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Die schlimmsten Backstage Räume

Natürlich steht in unserem Gastspielvertrag, dass eine saubere, ausreichend beleuchtete, aufgeräumte und beheizte Garderobe Teil der Abmachung des Konzertes ist. Die Realität sieht leider oft anders aus. Vom Nichtvorhandensein eines Backstage-Raumes über das übliche Umziehen und Schminken auf der Toilette bis zum Getränkelager oder dem Clubbüro als Aufenthaltsort für die Künstler/innen finden wir alle nur denkbaren Variationen bei Auftritten vor. Doch was machen wir, wenn mal wieder wenig bis nichts geht? Fluchen geht immer. Besser sind schwarzer Humor und alles, was wichtig ist, dabei zu haben. Herzlich willkommen im Backstage-Universum der Nicht-Superstars und viel Spaß mit unserem Notfallkit, was euch in Zukunft für wirklich jede Garderobensituation wappnet. Alle Zitate in diesem Feature stammen übrigens von den Musikerinnen der geschlossenen Gruppe “Raketerei Backstage”.

(Bild: © Shutterstock, DGLimages)
(Bild: © Shutterstock, DGLimages)


Live spielen ist in vielerlei Hinsicht ganz schön Rock’n’Roll. Dabei sind die Künstlergarderoben nur ein kleiner Teil vom großen Wahnsinnskuchen des Musikeralltags. Und doch sind sie unterwegs oft der einzige Ort, an den wir uns zurückziehen können, um uns auf den Gig vorzubereiten und etwas Privatheit zu genießen. Mythenumwoben mit legendären Backstage-Partys sind Garderoben sowieso. Bei Tageslicht betrachtet sollten wir uns aber ganz nüchtern fragen:

Was braucht eine gute Backstage-Garderobe?

Die richtigen Basics

Zunächst brauchen wir genug Platz, sodass wir uns nicht auf die Füße treten und hochkant stapeln müssen, um uns für den Auftritt fertig zu machen, mit der Band zu besprechen und Freunde zu empfangen. Zusätzlich bedarf es noch einer Ecke für die Cases, angenehmem Licht für die Atmo und vor allem ausreichend Lampen, damit es bei Bedarf hell genug ist. Trocken und abschließbar sollte der Backstage-Raum auch sein. Und ganz wichtig: Nur ihr habt den Schlüssel.

Die richtige Temperatur

Der Backstage-Raum sollte im Winter ausreichend beheizt, im Sommer (mit Ventilator) gekühlt sein. Das sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht, wie der Kommentar einer Hamburger Musikerin zeigt: “Ich finde den Faktor Temperatur herausfordernd, wenn es zu kalt ist. Warten, umziehen und Gitarre spielen, bei Laune bleiben, ein Meisterwerk.”

Das richtige Mobiliar

Was zumindest da sein sollte sind ein Tisch, ein Spiegel mit Schminklicht, eine Möglichkeit, um Outfits aufzuhängen, ein Kühlschrank mit Getränken, Sofas und sonstige Sitzgelegenheiten.

Die richtigen Requisiten

Auch vermeintliche Kleinigkeiten werden oft vergessen. Was Musiker/innen aber eigentlich erwarten dürften sind zum Beispiel Wasserkocher, Handtücher und Catering.

Einen oder mehrere Betreuungspersonen

Eine gute Betreuung vor Ort macht gute Stimmung, macht motivierte und entspannte Künstler/innen – und macht einen besseren Gig. Dann darf auch von den Punkten oben mal etwas nicht stimmen, “denn viel entscheidender ist ja, ob sich die betreuende Person vor Ort kümmert, oder ob ihr alles egal ist”.

Wahnsinn Backstage

Doch welche Backstage-Räume gibt es, wenn du kein Superstar bist?

Leider ist nicht immer Weihnachten, wie es die mehrseitigen Richtlinien der Stars für ihre Garderoben  zelebrieren. Weiße Lilien, weiße Ledersofas, nur Mondwasser. Vergesst es! Macht das Beste aus der Realität. Also, macht das Beste aus …

… gar keiner Garderobe

Als ich mit meiner Band in New York im angesagten Club im East Village gespielt habe, gab es schlicht keine Garderoben. Jede Stunde eine neue Band. 15 Minuten Umbau, 45 Minuten spielen. Die Musiker/innen kamen fertig umgezogen mit Gigbags auf dem Rücken und Hackenporsches mit kleinen Amps drauf in den Club, warteten an der Seite – und ab ging es. Wir haben einen tollen Abend erlebt, das fehlende Backstage war bei so einem aufregenden Gig egal.
In einer normalen Situation ist “keine Garderobe” aber wirklich keine Option und ganz schön anstrengend, wie folgender Kommentar beweist: “Hatte gerade den Fall, dass überhaupt kein Backstagebereich vorhanden war. Ich “durfte” mich die ganze Zeit im Saal aufhalten. War echt anstrengend, weil ich dadurch natürlich jederzeit “verfügbar” war.”

… der Toilette

Umziehen und schminken auf dem Damen- oder Herrenklo kennen wir alle. Schicke Toiletten, versiffte Toiletten – und alles dazwischen. Mit Publikumskontakt und wenig Platz. Unglamouröser geht nicht. Im Notfall akzeptieren, besser vorher noch das probieren:
“Ich hatte kürzlich einen Veranstalter, der uns auf eine Toilette schicken wollte, sehr nett, aber bestimmt auf die Seite genommen und ihm gesagt, dass wir (die Wonderfrolleins) schon sehr große Mädchen sind und uns schon lange nicht mehr auf Toiletten umziehen. Ich habe ihn gebeten, eine Wohnung irgendwo zu organisieren mit Auto. Das hat er ohne zu murren gemacht und uns zu seinem Haus gefahren und auch wieder abgeholt.”
Wenn es kein Drumherumkommen um die Toilette gibt: Schlüssel für das barrierefreie WC erfragen. Das hat mehr Platz und mehr Ruhe.

