohren schonen.

Hier sieht man schon die Problematik: meistens gibt es keine eindeutige Reihenfolge. Sie hängt sehr oft von den verwendeten Einstellungen der jeweiligen Effekte ab. Gehen diese in die Extreme, kann sich schnell alles ändern!

2.) Kompressor und Modulations-Effekte

Modulations-Effekte würde man ja eigentlich eher nach dem Kompressor platzieren. Sie haben durch die charakteristischen Schwebungen eine eigene Dynamik, die man ja erhalten möchte. Bei Extremeinstellungen können manche Effekte aber durchaus drastische Pegelsprünge mit sich bringen, z.B. manche Flanger oder Phaser. Da kann ein moderat verwendeter Kompressor nach diesen Effekten durchaus Sinn machen, um wieder Herr der Lage zu werden.

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3.) Kompressor und Equalizer

Kompressor und Equalizer werden auch gerne zusammen verwendet. Hier gilt folgender Leitsatz: Ist etwas Störendes im Sound, dann erst mit dem Equalizer bearbeiten und danach das Signal komprimieren. Unter Umständen hebt der Kompressor nämlich die unerwünschten Frequenzen noch zusätzlich hervor. Gefällt mir der Sound schon so, wie er ist, wird erst komprimiert und danach mit dem Equalizer die Feinabstimmung vorgenommen.

4.) Verzerrer und Booster

Verzerrer interagieren durchaus heftig mit anderen Effekten, wie schon anhand von Hall etc. beschrieben. Besonders reagieren sie auf die Lautstärke des Eingangssignals. Je lauter dieses ist, desto mehr Verzerrung erntet man. Will man dies erzielen, kann man einen Booster vorschalten. Hat man dagegen genug Verzerrung und will das Signal einfach nur noch lauter machen, gehört der Booster hinter die Zerre.

5.) Verzerrer und Equalizer

Für Equalizer und Verzerrer gilt aber vor allem das Prinzip des Ausprobierens, in welcher Reihenfolge sie besser klingen. Ein Equalizer erhöht oder verringert die Lautstärke einer oder mehrerer gewählter Frequenzen. Folglich werden diese mehr oder weniger verzerrt, wenn der Equalizer sich vor dem Verzerrer befindet.

Diesen Effekt kann ich aber natürlich auch zu meinem Vorteil nutzen. Drehe ich die Reihenfolge um, habe ich ein über das Frequenzband gleichmäßig verzerrtes Signal, welches ich dann hinterher mit dem Equalizer noch feinjustieren kann. Ausprobieren! Gleiches gilt für Envelope Filter, sie arbeiten ja auch mit Frequenzanhebungen.

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Beispiel für einen Synthie-Sound

Zum Schluss habe ich als Inspiration für eigene Experimente und als kleines Fallbeispiel für eine Kombination von Effekten in sinnvoller Reihenfolge einen Synthie-Sound gebastelt. Die von mir gewählte Reihenfolge ist: Kompressor - Oktaver - Overdrive - Tremolo

Das soll erst einmal als Grundlage reichen. Ich wünsche euch viel Spaß mit euren eigenen Sound-Experimenten - egal, ob ihr einen oder mehrere Effekte besitzt. Und vergesst nicht, ab und zu auch mal etwas "falsch" zu machen, denn dadurch entstehen in der Musik oft die tollsten Dinge!

Viel Spaß beim Experimentieren wünscht

Euer Thomas Meinlschmidt

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