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Schlechte Stimmung beim Soundcheck – ruhig bleiben oder beschweren?

Wir haben es alle schon mehr als einmal erlebt. Beim Soundcheck weiß die zuständige Fachkraft für den Ton wider der eigenen Erfahrungen besser, welches Gesangsmikrofon man braucht, wie nah man am Mikrofon sein muss, wie laut die Monitore sein dürfen und so weiter.

(Teaserfoto: Shutterstock / Alexander_P & jmcdermottillo)
(Teaserfoto: Shutterstock / Alexander_P & jmcdermottillo)


An dieser Stelle wollen wir erstmal eine Lanze für das Live-Tonpersonal dieser Welt brechen: Ihr seid toll und ohne euch könnten wir Musiker/innen keine Gigs spielen, echt jetzt! Aber hin und wieder geraten Musiker/innen und Tonpersonal auch aneinander – und die Musiker/innen müssen nach einem unangenehmen Soundcheck noch einen Gig spielen. Also wie reagiert man, wenn man vom zuständigen FOH-Menschen runtergemacht oder angepflaumt wird? Zwei unserer Redakteure stellen ihre Sicht darauf vor, wie sie mit solchen Situationen umgehen.

Ruhe bewahren, professionell sein, aufrecht bleiben

Leon Kaack, Gitarrist und Sänger von Kaak aus Hannover
“Wenn die Stimmung zu kippen droht, egal ob beim Soundcheck oder bei der Kommunikation im Vorfeld, versuche ich meist, in einen rein professionellen Modus umzuschalten. So wenig reden wie möglich, zügig sein, klare Ansagen machen und versuchen Befindlichkeiten außen vor zu lassen. Aber eben auch ganz deutliche und klare Forderungen stellen, wenn es auf die nette Art nicht funktioniert. Meiner Erfahrung nach kommt dieser etwas trockenere Tonfall bei vielen Mischer/innen fast besser an als eine sensible und vorsichtige Ansprache – warum auch immer – und die Stimmung entspannt sich dadurch manchmal. Außerdem hilft es, sich selbst für eine kurze Zeit von der Situation emotional zu distanzieren und seinen Job trotz angespannter Stimmung zu machen und kleine Kommunikationsspitzen nicht an sich heranzulassen. Angelegt habe ich mich erst zweimal – beide Male mit derselben Person und im Vorfeld desselben Gigs. Die Geduld verliere ich ehrlich gesagt nur dann, wenn ich merke, dass jemand keine Ahnung hat, sich aber dennoch wahnsinnig aufspielt und am Ende auch noch einen schlechten Job macht. Da muss ich mich dann wirklich richtig zusammenreißen und zwischendurch bei jemandem anders auskotzen, um mich wieder zu beruhigen.
Also grundsätzlich würde ich sagen: Im Zweifel immer zusammenreißen und freundlich bleiben. Und am allerwichtigsten ist es, den Konflikt nicht sofort auf sich selbst zu beziehen oder sich die Schuld zu geben. Richte stattdessen die Konzentration auf den Gig, denn der muss am Ende gut werden. Wenn du dir nicht sicher bist, suche dir am besten bei den Mitmusiker/innen Rat. Die können einem entweder den Rücken stärken oder auch den Kopf waschen, wenn man vielleicht etwas zu persönlich nimmt.”

Stirn bieten, Kontra geben, beim Veranstalter beschweren

Catharina Boutari, Sängerin und Gitarristin von Puder aus Hamburg
“Banddebüt auf einem wichtigen Open-Air-Konzert, Hamburg, Sommer 2021. Die Zeit ist verdammt knapp. Es gibt nur einen kurzen Line Check, bevor wir spielen und auch der droht zu kippen, da die Band vor uns überzogen hat und der Curfew am Ende des Abends streng ist. Ich bin sortiert, ready, stehe vor meinem Mikro und warte, bis der Tonmann des Festivals Zeit für mich hat. “Hättest du auch ein SM 58 für mich?” Im Stativ steckt ein Audix OM 3. “Nein, hab ich nicht, aber das hier ist viel besser.” Einatmen, ausatmen. “Okay.” – Wir haben das Mikro nicht im Technical Rider geordnet, ich habe mein eigenes einmal zu Hause gelassen, da ein Shure Mikro weltweit zum Standardbesteck bei Livegigs gehört. Als ich mich wortlos abwende, bekomme ich ein Shure SM 57 angeboten, was ich höflich mit dem Kommentar, dass es nicht so gut zu meiner Stimme passt, ablehne. “Ah, du hast also Ahnung von Mikrofonen.” – Runde zwei wird eröffnet. Der Typ möchte sich mit mir batteln. Darum geht es. Ich entgegne trocken, dass ich nicht erst seit gestern singe und überlege gerade, ob ich professionell bleiben möchte oder wie ich ihm am besten den Kopf abreißen kann, als ich die flehentlichen Gesten der Band hinter mir wahrnehme, die mich bitten den Mund zu halten, da der Soundmann kompliziert sei und sie Sorge haben, dass er uns sonst an die Wand mischt. So mache ich es dann auch, da ich in dieser Formation nur Gast bin und der Bandleaderin keine Probleme bereiten möchte.
Ich habe den Gig mit dem mir unbekannten Mikro gesungen. Es ging erstaunlich gut. Trotzdem ärgert es mich bis heute, dass ich meine Fokussiertheit vor dem Gig der Egozentrik und dem misogynen Verhalten dieses Menschen opfern musste. Ich wollte eine rein professionelle Zusammenarbeit auf beiden Seiten. Ich will einen guten Sound auf der Bühne, er will einen guten Sound vor der Bühne. Wo ist das Problem? Dass wir ihm unbekannt waren und er sich von einem All Female Septett angegriffen fühlte? Altes, weißes Männergehabe hat für mich im 21. Jahrhundert nichts mehr zu suchen. Wäre es meine Band gewesen, dann hätte ich mich spätestens nach dem Gig beim Veranstalter über das Verhalten des Soundmannes beschwert. Denn ich finde, für solche Menschen sollte kein Platz mehr in einem professionellen Umfeld sein. Mich konnte es nicht wirklich umwerfen, dafür habe ich zu viel Bühnenerfahrung. Wäre ich aber Anfang Zwanzig gewesen, dann hätte mich dieses Verhalten den Gig kosten können und das Banddebüt wäre wahrscheinlich gleichzeitig der letzte Auftritt auf diesem Festival gewesen. Und das möchte ich, auch für alle jungen Sänger/innen und Musiker/innen, nicht zulassen.”

Wie sind eure Erfahrungen zu diesem Thema? Oder seid ihr selbst FOH-Engineer und habt eine ganz andere Sicht auf die Dinge? Wir diskutieren gerne mit euch, also ab in die Kommentare mit eurer Meinung zu diesem Thema – wir sind gespannt!

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von Catharina Boutari

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