… dem Abstellraum, dem Büro oder sonstigem Kabuff

Improvisieren und sich für den Abend einrichten. Sachen beiseite räumen, Möbel umstellen, Platz schaffen und auf die schönen Dinge konzentrieren.

… keiner extra Garderobe für die Musikerinnen

“Extra Umkleiden gibt es nie. Das ist vor allem blöd, wenn mehrere Bands spielen. Ich glaube, das liegt daran, dass den Männern das egal ist und die Frauen sonst improvisieren.” Je nach Co-Band kann ich den Wunsch nach getrennten Garderoben wirklich verstehen. Wenn es nur die eigene Band ist, ist der Punkt nicht wichtig.

Backstage-Notfallkit

So besiegt ihr jedes Garderobendesaster

Ich liebe meine Musikerinnengruppe “Raktererei Backstage” auf Facebook. Die Musikerinnen haben das Herz am rechten Fleck und zusammengenommen schon wirklich viel bei Auftritten erlebt. Da lag es nahe, bei der Recherche für diesen Artikel die Frage, wie sie der Situation einer suboptimalen Garderobe begegnen, zu stellen. Aus ihren Kommentaren und meinen eigenen Erfahrungen habe ich den zum Teil recht amüsanten Ratgeber für das ultimative Überleben hinter der Bühne geschrieben.

1. Zu Hause schminken

Das betrifft jetzt wahrscheinlich nur die Musikerinnen, ist für die aber ganz schön wichtig. Ein schlechtes Make-up wegen miserabler Lichtbedingungen ruiniert die ganze Inszenierung. Deswegen gibt es von uns den Rat, am besten schon komplett geschminkt anzureisen und vor Ort nur noch nachzupudern. Das entspannt die Situation und verschafft euch Zeit, wenn zwischen Soundcheck und Showtime wieder mal zu wenig davon übrig bleibt.

2. Spiegel und Licht einfach mitbringen

Wer von euch nicht geschminkt unterwegs sein möchte, sollte sich als Alternative das richtige Equipment einfach selbst anschaffen und mitbringen. Neben den Pedalboard-, Gitarren- oder Keybordkoffern fällt ein weiterer auch nicht mehr ins Gewicht. Es gibt unzählige Schminkspiegel-Varianten. Empfehlen kann ich euch einen dimmbaren, rechteckigen Klappspiegel mit LED oder einen LED Stab.

3. Wir packen unseren Koffer …

… mit einer aufhängbaren Schminktasche, damit das Schminkzeug nicht auf eklige Waschbecken muss.
… mit einer (am besten sogar isolierten) Decke, um sie auf kalte Böden zu legen. Ideal zum Umziehen, besonders wenn der Boden bäh oder kalt ist.
… ab Oktober mit einem eigenen Heizlüfter.
… mit Tesa und Gaffatape. Klebt immer und alles. Fürs Grobe und Feine.
… mit Wäscheklammern und Nähzeug. Hält alles und repariert Bühnenoutfits im Nu.
… mit einem großen Portemonnaie oder einer kleinen Tasche, wo auch das Handy reinpasst, wenn keine abschließbare Garderobe vorhanden ist. Beides kommt mit auf die Bühne und findet, zum Beispiel hinten im VOX AC 30 Gitarrenamp Platz. Sicher ist sicher.
… und zu guter Letzt auch mit zusätzlicher warmer Kleidung und Tee.

4. Mit dem richtigen Auto anreisen

Es sollte geräumig sein und neben Personen und Equipment auch noch all die Extras aus Punkt 3 transportieren können. Ganz Raffinierte reisen gleich im eigenen Camper an, kein Witz. Das spart euch gegebenenfalls auch die Übernachtung.

5. Vorher “Alarm” machen

Der Extra Tipp einer Raketerei-Musikerin: Mit dem Schlimmsten rechnen und ein paar Tage vor dem Gig noch mal alle Punkte wie Garderobe, Catering, Hands und so weiter abfragen.
“Wichtig ist, die Voraussetzungen in den Vertrag zu schreiben UND dann den Veranstalter ein paar Tage vorher anzurufen und ALLES noch mal durchzukauen. Sie finden dann immer doch noch einen Spiegel, einen Heizlüfter usw., vor allem wenn man erklärt, was alles noch zu tun ist nach dem Soundcheck. Wenn ich dann sage, dass es zu ihrem Vorteil ist, wenn die Künstler erholt und gutaussehend auf die Bühne gehen, lenken sie meistens ein. Ich muss ehrlich sagen, ich weigere mich, noch mehr Kram anzuschleppen. Mein Auto ist immer schon megavoll. Der Veranstalter muss sein Soll auch erfüllen und man muss ihm gegebenenfalls erklären, dass das alles sehr ernst gemeint und keine Option ist.”

6. Und hinterher?

“Da, wo es toll ist, immer extra Lob!” Das ist die richtige Einstellung. Und da, wo es schlimm ist, nicht mehr hinfahren. Oder doch, wenn der Auftritt so sensationell war, dass die Endorphine alles andere vergessen lassen.
Unsere Liste erscheint euch ganz schön gaga? Aber ja. Denn, so ist sie doch, die bekloppte Auftrittsrealität. Es gibt nichts, was es nicht gibt!
Wenn ihr noch wildere Geschichten über Backstage-Räume zu erzählen habt, dann postet sie in die Kommentare oder schickt sie mir doch bitte an cboutari(at)bonedo.de.

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von Catharina Boutari

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