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Wie Du als FOH-Techniker garantiert den Zorn der Musiker auf dich ziehst

1. Nervenkostüm

Musiker sind und bleiben Mimosen, je niedriger der Promifaktor, umso mehr. Das ist unbestritten und die Mucker stehen sogar zu ihrer Profilneurose. Wenngleich nicht wirklich öffentlich. Mit jovialer Außendarstellung überspielen sie Lampenfieber und Nervosität, verstecken die Unsicherheit unter dem Mantel der Verschwiegenheit und präsentieren sich in unangreifbarer Arroganz. Dann der Soundcheck: Lieber FOH-Mann, der oder die on Stage weiß genau, wie nervös er ist. Das Adrenalin kriecht langsam ins Blut. Noch viel schlimmer: Er weiß, dass du das weist und fühlt sich jetzt unangenehm entblößt. Sprich‘ ihn jetzt bloß nicht darauf an. Irgendein schräger Kommentar oder ein situationsbedingt ehrliches Wort und die Lage eskaliert. Der Effekt: Entweder werden jetzt unverständliche Wortfetzen ausgetauscht oder der Check dauert ganz besonders lange. Also lieber einfach mal wissen, wann man sich am Talkback auf simple Fakten beschränken sollte.

2. Anweisungen

Da steht nun die einsame Band auf der Bühne und möchte mit prägnanten Infos angeleitet werden. Was sie jetzt definitiv spüren will, ist Sicherheit. Die muss der Mann an den Fadern ausstrahlen. Nun ist nicht jeder FOH automatisch auch ein Moderationstalent. Aber wer nun nicht deutlich und präzise äußert, wer, was, wann machen soll und sich stattdessen unter den Kopfhörern verkriecht, vermittelt keine professionelle Ausstrahlung. Immerhin wollen die Protagonisten auf der Bühne sich nicht nur beim Soundcheck auf ihn verlassen können, sondern auch später beim Gig selbst.

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Der psychologische Grundsatz: Sie geben die Eigenkontrolle aus der Hand. Grundsätzlich für jeden Menschen ein problematisches Gefühl. Die Musiker wollen sich professionell behütet wissen. Der kommunikative Entertainment-Faktor geht noch einen Schritt weiter: Der FOH sollte auch so knapp wie präzise sagen, warum etwas gemacht wird, und das Ergebnis wie ein Dolmetscher benennen. Auch das schafft Vertrauen. Die Mucker können schließlich weder die Fader sehen, noch den Frontsound inkl. der vorgenommenen Einstellungen und Änderungen so komplex hören wie der FOH.

3. Zeitdiebe

Ohne Plan und Fachwissen geht gar nichts, soviel ist mal klar. Aber das hat der FOH, sonst würde er nicht auf seinem Stuhl sitzen. Die Zeit hat allerdings – wir sind noch beim Soundcheck – eine ganz spezielle Komponente. Je länger der ganze Abwasch dauert, umso mehr schleicht sich die Vermutung ins Musikerhirn, der da vorne wisse nicht, was er macht. Also sich der Gain-Strukturinklusive Audio-Einpegelung, Line- und Mikrofonaussteuerung mit schnell abzuarbeitenden Zeitpaketen widmen.
Wenn’s nach mehreren Minuten wegen zu weit aufgerissener Endstufen immer noch rauscht oder das eine Instrument nach dem Singlecheck nicht mehr zu hören ist, weil das andere das Frequenzband überlagert, muss die ganze Suppe noch mal neu gekocht werden. Das zerrt an den Nerven, bis die Mucker dem FOH mit irgendeinem nackten Körperteil ins Gesicht springen. Also vorbereiten, sich mit Theorie und Technik auskennen, nur dann kann’s funktionieren. Und wer durch eine versehentlich dämliche Bemerkung sogar offenbart, dass er die Musik der Band nicht kennt, hat ohnehin verloren.

4. Der Job ist noch lange nicht erledigt

Das Szenario ist bekannt und hat schon bei vielen Bands für Reaktionen von Zähneknirschen über entgleisende Gesichtszüge bis zu ausgerauften Haaren geführt: Der Auftritt beginnt, Fader hoch, der FOH glaubt, nun seine wichtigste Aufgabe gemacht zu haben. Also lehnt er sich zurück wie in einem selbstlenkenden Fahrzeug auf Autopilot. Er strahlt ausgiebige Langeweile aus, trinkt einen Kaffee und lässt es einfach laufen. Immer wieder gesehen auch, dass FOHs während der eigentlichen Show ausgiebigen Smalltalk mit anderen halten. Man ist ja gerne cool und der Song dauert doch ohnehin mindestens noch 3 Minuten.
Die Setlist liegt inklusive Regiebemerkungen neben ihm. Dabei erkennt er paradoxerweise nicht, dass der Sänger permanent vergeblich versucht, Augenkontakt aufzunehmen, weil im Monitormix was nicht stimmt. Wie auch, er hat ja nicht mal hingesehen. Wer nicht in absolut jeder Sekunde der Show für die Musiker präsent ist, wer nicht unablässig den Sound kontrolliert bzw. nachregelt, macht sich nicht zum Freund der Entertainment-Kollegen. Der Mischer-Man sollte begeistert sein und Begeisterung ausstrahlen. Er ist die stolze Basis von Sound und Lautstärke, ununterbrochen und auf jedem Beat. Erst damit wird er zum zuverlässigen Teil der Teamleistung.

5. Headroom

Jedem einigermaßen erfahrenen Bühnen- und Akustikprofi ist bekannt, dass das Gehör des Publikums im Laufe des Events mehr Lautstärke benötigt. Aber eben nicht sofort. Das will sagen: Routiniers lassen die Handbremse solange angezogen wie nur irgend möglich. Die Show ist üblicherweise auch auf diese Tatsache abgestimmt, sodass nicht der Dampfhammer schlechthin gleich beim ersten Stück gespielt wird. Das Zauberwort heißt Dynamik im Zusammenspiel mit Lautstärkereserven. Wer in gewissermaßen kindlicher Euphorie bei unsinnigem Aktionismus zu früh nach oben schiebt, hat keine Steigerungsmöglichkeit mehr. Der druckvolle Effekt, mit dem die besten Titel im Magen gehört werden, verpufft. Thema durch, das war’s.
Weiter geht’s dann irgendwann nicht mehr. Und schon sind wir wieder zurück beim Soundcheck: Dass der Sound nicht unter der zum passenden Zeitpunkt gefahrenen Lautstärke leidet, muss zwingend zuvor im Mix kontrolliert werden. Nicht zu wissen, wie weit man rauschfrei gehen kann, riskiert den wichtigsten Erinnerungsmoment des Publikums: Das fulminante Finale wird zur unbeachteten Selbstverständlichkeit. Kein Platz mehr vorhanden, da noch mal Gas zu geben.  

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von Jörn Petersen

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